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    Mich wundert die Reha-Station jetzt etwas. Für Reha-Übungen ist 1. der Bruch noch zu frisch und 2. die Compliance/Kooperation einer Demezkranken nicht gegeben. Hier sehe ich in der Tat eher monitäre Gründe, da Anschluß-Reha im selben Haus ein neuer, sehr lukrativer Trend ist.

    da würde ich schon fast drauf tippen, dass es eher eine Art geriatrische Station ist. In den mir bekannten Krankenhäusern werden demente Patienten oft in die Geriatrie verlegt, wenn sie noch nicht nach Hause können. Dort kann man sich

    besser um die Patienten kümmern als auf einer Unfallchirurgischen Station.


    Ich arbeite selbst im Gesundheitswesen und die genannten "Zustände" sehe ich jetzt auch nicht soo dramatisch. Wie bereits erwähnt, kommt es schonmal vor, dass eine Person etwas länger auf Toilette sitzen müssen. Sicher ist das ganz und gar nicht schön für den Patienten und man kann das durchaus im krankenhausintenernen Beschwerdesystem melden. Aber es kommt eben vor, da eben oft wenig Personal für viele Patienten da sein muss. Weiß du, was zeitgleich auf Station noch geschehen ist? Vielleicht ist jemand gestürzt ode hat nachgeblutet oder ist ohnmächtig geworden...


    Des weitere wird es mir wohl immer ein Rätsel bleiben, dass viele Leute immer eine Operation erwarten. Selbst mit Operation wäre die Großmutter noch lange Zeit sehr eingeschränkt, da eben auch die operierte Schulter heilen muss. Und es ist nicht gesagt. dass danach der Arm wieder gesund ist. Auch operierte Knochenbrüche können weiterhin große Probleme verursachen. Hinzu kommt außerdem noch die Gefahr der Wundinfektion und vor allem der Narkose. Nicht wenigen Menschen hat eine Narkose im hohen Altern schon zum Pflegefall gemacht, weil sie der Körper von diesem Eingriff nicht mehr erholt hat. Ich persönlich sehe es eher positiv, dass die Ärzte konservativ behandelt wollen und nicht auf Teufel komm raus noch eine 85-jährige Demenzpatienten operieren.

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    Ich habe einfach ein ungutes Gefühl, und finde Oma in diesem KH nicht gut aufgehoben..

    Was genau schwebt dir denn vor?

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    da würde ich schon fast drauf tippen, dass es eher eine Art geriatrische Station ist. In den mir bekannten Krankenhäusern werden demente Patienten oft in die Geriatrie verlegt, wenn sie noch nicht nach Hause können. Dort kann man sich

    besser um die Patienten kümmern als auf einer Unfallchirurgischen Station.

    exakt. Da wo ich Ausbildung gemacht habe war das der Fall. Oma bricht sich die Hüfte, wird dann auf der UCH zusammengeflickt und kommt zur Reha auf die Geriatrie. Mit genauso beschissenem Pflegepersonalschlüssel, aber mit Physiotherapeuten, Ergotherapeuten etc.

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    Sicher ist das ganz und gar nicht schön für den Patienten und man kann das durchaus im krankenhausintenernen Beschwerdesystem melden. Aber es kommt eben vor, da eben oft wenig Personal für viele Patienten da sein muss. Weiß du, was zeitgleich auf Station noch geschehen ist? Vielleicht ist jemand gestürzt ode hat nachgeblutet oder ist ohnmächtig geworden...

    Ja. Glaube kaum dass sich die Schwestern in der Zeit Tee getrunken und Nagelpflege betrieben haben. Geile Sache, wenn man zu dritt im Frühdienst steht und im Minutentakt die roten Lampen angehen.

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    Ich persönlich sehe es eher positiv, dass die Ärzte konservativ behandelt wollen und nicht auf Teufel komm raus noch eine 85-jährige Demenzpatienten operieren.

    ich auch.

    chloedasilva

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    Der Sozialdienst des Krankenhauses kann Euch beraten.

    Das hatte Taps geschrieben und macht das bitte. Unbedingt.

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    Ich habe einfach ein ungutes Gefühl, und finde Oma in diesem KH nicht gut aufgehoben.

    Ja, das kann sein. Vielleicht könnt ihr als Familie, also alle die nah dran sind, ja eine engere Betreuung von euch einrichten? Wenn ihr, auch mit ein bisschen Abstand, zu dem Schluss kommt, dass das Krankenhaus nix ist, solltet ihr dabei bleiben und dieses Krankenhaus in Zukunft meiden.

    Muss da mal Liverpools und Primadonnas Sicht unterschreiben, und das auch aus beruflicher Erfahrung...


    Auf UCh ist teilweise die Hölle los....vom Personalschlüssel brauchen wir da gar nicht reden...


    Ich frag mich aber unabhängig davon immer warum Heime so verteufelt werden. Natürlich muss man die persönliche Sicht immer mit betrachten, aber so eine echt demente (und nicht nur im alter halt etwas tüddelige) Dame, das wird ja immer schlimmer, ich glaub ich würde da meinen Job nicht für aufgeben können um mir das mit anzusehen und mein Leben aufzuopfern... und ich bin ja nun Krankenschwester...


    Warum das nicht Leute machen lassen die da professionell dran gehen und nicht mit soviel "herzblut" dass sie selbst dran kaputt gehen??

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    Ich frag mich aber unabhängig davon immer warum Heime so verteufelt werden. Natürlich muss man die persönliche Sicht immer mit betrachten, aber so eine echt demente (und nicht nur im alter halt etwas tüddelige) Dame, das wird ja immer schlimmer, ich glaub ich würde da meinen Job nicht für aufgeben können um mir das mit anzusehen und mein Leben aufzuopfern... und ich bin ja nun Krankenschwester...

    Tja, in Heimen werden die Menschen halt ausgebeutet und gefoltert zzz


    Und diejenigen, die Job, eigenes leben und Familie aufgeben für Oma oder Opa unterschätzen den ganzen Spaß meistens maßlos. Und wenn man kurz vorm Burnout und Zusammenbruch steht, das kalte Kotzen kriegt bei der täglichen Pflege, von den körperlichen Nebenwirkungen ganz zu schweigen, dann ist das Geschrei groß. Aber bloooooß nicht in das böse, böse HEEEEIIIIIIMMMMM…


    Sorry, ich werde es nie verstehen.


    Einige tun ja so, also wäre ein Seniorenheim eine Art Konzentrationslager %-|


    Es ist mir ein Rätsel, es geht nicht in meinen Kopf.

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    Warum das nicht Leute machen lassen die da professionell dran gehen und nicht mit soviel "herzblut" dass sie selbst dran kaputt gehen??

    Weil ein Umzug ins Heim eine ABSCHIEBUNG der armen Oma wäre. Dann lieber selbst sein Leben und seine Gesundheit ruinieren, Hauptsache die Tante 3. Grades aus Manchester und die Nachbarn 5 Etagen unter einem reden einem nicht böse nach, man hätte Mutti einfach abgeschoben.

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    Ich frag mich aber unabhängig davon immer warum Heime so verteufelt werden.

    jetzt echt?


    Der Personalschlüssel in Heimen ist doch eher noch bescheidener als in den Krankenhäusern.


    Und gerade weil ich selbst die Arbeit kenne und weiß, dass die Pflegekräfe gern anders wollen und oft nicht können, gehen meine Eltern erst in ein Heim wenn wir es absolut nicht mehr gewuppt kriegen

    Ich denke, Heim ist nicht gleich Heim. Meine eine Oma konnte einfach nicht mehr zu Hause bleiben, so sehr wir das auch gewollt hätten. Meine Oma war dement, wohnte 3 km entfernt, meine Mama ist zwei- bis dreimal am Tag hingefahren, bekam von ihren Brüdern keine Hilfe, zu Hause saß mein krebskranker Papa und im selben Haus noch eine andere Oma. Das war nicht mehr zu stemmen. Mit der Auswahl des Pflegeheims haben wir es uns nicht leichtgemacht. Wir haben uns mehrere angeschaut, bis wir eine Entscheidung getroffen haben. In dem Heim, wo Oma dann untergebracht war, war sie wirklich gut betreut. Keiner der Bewohner musste "vor sich hinvegetieren", es wurde keiner vernachlässigt, o.ä.


    Die Entscheidung, Oma in ein Heim zu bringen, fiel uns allen nicht leicht. Am lautesten geheult haben da allerdings tatsächlich Mamas Brüder, die vorher nicht mal ansatzweise geholfen haben. Wir haben Oma regelmäßig besucht, und auch wenn wir überraschend vorbeikamen, war alles gut. Oma war nie wund, immer ordentlich angezogen und versorgt. Es kann also auch in einem Heim funktionieren. Sicher, es gibt Heime mit riesen Missständen, von daher sollte man nicht einfach "irgendein" Heim wählen. Aber von vornherein alle Heime verteufeln ist eben auch nicht richtig.

    Naja, zum einen muss man alte Menschen längst nicht so pflegen wie kranke... (auf meiner AH Etage waren von 30 wirklich 8 noch soweit morgens fast alles alleine zu machen)... war halt ein AH und kein Pflegeheim....


    Ich hab da gern gearbeitet muss ich sagen, klar man konnte nicht bei jedem Pieps sofort in sekunden da sein... aber mal ehrlich wer kann das schon daheim? auch da muss man mal einkaufen, duschen oder sonstiges. Die Leute hatten aber sich untereinander... meine Oma hat stundenlang aus dem Fenster gestarrt bei uns daheim... klasse.


    und ich habs live erlebt, meine Mum hat erst ihre Mutter und dann ihre Schwiegermutter jahre gepflegt.... im Prinzip wäre die Ehe bald drauf gegangen, meine Jugend war nicht gerade nett... und sie sagt heute "boh kind , ich will bloß ins Heim... tu dir das nie an"... und ich verstehe was sie meint.... von Rückenproblemen etc mal ganz zu schweigen war es psychoterror vom Feinsten, und die Damen waren nicht dement, die waren nur einfach sehr alt.

    ich kann auch jeden verstehen, der Angehörige nicht pflegen kann oder auch einfach nicht will.


    Und ich würde nie jemandem ein schlechtes Gewissen machen wollen, ich wunderte mich nur gerade über eure Aussagen, eben weil sie von euch als Pflegekräfte kommen, die eine Ahnung haben, wie es in Heimen zugeht.

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    Und ich würde nie jemandem ein schlechtes Gewissen machen wollen, ich wunderte mich nur gerade über eure Aussagen, eben weil sie von euch als Pflegekräfte kommen, die eine Ahnung haben, wie es in Heimen zugeht.

    Nun, wenn meine Mutter noch leben würde und mein Vater nicht im Ausland wäre, käme es nie in Frage, sie in meinem Haus aufzunehmen oder geschweige denn, zu pflegen. Da wäre ein Heim unerlässlich. Aber nicht 500km weit weg, sondern in meiner Nähe, so dass ich ein Auge drauf habe. Finde dass Nela da einen passenden Beitrag zu geschrieben hat. Es gibt zuhauf gescheite Heime. Und dass man als Pflegekraft nicht 2 Sekunden nach dem Klingeln springen kann, damit müssen die Bewohner eben leben. Ist wie beetle schon sagte, zuhause nicht anders.

    ontopic,

    @ chloedasilva

    ich arbeite auf einer Station, wo geriatrische Frühreha durchgeführt wird.


    Die Leute sollen eben etwas fitter werden, sie sollen Unterstützung und Anleitung bekommen, der Sozialdienst wird eingeschaltet, schaut auf die häusliche Versorgung und hilft Angehörigen beim Ausfüllen und Beantragen von Hilfen, die sich als nötig abzeichnen.


    Ich denke dennoch, du musst deine Erwatungshaltung etwas überdenken. @:)

    @ süntje:

    (wenn auch etwas offtopic) ich finde gerade als Pflegekraft kann man das sehr gut sagen, erstens sieht man die Belastung die es mit sich bringt und hat keine illusorischen Vorstellung von "wir holen Oma heim, ist ja nicht viel arbeit".... und ich persönlich hab echt nur in guten Heimen gearbeitet (ok waren nur 2 aber da würde ich auch jederzeit einziehen bei den Zuständen)... da war unsere Geri auf der ich gelernt hab aber viel schlimmer...


    Und ich finde man darf den Kontakt zu anderen Leuten nicht unterschätzen, da warte ich doch lieber mal 10 minuten auf mein Essen oder die morgendliche Dusche wird auf Morgen verschoben und dafür hab ich wen mit dem ich Mensch ärgere dich nicht spielen kann oder ggf noch ne Runde mit dem Rolator über die Gänge zuckeln kann...


    Als komplett bettlägrige sieht das sicher noch mal anders aus aber da mal ganz ehrlich meine Meinung.... da ist mein Leben eh am Arsch egal ob bei den Kindern oder im Heim, da möchte ich meinen Kindern die Belastung echt ersparen und wünsch mir nur man hält sich an meine Patientenverfügung.

    Zitat

    ich arbeite auf einer Station, wo geriatrische Frühreha durchgeführt wird.


    Die Leute sollen eben etwas fitter werden, sie sollen Unterstützung und Anleitung bekommen, der Sozialdienst wird eingeschaltet, schaut auf die häusliche Versorgung und hilft Angehörigen beim Ausfüllen und Beantragen von Hilfen, die sich als nötig abzeichnen.

    ist das bei einer dementen Patientin denn möglich? wie beschrieben, vergißt sie innerhalb eines Moments das Gesagte. Unterstützung, Anleitung und jegliche Form von Übungen laufen da doch ins Leere. Die Anleitung und Unterstützung der Angehörigen macht allerdings ganz viel Sinn! Ich würde hier eine Kurzzeitpflege in einem guten Heim sinnvoller finden und den Platz auf der geriatrischen Reha Personen geben, die davon profitieren, weil sie noch verstehen, was passiert ist und was mit ihnen gemacht wird. Aber vielleicht läuft es sowieso darauf hinaus, dass den Angehörigen auf der geriatr. Reha deutlich gemacht wird, dass eine Kurzzeitpflege das geeignete Mittel ist.


    Meine demente Mutter war in einem exzellenten Heim, ich kann nicht ein schlechtes Wort über die Pflege, das Personal, die Hygiene etc finden, alles war wirklich gut – und ich bin durch meinen Job echt geschult, auf Mißstände zu achten. also: es gibt gute Heime, mit guten, motivierten, netten Pflegekräften. Nicht alles ist so, wie kürzlich von Wallraff dargestellt.

    @ die Kruemi

    ein Großteil unserer Patienten ist dement, bei einigen wird kaum etwas erreicht, bei anderen kommen auch viele Dinge wieder.


    Manche sind ja einfach nur zurm Ort und zur Zeit nicht orientiert, können aber durchaus lernen, mit dem Rollator sicherer zu laufen.


    Bei anderen geht die Inkontinenz zurück durch Training usw.


    Selbstverständlich erreicht man bei Patienten ohne Demenz mehr, und bei einigen erreicht man gar nichts.


    Aber insgesamt würde ich schon sagen, dass eine geriatrische Frühreha etwas bringt

    @ beetlejuice

    ist schon ein schwieriges Thema.


    Ich möchte auch nicht, dass meine Kinder mich mal pflegen, das wissen sie auch. Aber irgendwo an einen Tisch gefahren zu werden und dann "Mensch ärger dich nicht" spielen zu sollen ist echt ein Alptraumgedanke für mich ;-D


    Aber bei den Eltern sieht es anders aus.


    Ich kenne leider keine Einrichtung, in die ich meine Eltern geben wollte.

    naja ich kenn halt die alternative ... oma starrte 5 std am stück das fenster raus.... dann vielleicht doch lieber ein brett spiel, und wenn ich nicht will kann ich ja immer noch starren aber ich hab die alternative.

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    ist das bei einer dementen Patientin denn möglich? wie beschrieben, vergißt sie innerhalb eines Moments das Gesagte. Unterstützung, Anleitung und jegliche Form von Übungen laufen da doch ins Leere.

    naja, in der geriatrischen Frührea geht es jetzt auch weniger um klassiche Physiotherapie, wie man sie als "gesunder" Mensch kennt. Aber da sind eben täglich Physio- und Ergotherapeuten vor Ort. Da werden die Leute einfach bewegt und gefordert. Und vielleicht kann die Person selbst sich nicht dran errinern aber für die Gelenke schadet es sicher nicht, wenn sie ein Physiotherapeut täglich mal durchbewegt. Und auch der Schulter nutzt es sicher, wenn da regelmäßig Übungen gemacht werden.


    Und gerade mit Ergotherapie kann man bei Demenzpatienten noch viel ausrichten.

    Meine Oma kam auch für 2 Wochen auf "Reha". Das ganze war im Nebengebäude. Dort wurde sich besser um sie gekümmert und sie wurde beschäftigt (Singen, Gymnastik, Malen etc.). Ich denke, das meinen die damit.