Zitat

    Man kann nicht von allem Heimbewohnern bis ins Detail die Verfügung kennen und was sie alles konkret ablehnen.

    Natürlich wusste ich das von meinen Bewohnern, und wenn ich nicht wusste, wie lange sie per PEG ernährt werden wollten, so wusste ich aber definitiv, ob sie im Falle eines Herzstillstandes reanimiert werden wollten. Das halte ich für absolut immens wichtig, wenn ich Menschen versorge, bei denen Gevatter Tod vor der Tür steht.


    Fizzlypuuzly


    wir reden hier aber von Pflegepersonal was auf einen Notfall zukommt und also entscheiden muss, ob es handelt oder nicht. Und ein Notarzt, der geholt wird, handelt natürlich, der liest nicht erst die Akte.

    Die TE kennt nicht mal grundlegende Sofortmaßnahmen bei einem Kollaps. Also nehme ich an, es handelt sich um eine ungelernte Hilfskraft. Und diese soll entscheiden, ob die Verfügung greift?


    Diese Einstellung entsetzt mich mehr.


    Ich kann mich doch nur an eine Verfügung halten, die ich detailliert kenne.,Wenn ich sie nicht kenne, dann bin ich verpflichtet, lebensrettende Maßnahmen einzuleiten. Und wie schon geschrieben wurde, renne ich nicht zuerst an die Doku und prüfe das. Das entscheidet dann der Arzt. Zudem muss ich auch genau wissen, was den leblosen Zustand hervorgerufen hat. Es kann z.B. schlicht eine Bolusaspiration vorliegen.


    Da möchte ich nicht diejenige sein, die dabei einfach nur zugeguckt hat.


    Es ist sehr einfach zu sagen, eine Verfügung wird missachtet :(v

    Süntje


    Eine Patientenverfügung ist aber sehr komplex und Umfangreich und sehr detailiert was das Ausschließen von ärztlichen Tätigkeiten anbelangt. Diese vielen Details denke ich kann man nicht für jeden Patienten auf der Station genau kennen.


    Nach deiner Vorgehensweise würde ja einem Menschen eine erste Hilfe Maßnahme verwehrt in einer Notsituation.


    Sinniger ist es, erste Hilfe zu Leisten, den Notarzt rufen und in der Zeit die Akte besorgen wo die Verfügung drinn ist.


    Ich würde es mir nie Anmaßen wollen das ohne den Arzt zu entscheiden.

    Rheila

    Zitat

    Die TE kennt nicht mal grundlegende Sofortmaßnahmen bei einem Kollaps. Also nehme ich an, es handelt sich um eine ungelernte Hilfskraft. Und diese soll entscheiden, ob die Verfügung greift?


    Diese Einstellung entsetzt mich mehr.

    So sehe ich das auch :)^

    Unter der Annahme, dass es sich hier um ein Pflegeheim handelt, gehe ich zumindest bei den diplomierten Pflegekräften davon aus, dass sie grundlegend die Patientenverfügung kennen und einem DNR Eintrag (do not resucitate) auch Folge leisten.


    Passiert das nicht, könnte man sich diese Patientenverfügung sparen und als Bewohner hoffen, dass man ruhig im Schlaf verstirbt und bereits sichere Todeszeichen aufweist.


    Ich als Notfallsanitäter kann und darf eine Patientenverfügung im ersten Moment nicht berücksichtigen, da ich im Rahmen der lebensrettenden Sofortmaßnahmen keine Zeit dazu habe. Dadurch kommt es immer wieder vor, dass wir sehr alte Menschen versuchen zu reanimieren, bis der Notarzt kommt, der häufig recht schnell die Maßnahmen beendet. Vor allem bei alten Menschen hinterlässt eine Reanimation am Körper (massive) Spuren, da der Körper nicht mehr so flexibel und elastisch ist wie zB bei einem 40ig jährigen.


    Dh. in einem privaten Umfeld stellt sich die Frage nicht ob begonnen wird oder nicht - die ist in meinen Augen immer mit ja zu beantworten (solange keine sicheren Todeszeichen feststellbar sind).


    In Pflegeeinrichtungen muss man das mMn differenzierter betrachten, was nicht bedeuten darf, dass bei einem einfachen Bolusgeschehen nichts gemacht wird. Aber ich würde hoffen, dass bis zu dem Zeitpunkt wo man den Patienten am Boden hat und einen Notfallcheck durchgeführt hat in Pflegeeinrichtungen diplomiertes Personal vor Ort ist und wenn die ärztliche Leitung des Pflegeheimes, die diplomierten Kräfte anweist, die Patientenverfügungen zumindest im Bereich der Reanimationswünschen zu befolgen, ist das aus meiner Sicht umsetzbar.

    Zitat

    ob sie im Falle eines Herzstillstandes reanimiert werden wollten.

    Die Frage die ich mir stelle ist, wer stellt denn den Herzstillstand fest? Was ist, wenn andere Einflüsse eine Rolle spielen oder gespielt haben?

    Zitat

    Und ein Notarzt, der geholt wird, handelt natürlich, der liest nicht erst die Akte.

    Die Bewohner werden doch sicherlich durch HÄ oder auch durch einen Arzt im Hause med. betreut und versorgt. Entscheiden dann Pflegekräfte oder wird das für den Fall der Fälle mit den Ärzten abgesprochen und dokumentiert. Ich denke z.B. daran, das der betreuende Arzt mit seiner Unterschrift in einem kurzen Schriftstück zum Ausdruck bringt, dass eine entsprechende Verfügung vorliegt. Daran kann sich dann auch ein Notarzt sofort orientieren.


    Und ich sage nach wie vor, die letzte Entscheidung sollte beim Arzt liegen und nicht bei den Pflegekräften. Und was mich hier stört ist, warum wusstest Du z.B. nicht wie lange jemand per PEG ernährt werden will? Gehört denn nicht auch dieses Wissen dazu, wenn schon Verfügungen erstellt werden? Ich finde dieses Teilwissen dann schon befremdlich. Da frage ich mich auch, wer gibt denn welche Info weiter oder nicht? Denn wenn ich den letzten Wunsch respektiere und danach handel, will ich auch genau wissen was getan werden kann/muss, um auch diesen Willen zu respektieren.


    Bitte beziehe meine Fragen/Antworten nicht auf dich persönlich. Ich bin mir darüber im Klaren, dass es im System nicht optimal läuft, ich erlebe es seit langer Zeit fast tagtäglich. Vllt. ist das auch der Grund, warum ich hier so hartnäckig nachfrage.

    Natürlich muss entsprechend der Verfügung gehandelt werden. Aber keinen Arzt bzw Notarzt zu rufen würde ich als fahrlässig empfinden.


    Es ist nicht verkehrt einen Notarzt zu rufen als Pflege oder Hilfskraft. Es gilt immer: Lebensrettende Maßnahmen bis der Notarzt eintrifft.


    Die Patientenverfügung auszuführen oder nicht auszuführen ist Aufgabe von Arzt und Krankenhaus, nicht die von Pflege oder Hilfspersonal.

    @ Fizzlypuzzly

    ich kenne es hier aus sämtlichen Heimen, dass die Bewohner medizinisch vom Hausarzt betreut werden und im Notfall, im akuten Notfall der Notarzt gerufen wird.


    Und dieser kennt die Patienten nicht.


    Mein Beispiel mit der PEG war unglücklich formuliert, wenn ein Bewohner eine hatte, dann weiß ich darüber natürlich Bescheid. Ich meinte es bezogen auf den Umfang einer Patientenverfügung. Viele haben ja keine PEG und doch schon in der Verfügung formuliert, dass z.B. im Fall einer akuten Notfallsituation eine gelegt werden darf, diese aber nur z.B. 3 Monate benutzt werden darf, wenn keine Besserung eintritt. Das meinte ich, solche Einzelheiten weiß ich nicht aus jeder Verfügung auswendig. Jetzt klarer?

    Zitat

    Es gilt immer: Lebensrettende Maßnahmen bis der Notarzt eintrifft.

    Nein, ich bleib dabei,


    natürlich würde ich schauen, ob sich jemand lediglich an irgendwas verschluckt hat, ich würde die Beine hochlagern bei Bewusstlosigkeit, ich würde die Vitalzeichen kontrollieren, beim Diabetiker den Zucker usw,aber ich würde nie jemanden wiederbeleben, von dem ich genau wüsste, er will das nicht.

    Ich bin Krankenpfleger und leider muss ich sagen, das Pateintenverfügungen grundsätzlich immer ignoriert werden!


    In dem Moment eines Notfalls denken die Leute eher an sich, das sie evtl ins Gefägniss kommen, wegen unterlassener Hilfeleistung. Der Wille des Patienten interessiert niemanden. Das eigene Gewissen will beruhigt sein!

    Ich bin Krankenpfleger und leider muss ich sagen, das Pateintenverfügungen grundsätzlich immer ignoriert werden!


    In dem Moment eines Notfalls denken die Leute eher an sich, das sie evtl ins Gefägniss kommen, wegen unterlassener Hilfeleistung. Der Wille des Patienten interessiert niemanden. Das eigene Gewissen will beruhigt sein!