• Allgemeiner Austauschfaden für pflegende Angehörige?

    Hallo, in diesem Forenbereich geht es ja nicht ganz so rege zu - und oft werden eher spezifische Fragen diskutiert. Mich würde interessieren, ob es hier andere pflegende oder zumindest in Pflegebelange involvierte Angehörige gibt, die Interesse an einem Rundum-Austausch hätten. Bei meinen Eltern (noch 74 & 75) wird es immer schwieriger und es ergeben sich…
  • 1 Antworten
    Peddi schrieb:

    Eines ist mir gerade wichtig. Jemand schrieb, dass es einfacher sei, das eigene Kind zu pflegen, als die Eltern.


    Nein.


    Ich habe beides gemacht. Für mich ist die des Kindes Pflege schwerer . Sehr viel schwerer. Vor allem, als sie noch Säugling war. Vor allem psychisch. Physisch auch.

    ich rede jetzt von dem Aufziehen gesunder Säuglinge, nicht vom Pflegen solcher, die schwerst mehrfachbehindert sind.


    Ich bin mir sicher, dass die allermeisten Frauen - denn seien wir ehrlich, es sind primär Frauen, die alte Angehörige pflegen - lieber ihre Babys betüddeln. Das ist abgesehen von der körperlichen Frage auch logisch, wie ich bereits im Beitrag davor schrieb. Niemand wünscht sich, seine alten Eltern pflegen zu müssen. Mit dem Aufziehen von Babys sieht das schon anders aus.

    Zitat

    Und statt dass ich meine 80-Stunden-Woche (wg. nächster Woche frei und viel zu viele Gutachten, die nicht eingeplant waren) angehen kann, koordiniere ich jetzt so ein Chaos.

    Nur ein kurzer Einwurf (bin unterwegs am Handy, aber dein Thread beschäftigt mich):

    Was ist so schlimm daran wenn ein Ergoth-Termin versäumt wird? Und gegen Manches (Router ausstöpseln) kannst du schlicht nichts machen.


    Viell. würde es dir helfen dich bewusst auf Punkte zu konzentrieren die 1) bedeutsam sind und kumulativ 2) auf die du Einfluss hast. Und jeden Vorfall daraufhin abchecken ob er darunter fällt.


    Du hast schliesslich noch dich, eine Beziehung und einen Job. Da musst du gnadenlos Prioritäten setzen.


    PS Was würdest du einem Patienten/ Kunden raten der in einer solchen Situation ist?

    Danke für die Richtigstellung. ?



    Unter der Redewendung


    "Pflege des Kleinkindes " habe ich diesem Faden bezüglich tatsächlich die Pflege des Kindes verstanden.

    Warum mich die vergessene Ergo so wurmt? Die Praxis plant diesen Termin. Die Praxis plant mit diesem Einkommen. Und dann verpeilt es einfach jemand. Mehrfach.

    Ich persönlich bin ja beruflich in derselben Situation und wenn so etwas gehäuft vorkommt, steht man am Ende finanziell reichlich blöd und belastet dar.


    Hatten heute aber einen neuen Gipfel von fehlender Einsicht... mit dessen Folgen ich gerade noch zu tun habe. Öfter mal was Neues.

    Kann man unzuverlässige Patienten nicht zurückweisen?


    Und was sagst du sonst zu meinem Beitrag?

    Nimmst du dir überhaupt noch Zeit zum Innehalten und Reflektieren? Oder rennst du nur noch Dingen hinterher, die du eh nicht ändern kannst?

    Momentan reflektiere ich ehrlich gesagt gar nicht. Ich hoffe, der Nachmittag wird ruhiger.


    Bzgl. unzuverlässig: Das mekrt man ja erst mit der Zeit... und da meine Patienten sich ja auf was Längeres als "6x Physio" einlassen, bricht man so schnell nicht ab. Und wenn mein Vater aus der Ergo fliegt, haben wir ein Problem, da es in der Kleinstadt nicht viele Möglichkeiten gibt und diese Praxis eben auch auf Ältere/Demenz spezialisiert ist.


    Bis später...

    Entschuldige die Frage, aber was wäre wenn er keine Ergo machen würde? Falls die Antwort wäre, dass dann seine Lebensqualität weiter vermindert wäre: Deine vermindert sich doch noch mehr indem du seinen Terminen hinterherrennst. Ich würde mich an deiner Stelle immer fragen: Lohnt sich das? Was ist die Bilanz?

    Naja, so sehr renne ich ja nicht hinter den Terminen her... Die Praxis ruft halt bei mir an, wenn er nicht auftaucht.

    Und ich weiß gerade nicht, wann sich meine Lebensqualität mehr vermindert: Wenn ich mich kümmere oder ständig in Ungewissheit lebe. ich bin wohl gut in Selbstvorwürfen...

    Ich glaube du solltest deine Selbstschutzmechanismen stärken.


    Hast du eigentlich eine starke positive emotionale Bindung an deinen Vater? Hat dein Vater viel für dich getan? Was schuldest du ihm?

    Mein Eltern waren beide nicht so pralle. Meine Mutter sogar mehr als gemein. Ich hatte nie ein tiefes Verhältnis zu ihr, ich sah aber in ihrer immer schlimmer werdenden Demenz nur diese hilflose alte Frau. Ich konnte sogar Frieden (eher mit mir) schließen, indem diese alten Dinge von anno sonstwas verpufften. Hatte ich früher Groll, kann ich (immer noch) mit positiven Gefühlen an sie denken. Das hätte ich nie geglaubt, hätte mir das mal einer erzählt.


    Mit meinem Vater verbindet mich eher von früher, dass wir insgeheim hinter dem Rücken meiner Mutter zusammenhielten. Meine Schwester dagegen war schon immer ein Mutterkind. Trotzdem gab und gibt es immer noch so ein paar Punkte, in denen ich nicht im Frieden mit ihm bin, so wie ich es bei meiner Mutter wandeln konnte.


    Trotzdem verbindet uns sein Humor, der immer noch da ist, wir haben tiefe Momente miteinander. Ich habe, da er auch nicht mehr lesen und schreiben kann, von ihm Erinnerungen aufgeschrieben in dem Buch: Papa, erzähl mal....


    Heute habe ich wieder mit ihm telefoniert. In seinem Oberstübchen merkt man nun doch, dass er da abbaut. Er behauptet, er wurde beklaut, sein Wecker und sein Salzstreuer wären nicht mehr da,... Klar, in seiner Schublade liegen in einem Briefumschlag immer ca. 100 €, da wurde in den drei Jahren nie etwas geklaut, aber Wecker und Salz - da war jemand scharf drauf...


    Er bedauert sehr, dass ich nicht da bin, aber ich habe auch noch ein Leben. Morgen bin ich mit Töchting + Freund zusammen, übermorgen bin ich bereits am Gardasee.


    Und dann bin ich wieder für ihn da.

    Sunflower_73 schrieb:

    Naja, so sehr renne ich ja nicht hinter den Terminen her... Die Praxis ruft halt bei mir an, wenn er nicht auftaucht.

    Und ich weiß gerade nicht, wann sich meine Lebensqualität mehr vermindert: Wenn ich mich kümmere oder ständig in Ungewissheit lebe. ich bin wohl gut in Selbstvorwürfen...

    Das Problem ist sicherlich, dass du zu sehr die Rolle der Verantwortung übernommen hast. Mein Rat als Betroffene, versuche, dich in der Rolle der Vermittlerin zu sehen, damit du mehr Tochter bleiben kannst. Das hatte mir sehr geholfen.


    Ich persönlich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass Frau als pflegende Tochter, und das bist, sich selbst spiegeln kann oder auch nur versuchen, die Spiegelungen zu verstehen. Egal, welchen Beruf man hat. Trotzdem wünsche ich mir für dich tatsächlich, dass du die Kraft und Zeit findest, dir mal eine Stunde für dich zu gönnen, bei einer Therapeutin. Reiss mir jetzt bloß nicht den Kopf ab, der Gedanke schwelt schon länger in meinem Kopf.


    Du machst dich kaputt, du reibst dich auf, du hast trotzdem Schuldgefühle, du hast wenig Zeit für dich, du wirkst ausgelaugt und gönnst dir selbst wenig. Du arbeitest bis zum Umfallen. Du hattest die letzten 2 Jahre viel Arbeit Stress und weisst, du benötigst eine Pause. Aber du findest nicht genug für dich, um Urlaub in den Kalender einzutragen. Warum? Ist es die Arbeit oder willst du deine Eltern nicht alleine lassen?


    Ich drücke dich.

    Zitat

    Trotzdem wünsche ich mir für dich tatsächlich, dass du die Kraft und Zeit findest, dir mal eine Stunde für dich zu gönnen, bei einer Therapeutin

    Das war tatsächlich meine Idee. Schon im Herbst 2018. Bei meinem alten Supervisor. Zu dem hatte ich über die Jahre ein sehr persönliches Verhältnis und wir haben viele private Dinge besprochen. Ich habe ihn angemailt, an einem Donnerstag. Es kam übers Wochenende keine Antwort - und am Montag kam vom Institut die Mail mit seiner Todesnachricht. Ich war dann einige Wochen später auf der Trauerfeier & Urnenbeisetzung... Mir fehlt auch da jetzt jemand Geeignetes zum Andocken. Die andere Option wäre 120 km eine Strecke entfernt. Ich überlege. V.a. brauche ich jemand Bekanntes/Vertrautes, wo ich mich fallen lassen kann. Nicht irgendeinen Therapeuten aus meinem beruflichen Umfeld, hier auf dem Land mit mangelnden Optionen und viel Getratsche. Keine "Fremden", wo ich irgendwo auch meinen Ruf wahren möchte. Professionelle vs. private Seite halt.


    Bzgl. Verhältnis zu meinen Eltern:

    Das Verhältnis zu meinem Vater ist ambivalent. Ja, er hat mir einiges ermöglicht. Aber noch mehr Belastung gebracht. Ich möchte da jetzt nicht ins Detail gehen, aber auch Schläge kamen vor. Wie Benita schließe ich da langsam meinen Frieden mit. "Armer alter Mann" ist einfach nur noch mein Gedanke. Ich hatte ein sehr enges Verhältnis mit meiner Mutter, die ein wichtiger Ansprechpartner und Unterstützung war. Bei all meinen OP's, quer durch Deutschland, der ganzen Nachsorge. Und wenn sie 3x pro Woche 80 km eine Strecke fuhr, damit ich zu Physio, Arzt etc. komme oder den Kühlschrank voll habe. Ich denke, die Verantwortungsübernahme resultiert daraus, dass ich sie entlasten möchte. Weil SIE erschreckend abbaut, seit mein Vater so abbaut. Die HÄ meiner Ma meinte, dass sie innerhalb von 2 Jahren einen Abbau hingelegt hat, für den andere "5-10 Jahre brauchen".

    Ich denke, die Sorge um meine Ma ist wirklich der Knackpunkt. Verlustangst (die ich bzgl. meines Vaters weniger bis gar nicht habe).


    Highlight:

    Ich habe mir eine Spiegelreflexkamera gekauft. Ganz spontan. Meine uralte analoge streikt und meine kleine Digicam ist auch seit einem Jahr hinüber. Ich möchte wieder fotografieren. Einfach rausgehen...

    Für mich wäre eher "faul zu Hause" ein Highlight, um ehrlich zu sein... einfach mal faul sein, nichts tun, keine neuen Eindrücke,...


    Bzgl. Physio & Ergo: Vergangene Woche war der MDK zur erneuten Begutachtung da. Wir warten auf den Bericht, aber uns wurde erneut Tagespflege 1-3x pro Woche empfohlen. Dorthin würden Ergo/Physio dann geballt kommen.

    Allerdings will mein Vater nicht und zudem gibt es aktuell in der gesamten Stadt keinen freien Tagespflege-Platz. Sind eh nur wenige Einrichtungen, ein Favorit - aber mit ca. 20 Plätzen pro Einrichtung kommt man bei 50.000 Einwohnern nicht weit.