Ich kann Schwiegermutter nicht pflegen- bin ich herzlos?

    Einen guten Morgen in die Runde!


    Zu allererst: Ich bin mit meinem Freund nicht verheiratet, wir sind aber schon seit 30 Jahren zusammen. Wir leben zusammen mit dessen Mutter, das Verhältnis zwischen ihr und mir war gelinde gesagt bescheiden... Sie hat mich immer als schlechten Menschen da stehen lassen, hat mich überall schlecht gemacht. Als ich ihre Hilfe gebraucht hätte (Schwanger mit Zwillies, musste viel liegen) lies sie mich ablaufen. Ich habe es ohne ihre Hilfe geschafft. Unser Kinder sind auch ohne sie wohlgeraten, haben ihre beruflichen Pläne verwirklicht und sind ganz tolle Menschen.


    Mit der Körperpflege hielt sie es nicht so genau, der Duft ihres Parfums, das sie sich aufsprühte, statt mal zu duschen, habe ich heute noch in der Nase. So widerlich...


    Jetzt ist sie bald 81, kann nicht mehr gehen, sitzt den ganzen Tag in ihrem Wohnzimmersessel und ich soll springen. Morgens kommt der Pflegedienst, aber leider so spät, dass es nicht wirklich tragbar ist für einen alten Menschen. Es war teilweise schon 11 Uhr, die Beschwerde ging raus.


    Sie kann nicht alleine auf Toilette gehen und ich soll ihr jetzt bei ihren Ausscheidungen helfen... ich kann das einfach nicht. Ich ekle mich so derart, dass ich mich fast übergebe. Sie meint dann nur, ich soll mich nicht so anstellen! Ich weine jeden Morgen schon bei dem Gedanken, dass ich sie aus dem Bett holen soll, damit sie ihre Blase entleeren kann. Ich habe kein Problem, ihr Essen zu bringen, ihr auch zu putzen, ihre Medis zu richten eca. Aber diese Dinge? Ich bin verzweifelt...


    Ihre Tochter wohnt 60 KM weiter weg, kommt alle 2 Wochen mal, wischt ihr vielleicht mit Ach und Krach mal den Schlafzimmerboden und ist dann wieder weg. Und ist dann die allerbeste Tochter. Ich reiße mir hier den A... auf und kann mir dann noch anhören, was die liebe Tochter alles gemacht hat. In ein Pflegeheim wollen wir sie nicht geben, die Kosten könnten wir nicht übernehmen.


    Ich selbst bin gesundheitlich auch nicht wirklich in Ordnung, habe Probleme mit meinen Gelenken und schon öfter mal Entzündungen im Darm, was sich auch bei Stress wieder bemerkbar macht.


    Ich bin Hausfrau, derzeit nicht berufstätig, ich arbeite immer mal wieder im Nachbarort in einer Weinschänke, mein Freund arbeitet bis abends, außerdem haben wir selbst noch Weinbau im Nebenerwerb, wo ich ich mich auch mit einbringe. Im Moment wie gesagt bin ich daheim.


    Ich schäme mich, ganz ehrlich, wenn ich sage, dass ich das Ganze nicht kann! Bei meine Mutter wär das kein Problem, aber bei dieser Frau, die sich nie gewaschen hat, die mich immer mies behandelt hat, weil ich ja nicht die Richtige für ihren Sohn war? Ich gerate hier gewaltig an meine Grenzen. :°(


    Bin ich herzlos, nur weil ich das nicht kann?

  • 96 Antworten

    Alt und bedürftig hin oder her... Opfer dich nicht für einen Menschen auf, der dich nicht ausstehen kann und dir nichts Gutes will! Ich würde für so jemandem keinen Finger rühren.


    Wer kam denn auf die Idee, mit ihr zusammen zu ziehen? Wie sehr hilft denn dein Partner bei der Pflege? Was sagt er dazu, dass sie dich wie Dreck behandelt?

    Angeblich ist sie inzwischen froh, dass wir hier im Haus wohnen. Aber ich weiß, dass dies nur so ist, weil wir ihr alles machen, sobald es nicht nach ihrer Nase geht, sind wir wieder die Bösen.


    Wir haben wie gesagt im Nebenerwerb Weinbau, der mein Freund von seinen Eltern übernommen hat. Das heißt, dass wir auch alle Räumlichkeiten, wie den Weinkeller eca. hier haben. Wenn das nicht wär, wären wir hier schon längst weg. Wir lieben den Weinbau und das drumrum auch sehr, das ist der einzige Grund. Und etwas zu finden, wo man das Ganze weitermachen kann, ist bei den Wohnpreisen wahnsinnig schwer.


    Mein Partner kann mir nicht viel helfen, bedingt durch seine Arbeit. Er ist ja den ganzen Tag nicht da und im Moment ist auch noch viel Arbeit im Weinberg zu erledigen, was nach Feierabend gemacht werden muss. Er ist genau so sauer drüber, wenn sie mich so behandelt. Aber er kann da nichts dagegen machen.

    Also so wie ich das verstanden habe, zieht sie euch beide runter, oder? Würde es euch bzw. insbesondere dir nicht besser gehen, wenn ihr den Weinanbau solange aufgebt, bis ihr vielleicht was Neues dafür gefunden habt und von der Frau wegzieht? Willst du wirklich so vielleicht die nächsten Jahre noch leben, bis sie irgendwann nicht mehr da ist?

    Nein, du bist nicht herzlos!


    Hat deine Schwiegermutter einen Pflegegrad?


    Wenn nicht - sofort beantragen.


    Pflegeheime sind teuer, aber die Pflegekasse gibt einen Zuschuss, danach ist das eigene Vermögen der Pflegebedürftign dran, anschließend werden die Kinder mit zur Kasse gebeten - auch die tolle Tochter.


    Gibt es bei euch im Ort oder im Landkreis eine Pflegeberatung? Lass dir dort einen Termin geben und Hilfsmöglichkeiten aufzeigen.


    Caritas, Diakonie, Krankenkassen oder das Gesundheitsamt wissen da Adressen und Ansprechpartner.


    Wie bist du in eurer Beziehung rechtlich abgesichtert?


    Wem gehört der Weinbau offziell? Was arbeitest du da und wie wird das abgerechnet?


    Wenn dein Mann meckern sollte, dass du seine Mutter nicht pflegen willst, biete ihm an, dass du arbeiten gehst.


    Es gibt mittlerweile auch Modelle, dass sich Arbeitnehmer frei stellen lassen können, um Angehörige zu pflegen. Wie das genau geht, weiß die Pflegeberatung. Vielleicht will dein Mann das ja in Anspruch nehmen.


    Ich würde meine Schwiegermutter auch nicht pflegen. Ich hab davon keine Ahnung und auch nicht Geduld und die Nerven, mich darum zu kümmern, denn der Starrsinn ist ja bekanntlich der Sinn, der im Alter immer besser wird.


    Selbst bei meinem Vater würde das schwierig. Umsorgen, betüddeln, kümmern ... ja. Aber ich könnte und wollte nicht die Verantwortung übernehmen, ihn zu waschen, anzuziehen, für die Hygiene zu sorgen.


    LG


    Hanne

    Hm, du wohnst vermutlich irgendwo "auf dem Dorf". Schwiegermutter ist alt eingesessen, du bist nur die Hinzugezogene?


    Dann ist klar, was der Ort von dir erwartet.


    Na und?


    Könntest du bei angemessener Entlohnung für deine Schwiegermutter arbeiten, sie pflegen? Dann soll sie sich offiziell (als Haushaltshilfe?) einstellen und dich auch bezahlen.


    Dann ist das ein Job, den man auch wieder kündigen kann.


    Wenn deinem Freund / Partner / Mann etwas passiert - was niemand hofft - wie abgesichert bist du dann? Hat er eine Lebensversicherung zu deinen Gunsten abgeschlossen? Oder bist du "nur" diejenige, die dort wohnt, arbeitet ... aber im Falle eines Falles leer ausgeht?


    Ihre seid über 30 Jahre zusammen, habt gemeinsame Kinder - alles prima. Aber was ist, wenn ...


    Selbst wenn dein Freund / Partner / Mann ein Testament gemacht hat und dich als Alleinerbin eingesetzt hat, zahlst du immer noch Erbschaftssteuer, hast keine Ansprüche auf irgendwas.

    Ja sie hat den Pflegegrad 2. Das Ganze hat die Tochter gemacht. Die hat auch alle Unterlagen. Das ist auch so etwas, was mich so ärgert. Es ist ja in Ordnung, dass sie das alles organisiert hat, aber wir bekommen nur sporadisch Mitteilungen, was Sache ist. Genauso, sie ruft beim Arzt an veranlasst Untersuchungen und ich werde dann damit konfrontiert und weiß von nix. Wenn ich mich nicht ständig melde und nachfrage, bekommen wir keinerlei Infos. Aber die Drecksarbeit lassen sie uns machen...

    Liebe Hanne07!


    Ja, so in etwa ist es wie du es beschreibst. Eine Lebensversicherung läuft auf mich. Da der Betrieb nicht gewerblich ist, sondern nur im Hobbywinzerbereich, der über eine Straußwirtschaft die Einnahmen bringt, kann ich nicht offiziell eingestellt werden. Ich helfe hier überall mit, natürlich ohne Bezahlung.


    Pflegen kann dich die Schwiegermutter nicht, ich kann ihr von mir aus die Wäsche machen, (was schon sehr grenzwertig ist), putzen und kochen. Das mache ich ja auch schon die ganze Zeit. Ich bekomme natürlich auch hier nichts an Geld. Das ist ja alles so selbstverständlich.

    Der Formalkram bei Pflegebedürftigen ist nicht zu unterschätzen. Das ist schon gut, wenn die Tochter den übernimmt.


    Aber wenn man euch keine Informationen gibt - dann ist das nicht gewollt, und dann ist das ein Problem, das ein Freund / Partner / Mann mit der Schwester klären muss. Du bist da raus aus der Nummer.


    Wenn es einen Pflegegrad gibt, dann gibt es doch auch eine Pflegeperson, die dort im Gutachten eingetragen ist. Wer ist das?


    Wenn du das sein solltest, kannst du immer noch gegenüber der Pflegekasse erklären, dass du das nicht mehr leisten kannst. Ausdiemaus.


    Dann hättest du aber auch Ansprüche in der Rentenversicherung.


    Wo landen das Geld, das die Pflegekasse monatlich für die Pflege der Schwiegermutter zahlt?


    Lasst euch beraten, welche Kosten auf euch zukommen könnten, wenn Schwiegermutter ins Heim käme. Wer muss wirklich wieviel von dem bezahlen, was die Pflegekasse nicht übernimmt.


    Die Pflegeberatung weiß da sicher mehr zu, evtl. müsste man sich bei einem spezialisierten Anwalt beraten lassen. Da spielen so viele Faktoren mit rein, und ggf. wäre euer Eigenanteil gering - und es allemal wert, wenn du dann zufriedener bist. (Als Nicht-Verwandte könntest du - meines Wissens nach - ohnehin nicht belangt werden. Also träfe es deinen Freund / Parnter / Mann und seine Schwester ...)

    Als Haushaltshilfe kannst du doch eingestellt werden.


    Dein Freund / Partner / Mann kann dich doch einstellen, Schwiegermutter kann dich einstellen. Offiziell und legal, und dann wärest du auch versichert.


    Ich gehe davon aus, dass ihr beide nicht mehr die allerjüngsten seid (also, ihr kennt durchaus noch Telefon an der Schnur und evtl. auch noch Wählscheiben und Telefonzellen ...). Da brauchst du eine vernünftige finanzielle Absicherung. Du machst den Haushalt und den Hobbyweinbau (Straußenwirtschaft ist zwar Saisongeschäft, aber ....) - und was ist, wenn das irgendwann nicht mehr geht oder du das nicht mehr kannst (gesundheitlich)?


    Was steht auf deinem Rentenbescheid?


    Dein Freund / Partner / Mann macht es sich da vielleicht auch einfach ... ist aber eine andere Baustelle.

    Zitat

    Das ist ja alles so selbstverständlich.

    Nöööö, ist eben nicht.


    Und wenn du es nicht mehr tust, dann muss es jemand anders tun.


    Da können sich dann die Schwiegermutter und ihre wohlgeratene Tochter und der Sohn etwas einfallen lassen.


    Ich weiß nicht, wie bei euch die Preise für Haushaltshilfen (schau mal bei e-bay-Kleinanzeigen) liegen. Die Haushaltshilfe meiner Schwiegereltern (offiziell angemeldet und versichert, Steuern muss sie als Renterin nicht zahlen) bekommt meines Wissens nach 10€ pro Stunde. Das ist über dem Mindestlohn, ist aber auch eine Stelle mit besonderem Vertrauen, weil sie ja ganz ganz nah an der Privatsphäre ist.


    Du hast es nicht nötig, deine Arbeit, dein Engagement unter Wert zu verkaufen. Vor allem, wenn so mit dir umgegangen wird.


    Die Sklaverei ist abgeschafft.

    Ich bin ja auch froh darüber, dass sie die ganze Schreiberei übernimmt, wenn ich das auch noch machen müsste, dann ging gar nichts mehr. Das mit der Selbstverständlichkeit hab ich gestern ganz klar gesagt bekommen, wir hätten uns zu kümmern. Wir müssten uns das mit der Tochter "teilen".


    Ich hab bald keine Kraft mehr, würde am liebsten meine Sachen packen, aber ich kann meinen Freund nicht alleine lassen. Dazu liebe ich ihn viel zu sehr. Er macht es sich eigentlich auch nicht einfach, aber er weiß auch nicht, wie er das in den Griff bekommen kann. Seine Schwester spielt das alles ja nur runter. Wenn man das Ganze auch nur alle 2 Wochen mal hat für vielleicht 3-4 Stunden, kann man auch gut lachen darüber.


    Ich habe einfach auch Angst, dass durch die ganzen Sorgen und dem Stress wieder ein Entzündungsschub im Darm ausgelöst wird. Das ist bei mir eine absolute Schwachstelle.