• Allgemeiner Austauschfaden für pflegende Angehörige?

    Hallo, in diesem Forenbereich geht es ja nicht ganz so rege zu - und oft werden eher spezifische Fragen diskutiert. Mich würde interessieren, ob es hier andere pflegende oder zumindest in Pflegebelange involvierte Angehörige gibt, die Interesse an einem Rundum-Austausch hätten. Bei meinen Eltern (noch 74 & 75) wird es immer schwieriger und es ergeben sich…
  • 1 Antworten
    BenitaB. schrieb:

    Mein Vater will in kein anderes Pflegeheim. Und er ist ja geistig nicht umnachtet, er darf das bestimmen.

    Mag sein, aber dann bist Du eben nicht täglich da. Dass du dir ein Zimmer nimmst, weil er unbedingt in diesen Pflegeheim bleiben will, das ist deine Entscheidung. Du könntest ihn auch vor die Wahl stellen.

    BenitaB. schrieb:

    Wer meint, solche Gedanken stehen mir nicht zu, so darf man nicht denken

    Natürlich darf man so denken. Du solltest sogar noch mehr auf deine Bedürfnisse achten meiner Meinung nach.

    richtig, das ist das Problem. Als Kind will man seinen Eltern was zurückgeben. Vergisst sich selbst dabei.


    Oder man ist in der höheren Position, genießt diese und will sie nicht aufgeben.

    Mein Vater wohnt seit 50 Jahren an dem Ort. Dass er da nicht wegwill, kann ich verstehen. Er bekommt auch von Bekannten gelegentlich Besuch.


    Solange er nicht völlig ballaballa ist im Kopf darf er über seinen Aufenthalt bestimmen. Er war im November so schwer erkrankt, da glaubte niemand, er würde überhaupt die Nacht überleben.


    Es ist ein Auf und Ab. Und ein Wechsel in ein anderes Heim - offensichtlich gibt es hier beim Denken keinen Bezug zur Realität. Und zu Wartelisten und den entsprechenden Kosten dazu....

    Und den Mann aus seinem zwar schlechtem aber immerhin bestehendem Umfeld rauszureißen, er mag das Personal, ist auch keine gute Idee.



    Immer mal in sich reinhören, ob das toll wäre, wenn so über einen selbst bestimmt werden würde.


    Würde ist nämlich ein Stichwort.

    Das sind alles neue Infos, die deine Entscheidung, ihn dort zu lassen, ein wenig nachvollziehbarer machen.

    Wenn er dort nicht wegwill, dann is das sein gutes Recht. Dann darf man aber die Konsequenzen aufzeigen, statt sich aufzuopfern. Klar, ich könnte auch nicht eiskalt alle Pflegeheim-Fehler aussitzen, aber eine Grenze ziehe ich dann doch. Selbst wenn ich mit dieser hadere. Oder man muss für das große Ganze eine unliebsame Entscheidung durchsetzen. Er ist im Heim. Wie viel kommt er noch raus?Sind die paar Besucher es wert? Wenn das Heim der einzige Bewegungspielraum ist, ist durchaus legitim, einen Umzug durchzuboxen. Mit Appell an die Vernunft.



    BeataM

    Ich habe bis vor 2 1/2 Jahren auch 300 km entfernt gewohnt. Gut, v.a. eine berufliche Perspektive hat den Umzug bewirkt, aber im Hinterkopf schon das "näher dran sein". Was ich manchmal verfluche, ganz ehrlich.

    Vorsorgevollmachten? Habe ich 5 Jahre diskutiert. Beim Notar waren wir drei Wochen, bevor ich meinen Vater endlich mal in die Klinik bekommen habe, wo dann Demenz und Parkinson aktenkundig wurden. Schwein gehabt.

    Aber: Meine Eltern haben ein Häuschen. Hart für gearbeitet, wirklich schön, mit Potenzial. Mein Vater redet immer "das bleibt dir ja". Nein, tut es nicht. Er weigert sich nämlich seit 10 Jahren, es überschreiben zu lassen. Ich bin Einzelkind, würde die beiden nie rauswerfen. Aber er tut so als ob. Vor einem Jahr Beratung beim Notar, der klar sagte: Schnell handeln, pro Jahr bleiben immerhin 10% Wert unantastbar. Tja- nix geschehen. "Dir bleibt es ja". Nein, bleibt es nicht. Ich habe selber kein Eigentum, wir würden gerne bauen. Das geht nicht so schnell - abe wenn ich da nicht schnell einen Kredit ans Laufen bekomme, dann wird der im Falle von Heimaufenthalten nicht mehr berücksichtigt und ich werde einiges zahlen müssen. Dann ist nicht nur das Haus weg, sondern auch meine eigene Chance auf was Eigenes. Und das macht mich wütend. Da kann man jetzt denken, was man möchte, aber es würde mir meine Perspektive halt arg verbauen.

    Was zu dem Punkt führt, dass ich mit meinem Vater auch einige Hühnchen zu rupfen hätte, weil der aufopferungsvolle liebevolle Vater war er nicht. Ich habe lange gedacht, dass ich da meinen Frieden mit gemacht habe (ist sicherlich auch so). Aber wenn seine Sturheit mir meine Altersabsicherung etc. versaut, dann verliere ich doch die Fassung.


    Es hängt halt so viel dran... und diese Nicht-kooperieren macht mich einfach wütend. Es macht keinen Spaß, wenn er mittem im Mediamarkt in die Hose pinkelt, den Autositz versaut, die Tagespflege verweigert, Ergo und Physio auch. Und ICH soll springen, verzichten, mchen und tun?

    Entschuldigt den Ausbruch, aber an DEM Punkt brodelt es bei mir einfach gewaltig.

    Nein, das sind keine schöne Sachen, die du da erzählst.


    Ich habe die Vollmacht seit Februar. Aber die ist für den Fall, dass er plemplem ist. Ist er ja nicht. Er ist einfach alt, stur und uneinsichtig, aber nun nicht so schlimm wie bei dir.


    Im Alter scheint das ganze Weltbild offensichtlich einzufrieren. Als seine Wohnung aufgegeben werden mußte, hielt er alles noch für "wie neu", super, bestens, da muß man nichts machen, alles in bester Ordnung....


    Alles war schrottig, aber in seinen Augen eben nicht, auch da wurde er manchmal aggressiv, weil wir Kinder seine Dinge nicht wertschätzen wollten....


    Ums Erbe wird es hier keinen Streit geben, da ist nüschte, worum es sich zu hauen lohnt.

    Ein sehr interessanter Faden. Es ist wirklich schwierig, wenn es um die eigenen Angehörigen geht.


    Gibt es auch irgendwo hier einen Faden, in dem es um den kranken Ehepartner geht? Ich bin jetzt nicht in einer Situation, in der ich pflegen muss, aber das jahrelange Begleiten eines im Endeffekt totkranken Partners mit all den Begleiterscheinungen für das zwischenmenschliche Leben machen das Leben des Partners auch häufig zunichte. Manchmal frage ich mich auch, wie lange ich das noch aushalten kann, muss bzw will.

    Ich komme vorhin aus der Stadt vom Mittag zurück, da steht der Mann mit Rollator im Flur. Völlig untersagt, aber er unterschätzt sich da vollkommen. Wenn er wieder stürzt und sich u. U. einen Oberschenkelhalsbruch zuzieht, prost Mahlzeit.


    Er isst dauernd Süßigkeiten, klagt dann stundenlang über Sodbrennen. Behauptet, er würde gar keine Süßigkeiten essen.... und und und.


    Bei manchen Dingen kann man nicht auf den Zug aufspringen zur Beruhigung. Ich werde dann auch wütend, weil alles so unnötig ist....


    Ich sehne den morgigen Tag herbei, wo ich nach Hause fahren kann. Wird sicherlich auch spaßig. A2 Dortmund - Berlin: seit Tagen dicht.... A7 Hannover - Hamburg wegen Baustellen dauerdicht. Ausweichstrecken ebenfalls meistens überlastet.

    Frankie66 schrieb:

    Ein sehr interessanter Faden. Es ist wirklich schwierig, wenn es um die eigenen Angehörigen geht.


    Gibt es auch irgendwo hier einen Faden, in dem es um den kranken Ehepartner geht? Ich bin jetzt nicht in einer Situation, in der ich pflegen muss, aber das jahrelange Begleiten eines im Endeffekt totkranken Partners mit all den Begleiterscheinungen für das zwischenmenschliche Leben machen das Leben des Partners auch häufig zunichte. Manchmal frage ich mich auch, wie lange ich das noch aushalten kann, muss bzw will.

    Ich glaube, das ist sehr ähnlich, egal ob Eltern, Kinder oder Partner. die Beziehung leidet

    Heute war von einer Helferin eine Vatertagsfeier organisiert worden. Der ursprünglich vorgesehene größere Raum durfte nicht benutzt werden. Es war ein Chaos ohne gleichen durch die vielen Rollstuhlfahrer, die auch nicht als letztes in den Raum gebracht wurden.


    So kam es dann auch, dass sich, warum auch immer, in der hintersten Ecke jemand erbrechen mußte, die Helferin durch den Raum schrie, die Pflege muß her, während ich dann ranrauschte und eine Pappschachtel mit Erdnussflips auf den Tisch entleerte, um den Mageninhalt aufzufangen.....


    Mein Vater, stocktaub und fast blind, aß ungerührt von den Dingen Brezen weiter, dazu frisch geräucherte Wurst und dabei ins Chaos rief, kann ich noch eine Wurst haben ;-D8-):p>


    Er war völlig zufrieden mit den Dingen, die mal außer der Reihe waren.


    Ansonsten wieder der Gedanke, mein Gott, wenn es dich auch mal so trifft....


    Auch die Bewohner untereinander, die finden offensichtlich niemanden, mit dem sie wirklich "können". Jeder mufft in seinen ureigenen Gehirnkreisen vor sich hin.


    Und trotzdem ist es wohl die beste Möglichkeit, jemanden mit Defiziten mehr oder weniger versorgt zu wissen.


    frankie 66


    Ist das Endstadium einer Erkrankung erreicht und man war bislang zu Hause, würde ich immer ein Hospiz vorschlagen. Wenn man erst einmal im Pflegeheim war, ist ein Wechsel in ein Hospiz kaum gegeben.


    Ich habe mit Hospizen sehr gute Erfahrungen machen dürfen, habe auch dort schon früher begleitet. Viel besserer Standard als in Heimen. Viel mehr Zuwendung.


    Mein Vater hat sich aber grundsätzlich dagegen entschieden. Igitt, nein. Bloß so etwas nicht...

    Benita, das kenne ich.

    Neulich wollte er die Leiter rausholen und auf's Garagendach klettern, um das Laub zu entfernen. Den Stock für die Dachbodenleiter versteckt meine Mutter mittlerweile vor ihm... Als der MDK da war, kam er kaum die Treppen rauf Richtung Bad & Schlafzimmer.


    Süßigkeiten im Wohnzimmer verschwinden - aber er hat nichts gegessen. Beschimpft sogar andere, Dinge weggegessen zu haben. So dement ist er eigentlich nicht, da spielt ein anderes Thema rein: Bloß nicht ertappen lassen, sich alles selber unter den Nagel reißen.

    Aber es ist unschön.


    Irgendwie scheint Essen wirklich immens wichtig zu werden... einzige Tagesstruktur? Dementsprechend gibt es aktuell wieder mal Ärger bei meinen Eltern: Die (supernette!) Gutachterin vom MDK hat Tagespflege (igitt), Nutzung der verordneten Rollators inkl. Mitnahme zur Ergotherapie empfohlen ("brauche ich nicht"). Und die Empfehlung, 2-3 Tage pro Woche Essen auf Rädern kommen zu lassen, um meine Ma zu entlasten: "Den Fraß will ich nicht".

    Meine Ma geht aber auf dem Zahnfleisch und er macht dermaßen Druck und Terror, dass ich sie gerade weinend am Telefon hatte.


    Und das macht mich fertig: Er lässt sich ja auch von mir nichts sagen. Er sieht nicht ein, dass auch meine Ma Entlastung braucht. Die Drohung, das er stationär ins Heim muss, wenn meine Ma ausfällt, wimmelt er ab mit "ich kann auch alleine den Haushalt führen". Er kann nicht mal kochen, hat ihn nie interessiert.


    Und was soll ich machen? Trösten? Hilft kurzfristig. Lösen tut sich aber kein Problem und mein Vater ist zu fit, um ihn zu etwas zu zwingen (bspw. Tagespflege). Also schafft eine Person es, alle fertigzumachen. Man könnte es ja wenigstens mal probieren, aber nein...


    Ich HASSE diese Hilflosigkeit... und ich bin einfach auch ratlos, was mir noch bleibt an Lösungen.

    so schwer wie es fällt, es hilft wirklich nur, einen Schritt zurück zu treten, also innerlich. Denn man kann das nicht ändern, sonst geht man drauf. Ich weiß, ich habe gut reden, schließlich habe ich mich auch so aufgeopfert.


    Benita, du tust dir nichts gutes, wenn du nicht mit deinen Kräften haushaltest. Dein Vater muss da durch. So wie sehr viele andere Senioren auch. Ich habe mich immer mit so einem schlechten gewissen aus dem Pflegeheim herausgeschlichen. Aber ich hatte nun mal auch noch meine kranke Tochter. Mach es nicht, sondern sorge mehr für dich.


    Sunflower, das schlechte gewissen, nicht genug oder überhaupt etwas tun zu müssen, das kenne ich.


    Vor 6 Monaten ging es mir echt schlecht, Vergesslichkeit ganz schlimm, überlastet mal wieder ... derzeit Gott sei Dank ein hoch. Ich kann wirklich raten, innerlich einen Schritt zurück zu nehmen und Abstand zu nehmen. Also die innerliche Haltung. Ihr reibt euch so auf.


    Wer es denn kann, reha beantragen ... kann man das auch als selbstständige, weiß ich ja nicht. Ich drücke euch mal.

    Eine Reha könnte ich sicherlich beantragen - aber das wird nicht leicht, es könnte ggf. negative Folgen haben wg. Versicherung (ich hatte wg. dem Knie schon genug Probleme diesbzgl.). Und der Verdienstausfall bleibt.

    Mein Ziel ist es, dieses Jahr immerhin 6 Wochen Urlaub zu machen. 2017 & 2018 waren es nur jeweils 2-3 Wochen, und das muss sich als erstes ändern.


    Denn ich merke ja, dass es Spuren hinterlässt: Die kaputten Zähne wg. "zusammenbeißen" sind gerade ein eigener Stressfaktor- mit Hintergrund. Zufallsbefund (weil ich mich für meine Eltern eingearbeitet habe): Zu hoher Blutdruck (ich war sonst eher der Umkipp-Mensch wg. niedrigem Blutdruck).


    Und ich halte mich schon zurück. Weniger Anrufe, weniger Besuche. Das is ja das, was mir dann wieder ein schlechtes Gewissen macht.


    Und es bleibt die Frage, was noch kommt. Besser wird's sicherlich nicht.