Frage zur Patientenverfügung

    Hallo,


    ich hatte schon mal eine Beitrag bezüglich meiner Mutter eröffnet. Nun geht es aber speziell um die Formulierung in der Patientenverfügung.

    Situation:

    Meine Mutter hatte im Juni einen Schlaganfall, ist seitdem mit ein paar Krankenhausunterbrechungen wegen Krampfanfällen in der Reha. Sie spricht wieder ganz gut, ist aber teilweise dement. Laufen geht auch nicht mehr, ist voll pflegebedürftig und wurde in Pflegegrad 4 eingestuft. Am kommenden Freitag soll der Umzug ins Pflegeheim stattfinden. Ich konnte es ihr gut vermitteln, sie sagt sogar, dass sie sich freut, nicht mehr allein zuhause sein zu müssen.

    Nun isst sie seit vielen Tagen sehr schlecht, fast gar nicht. Wenn sie was isst, kriegt sie entweder Durchfall oder es kommt oben wieder raus. Sie hat sicher schon 5 kg abgenommen, momentan hat sie knappe 60 kg auf 1,60 m.

    Ich muss dazu sagen, dass sie schon sehr lange ein Magenproblem hat, einen sogenannten Upside-Down Magen, da stülpt sich der Magen durch eine Zwerchfellöffnung und wenn man damit zu schnell isst, wird einem auch übel. Wurde nie operiert, sie kam immer gut klar damit. Nur jetzt liegt sie ja sehr viel.

    Immer wenn ich ihr beim Besuch was mitgebracht habe, hat sie es mit Heißhunger gegessen, so auch vorgestern. Aber es blieb nicht drin. Wenn sie alleine dort essen soll, rührt sie nix an. Ob das jetzt bewusst geschieht oder sie einfach nicht essen kann, soll jetzt noch eine Magenspiegelung am Mittwoch klären. Dem habe ich auch noch zugestimmt.

    Trinken tut sie auch zu wenig, aber das machen ja viele alte Leute. Pro Tag kriegt sie einige dieser Infusionen für ihren Flüssigkeitshaushalt.

    Und dann kam die Frage, die ich nie hören wollte: Wie ist es mit künstlicher Ernährung?

    Ich habe sofort nein gesagt, da ich weiß, dass es in ihrer Patientenverfügung steht.

    Aber da eben nur für so einen "richtigen" Notfall, also Leiden ohne Aussicht auf Besserung.


    Die Ärztin hat die Verfügung gelesen und gesagt, nein - da würde sie nichts machen, sonst würde sie sich strafbar machen. Ich habe ja auch direkt nein gesagt, aber ich bin mir unsicher.

    ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

    Hier mal die genaue Formulierung aus der Verfügung:


    "Ich verweigere meine Zustimmung zu lebensverlängernden Maßnahmen, insbesondere durch eine Intensivtherapie oder Reanimation, wenn


    a) wenn ich ein langwieriges sehr schmerzhaftes Leiden habe und durch die Maßnahmen nicht mehr erreicht werden kann, als eine Verlängerung des Sterbevorgangs oder eine Verlängerung meines Leidens oder


    b) wenn ich geistig so geschädigt bin, dass ich irreparabel geistig nicht mehr zurechnungsfähig bin.


    Unter diesen Umständen bitte ich von weiteren Medikamentionen sowie technischen Maßnahmen, wie z.B. künstliche Beatmung, Sauerstoffzufuhr, Bluttransfusionen, künstliche Ernährung usw. abzusehen.


    Ich wünsche ferner unter diesen Umständen keine ärztlichen Maßnahmen , die zu einer unnatürlichen Verlängerung des Lebens führen. Vor allem lehne ich ein Leben ab, das nur durch einen fortdauernden Anschluß an eine Maschine verlängert werden kann."


    Zitat Ende

    :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

    Ich bin irgendwie im Zwiespalt, für mich ist das weder a) noch b).


    Was meint ihr?

    Von 10 gefragten Personen in meinem Umfeld sagen 9 NEIN zur künstlichen Ernährung (aufgrund der Verfügung) und 1 meint JA ("...….ich könne meine Mutter doch nicht verhungern lassen . . . ")


    :°(

  • 12 Antworten

    Gäbe es die Möglichkeit, wenigstens Vitamine/Mineralien auch per Infusion zu geben ?

    (mal laienhaft ausgedrückt)


    Magensonde oder gar Nasensonde würde ich auch nicht machen. Oder die Mutter in einem lichten Moment fragen ob man es mal probieren kann ? Sie scheint ja nicht vollständig dement zu sein und könnte noch sagen wenn sie sich dann unwohl fühlt ?


    Evtl OP ? (nicht gleich hauen ich frag ja nur ob das eine Option wäre)

    Keine Angst, ich haue nicht :-) OP? Viele Ärzte rieten ihr davon ab, weil es bei manchen danach noch schlimmer sei. Sie hat eh starke Verwachsungen im Bauch, weil sie als junges Mädchen (mit 15) einen Blinddarmdurchbruch hatte. Ich denke, ich werde sie auch selbst fragen, wenn sie einen klaren Moment hat. Die Ärztin sagte auch, eventuell fühlt sie sich im Heim wohler und da wird es wieder besser. Bis dahin könne man jetzt auch noch warten mit eventueller Ernährungs-"Hilfe".

    Mein Vater hatte die gleiche Patientenverfügung.


    Da kam es immer wieder vor, das er mal ein paar Tage nichts essen wollte. Künstlich

    ernährt wurde er deshalb nicht.


    Wir haben es immer wieder probiert mit kleinen Mahlzeiten, hast du das mal probiert?

    Auf die Frage ob er was essen mag, hat er immer nein gesagt. Aber wenn man sich zu

    ihm setzte, den Löffel reichte, hat er doch was gegessen. (leider auch oft mit Durchfall)

    Natürlich habe ich das gemacht. Meist hat sie auch gegessen. Aber ich kann berufsbedingt nicht jeden Tag dorthin. Und abends komme ich nicht mehr rein wegen den Corona-Bedingungen. X-\

    Aber gestern nachmittag hatte ich extra versch. Geschmacksrichtungen dabei, herzhaften Käse, Schinken, Kuchen usw. - sonst isst sie sowas liebend gern, aber da wollte sie es erst gar nicht sehen.

    Samstag, also vorgestern - hat sie eine ganze Tupperschüssel frische Beeren gegessen. Dann kam der Durchfall. Klar, sie hatte ja sonst nichts gegessen den ganzen Tag.

    Sitzt sie denn bei den Mahlzeiten mit den anderen Leutchen zusammen oder bekommt sie das Essen ins Zimmer ?

    Darf sie denn langsam essen oder drängelt dann wer ?

    Ähm halt...sie ist NOCH in der Reha und zieht am 28.08. um ? Dann ändert sich vielleicht auch was.

    Was ist mit Brei, Suppe, Joghurt, Pudding ?


    Zähne/Zahnfleisch sind ok ?

    Du schreibst deine Mutter ist teilweise dement, daß bedeutet aber nicht, daß ihr Gehirn irreversibel geschädigt ist. Du kannst sie fragen und ihr alles erklären oder besser ein Arzt. Man unterscheidet zwei Formen der künstlichen Ernährung, enteral, d.h. über eine PEG - Magensonde und parenteral über die Vene oder einen Portkatheter. Diesen Infusionen sind Nährstoffe, Vitamine etc. beigemischt und der Arzt kann diese jederzeit wieder absetzen. Du könntest es auch einmal mit flüssiger Astronautenkost aus der Apotheke versuchen, diese Fläschchen werden getrunken. Es gibt verschiedene Geschmacksrichtungen, wie Erdbeer, Schokolade etc, allen Patienten schmeckt das allerdings nicht. Alles Gute!

    anstatt ihr Beeren und deftiges Essen zu bringen könntest du es mit hochkalorischen Pudding probieren, dem werden auch Nährstoffe zugesetzt

    Sie hat allein ein Zimmer, das Essen wird ihr mehr oder weniger dahin gestellt, mit Deckel drauf. Und wenn sie das nach zwei Stunden oder so nicht gegessen hat, fragt man sie, ob das weg kann. Ab und an habe ich das sogar noch auf einem Wagen draußen stehend gefunden, mit ihrem Namen dran. :-(Ich bin ja nicht dabei, keine Ahnung, wie das da läuft. Ich denke mal, in so einer Reha, da haben die lieber Patienten, die wieder gesund werden und nicht soviel Arbeit machen. Ich bin so froh, wenn sie endlich in das Heim kommt. Wo die Menschen viel mehr auf sie eingehen.

    Da sind wenigstens Fachkräfte, die mit Problemen alter Menschen klar kommen.

    Zähne alles ok. Sie sollte zwar dieses Jahr noch Implantate bekommen, als Ersatz für gezogene Zähne, aber das war eher wegen ihrem ästhetischen Empfinden. Nicht wegen Problemen beim Essen. Ich habe sie auch öfter gefragt, ob mit den Zähnen alles ok sei. Und sie selbst sagte letztens in einem klaren Moment, dass sie sich das Geld ja nun sparen könne.

    Nee, nee - ihr ist übel und deshalb hat sie keinen Appetit. Gestern kam dann endlich mal einer mit Vomex.


    Ich glaube, die testen da auch gar nicht groß was aus, entweder wird das gegessen, was es gibt. Oder nicht. Ich würde so einem Patienten ja evtl. mal einen Zwieback oder eine Banane geben, nur so als Beispiel. . . . . Kamillentee, Haferbrei . . . . all die üblichen Hausmittelchen. . . .

    Die Ärztin heute morgen sprach direkt von einer Magensonde, dafür müsste sie auch in eine andere Klinik. Nachdem die dann die Verfügung gelesen hatte, sagte sie sofort. Nein, geht nicht.

    Ich warte erst mal die Untersuchung am Mittwoch ab und hoffe stark auf Freitag. Wenn sie in das Zimmer kommt, in dem wir am Tag vorher ganz viel aus ihrem alten Zuhause bringen. Und da sind weitaus nettere Leute. Und ich hoffe auch, dass sie dort - trotz Corona - mal mit anderen zusammen essen darf, und wenn es nur kleine Gruppen sind.

    Sie ist so kommunikativ, das fehlt ihr total.

    Was wirklich doof ist: Sie muss dort - nach dem x-ten Coronatest - eine Woche auf dem Zimmer bleiben - Quarantäne {:(Hoffentlich hält sie das durch - bitte MIT Essen!

    Merlinchen7 schrieb:

    ... hat sie eine ganze Tupperschüssel frische Beeren gegessen. Dann kam der Durchfall.

    Wenn wir tagelang eher schlecht essen und dann eine ganze Tupperschüssel mit Beeren wegputzen, bekommen wohl die meisten Durchfall.


    Ich würde eher ganz leichte Sachen reichen, mal ein Butterkeks, ein kleiner Joghurt. Vermutlich müsste sie zum Essen angeleitet werden und ihr das nicht einfach vor die Nase gestellt werden. Außerdem könnte man erst mit der Ärztin über eine Dauermedikation reden, was die Überlkeit nimmt. So schnell verhungert auch niemand, wichtiger ist, dass sie zur Zeit ausreichend trinkt. Wenn sie jetzt Freitag in eine Pflegeeinrichtig kommt, würde ich explizit darauf hinweisen, dass sie Hilfe beim Essen benötigt und die Hilfestellung langsam erfolgt, also kleine Häppchen und etwas mehr Zeit. Oft ist in Pflegeeinrichtungen extra Personal für die Essensgabe zuständig.

    HasiX schrieb:
    Merlinchen7 schrieb:

    ... hat sie eine ganze Tupperschüssel frische Beeren gegessen. Dann kam der Durchfall.

    Wenn wir tagelang eher schlecht essen und dann eine ganze Tupperschüssel mit Beeren wegputzen, bekommen wohl die meisten Durchfall.


    Ich würde eher ganz leichte Sachen reichen, mal ein Butterkeks, ein kleiner Joghurt. Vermutlich müsste sie zum Essen angeleitet werden und ihr das nicht einfach vor die Nase gestellt werden. Außerdem könnte man erst mit der Ärztin über eine Dauermedikation reden, was die Überlkeit nimmt. So schnell verhungert auch niemand, wichtiger ist, dass sie zur Zeit ausreichend trinkt. Wenn sie jetzt Freitag in eine Pflegeeinrichtig kommt, würde ich explizit darauf hinweisen, dass sie Hilfe beim Essen benötigt und die Hilfestellung langsam erfolgt, also kleine Häppchen und etwas mehr Zeit. Oft ist in Pflegeeinrichtungen extra Personal für die Essensgabe zuständig.

    :)^


    Und den hier :)* für Merlinchen7's Mama. Ihr schafft das !