• Allgemeiner Austauschfaden für pflegende Angehörige?

    Hallo, in diesem Forenbereich geht es ja nicht ganz so rege zu - und oft werden eher spezifische Fragen diskutiert. Mich würde interessieren, ob es hier andere pflegende oder zumindest in Pflegebelange involvierte Angehörige gibt, die Interesse an einem Rundum-Austausch hätten. Bei meinen Eltern (noch 74 & 75) wird es immer schwieriger und es ergeben sich…
  • 1 Antworten

    kannst du denn irgendwie daran arbeiten, dass du kein schlechtes gewissen mehr bekommst, wenn du deine Eltern weniger besuchst? Vielleicht indem du dir sagst, dass es auch deinen Eltern zugute kommt, wenn du mehr auf dich selbst aufpasst?


    Hast du die 6 Wochen Urlaub terminiert? Das wäre vielleicht ein wichtiger Schritt.


    LG.

    Sunflower_73 schrieb:

    Terminiert ist nicht viel... Brückentag heute (aber ich sitze am Schreibtisch). Die 4 Tage nach Pfingsten...

    Vielleicht wäre das ein Anfang, die Worte Urlaub in 6 Wochen dieses Jahres deines Kalenders zu schreiben. .... wenn du schon am Schreibtisch sitzt und Büroarbeit machst, ist der Kalender bestimmt in deiner Nähe......... der Schuster hat die.....:_D:_D:_D..... du weißt schon:)_. Ich bin gerade an der Ostsee. Meine Tochter ist mit und hat morgen Interviews Tag der Organspende in Kiel. Soll im NDR sogar übertragen werden. Wir werden backstage sein. Und da Herr spahn auch dort sein wird, werde ich den, sollte ich ihn wirklich antreffen, mal ein wenig fragen, welche Erleichterung er für pflegende Angehörige noch so geplant hat.

    Ich bin wieder zu Hause.


    Ich habe den Eindruck, mein Vater hat beginnende Demenz. Sein Verhalten ist so, dass er bestimmte Dinge fordert, die bereits gerade vorher gemacht oder geklärt wurden und überdies absurd sind.


    Gegenan - dann wird er biestig, auf den Zug aufspringen bringt nur kurz etwas, er beginnt dann wieder damit, weil natürlich auch nicht abgehandelt, führt auch zur Biestigkeit.


    Es dreht sich darum, dass er oft Sodbrennen hat, wohl auch deshalb, weil er Unmengen an Süßigkeiten isst. Völlig unvernünftig. Ein Entzug führt dazu, dass er dann auch nachts aufsteht und mit dem Rollator zum Schrank hangelt, um zu gucken, wo Schokolade oder Kekse liegen, was eben genau zu seinen Stürzen geführt hat.


    Es ist also besser, ihm seine Blechdose mit Keksen nachts im Bett zu lassen, um Stürze zu vermeiden. Er war früher ein Fan von Rennie, das Zeugs nützt von 12 bis mittags.


    Ich habe nun dafür gesorgt, dass er für nachts Pantoprazol bekommt, weil er nachts wegen des Sodbrennens nicht schlafen kann. Das scheint auch zu wirken, auf die Nachfrage verneint er Sodbrennen seitdem.


    Aber im Kopf ist Rennie eben präsent. Ich habe daher einen Blinster Rennie in seine Keksdose gepackt, die er aber, aus welchen Gründen auch immer, nicht realisiert, er behauptet stur, das wäre kein Rennie und obwohl ich sie schon zigmal gezeigt habe, fängt er einen Streit an.


    Hattest du denn Sodbrennen letzte Nacht, Papa? Nein. Dann ist doch alles in Ordnung...

    Nein eben nicht, du (ich) willst mir nur keine geben....


    Das nun zig mal hintereinander. Es ist erst seit wenigen Tagen so, dass er von klar im Kopf solche Veränderungen zeigt.


    Es ist anstrengend, er wird wütend, ich bin hilflos, aber im Hintergrund macht sich dann auch eine Wut in mir breit. Und die macht eben Schuldgefühle. Weil, der Mann ist nun mal über 90, alt und krank. Es macht sich auch Scham breit.


    Ich habe gestern Abend noch das Buch angefangen:


    Mutter, wann stirbst du endlich?


    Man findet sich da wieder, die Hilflosigkeit, die Wut, die Scham, gut beschrieben....

    Habe das Buch durch. So eingebunden in die Pflege wie die Autorin bin ich nicht, trotzdem finde ich mich von den Gefühlen her sehr wieder.


    Da ähneln auch deine Beschreibungen, Sunflower_73, sehr.


    Ich bin heute auch nur ausgelaugt, habe einfach nur auf dem Balkon gesessen, gelesen, Kaffee geschlürft und sonst gar nichts gemacht...


    Und trotzdem kreisen eben oft die Gedanken, ob alles dort ok ist....

    ich schließe mich mal an... klassische Doppelrolle beruflich Kinderkrankenschwester in einem Kinderhospiz und eine Mutter nachSchlaganfall vor 2 Jahren mit 71 Jahren.

    Sie hat danach noch 1.5 Jahre zu Hause mit 24h polnischer Kraft gelebt 60km von mir... und ich war nahezu täglich dort und das war hart nach der Arbeit. Dann wollte sie von sich aus zu mir in die Stadt in ein Pflegeheim. Seit dem bin ich freiwillig jeden 2. Tag etwa 3 Std da.. ihr geht's super sie fühlt sich bis auf normale alltagssachen wohl dort und ich bin viel entlasteter. Meine Geschwister kommen einmal im Monat zum anstandsbesuch und ich unternehme ne Menge mit ihr weil ich Spaß dran habe und sie auch. Letzte Woche 1 Woche nordsee z.b.

    Ich glaub viele denken dass ich zuviel mache aber zum glück belastet es mich gar nicht ggf weil ich beruflich das gleiche mache? Oder ne gute Einstellung gefunden habe?

    Aber sie ist geistig fit kann nur nicht sprechen seit dem Schlaganfall. Aber wir verstehen uns durch Ja Nein fragen etc ich glaube sonst könnte ich es auch nicht.

    BenitaB. schrieb:

    Mein Vater will seit Jahren sterben, weil eben sein Körper ein Wrack ist und er nichts mehr alleine kann. Er weint auch oft und sagt jedem Besucher, er solle doch aufhören mit Sätzen wie: das wird schon wieder, Kopf hoch usw.


    Mein Vater hat Bücher geschrieben, Fachbücher, war geistig rege, aber mit der durch Diabetes nun fast erreichten Blindheit und dem Verlust des Hörvermögens geht da nichts mehr. Er empfindet das Leben als Qual - und nichts anderes ist es wohl auch.

    :°(

    Hölle.

    Sunflower_73 schrieb:

    Vorsorgevollmachten? Habe ich 5 Jahre diskutiert. Beim Notar waren wir drei Wochen, bevor ich meinen Vater endlich mal in die Klinik bekommen habe, wo dann Demenz und Parkinson aktenkundig wurden. Schwein gehabt.

    Aber: Meine Eltern haben ein Häuschen. Hart für gearbeitet, wirklich schön, mit Potenzial. Mein Vater redet immer "das bleibt dir ja". Nein, tut es nicht. Er weigert sich nämlich seit 10 Jahren, es überschreiben zu lassen. Ich bin Einzelkind, würde die beiden nie rauswerfen. Aber er tut so als ob. Vor einem Jahr Beratung beim Notar, der klar sagte: Schnell handeln, pro Jahr bleiben immerhin 10% Wert unantastbar. Tja- nix geschehen. "Dir bleibt es ja". Nein, bleibt es nicht. Ich habe selber kein Eigentum, wir würden gerne bauen. Das geht nicht so schnell - abe wenn ich da nicht schnell einen Kredit ans Laufen bekomme, dann wird der im Falle von Heimaufenthalten nicht mehr berücksichtigt und ich werde einiges zahlen müssen. Dann ist nicht nur das Haus weg, sondern auch meine eigene Chance auf was Eigenes. Und das macht mich wütend. Da kann man jetzt denken, was man möchte, aber es würde mir meine Perspektive halt arg verbauen.

    Was zu dem Punkt führt, dass ich mit meinem Vater auch einige Hühnchen zu rupfen hätte, weil der aufopferungsvolle liebevolle Vater war er nicht. Ich habe lange gedacht, dass ich da meinen Frieden mit gemacht habe (ist sicherlich auch so). Aber wenn seine Sturheit mir meine Altersabsicherung etc. versaut, dann verliere ich doch die Fassung.

    ganz ehrlich - vielleicht bin ich da zu herzlos, aber auch mich erwartet ein Erbe von Immobilien - und aus der Perspektive würde ich, da ich genau um die Risiken der Verwertung des Wohneigentums bei Pflegebedürftigkeit weiß, den Elternteil vor die Wahl stellen - entweder mir wird das Eigentum geschenkt (nichts anderes ist die Überschreibung) oder ich ziehe mich aus der Rolle der aufopfernden Tochter zurück. Vielleicht fehlt mir da auch der soziale Gedanke, aber ich sähe das durchaus nicht ein. Ggf. ist auch zu beachten, ob die Pflegekassen sich das Geld nicht trotz Schenkung holen könne, ob es da Abachmelzungsfristen gibt - das weiß ich nicht. Aber auch das müsste man erwägen. Mein Interesse ginge da eindeutig vor. Im schlimmsten Fall muss man eh noch kräftig zur Kassenleistung blechen, da noch zu erwarten, dass das Kind sich aufopfert, ist einfach nur schäbig.

    Und wenn die Eltern mit "Pflege des Kleinkindes" kommen, nein, das ist nicht vergleichbar. Ein Säugling gedeiht, wird größer und klüger. Alte Menschen wohl eher Gegenteil, und das über lange quälende Perioden, das ist deprimierend und nicht erbauend.

    Es gibt wahrscheinlich immer Konflikte dadurch, dass dies eben vom alten Menschen nicht als Wahrheit angesehen wird, oder die Zeit sei noch nicht reif... Das Abgeben von sich selbst erarbeitetem Vermögen, Haus, was auch immer, ist im Gehirn unter später abgespeichert, der Moment der nötigen Übergabe fehlt komplett.


    Mein Vater hatte vor 22 Jahren Krebs, ließ den wegoperieren, verweigerte aber eine Chemo und auch die Bestrahlung, er hatte Glück, der Krebs wurde offensichtlich total erfaßt, er kam nie wieder.


    Seit dieser Zeit hatte er aber schon vor Augen, er würde nicht mehr lange leben. Er hat damals mit meiner Mutter ein Berliner Testament gemacht, er hatte alles geregelt, damit meine Mutter nicht irgendwo was suchen mußte, selbst die Trauerrede für die Beerdigung hatte er aufgeschrieben und die entsprechende Musik dazu festgelegt.


    Ich war überhaupt häufig bei meinen Eltern zu Besuch, immer einige Tage lang.

    80. Geburtstag meiner Mutter. Mir fiel als einziger auf, dass sie anders war. Jeder sagte, ich würde spinnen. Nein, leider nicht.


    Es war der Anfang der Demenz bei meiner Mutter. Ihr Verhalten änderte sich. Sie schien abwesend, äußerte sich nicht mehr zu Dingen, das Kochen fiel ehr schwer. Sie wurde auch, sonst gar nich ihre Art, öfter aggressiv, wohl, weil sie sich nicht mehr so artikulieren konnte.


    Sie schimpfte mit meinem Vater, der schon immer massenhaft Süßigkeiten gegessen hatte, er würde sich damit umbringen, das Thema behielt sie verbissen bei.


    Mit 83, immer noch zu Hause, stürzte sie, als sie auf einen Stuhl stieg, um etwas vom Schrank runterzuholen. Oberschenkelhalsbruch.


    Operation, komplette Verwirrtheit durch die Narkose. Der Beginn wirklicher Schwierigkeiten.

    Sie begriff nicht, wo sie war, sie brauchte, um auf Füße zu kommen, eine Reha. In ihrem Zustand wollte eine orthopädische Klinik sie aber nicht aufnehmen.


    Ich, damals gerade in Frührente, habe dann beschlossen, ich fahre mit ihr in die Reha, was dann auch genehmigt wurde. Die Reha war in einer Klinik 18 km vom Wohnort meiner Eltern entfernt. Ich war ins Gästezimmer meiner Eltern gezogen.


    Nun war ich in einem Doppelzimmer zusammen mit meiner Mutter in der Rehaklinik. Hölle.

    Jeder Gang, wohin auch immer, mußte begleitet werden. Sie war völlig orientierungslos, dabei aber noch relativ friedlich.


    Nebenbei hatte ich Vater zu belatschern, dass das Bad zu Hause umgebaut werden sollte. Man bekam dafür auch gute Zuschüsse von der Pflegekasse. Wanne weg, Dusche her. Griffe nebens Klo, Kloerhöhung etc....


    Erstaunlicher Weise kam meine Mutter körperlich schnell wieder auf die Beine, rannte mit dem Rollator regelrecht durch die Gegend. Schmerzen hatte sie keine, oder empfand sie nicht, wie auch immer, aber gut für sie.


    Aber die Wochen in der Reha, 24 Stunden bei meiner Mutter, hatten mich reizbar und müde gemacht. Wieder zu Hause, wurde Mutter aggressiver, weil sie die früher vertrauten Sachen einfach nicht auf die Reihe bekam. Auch im Bad stand sie vor den neuen Dingen, war aber in den alten verankert. Was dazu führte, dass sie nicht duschen wollte. Sie begann, Körperpflege überhaupt abzulehnen. Sie wurde so böse, dass sie mich schlagen wollte.


    Ich war am Ende und wir beschlossen dann nach einigen Wochen, sie in ein Heim zu geben, weil ich nicht mehr konnte, ein Pflegedienst wollte sich auch nicht schlagen lassen...

    Das allerschwerste aber zugleich das allerwichtigste ist


    als Kind solcher Eltern, Kinder oder anderer Verwandte, als privat pflegende Person eben


    den nötigen Egoismus und die nötige Selbstfürsorge zu haben, zu bewahren und vor allem zu tun. Eigene Freiräume, eigene Freizeiten, Auszeiten, Entschleunigungen.


    Mir kommt es manchmal so vor, als ob ich Jahrzehnte geschlafen hätte. Ich habe erst einen völligen Zusammenbruch, mehrere Klinikaufenthalte und eigene Krankheiten bekommen müssen, bis ich mich für mich selbst eingesetzt habe. Erst heute fange ich an, das zu tun, was ich tun möchte. Ich bin über 50 und tatsächlich habe ich beispielsweise eine Musikband gefungen, die mich tatsächlich auch haben möchte, ich lernte Gitarre, Cajon. Ich trage in Kalender vor allem die Freien Tage, meine Lieblingsbeschäftigungen fett in grün ein.


    Ich weiß, dass man dies nicht immer kann. Trotzdem frage ich mich, wo die Jahre alle hin sind, in welchen ich gepflegt habe. Ich pflege ja immer noch. Und meine Mutter ist tot. Nun ist mein Schw. vater ein Pflegefall. Da bin ich aber froh, dass meine Schwägerin das allerallermeiste tut, ebenso wie meine schwiegermutter.

    Mutter kam also ins Heim. Sie war aber tagsüber meistens zu Hause, denn das Heim war 2 Häuser weiter, sie wurde dort körperlich eben gepflegt, bekam dort zu essen, mein Vater zu Hause wurde versorgt von der langjährigen Putzhilfe, sein Essen kam auf Rädern.


    Ich pendelte oft hin und her. Kochte dann, weil ich den Fraß nicht mochte, er ja auch nicht. Und Mutter mochte das Heimessen auch nicht, also saßen wir zu Hause zumindest mittags an einem Tisch.


    Ich war gerade für einige Wochen in Kanada, also meine Schwester mich anrief, Mutter läge im Krankenhaus, man hätte ihr beide Brüste amputieren müssen. Beim Duschen im Heim hätte man ein offenes Geschwür an einer Brust entdeckt, sie sei sofort in die Klinik gekommen. Krebs.


    Nach meiner Rückkehr war Mutter nicht mehr in der Lage, das Heim zu verlassen. Die Brüste wurden offensichtlich von einem Schlachter amputiert, grausame breite Narben, kam wohl bei einer inzwischen 85 jährigen nicht mehr so drauf an...


    Ich cremte mit Wundcreme, machte leichte Lymphdrainage, da die Arme so dick waren. Morgens um 8 Uhr erschien ich schon zum Frühstück, schmierte ihr Brötchen mit ihrer Lieblingsmarmelade (von mir selbstgekocht), führte ihr die Nahrung zu (füttern darf man ja nicht mehr sagen, obwohl es nichts anderes ist...)


    Sie hatte einen Dauerkatheter, der dauernd verstopfte, das Pflegepersonal war nicht in der Lage, den zu ziehen, einen neuen zu legen. 2 x habe ich ! einen Krankenwagen gerufen, der sie in die Klinik fuhr, nur zum Katheterwechsel, jedes Mal war über 1 Liter Urin in der Blase.


    Sie wäre verreckt, sie konnte nicht sagen, dass sie Schmerzen hatte, ich beobachtete dies alles nur und stieß auf Desinteresse des Pflegepersonals... Unglaublich, was ich so erlebte, ich könnte ein Buch damit füllen.


    Ich konnte auch nicht mehr eine Auszeit nehmen, ich mußte das Sprachrohr meiner Mutter bleiben, zwischendurch rannte ich eben 2 Häuser weiter und sorgte dafür, dass auch mein Vater versorgt war.


    Lungenödem, Mutter röchelte, Heim: ihre Mutter hat sich doch nur erkältet.... Klinik. Auch dort war ich wieder vor Ort, weil meine Mutter sich weder orientieren noch erklären konnte.


    Zurück im Heim, wurde deutlich, sie baut weiterhin ab, ich holte mir Unterstützung vom Hospizverein, ein Segen für mich, denn dann hatte ich endlich mal eine Atempause.


    In den letzten 3 Tagen ihres Lebens war das Ende absehbar, man stellte ein Zusatzbett ins

    Zimmer, ich war bei ihr, als sie frühmorgens einschlief,


    Der Hammer war, dass abends das Zimmer leergeräumt sein sollte, den Tag drauf sollte es renoviert werden für den nächsten Bewohner.... Genau das, was man als Angehöriger so braucht....

    Ich gehe auf die anderen Beiträge noch ein... muss aber mal kurz explodieren.


    Soeben Anruf der Ergotherapie... Termin wieder mal verpasst. Dabei ist es ein fixer Termin, immer Montag um 12h. Woche für Woche für Woche. Heute hat das Abholen einer Überweisung und Unterlagen für den Kardiologen morgen offensichtlich so überfordert, dass die Ergotherapie völlig ausgeblendet wurde. Ich habe kurz angerufen und gecheckt, was Sache ist. Jetzt beschimpfen sich die Senioren gegenseitig. Meine Mutter meckert rum, dass mein Vater seinen Kram selber regeln solle und sie nicht seine Dienerin sei. Mein Vater blökt rum, er habe dran gedacht, sei aber von meiner Mutter überrumpelt worden und sie habe ihm dann die Möglichkeit genommen, dort hinzukommen. Streitfaktor 10, Kommunikation 0. Sie sind vergesslich, keiner hört auf den anderen. Statt es gemeinsam zu wuppen, geht es nur gegeneinander.

    Und statt dass ich meine 80-Stunden-Woche (wg. nächster Woche frei und viel zu viele Gutachten, die nicht eingeplant waren) angehen kann, koordiniere ich jetzt so ein Chaos.


    Denn die Autowerkstatt rief mich auch noch an... Eltern nicht erreichbar (tja... Väterchen hat heute Nacht den Router ausgestöpselt, weil der "leuchtet und Strom verbraucht". Steht imEG im Flur und stört niemanden). Ohne Router aber kein Festnetz. Handy wg. Akku alle jetzt auch aus und Eltern nicht erreichbar. Immerhin ist das mit dem Handy jetzt aufgefallen und ich konnte sie erreichen...


    Meine Güte, ich weiß echt nicht, wie ich da System reinbekommen soll. Mehr als Wochen-Terminplänke an der Pinnwand und Kalendereinträge kann ich einfach nicht leisten. Oder täglich anrufen? Oder alles einfach schiefgehen lassen?

    Wieder so ein Punkt, wo ich zerrissen bin zwischen Verantwortung und Abgrenzung...


    Könnte gerade echt nur heulen, weil es so verdammt mühsam ist und sich die Mühe so oft aber auch nicht auszahlt.

    Oh, wie furchtbar. Vielleicht sollte man die Herrschaften tatsächlich einmal alleine wurschteln lassen, damit sie einsehen, dass es so nicht geht.


    Diskussionen werden nicht fruchten, sie heizen nur die eigene Wut an, denke ich.


    Vielleicht ist es wirklich nützlich, sich zu schonen und nur eine knapp bemessene Zeit zur Verfügung stellen. Wenn der Vater die Ergostunden verpaßt, dann das Problem bei ihm lassen. Router ausgestellt? Dann eben keine Erreichbarkeit....


    Ich jedenfalls stelle immer eine bestimmte Zeit zur Verfügung, kündige die an. (Die wird neuerdings vergessen). Und manipulativ wird versucht mir einzuimpfen, das würde eine Katastrophe werden, ohne mich.

    Was stimmen könnte, weil das Personal des Heims desinteressiert ist oder Dinge nicht weitergibt, nicht erkennt, wenn sich z. Bsp. ein Harnwegsinfekt anbahnt.


    Aber die eigentlich vom Vater gefühlte Katastrophe, meine Verfügbarkeit nämlich, die fehlt - ja damit kann er bös mein Gewissen triggern - sofern ich die Manipulation nicht merke....


    Auf der Hut sein....


    Sunflower_73, wie auch andere hier raten: Abgrenzung ist die einzige Möglichkeit.


    Ich war vor einem Monat 10 Tage auf den Kanaren, fliege nächste Woche an den Gardasee, mache dann wieder 10 Tage Betreuung. Dann ein paar Tage Schwarzwald, sonst werde ich blöd im Kopf.


    Du bist berufstätig, da wirst du Freiräume anders einplanen müssen. Sonst platzt du noch vor Wut und Verzweiflung.

    Eines ist mir gerade wichtig. Jemand schrieb, dass es einfacher sei, das eigene Kind zu pflegen, als die Eltern.


    Nein.


    Ich habe beides gemacht. Für mich ist die des Kindes Pflege schwerer . Sehr viel schwerer. Vor allem, als sie noch Säugling war. Vor allem psychisch. Physisch auch.