Unter der Annahme, dass es sich hier um ein Pflegeheim handelt, gehe ich zumindest bei den diplomierten Pflegekräften davon aus, dass sie grundlegend die Patientenverfügung kennen und einem DNR Eintrag (do not resucitate) auch Folge leisten.


    Passiert das nicht, könnte man sich diese Patientenverfügung sparen und als Bewohner hoffen, dass man ruhig im Schlaf verstirbt und bereits sichere Todeszeichen aufweist.


    Ich als Notfallsanitäter kann und darf eine Patientenverfügung im ersten Moment nicht berücksichtigen, da ich im Rahmen der lebensrettenden Sofortmaßnahmen keine Zeit dazu habe. Dadurch kommt es immer wieder vor, dass wir sehr alte Menschen versuchen zu reanimieren, bis der Notarzt kommt, der häufig recht schnell die Maßnahmen beendet. Vor allem bei alten Menschen hinterlässt eine Reanimation am Körper (massive) Spuren, da der Körper nicht mehr so flexibel und elastisch ist wie zB bei einem 40ig jährigen.


    Dh. in einem privaten Umfeld stellt sich die Frage nicht ob begonnen wird oder nicht - die ist in meinen Augen immer mit ja zu beantworten (solange keine sicheren Todeszeichen feststellbar sind).


    In Pflegeeinrichtungen muss man das mMn differenzierter betrachten, was nicht bedeuten darf, dass bei einem einfachen Bolusgeschehen nichts gemacht wird. Aber ich würde hoffen, dass bis zu dem Zeitpunkt wo man den Patienten am Boden hat und einen Notfallcheck durchgeführt hat in Pflegeeinrichtungen diplomiertes Personal vor Ort ist und wenn die ärztliche Leitung des Pflegeheimes, die diplomierten Kräfte anweist, die Patientenverfügungen zumindest im Bereich der Reanimationswünschen zu befolgen, ist das aus meiner Sicht umsetzbar.

    Zitat

    ob sie im Falle eines Herzstillstandes reanimiert werden wollten.

    Die Frage die ich mir stelle ist, wer stellt denn den Herzstillstand fest? Was ist, wenn andere Einflüsse eine Rolle spielen oder gespielt haben?

    Zitat

    Und ein Notarzt, der geholt wird, handelt natürlich, der liest nicht erst die Akte.

    Die Bewohner werden doch sicherlich durch HÄ oder auch durch einen Arzt im Hause med. betreut und versorgt. Entscheiden dann Pflegekräfte oder wird das für den Fall der Fälle mit den Ärzten abgesprochen und dokumentiert. Ich denke z.B. daran, das der betreuende Arzt mit seiner Unterschrift in einem kurzen Schriftstück zum Ausdruck bringt, dass eine entsprechende Verfügung vorliegt. Daran kann sich dann auch ein Notarzt sofort orientieren.


    Und ich sage nach wie vor, die letzte Entscheidung sollte beim Arzt liegen und nicht bei den Pflegekräften. Und was mich hier stört ist, warum wusstest Du z.B. nicht wie lange jemand per PEG ernährt werden will? Gehört denn nicht auch dieses Wissen dazu, wenn schon Verfügungen erstellt werden? Ich finde dieses Teilwissen dann schon befremdlich. Da frage ich mich auch, wer gibt denn welche Info weiter oder nicht? Denn wenn ich den letzten Wunsch respektiere und danach handel, will ich auch genau wissen was getan werden kann/muss, um auch diesen Willen zu respektieren.


    Bitte beziehe meine Fragen/Antworten nicht auf dich persönlich. Ich bin mir darüber im Klaren, dass es im System nicht optimal läuft, ich erlebe es seit langer Zeit fast tagtäglich. Vllt. ist das auch der Grund, warum ich hier so hartnäckig nachfrage.

    Natürlich muss entsprechend der Verfügung gehandelt werden. Aber keinen Arzt bzw Notarzt zu rufen würde ich als fahrlässig empfinden.


    Es ist nicht verkehrt einen Notarzt zu rufen als Pflege oder Hilfskraft. Es gilt immer: Lebensrettende Maßnahmen bis der Notarzt eintrifft.


    Die Patientenverfügung auszuführen oder nicht auszuführen ist Aufgabe von Arzt und Krankenhaus, nicht die von Pflege oder Hilfspersonal.

    @ Fizzlypuzzly

    ich kenne es hier aus sämtlichen Heimen, dass die Bewohner medizinisch vom Hausarzt betreut werden und im Notfall, im akuten Notfall der Notarzt gerufen wird.


    Und dieser kennt die Patienten nicht.


    Mein Beispiel mit der PEG war unglücklich formuliert, wenn ein Bewohner eine hatte, dann weiß ich darüber natürlich Bescheid. Ich meinte es bezogen auf den Umfang einer Patientenverfügung. Viele haben ja keine PEG und doch schon in der Verfügung formuliert, dass z.B. im Fall einer akuten Notfallsituation eine gelegt werden darf, diese aber nur z.B. 3 Monate benutzt werden darf, wenn keine Besserung eintritt. Das meinte ich, solche Einzelheiten weiß ich nicht aus jeder Verfügung auswendig. Jetzt klarer?

    Zitat

    Es gilt immer: Lebensrettende Maßnahmen bis der Notarzt eintrifft.

    Nein, ich bleib dabei,


    natürlich würde ich schauen, ob sich jemand lediglich an irgendwas verschluckt hat, ich würde die Beine hochlagern bei Bewusstlosigkeit, ich würde die Vitalzeichen kontrollieren, beim Diabetiker den Zucker usw,aber ich würde nie jemanden wiederbeleben, von dem ich genau wüsste, er will das nicht.

    Ich bin Krankenpfleger und leider muss ich sagen, das Pateintenverfügungen grundsätzlich immer ignoriert werden!


    In dem Moment eines Notfalls denken die Leute eher an sich, das sie evtl ins Gefägniss kommen, wegen unterlassener Hilfeleistung. Der Wille des Patienten interessiert niemanden. Das eigene Gewissen will beruhigt sein!

    Ich bin Krankenpfleger und leider muss ich sagen, das Pateintenverfügungen grundsätzlich immer ignoriert werden!


    In dem Moment eines Notfalls denken die Leute eher an sich, das sie evtl ins Gefägniss kommen, wegen unterlassener Hilfeleistung. Der Wille des Patienten interessiert niemanden. Das eigene Gewissen will beruhigt sein!

    Der Punkt ist doch der - wer kann in der Notfallsituation entscheiden, ob die Verfügung jetzt greift?


    Wenn es um die Einstellung von lebensverlämgernden Maßnahmen geht, wird das "in Ruhe" kommuniziert.


    Wenn ein Patient seit Tagen präfinal dämmert, ist auch klar, dass dann keine Reanimation begonnen wird.


    Aber, wenn ein Patient -nicht absehbar- vom Stuhl fällt, entscheide ich es ganz sicher nicht.


    Und das war ja das Anliegen des TE. Was tun, wenn ein Bewohner bewusstlos wird? Und da der TE wahrscheinlich Hilfskraft ist oder einen nichtmedizinischen Beruf hat, ist klar was zu tun ist. Lebensrettende Sofortmaßnahmen, bis jemand da ist, der die Verantwortung einer entsprechenden Entscheidung tragen kann und darf.

    Hm

    Zitat

    Ich bin Krankenpfleger und leider muss ich sagen, das Pateintenverfügungen grundsätzlich immer ignoriert werden!

    Das kann ich aber so jetzt auch nicht bestätigen. Das habe ich bisher noch nicht erlebt.

    Um auf den TE zurückzukommen. So wie Rhelia sagt.

    Zitat

    Und das war ja das Anliegen des TE. Was tun, wenn ein Bewohner bewusstlos wird? Und da der TE wahrscheinlich Hilfskraft ist oder einen nichtmedizinischen Beruf hat, ist klar was zu tun ist. Lebensrettende Sofortmaßnahmen, bis jemand da ist, der die Verantwortung einer entsprechenden Entscheidung tragen kann und darf.

    Ich schließe mich Hyperion, Rhelia und fuersti an. Außerdem sollte der TE sollte einen Erste Hilfe oder LSM Kurs (Lebensrettende Sofortmaßnahmen) besuchen. Im diesen beiden Notfällen würde ich die entsprechenden Maßnahmen einleiten, einer weiteren Person den Auftrag geben die Akte des Patienten zu besorgen und sie dem hinzugerufenen Notarzt vorzeigen.


    Aber ehrlich gesagt weiß ich nicht wer, außer dem Notarzt, die Befugnis hat die Maßnahmen zu beenden. Darf ein Altenpfleger nach Überprüfung der Pat. Verfügung in diesem Fall selbst entscheiden, dass die Reanimation beendet werden darf bzw. sie gar nicht erst durchgeführt werden soll?! Ein Arzt muss so oder so hinzukommen um im Falle des Todes diesen feststellen. Wie fuersti schon geschrieben hat und ich das eben auch so aus dem Rettungsdienst kenne, dürfen die Rettungsdienstler das nicht entscheiden- außer bei sicheren Todeszeichen.

    @ Süntje

    Zitat

    würde die Beine hochlagern bei Bewusstlosigkeit

    Bitte nicht! Eine bewusstlose Person mit Atmung sollte in die Seitenlage gebracht werden. Ohne Atmung beginnst du mit der CPR.

    @ Blck Toni

    wir sprachen von Bewohnern im Heim.


    Wieviele alte Menschen haben eine Synkope, weil ihnen der Blutdruck versackt? Beine hoch und die Mehrzahl ist wieder da, hilft das als Sofortmaßnahme nicht, dann in die stabile Seitenlage.


    Zum Rest sag ich jetzt nichts mehr, ich sehe nicht, wieso eine Verfügung nur Ärzte betreffen sollte, das habe ich anders gelernt, seis drum

    Zuerst mal danke für eure Antworten. Ja ich werde ein Erste-Hilfe-Kurs nochmal absolvieren. Bin mir noch zu unsicher.


    In der Patientenverfügung steht der Wille des Verfassers (d.h. im Pflegeheim der Bewohner welches eins verfasst hat). Da kann beliebiges drinstehen. Und wenn man diese als Arzt bzw. pfleger missachtet, wird es strafrechtliche Folgen haben. Denn das Gesetz schreibt es vor das die Verfügung nicht misachtet wird. Wenn jetzt ein Bewohner in dieser Patientenverfügung reingeschrieben hat, das Wiederbelebungsmaßnahmen sowie KH-Einweisung nicht mehr erfolgen sollen/dürfen, dann muss man sich auch daran halten.


    Als PFK sollte man besser wissen wer eine hat und was in etwa drin steht fals ein Notfall ist (ob erlaubte/nicht erlaubte Reanimation, KH-Einweiseung,...), und es dort um Leben und Tod geht. Natürlich wird man zuerst die betroffene Bewohner versorgen, und nicht in die akte schauen, das wäre mehr als grob fahrlässig. Die PFK wird trotzdessen den Notarzt rufen, weil es schließlich die Entscheidung des Notarztes ist, denn mehr können wir nicht machen.

    Zitat

    Ja ich werde ein Erste-Hilfe-Kurs nochmal absolvieren. Bin mir noch zu unsicher.

    Unbedingt. Das gibt dir die nötige Sicherheit.


    Es gibt auch viele Bücher zu dem Thema oder Google mal. Je besser dein Wissen ist, desto sicherer fühlst du dich auch 8-)

    Ich finde es schwierig, denn Patientenverfügungen müssen auf die Situation genau passen.


    Bei uns wurden (meist präfinale Patienten) Patientenakten mit einem dicken DNR (do not reanimation) markiert. Daran wurde sich immer gehalten, aber das war auch auf Station (KH).


    Im Krankenhaus ist es eigentlich Pflicht einmal im Jahr ein REA-Kurs (basic life support) zu besuchen. Bei euch nicht? Erste Hilfe ist umfangreich. Hier steht nicht nur REA im Vordergrund.


    Sonst stimme ich Rhelia auf Seite 1 zu. Sie hat den Vorgang super erklärt. :)^

    Ich habe bisher 1nen Erste-Hilfe-Kurs von der Berufsschule aus absolviert, welcher aber schon 2 Jahre her ist. Bei meiner Einrichtung bekommen nur manche PFKs Erste-Hilfe-Kurse, nichtmal alle, was ich echt scheiße finde. Ich bin noch Auszubildender und hatte bis vor kurzem noch nie einen "Notfall". Und das meiste eigentlich vom erste hilfe kurs vor 2 Jahren vergessen.


    Ja das mit dem über alle Patientenverfügungen bescheid wissen ist schon schwierig. Ich würde dann nur die mir merken, welche für ein Notfall relevant sind. Oder mit den Markierungen, wie Despero geschrieben hat, ist schon ne gute idee.