Ein Fall häuslicher Pflege

    Hallo zusammen,


    ich wende mich mal an Euch um folgendes Thema zu diskutieren.


    Es geht um die häusliche Pflege einer 35 jährigen Frau, die allerdings eine geistige Behinderung hat und auf dem Stand eines Kindes geblieben ist.


    Die Familienmitglieder sind Moslems und daher ist der dringende Wunsch der sorgeberechtigten (verwitweten) Mutter, dass die Pflegekraft, die von der Caritas für die häusliche Pflege geschickt wird, eine Frau ist, da sie nicht möchte, dass ihr Kind, von einem Mann versorgt wird, der sie dabei ja nackt sieht und berühren muss, mitunter auch an intimen Stellen.


    Nun weiß ich, dass es bei polizeilichen, medizinischen Untersuchungen und Leibesvisitation eine Vorschrift gibt, dass diese bei Frauen nur durch weibliche Beamte durchgeführt werden darf.


    Vermutlich gibt es so eine Vorschrift bei der häuslichen Pflege nicht, aber wenn es der Wunsch der Pflegebedürftigen ist bzw. wie in dem Fall der Wunsch der Sorgeberechtigten, dann würde ich erwarten, dass die Caritas diesem Wunsch auch nachgeht und ausschließlich weibliche Pflegekräfte einsetzt.


    Leider ist das im beschriebenen Fall aber nicht so, es werden überwiegend Männer geschickt und diese werden von der Mutter nicht zu ihrer Tochter vorgelassen, was dann bedeutet, dass die Mutter die Pflege dann doch wieder selber macht.


    Dadurch hat die Mutter dann doch nicht die Unterstützung, die ihr zusteht und kann zudem schwerer den Lebensunterhalt bestreiten, weil sie eben Zeiten für die Pflege aufwenden muss und nicht arbeiten gehen kann.


    Weiterhin besteht auch der Wunsch, dass möglichst immer die selbe Pflegekraft eingesetzt wird, da die Tochter wegen ihres kindlichen Gemüts mit ständig wechselnden Kräfte sehr unruhig und unausgeglichen ist.


    Es ist schon klar, dass eine Pflegekraft ja auch Urlaub und Krankentage aber ich kenne das von meiner Mutter, die auch regelmäßig von der Caritas besucht wir, da ist es immer Derselbe und nur ganz selten kommt mal jemand Anderes, aber auch dann ist es immer eine feste Vertretung, so dass esich eine gewisse Vertrautheit entwickeln konnte.


    Im besagten Fall gab es nach mehrfacher Vorsprache bei der örtlichen Caritas, von der Leiterin nur die lapidare (und auch recht unfreundlich vorgetragene) Auskunft: "Pflegekraft ist Pflegekraft".


    Wie sieht das eigentlich in der Praxis aus?


    Habe ich da eine falsche Vorstellung und erwarte etwas, was organisatorisch nicht umsetzbar ist?


    Oder gibt es Pflegedienste/Organisationen, wo einem solchen Wunsch entsprochen wird?


    Oder gibt es sogar Vorschriften, die aber wg. "Pflege-Notstand" nicht eingehalten werden?

  • 24 Antworten

    Vorschriften gibt es da nicht, sonst würden tausende Männer überhaupt nicht gepflegt werden können - der Anteil von Männern in der ambulanten Pflege ist noch geringer als z.B. im Krankenhaus.


    Aber möglich machen können sollte das deswegen nahezu jeder Pflegedienst, nur die konstant gleiche Kraft lässt sich sicher nicht bei vieleb umsetzen.


    Ich würde ganz klar einen Wechsel von der Caritas weg empfehlen.

    Da die Pflegedienste in verschiedenen Schichten arbeiten und zudem in aller Regel Personalmangel haben, glaube ich schon, dass ihr falsche Vorstellungen habt. Versuchen kannst du es ja bei einem anderen Dienst, aber Männer ausschließen und immer gleiche Kraft wird schwierig werden.

    Erst einmal vielen Dank für die Antworten.


    Ich habe das der Mutter der Pflegebedürftigen weitergeleitet, sie kennt sich aber nicht so gut aus und traut sich da nicht, etwas zu ändern.


    Es gibt allerdings inzwischen eine Ergänzung, die Caritas hat der Mutter nun angeboten immer eine Frau zu schicken, dies würde aber zusätzliche Kosten verursachen, die nicht von der Pflegekasse gedeckt sind.


    Die Mutter soll nun von ihrem kargen Gehalt auch noch privat etwas zuzahlen, was sie auch tun möchte, hauptsache es kommt eine Frau ...


    Aber wieder so ein Ding, das ich überhaupt nicht nachvollziehen kann.


    Wenn es logistisch möglich ist, immer eine Frau zu schicken, wieso nur durch Zusatzkosten?


    Das sollte dann doch auch ohne das gehen, oder?


    Wenn ein Pflegekräftemangel der Grund für den Einsatz von Männern ist, dann wird auch ein Zusatzbeitrag das nicht ändern, oder sehe ich da was falsch?

    ...die Caritas hat der Mutter nun angeboten immer eine Frau zu schicken, dies würde aber zusätzliche Kosten verursachen, die nicht von der Pflegekasse gedeckt sind...


    sofort den Pflegedienst wechseln, das geht gar nicht. natürlich sollte dem wunsch entsprochen werden, und nur in außnahmefällen, sollte die mutter kontaktiert werden, das keine weibliche pflegekraft zur verfügung steht.


    auch die aussage, mit mehr geld wäre eine weibliche pflegekraft möglich, da würde ich mich mal an die pflegekasse wenden, was man dagegen tun kann.

    das hört sich für mich schon etwas nach "gezielter Abzocke" an.

    Zitat

    Leider ist das im beschriebenen Fall aber nicht so, es werden überwiegend Männer geschickt

    da überwiegend Frauen in der ambulanten Pflege arbeiten, ist es schon seltsam, dass überwiegend Männer zu einer Muslimin geschickt werden. Es sei denn, es gibt gute Gründe dafür. Ein guter Grund wäre z.B., wenn die Pflegebedürftige recht adipös / schwer/groß/ widerspänstig, agressiv und kräftig wäre und keine adäquaten Hilfsmittel ( Lifter etc) zur Verfügung stehen. Sprich, wenn der Job eben körperlich zu anstrengend für eine Frau wäre.


    Eine Frau zu schicken, wenn privat mehr Geld bezahlt wird--das geht schon sehr in Richtung der Diskriminierung aufgrund der Religion, da würde ich auch über die Pfelgekasse nachhaken.

    Danke für die Antworten,


    ich werde das wieder weitergeben.


    Vermutlich wird sich aber die Mutter nicht auf eine Konfrontation mit der Caritas einlassen wollen, sie ist froh, dass sie so eine Frau geschickt bekommt, auch wenn es mehr kostet.


    Meine Vermutung ist, dass die Caritas genau darauf baut, dass die Mutter sich nicht so auskennt und sich nicht wehrt und lieber mehr Geld bezahlt, als weiterhin ständig Männer geschickt zu bekommen.


    Und ich vermute auch, dass der überwiegende Einsatz von Männern eine "Motivationshilfe" war, um ihr dann dieses "Angebot" zu unterbreiten.


    Ich werde der Mutter vorschlagen, sich mal einen Beratungsschein zu besorgen und sich bei einem Anwalt für Sozialrecht beraten zu lassen, der sollte erkennen können, ob diese fragwürdigen Methoden nicht sogar illegal sind.

    Ich kann mir das, aus dem Bauch heraus gesprochen, nicht vorstellen. Die großen Sozialverbände können sich solche Mauscheleien eigentlich nicht leisten. Aber ausgeschlossen ist es natürlich nicht, hier bei uns gabs sowohl bei Caritas als auch Lebenhilfe Unregelmäßigkeiten, die man als Skandal bezeichnen kann. Allerdings lief es nicht auf Betrug am Kunden hinaus, war eher intern.


    Dass es mehr kostet, finde ich aber berechtigt.

    Ich bin sicher, dass so eine Bitte ohne großen Aufwand erfüllbar wäre, da es , wie schon erwähnt- wesentlich mehr weibliche als männliche Pflegekräfte gibt. Finde dieses Verhalten der Caritas nicht ok - heißt Caritas übersetzt nicht Menschenliebe?

    Das ist nicht so leicht zu sagen, vor allem, das mit dem Aufwand nicht. Die Kräfte, die ins Haus kommen, haben ja Fahrtkosten, das sind auch Touren. Der Wohnort der Kräfte wird mitberücksichtigt, je nachdem, wie das organisiert ist.

    Mag sein Monika, trotzdem bin ich sicher , dass es machbar wäre. Und sollte es einen triftigen Grund dagegen geben, könnten sie ihn ja mitteilen.

    Zitat

    Im besagten Fall gab es nach mehrfacher Vorsprache bei der örtlichen Caritas, von der Leiterin nur die lapidare (und auch recht unfreundlich vorgetragene) Auskunft: "Pflegekraft ist Pflegekraft".

    ich lese da keine Bemühung raus und auch keinen Grund ,weshalb das nicht gehen soll.

    Also als PD Mitarbeiterin wenn auch anders, würde ich sagen... Frauen sollte gewährleistet sein auch ohne Geld. Feste Bezugsschwestern sind wünschenswert aber ca 6 bis 7 werden es immer sein ..

    Zitat

    Warum wechselt sie nicht zu einem weltlichen oder privaten Dienst, wenn man schon religiöse Vorbehalte unterstellt?

    Monika65


    Ich unterstelle nur , soweit ich das nach den Zeilen von Kurt beurteilen kann, dass da nicht viel Verständnis und Bemühung rauszulesen ist .


    Respekt und ein Einfühlungsvermögen sollte unabhängig von der religiösen Zugehörigkeit der Organisationen vorhanden sein - es geht einfach um Pflege eines hilfsbedürftigen Menschen und wenn eine Frau - egal ob Moslem /Christin oder Atheistin darum bittet, nicht von einem Mann gewaschen zu werden , ist meiner Meinung nach daurauf einzugehen wenn irgendwie möglich. Gibt ja auch Frauen , die ganz bewußt zu einer Frauenärztin gehen und auf keinen Fall von einem Mann untersucht werden möchten.

    Irgendjemand hat die Religion ins Spiel gebracht, du warst das ja nicht, Porzellanseele. Es besteht seitens des TE der Verdacht, die Caritas hätte mit Absicht diese Reglement provoziert.


    Ich habe Verständnis für die eher etwas wenig einfühlsame Reaktion, einfach weil ich selbst schon genug erlebt habe von Angehörigen, die die Arbeit nur erschweren und auch häufig genug die zu Pflegenden belasten.


    Auf unserer Station arbeiten 4 Männer, glaubst du denn, wenn jeder so wäre, dass es überhaupt möglich wäre, einen solche Betrieb noch aufrecht zu erhalten? Es kommt manchmal vor, dass sich BEwohner von den männlichen Kollegen nicht duschen lassen, also müssen die weiblichen Extraarbeit leisten. Manchmal kann man dann was tauschen, aber man kann nicht generell darauf Rücksicht nehmen. Und auch die wechselnden Leute, das belastet die Bewohner schon manchmal, hat aber auch den Vorteil, dass sie nicht immer der gleichen Pflegekraft ausgesetzt sind. Wie immer unter Menschen klappt es mit der einen besser als mit der anderen.


    Ich kann das nur unterschreiben, Pflegekraft ist Pflegekraft, sehe ich genauso.


    Im häuslichen Bereich hat man selbstverständlich das Recht, nur weibliche oder männliche zuzulassen, denn man hat ja das Hausrecht. Man kann es im Pflegevertrag festlegen. Der Pflegedienst muss aber umgekehrt so einen Vertrag dann auch nicht unterschreiben, wenn er es nicht gewährleisten kann. Dieser Pflegedienst hat es geschafft, aber nur mit Aufpreis, warum das so ist, sollte eigentlich nachvollziehbar sein, welche Kosten da zustätzlich anfallen.


    Der Betroffene kann den Vertrag ja jederzeit kündigen.

    Zitat

    Ich habe Verständnis für die eher etwas wenig einfühlsame Reaktion, einfach weil ich selbst schon genug erlebt habe von Angehörigen, die die Arbeit nur erschweren und auch häufig genug die zu Pflegenden belasten.

    Monika65


    Gibt es sicher auch und mir ist auch klar, dass der Beruf nicht einfach ist . Hab da wirklich Verständnis dafür , nur darf man meiner Meinung nach, das Menschliche nicht aus den Augen verlieren. Ein Zugehen aufeinander , nicht gleich aus Prinzip abblocken sondern versuchen einen Weg zu finden , der für beide Seiten annehmbar ist , sollte doch möglich sein ?


    Warten wir mal ab, was Kurt zu berichten hat :-)

    Ich hatte schon den Eindruck, dass ein Weg gefunden wurde, denn sie hat ja nun weibliche Kräfte. Es steht ihr allerdings frei, den Pflegevertrag zu kündigen, und woanders zu schauen, ob da ohne Aufpreis das Gleiche möglich ist.

    Zitat

    Hab da wirklich Verständnis dafür , nur darf man meiner Meinung nach, das Menschliche nicht aus den Augen verlieren

    Glaube mir bitte, dass das wirklich immer wieder auch der Fall ist. Es gäbe viele zu verbessern, das sehe ich sehr, sehr häufig, nur nicht mit dem System wie es momentan ist.

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