Allgemeiner Austauschfaden für pflegende Angehörige?

    Hallo,

    in diesem Forenbereich geht es ja nicht ganz so rege zu - und oft werden eher spezifische Fragen diskutiert.

    Mich würde interessieren, ob es hier andere pflegende oder zumindest in Pflegebelange involvierte Angehörige gibt, die Interesse an einem Rundum-Austausch hätten.


    Bei meinen Eltern (noch 74 & 75) wird es immer schwieriger und es ergeben sich auch für mich immer mehr Themen/Fragen, wo ich mich ziemlich alleine fühle und mich einfach gerne austauschen würde. Allgemeiner Plauderfaden halt...


    Würde mich freuen!

  • 1 Antworten

    ich klinke mich mal mit ein. Gute Idee.


    Habe meine Mutter 12 Jahre gepflegt und zeitgleich meine Tochter seit 19 Jahren.


    Mutter hatte Demenz, Diabetes, war blind herzkrank und schwer gehbehindert. Sie lebte allein, ich in der Nähe. Sie hatte einen Pflegedienst.


    Tochter von Geburt schwerst herzkrank. Seltene angeborene Herzmuskelentzündung, Herz dilertativer Natur, konnte nicht richtig gedeihen, bis zum 6 Lebensmonat Ernährung per Magensonde. Über die Jahre ständig im KH. Herztransplantiert seit knapp 5 Jahren.


    Erkrankung neben der Transplantation: Diabetes Typ 3 (der ist ähnlich Typ 1 ) , Asthma, Epilepsie, Sehstörungen aufgrund Reanimation und ptbs.


    Empfehlenswert finde ich bei dem Thema zumindest eine Vollmacht.

    Ich optimiere die Pflege in einem grottenschlechtem Pflegeheim.


    Vater über 90, fast blind, fast taub, geistig bis auf drollige Momente klar.


    Zustand war vor Monaten nach mehreren Stürzen katastrophal. Inzwischen wieselte er am Rollator wieder allein zum WC, heute war er furchtbar hinfällig.


    Was er nicht einsehen will. Ich hoffe, er stürzt nicht wieder, weil er nicht klingeln wird. Sturheit.....


    Ich bin meist von 9 bis 19 Uhr vor Ort.


    Er schläft meistens ...


    Ich bin zur Stelle, wenn was anliegt. Toilettengang, Essen zuführen. Zeitung vorlesen.


    Das Essen im Heim ist auch nicht das Gelbe vom Ei, nehme oft etwas mit, was ihm besser schmeckt.


    Seit Oktober mache ich das, ab und an nehme ich auch eine Auszeit.


    Mich beschäftigt die Frage, wie lange ich das noch durchhalten kann, muss. Theoretisch könnte er ja 100 werden....


    Und durch meine zusätzliche Pflege meint er auch zunehmend, dass er so etwas wie einen Anspruch darauf hat.


    Und ist die beleidigte Leberwurst, wenn ich ihn daran erinnere, dass ich auch noch ein Leben habe.

    Warum? Also warum so lange, so oft?


    Du machst dir damit dein Leben schwer, fragst dich selbst, wie lange du das durchhälst. Das führt ganz schnell in den burn out und du hast die Wahl. Du musst das nicht tun. Das fühlt sich für mich geradezu unglaublich an.



    Entschuldige die Offenheit, ich bin gerade sehr erstaunt

    Ich wohne einige Hundert Kilometer entfernt. Ich habe hier ein möbliertes Zimmer genommen. Kenne niemanden hier. Alternative: doofes eigenes Zimmer den ganzen Tag oder eben Begleitung des Vaters. Kann nicht täglich pendeln zwischen zu Hause und hier.

    Dann lege ich mal los:

    Vater Mitte 70, Demenz (aber noch gut orientiert), Parkinson (kann kaum laufen), Inkontinenz (ohne Einsicht, d.h. verweigert Hilfsmittel). Pflegestufe 2, gestern Begutachtung wg. Erhöhung, erstmal wohl nicht realistisch. Verweigert auch die empfohlene Tagespflege. Hat schon vor der Erkrankung im Wesentlichen auf dem Sofa vor dem TV gelebt, was es jetzt nicht besser macht. Teilweise aggressiv und cholerisch. Keine Einsicht bzgl. Autofahren, d.h. ich lasse ihm jetzt gerade offiziell den Führerschein entziehen, nachdem Schlüssel wegnehmen nix gebracht hat.

    Behauptet immer noch, es werde alles besser... Dabei letztes Jahr 7x Krankenhaus, dieses Jahr 1x wg. Herzschrittmacher (stimmt, das Problem haben wir auch noch). Würde alleine keine zwei Tage zurechtkommen.


    Mutter ist ein Jahr jünger, war immer fit und zupackend. Baut seit 2 Jahren extrem ab (war gestern auf Rückmeldung vom MDK). Unklar, ob Überlastung/Depression/Demenz. Erster Test auffällig, wir wiederholen ihn.


    Ich wohne nur noch 20 km entfernt, was ich teilweise verfluche. Sie fordern einerseits nicht viel. Aber ich habe auch viel um die Ohren (Selbständigkeit). Es bleibt immer mehr an mir hängen (Arzttermine koordinieren, teilweise mitgehen). Und so Banalitäten wie Abschaltung Analog-TV = neuer Fernseher = ständig Chaos und Anrufe "es tut nicht".


    Ich bin teilweise genervt, dann wieder Mitleid, dann totale Schuldgefühle, weil ich doch "mehr" machen, öfter hinfahren,... sollte. Momentan ist es nicht so, dass ich - wenn jetzt jemand sterben würde - mit mir im Reinen wäre bzgl.Kontakt. Ja, ich TUE viel und kümmere mich. Aber das einfach mal zusammensitzen, das kommt zu kurz.

    Hinzu kommt, dass die beiden untereinander viele alte Probleme haben und das kocht teilweise richtig hoch mit Vorwürfen, Gemeinheiten,... Ich kriege da teilweise nach einer halben Stunde Magenschmerzen, wenn die beiden einen schlechten Tag im Umgang miteinander haben. Da drücke ich mich auch einfach vor...


    Und generell fühle ich mich mit der Situation (Schuldgefühle, Ambivalenz,...) auch alleingelassen. Eine Freundin hat eine ähnliche Situation. Mein Partner hat seine Eltern früh verloren (Mutter als er 9 war, Vater mit 19). Der hat da irgendwie wenig Draht...

    Mein Vater will in kein anderes Pflegeheim. Und er ist ja geistig nicht umnachtet, er darf das bestimmen.


    Meine Schwester wohnt ebenso weit weg, ist noch berufstätig. Kommt einmal im Monat.


    Ein schlechtes Gewissen habe ich nicht, ich mache schließlich genug für ihn

    Aber es wurmt mich halt, dass ich diejenige bin, die sich um allen Mist kümmert. Ich habe das bereits bei meiner damals demenz- und krebskranken Mutter gemacht, 5 Monate lang. Es hatte aber ein anderes Niveau, kann man nicht vergleichen.


    Aber ich habe damals 3 Monate gebraucht, um wieder ich selbst zu sein.


    Ich will mir das Buch "Mutter, wann stirbst du endlich" mal kaufen und lesen.


    Mein Vater will seit Jahren sterben, weil eben sein Körper ein Wrack ist und er nichts mehr alleine kann. Er weint auch oft und sagt jedem Besucher, er solle doch aufhören mit Sätzen wie: das wird schon wieder, Kopf hoch usw.


    Mein Vater hat Bücher geschrieben, Fachbücher, war geistig rege, aber mit der durch Diabetes nun fast erreichten Blindheit und dem Verlust des Hörvermögens geht da nichts mehr. Er empfindet das Leben als Qual - und nichts anderes ist es wohl auch.


    Der Wunsch, hoffentlich stirbt er bald, wird von allen, die ihn sehen zumindest gedacht, selten ausgesprochen. Es wäre eine Erlösung. Für ihn vor allen Dingen, aber auch in mir macht sich ein Egoismus breit.


    Ich werde jetzt mal wieder 14 Tage nicht hier sein, eben mein Leben eine Woche zu Hause leben und dann für eine Woche nach Italien fliegen. Sonst werde ich bekloppt im Kopf.


    Wer meint, solche Gedanken stehen mir nicht zu, so darf man nicht denken, war nie so solcher - und für mich sogar sich wiederholenden Situation.

    Ich denke mal, diese sich ständig wiederholende Themen wie TV läuft nicht, dahinter die Ungeduld, dies müsse nun sofort erledigt werden, Verweigerung von Dingen, die hilfreich sein könnten oder viel mehr: es auch sind - das ist nervtötend.


    Und es wird oft manipulativ bestens verstanden, da in eine Kerbe zu hauen, die eben Schuldgefühle auslösen. Man ist zu nah dran, als dass man das gleich bemerkt und seine Grenzen aufzeigt.


    Ich habe früher mal in einem VHS Kursus einen Fußreflexkursus gemacht, seit Jahrzehnten war es auch schon vor jeglicher Erkrankung gerne gesehen, wenn ich dann mal eine Fußmassage machte.


    Nun ist es so, dass er meint, wenn ich nicht da bin, solle jemand kommen, der ihm täglich die Füße massiert. Ich: nö, Papa. du wirst auch mal eine Woche oder 14 Tage ohne Fußmassage auskommen können. Er will die dann auch bezahlen, klar doch, wo er 120 € Taschengeld pro Monat bekommt, kann er die spielend und leicht und locker täglich bezahlen...


    Ich wüßte nun auch nicht, dass ich täglich Fußmassage bräuchte... Geschweige dann bekäme.... Er wird dann auch fuchsteufelswild, gut, seine Sache. Hier wird jedenfalls niemand dafür aktiviert....

    Mich nerven solche Sachen wie: man klingelt. Es kommt niemand. Also wechsle ich die Pampers, weil sie nass sind. Der alte Mann kann nicht stundenlang auf dem Klos sitzend warten. Er kann kaum noch sitzen.


    Er versucht bei Stuhlgang, sich selbst den Hintern abzuwischen. Eine Katastrophe. Er schmiert sich die Sch..ße dann unter die Fingernägel, die wer reinigt? Ich.


    Pediküre macht eh keiner. Also setze ich mich regelmäßig hin und schneide die Fingernägel, nicht, dass das meine Lieblingstätigkeit wäre. Es muß eben sein und ich mache das. Machen andere Pflegende ja auch, nur seltenst die, die eigentlich Geld dafür kassieren. Wobei die wenigen Helfer hier gehetzt sind, ausgebeutet werden, nicht ausgebildet sind, scheinen mir alles Hausfrauen aus östlichen Ländern zu sein, sehr nett, aber eben nicht das, was man sich pflegetechnisch erwünscht und erhofft.


    Ich habe mich, da vor Ort, auch schon oft beschwert. Bringt was von 12 bis Mittag.


    2 Fachkräfte für 30 Leute, der Rest ist (schlecht) angelernt. Kommen nie, wenn man sie schnell braucht, da immer irgendwo anders eben ein Notfall....


    Wäre ich noch berufstätig und hätte Eltern an der Backe wie du, Sunflower _ 73, au weia.


    Ich habe wenigstens die Zeit.


    Und mir graust es. Wenn ich alt bin, wirklich alt bin, wer macht solche Dinge u. U. bei mir?


    Meine Tochter, Mitte 40, hat ihr eigenes Leben, wohnt auch nicht in der Nähe. Mir wird echt übel bei dem Gedanken.

    ich musste auch lernen, mich abzugrenzen. Ich war heute bei meiner Psychologin. Die sagte zu mir: es ist schön, dass es endlich in der Therapie um mich geht, nicht um meine Tochter. Und ja, ich fange an, kleine Träume zu verwirklichen. Ich habe auf den Weg gebracht, dass meine Tochter gut untergebracht ist. Ich habe dafür gesorgt, dass sie alles an Hilfe bekommt, die sie braucht. Ich sage nicht mehr zu allem ja , was mein Mann möchte. Und meine Mutter ist tot. Ich nehme nicht die Verantwortung für meine Schwiegereltern auf.


    Ich fange nach 20 Jahren an zu leben.


    Also bitte verliert euch nicht in die Pflege. Seid egoistisch.

    Ich mache mir ähnliche Gedanken wie Sunflower. Meine Eltern sind 77 und 75, fangen an, abzubauen, mein Vater ganz extrem, vor allen Dingen mental, meine Mutter etwas, in erster Linie körperlich (bekommt alle möglichen körperlichen Zipperlein), und sie wohnen 350 km weit weg. Untereinander sind sie ständig am Streiten, so dass ein gemeinsames Regeln von schwierigen Situationen, auch in Bezug auf notwendige Hilfe, wohl nicht möglich sein wird. Mein Vater will sich im Ernstfall rund um die Uhr zu Hause pflegen lassen (wird wohl nur ein paar Wochen finanzierbar sein), meine Mutter will ins Heim (wie das bezahlt werden soll, wenn mein Vater gleichzeitig zu Hause bleiben will, das wird ausgeblendet). Nutzbringende Informationen und Anlaufstellen (Vorsorgevollmachten, Patientenverfügungen, Banksachen, Versicherungen, Testament usw.) für den Ernstfall werden vor mir verheimlicht. Ich habe keine Ahnung, was ich tun soll, wenn es wirklich ernst wird, da ich in Vollzeit arbeite, kein Auto fahre und nicht eben mal ständig in wenigen Minuten vor Ort sein kann. Ein Umzug in meine Nähe wird ausgeschlossen.