• Kurzzeitpflege verzweifelt gesucht - und dann?

    Wir stehen ganz akut vor der Situation, für meinen Vater einen Kurzzeitpflegeplatz zu benötigen. Er ist z.Zt. stationär, der Sozialdienst empfahl gestern dringlich, die Kurzzeitpflege in Angriff zu nehmen (Ergebnis ist offen, von dauerhafter Pflege bis hin zu nur kurzer Betreuung ist irgendwie alles drin, wobei ich eher von dauerhaft ausgehe). Der…
  • 154 Antworten

    So, Freitag Pflegestützpunkt-Termin absolviert (gute Beratung, aber: Kurzzeitpflege quasi unmöglich wg. Platzmangel). Empfehlung bzgl. Betreuung, alle Formulare mitbekommen. Ärzten im KH vorgelegt, klare Weigerung dieses auszufüllen. Fast schon Empörung, dass wir diese Option in Erwägung ziehen. Oberärztin hat da offensichtlich kulturell bedingt andere Haltung. Ein Assistenzarzt hat sich Zeit genommen und mit mir meinen Vater mit den Ereignissen konfrontiert. Er leugnet, er rechtfertigt,... Einsicht null. Aber so lange er stationär ist, kann die ärztliche Stellungnahme bzgl. Betreuung nur von dort kommen.


    Aktuelle Planung: Weitere Diagnostik und Behandlung. a) Langzeit-EKG (er hat vie Herzkatheter zwei Stents bekommen); b) weitere Aufdosierung des L-Dopa bzgl. der parkinsonartigen Symptomatik (sein Gangbild bessert sich tatsächlich ein wenig); c) "eventuell" neuropsychologische Demenztestung und d) "eventuell" erneute Kumbalpunktion (da der Neurologe bei der ambulanten Punktion NICHT auf Demenzmarker getestet hat, obwohl es so besprochen war).


    Ich drehe hier echt am Rad. Psychiater gibt es in der Klinik nicht und Verlegung würde nur bei erneuter Aggression erfolgen. Er liegt weiterhin allein auf dem 3er-Zimmer... Nach oben geschilderter Behandlung/Diagnostik soll er in eine neurologisch-kardiologische Reha hier bei mir im Wohnort.


    Kurzum: Bevor das nicht durch ist und a) gravierende Befunde aktenkundig werden oder b) die Hausärztin, die ihn ja nun besser kennt bereit zum Handeln ist, wird nicht wirklich eine grundlegende Lösung gefunden werden.


    Wir bangen jeden Tag, dass er sich nicht entlassen lässt (sie würden ihn NICHT dabehalten...) und wenigstens die restlche Diagnostik mitmacht. Ich fürchte, dass er bei der neuropsychologischen (Demenz-)Testung nicht mitmachen wird. Ich kenne die Tests und mit ziemlicher Sicherheit wird mein Vater nicht mitspielen, weil er den Sinn nicht erkennt. Hat er vor 35 Jahren nach seinem Schlaganfall schon alles verweigert... *seufz* Rat- und hilflos und die schnelle klare Lösung wird es nicht geben...

    Update - da ich ziemlich am Ende bin (und meine Mutter noch mehr).


    Die Anschlussheilbehandlung wurde von der Krankenkasse abgelehnt; fehlende Rehafähigkeit. Das Urteil teile ich ebenso wie die Hausärztin, dennoch ist es doof.


    Der Eilantrag auf Pflegesteufe wurde ewig nicht bearbeitet; gab dafür jetzt 70€ Entschädigung (welch Hohn, wenn es nicht um Geld geht!). Pflegestufe auch komplett abgelehnt.


    Wir stehen als komplett am Anfang. Das Gangbild ist unter der Medikation (angebl. Parkinson-Diagnose) nicht besser geworden und die HÄ hält eine Aufdosierung für zu riskant und sinnlos, weil es ihrer Meinung nach vaskuläre Demenz ist.

    Langzeit-EKG konnte nach den Stents nicht mehr durchgeführt werden, da ja Entlassung. Mein Vater erweigert es auch bis jetzt bei der Hausärztin.

    Inkontinenz ist eine Katastrophe, Vorlagen werden verweigert, Einsicht null (also Bekleidung wechseln, mit nasser Hose nicht aufs Sofa setzen). Trotz Urinflasche und Schutzauflage im Bett pinkelt er nachts neben das Bett, auf den Teppich (meine Mutter legt schon Handtücher hin; Plastikfolie darunter ist leider rutschig).


    Die Klinik hat meiner Meinung nach gewaltigen Mist gebaut, da nur ein paar handschriftliche Zeilen (die wir bei der Entlassung notfallmäßig in die Hand gedrückt bekamen) als Basis für Reha und Pflegestufe gelten. Kurz, völlig fehlerhaft, kaum lesbar (angebl. Herzinfarkt, im MRT wurde aber ein angebl. 3-4 Wochen alter Schlaganfall gesehen).

    Wir warten immer noch auf den endgültigen Entlassbericht (ich wollte checken, ob die Entlassungsbedingungen und Fremdgefährdungen dort überhaupt Eingang finden).


    Kurzum: Es ist eine Katastrophe und die fehlenden Kurzzeitpflegeplätze gerade das kleinste Übel.


    Einziger Vorteil: Unter 2x25 mg Seroquel ist er halbwegs handzahm. Immerhin etwas.


    Sitze gerade am grundlegenden Antrag auf Pflegestufe, wenn der Eilantrag schon abgelehnt wurde. Und im Kopf reift der Beschwerdebrief an die Klinik...!

    Pfllegestufe komplett abgelehnt?


    Tip: Gutachten einfordern, Betreuerverein mit ins Boot holen, einen Pflegedienst fragen, ob er bei neuer Begutachtung helfen könnte. Notfalls so ein Beratungsgespräch erst mal aus eigener Tasche zahlen.


    Hast Du irgendwelche Freunde, die in einer Pflegeeinrichtung arbeiten, die das Gutachten lesen könnten?

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    Eilantrag Pflegestufe komplett abgelehnt. Ohne jegliche Begründung. Zweizeiler der Krankenkasse mit dem freundlichen Hinweis, einen regulären Antrag zu stellen.


    Bekannte in der Altenpflege habe ich selber nicht; wir waren aber hier biem Pflegestützpunkt (Beratung des Landkreises) und haben Tipps bekommen sowie dieses "Pflegetagebuch". Auch die Beraterin meinte, dass es schwierig wird, weil er eben so viel selber noch hinbekommt. Er ist ja selbstständig (waschen,...). Die Defizite sind subtil, basieren auf den Berichten von uns Angehörigen.

    Da der Eilantrag ja nur nach Aktenlage geht (und der Wisch von der Klinik ein schlechter Scherz war) hoffe ich, dass evtl. die Begutachtung vor Ort durch den MDK was bringt...

    Wichtig: Pflegetagebuch braucht man nicht mitgeben.

    Wenn Demenz in den Arztbriefen als Diagnose bestätigt wurde, habt ihr schon gute Chancen, denn Demenz selber gibt schon Punkte.

    Inkontinenz ist ein hoher Zeitfaktor, wie Du es beschreibst. Neu Einkleiden, Wäsche, Saubermachen, das ganze Nachts usw.

    Bei Uneinsichtigkeit sowieso.

    Wie gesagt, ich würde jemanden von einem Pflegedienst um Rat fragen. Es kann sich lohnen, das erst mal selbst zu zahlen.

    Du beschreibst, dass ihr einen Treppenlift in Erwägung zieht, warum? Benötigt er Hilfe beim Treppensteigen, beim Laufen?

    Hat er (eigentlich) viele Arzttermine? Kann er sich alleine ankleiden, vergisst er das Trinken und das Essen? Das gehört ja auch zur Demenz.


    Das sind alles Punkte. Es geht ja von Pflegegrad 0 bis 5


    Und seit neuestem ist sogar die Psyche mit einbezogen. Mein Schwiegervater hat vor 3 Wochen Pflegegrad bekommen.

    Sunflower_73 schrieb:

    Da der Eilantrag ja nur nach Aktenlage geht (und der Wisch von der Klinik ein schlechter Scherz war) hoffe ich, dass evtl. die Begutachtung vor Ort durch den MDK was bringt...

    Einen wirklichen Rat kann ich dir im Moment nicht geben. Mich macht es immer wieder fassungslos, was Angehörigen so aufgebürdet wird. Ich habe diese "Spielchen" in den letzten Jahren auch mehrfach erlebt. Das wirklich Gute bei mir war allerdings, dass mein Mann selbst immer das gemacht hat was er konnte, ohne wenn und aber. Da haben Du und deine Mutter ja noch ganz anderes zu stemmen.

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    Kannst du ihn irgendwie dazu bringen, in eine psychiatrische Tagesklinik zu gehen? Notfalls in eine Seniorentagesstätte? Der dortige Sozialdienst kann euch unterstützen.

    @ Peddi:

    Wie gesagt, auf den Arztbrief warten wir noch und die Demenz wird von der Klinik nicht explizit erwähnt. Die haben sich auf Herzrhythmus und Parkinson eingeschossen. Obwohl der MoCA-Test nur 19 Punkte lieferte, was doch deutlich ist.

    So viel Zeit kostet die Inkontinenz nicht - er weigert sich ja, sich umzuziehen. Meine Mutter klaut ihm abends die Jeans und wäscht. Nachts macht sie gar nichts (schlafen getrennt).

    Laufen: Er hat erhebliche Probleme, aber läuft/schlurft/tippelt alleine. Rollator wurde verordnet; wird verweigert. Braucht er nicht. Treppensteigen geht, aber es sieht riskant aus und wird vermutlich der erste messbare Punkt, der irgendwann nicht mehr geht.

    Ankleiden klappt problemlos. Essen ist eher zu viel im Sinne einziger Tagesstruktur außer mind. 12 Stunden TV. Er nörgelt, sobald um 12.30h nicht das Essen auf dem Tisch steht. Dass er sich bedienen lässt, war immer schon so. Da machen sich auch viele "Fehler" meiner Ma über die Jahre bemerkbar (leider). Er trinkt viel zu wenig, aber bewusst ("Sonst muss ich ja pinkeln.").

    Es ist alles so schwammig - und ich befürchte einfach, dass der MDK diese subtilen Dinge nicht sehen wird. Das hat uns auch der Pflegestützpunkt bestätigt; wir haben mühsam Punkte gesammelt. Das Einstufungsschema ist ja eh ein Witz. Mehr als Stufe 2 wird auch von der Hausärztin aktuell nicht gesehen.


    Es ist einfach zermürbend - und das dicke Ende kommt ja noch, wenn es weiter bergab geht.


    @ Fizzlypuzzly:

    Das mit dem Aufräumen muss ich meiner Ma dann direkt vor dem Termin nochmals aufs Deutlichste eintrichtern. Ich werde auch mit dabeisein (so blöd es klingt, aber das geht bei mir jetzt schon finanziell an die Substanz, da freiberuflich und momentan viele Ausfall durch die Situation).


    Danke Euch!

    @ Rhelia:

    Keine Chance. Die TK hier ist eh eine Katastrophe und er wird es nicht machen; Tagesstätte ebensowenig. Fernsehen, Essen, das reicht.

    Deswegen hatte ich ja sooo gehofft, dass die 2.Fremdgefährdung in der Klinik wie vereinbart zur Verlegung in die dortige Psychiatrie führt. Aber man hat ihn ja gehen lassen/rausgeworfen - und er behauptet, er sei regulär entlassen worden. Wenn der Aspekt im Entlassbrief auch unter den Teppich gekehrt wird, kriegt die Klinik richtig Stress mit mir.

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    da es mit dem Spoiler nicht klappt, also offen,


    Wenn der MDK kommt


    Ihn tatsächlich in seiner angepinkelt Hose lassen, ist eine gute Idee.

    An dem Tag vielleicht keine beruhigende Medizin? Wenn er vor einem Gutachter ausrasten würde, wäre es endlich dokumentiert.


    Das mit der Dokumentation sehe ich genauso wichtig. Senioren Tagesklinik einige Tage auf eigene Kosten, damit es endlich dokumentiert wird?


    Mein wirkliches Mitgefühl hast Du. Ich möchte echt nicht in deiner Haut stecken

    Kleines Update:

    Es wird nicht besser, aber das Seroquel macht ihn ruhiger und weniger aggressiv.


    Der Antrag auf Pflegestufe (nach Ablehnung des Eilantrages) ist seit vier Wochen raus. Eigentlich müsste innerhalb des Zeitraumes jda die Begutachtung erfolgen. Fehlanzeige. Nach 4 Tagen kam der Brief von der KK, dass der MDK sich bzgl. Begutachtung melden wird. Das war es bslang.


    Und ich bin weiterhin skeptisch. Er hat gestern im Restaurant zu seinem 75. Geburtstag eingeladen. Weiterhin drastischer Abbau (Inkontinenz schlug gegen Ende zu, Tischmanieren katastrophal, Gesprächsbeteiligung NULL, mit dem Essen an sich gefühlt überfordert und unbeholfen). Aber null Einsicht (mein Onkel braucht eine kleine ambulante OP in 30 km Entfernung, mein Vater will ihn fahren...! Ohne Worte - Angebot wurde zum Glück abgelehnt).

    Ich weiß nur nicht, wie ein MDK-Besuch all diese Dinge offenlegen will. Er zieht sich selber an, er wäscht sich, er isst alleine. Dass er sich mit nasser Hose nicht umzieht, alle Hilfsmittel verweigert, im sozialen Kontakt teilnahmslos ist, sich völlig überschätzt: Das fällt doch nur im engeren Kontakt auf. Leuten, die ihn kennen und die Absurditäten seines Handelns bemerken. Die Fassade nach außen stimmt irgendwie noch.


    Meine Mutter wird auch immer farbloser neben ihn und ist nur angespannt. ich gebe es zu, ich war es gestern im Restaurant auch. Man weiß nie, was passiert - und alles was passier/passieren kann, sind Peinlichkeiten.


    Er tut mir ja auch leid, aber v.a. angesichts der Uneinsichtigkeit wird die Situation langsam zur Katastrophe. Niemand beklagt sich über seine Hifsbedürftigkeit und Einschränkungen (oder würde es tun), wenn die Einsicht und Mitarbeit da wäre. Es gibt Tena, er hat einen Rollator. Nein, braucht er alles nicht.


    Ich hoffe momentan einfach nur noch, dass der MDK sich bald meldet und wenigstens eine Pflegestufe bei rausspringt...

    ab tag der antragstellung:

    Zitat

    Werden die 5-Wochen-Frist oder andere Begutachtungsfristen nicht eingehalten, muss die Pflegekasse für jede begonnene Woche der Fristüberschreitung unverzüglich 70 € an den Antragsteller zahlen.



    das ist die quelle dazu

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    Sunflower_73 schrieb:

    Niemand beklagt sich über seine Hifsbedürftigkeit und Einschränkungen (oder würde es tun), wenn die Einsicht und Mitarbeit da wäre.

    Sunflower, die fehlende Krankheitseinsicht ist aber ganz typisch für die Demenz.

    Ich kann euch als Angehörigen nur ans Herz legen, den Vater mit dieser fehlenden Einsicht zu akzeptieren. Ihr macht euch sonst das Leben schwer - auch deinem Vater.


    Er spürt eure Angespanntheit und eure Angst vor Peinlichkeiten.

    Das erschwert den Umgang mit deinem Vater, weil er eure Gefühle nicht versteht.

    Er glaubt, er wäre so wie immer oder möchte zumindest so wahrgenommen werden wie immer.


    Als meine Mutter dement wurde, habe ich gelernt, zu ihrem auffälligen Verhalten zu stehen.

    Auch bei peinlichen Auftritten in der Öffentlichkeit habe ich sie liebevoll und mit Respekt behandelt. Dadurch hat sie sich immer schnell wieder beruhigt.

    Fremde Menschen reagieren meistens verständnisvoll, sie merken schnell, dass der Mensch krank ist. Die Demenz kommt ja sehr häufig vor und ist darum auch bekannt.


    Mein Vater war auch immer sehr angespannt und hat die Peinlichkeiten persönlich genommen. Das hat ihm aber auch den Umgang mit meiner Mutter schwer gemacht.

    Was nützt in kritischen Momenten liebevoller/respektvoller Umgang, wenn man bedroht wird? Er hat auch gestern versucht, jemanden mit seinen Gehstock zu schlagen...


    Ihn behandelt letztlich jeder respektvoll, v.a. mein Partner hat da ein Händchen. Aber die Unnahbarkeit macht es schwierig und gerade bzgl. Gewalt gibt es Grenzen, wo man Verhalten nicht einfach so weiterlaufen lassen kann.

    Mit Demenz kenne ich mich nicht aus, aber mit dem MDK. Die sind derzeit maßlos überfordert und unterbesetzt. Warte nicht einfach ab. Frage immer wieder nach einem Termin nach, sonst kann sich die ganze Sache unendlich in die Länge ziehen. Ansprechpartner ist die Krankenkasse und wenn man die Dringlichkeit schildert, klemmen sie sich dahinter - so meine Erfahrung in zwei Fällen.


    Sich immer wieder melden, nachfragen, neue Sachlage schildern ... nur warten bringt gar nichts.


    Viel Erfolg!

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