Krankenschwestern: zur Hilfe verpflichtet?

    hallo zusammen.


    ich hätte eine frage an die krankenschwestern unter euch, die das hier lesen oder andere, die sich mit sowas auskennen:


    sind krankenschwestern, wenn sie fertig ausgebildet sind, dazu verpflichtet zu helfen, wenn sie außerhalb ihres dienstes oder einer festen vertraglich geregelten anstellung an eine unfallstelle kommen? müssen sie sich als krankenschwestern zu erkennen geben und nachfragen, ob sie was machen müssen?


    falls ja, besteht diese verpflichtung ein leben lang? wird zuwiderhandeln strafrechtlich verfolgt? kann sich eine krankenschwester von dieser pflicht entbinden lassen oder ist sie immer sklave ihrer ausbildung?


    für fundierte antworten wäre ich sehr dankbar.


    limbonic

  • 37 Antworten

    Jeder Mensch ist durch das Gesetzt verpflichtet, nach dem ihm Möglichen Hilfe zu leisten.


    Das an eine fertig ausgebildete Krankenschwester erhöhte Anforderungen augrund ihres Wissens bestehen, versteht sich dann von selber.


    Eine Entbindung von der verpflichtung zur Hilfeleistung gibt es nicht, ausser z.B. Aufsichtsflichten bzw. momentan ausgeübte Tätigkeit, von der sie z.B. nicht weg kann.


    Jeder Mensch muss, egal welche Ausbildung er hat, nach allem ihm Möglichen Hilfe leisten. Strafverfolgung wegen unterlassener Hilfeleistung könenn unter umständen empfindliche Strafen mit sich führen.

    oje, das ist leider ziemlich das, was ich nicht hören wollte :-(


    trotzdem vielen dank.


    ich finde es schade, dass eine solche regelung gesetlich verankert wird und noch schlimmer, dass sich niemand dagegen wehrt.


    naja, spätestens nach dem auswandern sollte sich dieses problem dann gelöst haben.


    nochmals danke.


    limbonic

    Garantenstellung

    NAch § 13 StGB gilt für medizinisch ausgebildetes Personal (vom Rettungssanitäter bis zum Arzt) die Garantenstellung. Diese verpflichtet dazu im Rahmen des möglichen die erforderlichen Hilfeleistungen am Patienten durchzuführen. Wird die nicht getan, dann kommt eine Bestrafung gemäß §13, 212 ff., 223ff., StGB in Betracht. So handelt es sich nicht mehr um unterlassene Hilfeleistung sondern, je nach Schaden am Patienten, um Körperverletzung oder gar Tötung durch Unterlassen. Rein Theoretisch gilt diese Verpflichtung ein Leben lang, wenn aber ein Rettsan, der in seinen Zivildienst vor 30 Jahren mal die Ausbildung gemacht hat, keine Hilfe leistet, weil er es einfach nicht mehr kann, dann werden die meisten Richter Milde walten lassen.


    Also helfen MUSS jeder, lässt man es ist man als Krankenschwester besonders dran.


    LG

    Hallo,


    und was wenn ich an eine unfallstelle komme, der jenige dort einen herz-kreislauf-stillstand hat (schon einige minuten da erst aus dem fahrzeug befreit werden musste) und ich beginne die Reanimation mit einem anderen Helfer, die Person verstirbt aber trotzdem...könnte man einen gelernten Krankenpfleger dann dafür verantwortlich machen ? Versucht wurde es ja aber wahr wohl schon zu spät...


    Gruß

    @ Banato,

    also das denke ich nicht, denn in dem Fall kann man ja erst mal nix tun außer reanimieren, und das hat eben nicht immer Erfolg. Hätte es auch nicht unbedingt gehabt wenn ein Notarzt gleich Elektro verpaßt hätte.

    @ Banato

    Die Personen haben das Mögliche der Situation ergriffen und sind ihrer verpflichtung zur Hilfeleistung nachgekommen. In diesem Falle sind sie nicht straffällig geworden.


    Allerdings irritiert mich der Thread hier ein bisschen, ansich wird man ja im medizinischen Bereich tätig weil man helfen will oder es einfach gerne macht.


    Wieso will jemand dann keine erste Hilfe leisten ?! (Wo doch die EH der absolut wichtigste Grundstein für eine Genesung ist, wenn ein akutfall vorliegt.)

    @ tine

    nein nein, das ist nicht der grund dafür, diesem land irgendwann den rücken zu kehren.


    dass mich ein gesetz, das ich weder will noch akzeptiere dazu verpflichtet, selbst tätig zu werden sehe ich als einen massiven eingriff in meine privatsphäre und in mein selbstbestimmungsrecht. darüber hinaus kann ich mir vorstellen, dass in vielen situationen die hilfe ein nicht zu unterschätzendes gesundheitsrisiko für den helfer darstellt. so jemand einen beruf aus freien stücken ausgewählt hat, bei dem das zum berufsrisiko gehört, dann kann derjenige das machen. ich für meinen teil habe aber ja niemals irgendeine affinität dem austausch von körperflüssigkeiten mit anderen gegenüber empfunden. da dieses risiko stets gegeben ist sehe ich mich und mein leben dadurch bedroht und finde vielmehr, dass letztendlich das strafrechtlich verfolgt werden sollte, nicht der selbstschutz des individuums.


    den teriminus "tötung durch unterlassung" finde ich haarsträubend und seine widerspruchslose akzeptanz in einer liberalen gesellschaft untragbar. würde ich irgendwann in meinem leben einmal in eine solche situation kommen und das tun, was gemäß meines verstand als für mich moralisch vertretbar und richtig gilt, würde mir dieses recht auf selbstbestimmung plötzlich nicht mehr zustehen. ich stünde auf einer ebene mit mördern und anderen subversiven elementen.


    darüber hinaus wäre zu beachten, dass ich rein technisch nicht dazu fähig bin, gebrochene, blutende und mit erbrochenem überzogene körper aus autowracks o.ä. zu ziehen. ersthilfe ist sache von leuten, die sich bewusst dazu entschlossen haben, dass es wichtig sei, sich mit sowas auszukennen. da ich nicht zu diesen personen gehöre verfüge ich auch nicht über das wissen über erfolgreiche ersthilfe, was das risiko für den geschädigten gar noch erhöhen kann. lege ich hand an und der andere stirbt bin ich vielleicht noch daran schuld. und dann kommt auch irgendwer und kommt mir mit anderen unmöglichen begriffen wie "tötung durch unterlassen".


    res versa würde ich auch nicht wollen, dass mich irgendein stümper aus dem auto zieht. dinge kommen und gehen, so ist das leben. und über die lebenszeit, die ich noch habe, würde ich doch ganz gern selbst entscheiden.


    Limbonic

    @ Limbonic

    Hm, ja, also in manchen Punkten muß ich Dir Recht geben. Ich selber habe mir auch schon oft gedacht, dass es mir lieber wäre man läßt mich sterben als dass man mich übereifrig wiederbelebt, meinen Halswirbeln den letzten Knacks gibt und ich anschließend gelähmt sein muß. Ich empfinde sterben auch nicht als schlimm und ganz ehrlich, wenn ich jemand vollgekotztes beatmen müßte, also, wenn es keine Zeugen gäbe, ich denke nicht dass ich es tun würde.


    In meinem letzten Erste Hilfe Kurs bekam ich erzählt, dass der Wegschlepp-Handgriff zum Beispiel auch nicht mehr unterrichtet wird, weil ein Ersthelfer so jemandem den Arm gebrochen hätte und wegen Körperverletzung verurteilt wurde. Auch heiß.


    Es gibt so eine Maske, die man dem Verunfallten auf's Gesicht setzen kann und durch die man beatmen kann ohne Siff abzukriegen. Solltest Du Dir vielleicht auch holen. Es beruhigt Dich bestimmt sowas zu haben.

    Hallo!


    Ich bin Kinderkrankenschwester und meines Wissen nachs kann unterlassene Hilfeleistung zur Aberkennung des Examens führen! So hat man uns das beigebracht und ich denke auch dann wenn man auch nicht gerade als Krankenschwester arbeitet!

    Erste Hlife heisst nicht jemanden ausm Autwowrack ziehen, du hast irgendwie total verquere Vorstellungen.


    Erste Hilfe heisst:


    -Unfallstelle adäquat sichern (man glaubt nicht wie oft man das vergisst)


    -Nen suffizienten Notruf abzusetzen (man glaubt auch hier net wie oft da scheisse gebaut wird)


    -psychische Betreuung des Patienten (sofern ansprechbar)


    -Stark Blutende Wunden so gut es geht versorgen (Was net geht geht als ersthelfer nun mal nicht)


    -Patienten, bei denen es indiziert ist und bei denen es ohne weiteres Möglich ist entsprechend zu lagern


    -Wärmeerhalt


    -ggf CPR wenn gesichert indiziert.


    Man muss nichts machen was man nicht kann oder wozu einem das Werkzeug fehlt. Erste Hilfe beschränkt sich auf das, was "im Ersten Moment" möglich ist. Man muss sich selbst keinem Risiko aussetzen.


    Man würde von einem EH niemals erwarten die Person die eingeklemmt ist ausm auto zu zuiehen, aber die UNfallstelle sollte beim eintreffen gesichert sein, der Patient sollte nicht mehr mit stark blutenden wunden im Auto sitzen (sofern deren Versorgung möglich ist) und eine Decke für den Wärmeerhalt sollte da sein.


    Mehr kann man ansich nicht machen als "normaler" EH.


    Mehr wird auch nicht erwartet, aber naja, bei deiner Einstellung glaub ich, dass du entweder Angst hat was falsch zu machen oder deine Grundeinstellung zum Helfen falsch ist.

    Hallo !


    Klar würde ich allein auch keinen ansprechbaren Verletzten aus dem Auto zerren aus Angst er hat eine Wirbelsäulenverletztung oder irgendwas anderes was durch die Bewegung nur noch schlimmer werden kann, aber ich denke das muss immer auf die Situation angepasst sein, wenn er zum Beispiel hinterm Lenkrad nicht mehr atmet und ich keinen Puls mehr fühle muss er doch da raus, ich mein man muss abwägen was primär wichtiger ist. Und klar, Eigenschutz finde ich auch wichtig aber es gibt ja Handschuhe im Verbandskasten und Masken zur Beatmung (kann man im Internet bestellen- echt empfehlenswert !!!) .


    Ich hatte nach einem Unfall auch wahnsinnige Gewissensbisse da der Verunfallte doch noch verstorben ist und ich mich schuldig gefühlt habe... darf echt nicht daran denken ...

    Ich werd' normalerweise auch ziemlich schnell aggressiv, wenn ich meine Selbstbestimmungsrechte durch irgendwelche blöden Regelungen verletzt sehe, aber im Falle von EH seh' ich das voll ein.


    Was ist schon eine Verspätung oder eine dreckige Hose in Relation zu jemandem, der mit Schmerzen daliegt? Du musst ihn ja nicht gleich notoperieren, aber Ansprechen & dafür sorgen, dass er adäquat behandelt wird, gehört für mich einfach zur Zivilcourage, egal, ob Krankenschwester oder nicht. Außerdem musst Du ja nichts tun, das Dich selber in irgendeiner Art & Weise gefährden würde, insofern finde ich das voll ok so, wie das hier gehandhabt wird.


    Besser eine stümperhafte Notarztmeldung, als gar nichts. Dann kommt wenigstens in absehbarer Zeit jemand mit mehr Ahnung, anstatt, dass man womöglich noch 3 Stunden so daliegt, weil jeder so denkt "kann nicht helfen, will nicht helfen, wird sich schon wer drum kümmern".


    Mir kam auch mal gerüchtehalber zu Ohren, dass man als Medizinstudent exmatrikuliert werden kann, wenn man in einer Notsituation nicht hilft.

    Zitat

    psychische Betreuung des Patienten

    wie gesagt, dafür gibt es leute, die sich das bewusst und freiwillig ausgesucht haben, mich gesetzlich dazu zu zwingen sehe ich als beschneidung meines selbstbestimmungsrechtes was ich dadurch rechtfertige, dass ich das auch von niemandem wollen würde, wenn ich in so einer lage wäre.

    Zitat

    Stark Blutende Wunden so gut es geht versorgen (Was net geht geht als ersthelfer nun mal nicht)

    so ist es eben nicht, dann wäre es ja kein thema, denn, meine persönlichkeit, meine moral und mein (schon mehrmals aufgeführtes selbstbestimmungsrecht) selbstbestimmungsrecht machen es mir unmöglich, mich den ausscheidungen und körperflüssigkeiten anderer auszusetzen. das dadurch bestehende gesundheitsrisiko für mich selbst sprach ich auch schon an. der eben zitierte satz und der zusatz, man müsse sich keinem risiko aussetzen contradiktieren sich folglich selbst.


    "Angst" habe ich höchstens vor flüssigkeitsaustausch und körperkontakt mit mir gänzlich fremden personen.


    ob meine "Grundeinstellung zum Helfen falsch" ist bleibt wohl im auge des betrachters zu klären, doch, ich wiederhole mich, gibt es schließlich leute, die es zu ihrem lebenssinn erhoben haben, deshalb die nötige ausbildung bekommen haben und somit auch den job zu machen haben, den ich nicht machen will.

    Zitat

    wenn er zum Beispiel hinterm Lenkrad nicht mehr atmet und ich keinen Puls mehr fühle muss er doch da raus

    dann fällt es aber doch nicht schwer, die diagnose zu stellen: tod. das ist der lauf der dinge.

    Zitat

    Mir kam auch mal gerüchtehalber zu Ohren, dass man als Medizinstudent exmatrikuliert werden kann, wenn man in einer Notsituation nicht hilft.

    das finde ich auch total in ordnung. ich meine, wer sich bei vollem bewusstsein in die nesseln setzt darf sich nicht mehr beschweren, wenn das dann brennt. deswegen ist medizinisches personal ganz klar davon ausgenommen, in solchen situationen zurückhaltend zu sein. und das ist ja auch gut so.

    Das Problem

    ist nur, dass nicht jedesmal zufällig eine Krankenschwester oder ein Doktor des Weges kommt, wenn jemand umkippt.


    Du musst Dir ja nicht unbedingt die Hände schmutzig machen & mit dem Infektionsrisiko lässt sich durchaus argumentieren - aber das hält Dich nicht davon ab, den Rettungsdienst zu alarmieren, sprich, dafür zu sorgen, dass Leute, die das zu ihrem Job gemacht haben, herkommen.


    Das ist doch echt kein Act, ich versteh' nicht, dass man sich deswegen so aufregen kann.


    Was ich noch sehr viel weniger versteh', ist, wieso Du so sehr dagegen wetterst, dass Krankenschwestern "Sklaven" ihrer Ausbildung wären & zum Helfen verpflichtet sind, es den Ärzten aber gerne gönnst. Also, korrigiere mich, wenn ich das falsch sehe, aber für mich gehören Krankenschwestern zum medizinischen Personal....die im Übrigen mit Körperflüssigkeiten durch die tägliche Pflege noch viel mehr zu tun haben, als die Ärzte.

    Hallo zusammen,


    interessant interessant...


    Jeder,aber auch Jeder Mensch,ist egal ob er eine med. Ausbildung hat oder nicht,ist dazu verpflichtet Erste Hilfe zu leisten.Die sieht wie folgt aus : Meldung des Unfalls,der verletzten Personen, Standort,----- Meldung über weitere Gefahren,zb Gefahrenguttransporter und oder ähnliche. Auch diese Sachen gehören zur Ersten Hilfe,nicht nur das behandeln des Pat./Unfallopfer.


    Dazu gehört auch die psychische Betreuung,wenn man sich außer Stande sieht,medizinische erste Hilfe zu leisten.


    Tut man all dies nicht---- Gibts ne Klage ,wegen Unterlassener Hilfeleistung


    Und außerdem nen Arschtritt,weil man sich dann als ""GAFFER"" dahinstellt und uns in unsere Arbeit behindert!!!!!!!!!!!!!!!!!!!


    Gruß vom Rettungsdienst

    @ Seanat

    Das stimmt aber auch nicht so ganz, dass Du niemandem aus dem Auto holen mußt. Zur Erstzversorgung gehört auch das Überprüfen von Puls und Atmung und wenn das nicht vorhanden ist, dann Beatmen und Herzmassage. Dazu muß er raus aus dem Auto. Deswegen lernt man das im Erste-Hilfe-Pflicht(!)-Kurs. ;-)