Ich hab mehrfach andere Erfahrungen gemacht. Ich sagte ja auch nicht: Lasst mal alles liegen, das wird schon von ganz alleine. Ich sagte nur: wenn man gute Gutachter hat, dann lassen sie es sich schon auch mal zeigen, ob die behauptete Mobilität der Pflegebedürftigen wirklich noch so besteht. Und wenn man keine guten Gutachter hat, dann muss man als Angehöriger vielleicht drauf bestehen, dass sie es vormachen.


    Besser, als so ein Bett-Theater zu veranstalten. Ist ja auch irgendwie nicht ganz richtig, jemanden, der nicht bettlägerig ist, als solchen zur verkaufen.

    Es wird auch keine Bettlägrigkeit vorgetäuscht, aber es ist teilweise grotesk, wenn alte Menschen noch einmal alle Kraft aufwenden, sich die Hose über den Hintern zu ziehen und der MDK dann bescheinigt, dass alles tutti sei. Meine Großmutter hatte einen Oberschenkelhalsbruch mit über 90, musste gepflegt werden und am großen Tag wollte sie dann allen zeigen, was sie noch konnte. Ja, MdK war begeistert, Oma kann sich ja noch super allein pflegen. Dass danach aber alle Kraft weg war, meine Mutter wieder tragen, Hintern abwischen und alles durfte, war dann nicht mehr relevant.


    Deswegen: Natürlich haben alte Menschen ihren Stolz und wollen noch zeigen, was sie mitunter einmalig können. Dafür ist aber der MDK Besuch denkbar ungeeignet.


    Und zum MDK habe ich zudem meine eigene Meinung - er ist zurecht nicht unumstritten

    @ Hatschepsut_

    Ja, das ist so menschlich wie sich die kranken alten Menschen gegenüber anderen oder Gäste die größte Mühe geben. Am Samstag habe ich das bei meiner Schwiegermutter gesehen. Sie hat obwohl sie blaß wie eine Leiche war und all ihre Beschwerden und Beeinträchtigungen schilderte, nicht nur die ganzen vier Stunden durchgehalten, sondern hat das Beste an Gastgeberin herausgeholt, was noch ging. Als Beispielsitaution war das eine Steilvorlage. Wir alle sagten unisono: genau das machst du am Mittwoch (MDK-Termin) nicht.


    Wir gesunde Erwachsene waren schon ziemlich erschossen, über Stunden alles wichtige zusammenzutragen, Protokoll zu schreiben und trotzdem einen schönen Familientag zu haben. Irgendwann hat sich Schwiegermutter dann ins Bett verabschiedet. Da ging einfach nichts mehr.

    @ hikleines

    Es geht mitnichten darum, irgendetwas nicht vorhandenes vorzuspielen. Aber die Situation ist die, dass man Gäste eben höflich empfängt. So hat es jedenfalls meine Elterngeneration noch drauf. Gerade wenn es um so ein sehr privates Thema geht, kurbeln die Senioren schon mal ordentlich auf.


    Der Alltag -wie hier im Faden in vielen Fällen beschrieben wurde- ist ein ganz anderer. Es fiel z.B. meiner Schwiegermutter total schwer zuzugeben und zu schildern, wie schwierig es für sie ist in die Dusche zu kommen und welche Angst sie vorm Ausrutschen hat. Von der Badewanne mal ganz zu schweigen. So etwas gibt man nicht gern. zu. Immer wieder nachfragen, sich anschauen wie die Dusche aussieht ... so in etwa ging das bei allen Sachen. Ehe wir herausgefunden haben, wo wirklich das Problem liegt.


    Zum Glück sind wir alle sehr vertraut und mögen einander. Da ist die Hürde halt geringer als wenn jemand Fremdes kommt und nach Fähigkeiten/Beeinträchtigungen fragt.

    Drücke ich mich echt so missverständlich aus?


    Nochmal, um damit abzuschließen: Ich sage weder, dass der MDK eine unabhängige und objektive Prüfgesellschaft ist, noch, dass man ältere Menschen bei solchen Besuchen mal eben mit dem MDK alleine lassen sollte und einfach nur abnicken, wenn sie von sich selbst behaupten, sie würden noch "alles alleine schaffen".

    Ok. Also: Ich halte es tatsächlich für nicht gut, ein Schauspiel zu veranstalten. U. a., weil man dann, wenn der Gutachter da durchblickt, vermutlich sowieso verloren hat. Hier geht es aber ja darum, dass man versucht zu verhindern, dass die Pflegebedürftigen eine Schauspiel in die ANDERE Richtung veranstalten.


    Und ich habe tatsächlich erlebt, wie der Gutachter dann gesagt hat: Aha, Sie duschen also jeden Tag alleine? Dann steigen Sie doch bitte mal gerade in die Badewanne und zeigen das vor.

    @ hikleines

    Hast du das im Familien/Bekanntenkreis erlebt? Das ist schon ein sehr zugewandtes Vorgehen seitens der Gutachter. Danke für diesen Hinweis. Das gebe ich weiter an alle Beteiligten an diesem Gutachten-Termin (ich bin leider nicht dabei). Wenn irgendetwas behauptet wird, dann soll Schwiegermutter das vormachen.


    Ich hoffe es kommt nicht dazu. Leider weiss man nie, was in der konkreten Situation ansteht.


    Naja, Missverständnisse treten auf. Deine Beiträge haben meine Gedanken in eine andere Richtung gelenkt. Das ist gut @:)

    Das Urteil vom MDK stand schon im Vorhinein fest:


    Ein Antragsteller muss über 6 Monate gelitten haben. Also muss die Schwiegermutter noch 3 Monate ausharren. Warum machen sie dann einen Termin?


    Da sieht man einen totkranken Menschen und veranstaltet so eine Veranstaltung.


    Ich bin so entsetzt und gleichzeitig, haben wir mit ähnlichem gerechnet.


    Es ist traurig, wie der MDK mit Menschen umgeht. Diese Leute sollten sich sowas von schämen.


    Mir fehlen die Worte.

    So ein Quatsch, da würde ich gegenangehen. Nach einem Schlaganfall soll jemand erst mal 6 Monate leiden und keine Pflegestufe bekommen? Als Beispiel? Was ist denn das für eine Argumentation.


    Meine Mutter mit einiger Demenz und nach genageltem Oberschenkelhalsbruch, der ja akut war, hätte gar nicht gewußt, dass man überhaupt duschen kann oder soll oder dass man sich auch abtrocknet. Ich stelle mir gerade vor, da hätte man von 6 Monaten gefaselt...

    @ Benita

    Das sehen wir genauso. Widerspruch gibt es ohnehin. Aber erstmal muss man das menschlisch verkraften, was die Gutachterin vom Stapel gelassen hat. Mein Blutdruck (habe eher niedrigen) will nicht runter gehen. Puh, da brauch ich noch etwas Zeit.

    Zitat

    Pflegebedürftig im Sinne dieses Buches (SGB XI) sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße (§ 15) der Hilfe bedürfen

    Da hat die Gutachterin ihre Hausaufgaben nicht gemacht oder sich absichtlich dumm gestellt.


    Die Pflegebedürftigkeit muss voraussichtlich 6 Monate betragen, nicht schon 6 Monate vorliegen.


    Holt euch Unterstützung durch den Sozialdienst des behandelnden Krankenhauses für den Widerspruch.

    @ Rhelia

    Danke für den Paragraphen. Das kann sehr nützlich sein.


    Gerade denke ich darüber nach, vor einem Gutachten (das zieht sich auch wieder hin) Beschwerde oder Widerspruch einlegen zu können.

    @ Hatschepsut_

    Gut oder auch nicht gut zu hören, dass es anderen ähnlich wiederfahren ist. Jeder Mensch sieht, wie es seinem Gegenüber an wie es ihm geht. Wenn da kaum noch Lebensernergie ist, sieht das auch ein MDK-Gutachter. Soviel Unmenschlichkeit wegen Geld.

    @ hikleines

    Es ist eine lange Liste an Erkrankungen, der Krebs kam oben drauf. Pallativpflege google ich gleich mal. Wir haben keine Ahnung davon.


    Aber die ??nicht einfühlsame?? Gutachterin meinte, nach Chemo und Bestrahlung wäre alles wieder gut


    :|N

    Wenn du Paragraphen hilfreich findest, empfehle ich dir noch folgende Seite:


    http://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/14.html


    Und schau nach, ob auf em Bescheid eine Widerspruchsfrist aufgeführt ist.


    Leider ist es heutzutage eigentlich nomal, dass Pflegestufe, Rehas, etc. zunächst abgelehnt werden. Als ob man in so einer Situation keine andere Sorgen hätte...

    Danke Rhelia @:)


    Es ist halt die Frage, ob vor dem Gutachten schon Widerspruch eingelegt werden kann.


    Das Vorgehen mit der standardmäßigen Ablehnung ist fürchterlich. Meines Erachtens wird da auf den Kraftlosesten der Gesellschaft gespielt :-/ Wer keine Unterstützung hat und den Mut, sich gegen diese Vorgehensweise zu wehren, hat halt Pech gehabt. Sorry, mir wird leider wieder übel.

    @ hikleines

    Über Pallativpflege habe ich mich jetzt kundig gemacht.


    Diesen Schritt möchten wir noch nicht gehen. Es steht erstmal an, dass die Schwiegermutter hier in der Stadt ankommt. Das ist schon schwierig genug. Es ist ein Abschiednehmen von ihrer gewohnten Umgebung und fällt sehr schwer.


    Wenn man ehrlich ist -das sind wir einschließlich der Schwiegermutter-, stellt es einen Abschied vom Leben dar. Das tut schon sehr weh. Wir versuchen das beste für die Mutter daraus zu machen. Pflege war da ein Punkt, dass der Alltag gut überstanden wird.


    Danke für den Hinweis. Das wusste ich bisher nicht @:)

    Also ich hatte sehr gute Erfahrungen mit dem MDK gemacht. Die Mutter war nach einem Krankenhausaufenthalt in der Kurzzeitpflege und sollte begutachtet werden. Die Prüfung dauerte ca. 1 1/2 Stunden. Der Gutachter las sorgfältig den Entlassungsbrief vom Krankenhaus, interessierte sich weiterhin für Dinge aus der Krankheitsvorgeschichte und fragte dann die Leiterin der Pflegeeinrichtung, welche Tätigkeiten bei ihr gemacht werden müssen und welche Tätigkeiten sie noch selbst kann. Es wurde über Sturzgefährdung gesprochen, über Gehfähigkeit, über Anzeichen für Demenz, über Medikamenten-Einnahme, Essgewohnheiten, soziales Verhalten usw. usw.


    Danach kontaktierte er meine Mutter selbst und überzeugte sich direkt über ihren Zustand. Nach ca. 1 Woche erhielten wir das Gutachten. Es umfasste ca. 30 Seiten wo alles aufgelistet war und für jeden Bereich Punkte vergeben wurden. Heraus kam dann anhand der Punktzahl der Pflegegrad 2. Pflegestufen gibt es ja nicht mehr. Die Pflegekasse gewährte daraufhin die vollstationäre Pflege.


    Ich hatte den Eindruck, dass der MDK-Mitarbeiter die Absicht hatte, objektiv zu begutachten und nicht für die Pflegekasse ein Gefälligkeitsgutachten zu erstellen.


    Es sei noch erwähnt, dass von einem höheren Pflegrad nur die Pflegeinrichtung profitiert, der Anteil des vom Bewohner zu entrichtenden Betrages für Unterkunft und Verpflegung ist für die Pflegegrade 2 - 5 immer gleich.


    Bei Pflegegrad 1 besteht keine Indikation für eine vollstationäre Pflege.

    @ Schlabbermaul

    Mit dieser Gutachterin war es wohl Pech.


    Sie tat z.B. die Ernährungsproblematik (sie kocht und isst nicht mehr bzw. sehr wenig, der Inhalt des Kühlschrankes sah spärlich aus) ab mit den Worten: Dann isst sie halt nicht mehr.


    Das genau die Energiezufuhr das wichtigste ist, besonders in einem Krankheitsfall, sollte ein Gutachter doch auf dem Schirm haben. Auch dass es ein Altersproblem ist.