• Kurzzeitpflege verzweifelt gesucht - und dann?

    Wir stehen ganz akut vor der Situation, für meinen Vater einen Kurzzeitpflegeplatz zu benötigen. Er ist z.Zt. stationär, der Sozialdienst empfahl gestern dringlich, die Kurzzeitpflege in Angriff zu nehmen (Ergebnis ist offen, von dauerhafter Pflege bis hin zu nur kurzer Betreuung ist irgendwie alles drin, wobei ich eher von dauerhaft ausgehe). Der…
  • 154 Antworten
    Sunflower_73 schrieb:

    Was nützt in kritischen Momenten liebevoller/respektvoller Umgang, wenn man bedroht wird?

    Versuche es einfach mal. Demente Menschen haben ja einen Grund, wenn sie aggressiv sind. Auch wenn der nur in ihrem Kopf existiert, würde ich fragen und auf den Grund eingehen. Also von der Handlung auf ein Gespräch umlenken.


    Meine Mutter hatte oft Angst vor meinem Vater, sie hat sich mit einem Stuhl verteidigt oder wollte aus dem Fenster springen. Dabei hat mein Vater ihr nie etwas getan. Sie sagte mir, der "fremde Kerl würde sie gefangenhalten".

    Ich bin auf ihre Angst eingestiegen, habe sie damit ernst genommen. Ich habe ihr gesagt, ich hole sie dort raus und bringe sie nach Hause.


    Wir haben eine Tasche gepackt, ich bin mit ihr eine Stunde durch die Stadt gefahren und habe sie dann wieder zu meinem Vater gebracht.

    Dort ist sie meinem Vater freudig um den Hals gefallen und sagte, sie wäre froh, wieder zu Hause zu sein. Ein fremder Kerl wollte sie nicht gehen lassen.


    Diese Ängste vor meinem Vater haben sich regelmäßig alle paar Tage wiederholt. Er konnte machen, was er wollte, es ist immer weiter eskaliert.

    Das einzige was geholfen hat, war das Ritual, sie zu "retten" und dort rauszuholen. Die Ängste waren für meine Mutter real.


    Genauso ist die Wut deines Vaters real. Für ihn gibt es einen ernsten Grund, mit dem Stock auf jemanden loszugehen.

    Wenn man das akzeptieren kann und darauf einsteigt, kann man meistens auch Einfluss nehmen.

    Das erleichtert viele Situationen.

    Die Aggressivität ist nicht (nur) demenzbedingt, sondern war früher schon da. Lange VOR Schlaganfall mit 39 und Demenz mit 75. Dementsprechend gibt es da mehr "Vorgeschichte" und es ist nicht ein ängstlicher Demenzpatient, der aggressiv wird. Er knüpft an alten Mustern an und mit alten Argumenten, nur die Hemmschwelle ist noch weiter gesunken. Und best. Themen haben tabu zu sein, weil sonst alles gerechtfertigt ist. Damit sprengt er seit Jahrzehnten Feierlichkeiten (so wie einige seiner älteren Geschwister im Laufe ihres Lebens auch). Es sind keine uns unbekannten Gründe, sondern ist die alte Aggressivität, nur ungezügelter. Mit Seroquel etwas besser, aber eben unberechenbar.

    Sunflower_73 schrieb:

    nur die Hemmschwelle ist noch weiter gesunken.

    Ja, das hast du am Anfang schon erwähnt.

    Sunflower_73 schrieb:

    Und best. Themen haben tabu zu sein, weil sonst alles gerechtfertigt ist.

    Das habe ich auch so verstanden. Dein Vater sieht sich im Recht, wenn er jemanden angreift. Darüber kann man auch nicht diskutieren, sondern man kann bestenfalls seine Wut in ein Gespräch umlenken. Das geht aber nur, wenn man ihm erstmal recht gibt.


    Habt ihr denn einen Plan, wie es weitergehen soll?

    Die Pflegeeinstufung bringt nach der Anerkennung etwas Geld, aber noch keine Hilfe.

    Meine Mutter war ja auch kein leichter Fall.

    Sie hat zwar eine Pflegestufe bekommen, aber hat den Pflegedienst nicht an sich heran gelassen. Niemand konnte sie duschen oder waschen.


    Sie war auch ein paar Wochen in einer Tagespflege von morgens bis nachmittags, aber sie ist dort immer weggelaufen oder hat extrem die anderen Menschen aufgemischt.

    Mein Vater musste sie dort wieder rausnehmen.

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    Liebe Sunflower,


    ich schließe mich an, bezüglich des Termines des MDK würde ich nachfragen.


    Deine Mutter und auch Du, ihr habt da einen hohen Druck, vor allem, weil Dein Vater nicht einsichtig ist, sogar gewalttätig ist, aggressiv. Meine Tante hatte einen ähnlichen Nachbarn, ich habe ihr geraten, jedes Mal die Polizei zu rufen. Damit wird es wenigesten aktenkundig. Die Situation mit dem Gehstock hört sich sehr schlimm an. Man hat zwar sicherlich ein schlechtes Gewissen, hier die Polizei zu rufen, jedoch ist es wichtig, dass solche Fälle dokumentiert werden. Aber ich kann verstehen, dass das die Hemmschwelle groß ist, zumal das alles passe ist, sobald die Polizei eintriffen. Jedoch ist es wichtig.


    Deine Sorge, dass der MDK hier nicht richtig begutachten könnte, finde ich nachvollziehbar. Darum würde ich erwägen, das Seroquell, heisst es so? tatsächlich mal an dem Tag wegzulassen. Das weißt Du aber sicherlich besser. Auch würde ich nassgepinkelte Hosen nicht wechseln, die Gutachterin wird dann schon merken, dass hier Uneinsichtigkeit von Seiten der Pflegenden Person herrscht. Normalerweise schaut die Gutachterin sogar, wie der Mensch noch gehen kann. Auch hier wird sich herauskristallisieren, dass eigentlich Hilfe notwendig ist, aber keine Einsicht Deines Vaters.


    Wenn ich es richtig gelesen habe, ist mal Parkinson diagnostiziert worden? Das ist ja eine Diagnose. Wenn man Wikipedia richtig deutet, dann kann Parkinson auch Demenz beinhalten. Oder anders gesagt, Demenz ist sogar ein Teil von Parkinson. Ebenso Verfolgungswahn, Inkontinent, Agressivität, Magen-Darm Probleme und einiges mehr, was Du hier immer wieder beschreibst.


    Du hast Angst, dass der Pflegegrad nicht bewilligt wird. Nach dem, was Du hier schreibst, glaube ich das schon, dass Dein Vater Pflegegrad bekommt. Aber ich kenne das, man hat Angst, und geht erst mal vom schlimmsten aus, weil im Moment alles so schlimm ist. Dann geht die Gedankenspirale weiter und man meint, alles geht schief. Und dann macht man sich Stress wegen Pflegegrad. Zusätzlich kümmerst Du Dich um Deine Mutter, Deine Arbeit leidet usw. Und es ist ja auch schlimm, ich möchte nicht in deiner Haut stecken.


    Es gibt in einigen Städten Gruppen für Demenzangehörige. Wäre das was für Dich, um noch weitere Infos einzuholen?


    GLG

    Das größte Problem ist nach meiner Erfahrung nicht die Pflegestufe, sondern der Platz oder die Hilfe, die man braucht.


    Als meine Mutter erkrankt war, gab es viele freie Plätze in der Tagespflege und auch in Heimen.

    Aber niemand will einen lauten, aufsässigen, aggressiven Patienten betreuen.

    Man hat nur die Möglichkeit, den Angehörigen vom Arzt massiv sedieren zu lassen.

    Dann wird der Patient aufgenommen.

    Wenn der MDK kommt, dann kann man eine Zusammenfassung, der von dir aufgeführten Symptome aufsetzen, Sunflower, halt wie ein normaler Tagesablauf und deine Beobachtungen dazu aussehen. Das habe ich auch gemacht und es wird auch mitberücksichtigt.


    Demenz, die bei euch ja noch nicht bestätigt ist, ist so eine Sache und es herrscht studienmäßig hier noch viel Unklarheit. Ich kann dazu nur sagen, wenn kein erhöhter Hirndruck vorliegt und keine gravierenden Vitaminmängel vorliegen, dass viele alte Gewohnheiten, die die Persönlichkeit bis dahin geprägt haben, sehr stark im Alter durchschlagen können, auch bei einer Demenz. Dazu gehört auch das Missachten eigener Bedürftigkeiten, bis zu dem Punkt, dass nichts mehr wirklich funktioniert, aber Hauptsache man muss nichts Neues annehmen, denn das würde bedeuten, dass man doch bedürftig ist. Manche bauen hier eine Mauer bis zur Selbstschädigung. Und auf der anderen Seite sind die Betroffenen trotzdem in anderen Bereichen normal handlungsfähig. Ob das jetzt Demenz ist, oder ob man über Jahre entsprechende Strategien und Programme sich so aufgebaut hat, die dann im Alter einfach nicht mehr funktionieren wollen, weil die Bedürfnisse nach anderen Lösungen verlangen, das ist eine Frage, die noch nicht ausreichend geklärt ist.


    Was uns geholfen hat, ist, dass man die Sachen einfach bereitstellt. Also Einlagen kaufen, hinlegen, erklären, was sie für Erleichterung bringen. Dann Donnerwetter über sich ergehen lassen und abwarten. Mit Rollator das gleiche. Es war erst ein Sturz nötig, dann Krankenhausaufenthalt, Kurzzeitpflege und Krankengymnastik und plötzlich wurde der Rollator akzeptiert, denn andere haben auch so ein Gefährt und man kommt damit besser von A nach B.


    Es kann nervenaufreibend sein und es ist ein Laufen gegen eine Wand, auf der anderen Seite, kann man ohne die Erkenntnis des Betroffenen, dass derjenige bedürftig ist und andere Dinge braucht, als bisher gewohnt, als Außenstehender nichts machen. Anbieten ist wichtig, den Vorteil erklären auch und demjenigen erklären, dass man selbst ins trudeln gerät und man selbst absolut hilflos ist, wenn das und das nicht mehr funktioniert, auch das ist wichtig. Denn viele Demenzkranke, können noch lange Zeit, sehr gut auf der emotionalen Ebene denken. Das, was Hanca schreibt, stimmt auch. Demenzkranke wollen ernst genommen werden und sie merken auch den Respekt, den man ihnen entgegen bringt.


    Ich würde mich in einem Demenzzentrum beraten lassen. Hinter jeder Aggression steckt eine Bedürftigkeit, die nicht vernünftig artikuliert werden kann, das stimmt auf der einen Seite. Aber man muss auch klare Grenzen ziehen können und auch auf sich selbst achten und die eigenen Bedürfnisse respektieren, auch das wird einem gesagt, denn die emotionale Intelligenz geht je nach Demenzform nicht verloren. Wenn keine Grenze da ist, dann kann man dem Kranken selbst auch nicht helfen. Demenz heißt nicht gleich dumm, das darf man nicht unterschätzen. So gibt es Demenzkranke, die, wenn jemand sie testen will, was sie auch merken, sehr gut eine Fassade aufrecht erhalten können und die relativ normal agieren können, bis derjenige dann weg ist. Die Bekannte von mir kann sich Sachen, die sie früher gerne gemacht hat, bis ins Detail genau behalten. Zum Beispiel kauft sie anderen gerne etwas. Sie weiß ganz genau, was sie dann gekauft hat und was das gekostet hat, auch noch mehrere Tage danach. Da denkt jeder, die ist doch nicht dement. Geht es aber um Dinge, die ihre Bedürftigkeit betreffen oder die sie früher schon nicht gerne gemacht hat, dann ist da eine große Lücke oder ein vergessen von jetzt auf gleich.

    Die Demenzform, die Hanca, angesprochen hat, kenne ich so nicht in meinem Umfeld, was wiederum die Unterschiedlichkeit aufzeigt.

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    Caramala, bei einer Demenz sind die Ursachen unterschiedlich.

    Meine Mutter hatte eine Demenz vom Typ Alzheimer.

    Alzheimer und die vaskuläre Demenz sind die häufigsten Formen.


    Die werden meistens auch begleitet von Ängsten, Wutausbrüchen und Aggressionen.

    Wenn die Krankheit fortschreitet, ist auch das Aufhalten einer Fassade nicht mehr möglich.

    Fachärzte haben unterschiedliche Testmöglichkeiten und erkennen sehr schnell die Defizite.

    Dokumentation ist auf jeden Fall wichtig. Verlasst euch nicht auf die Ärzte, was das angeht, das habt ihr ja schon gemerkt. Tagebuch / Logbuch, über die Vergangenheit aus der Erinnerung und ab sofort detailliert und täglich. Objektiv formulieren, auch wenn es emotional wird, also auch über Familienfeiersituationen einfach beschreibend.

    Vielen Dank erstmal für Eure Beiträge! Ich gehe mal kurz auf die wichtigsten Aspekte ein.


    Aggressionen:

    Es gibt aber eine Grenze, an dem man jemandem in Wut Recht geben kann! Ich möchte nicht auf Details eingehen, aber: Gibt man ihm in best. Wutsituationen Recht, macht er weiter, statt aufzuhören. "Da kommt mir jemand quer und andere teilen meine Sichtweise, juchhu, dann DARf ich ja losprügeln" beschreibt es am besten. Oder soll man sagen "ja mach", wenn er beim Autofahren gezielt auf einen Radfahrer draufhält, weil der bspw. seiner Meinung nach nicht weit genug am Rand fährt? Unserer Hilflosigkeit betrifft nicht den alltäglichen häuslichen Kleinkram, sondern solche absolut inakzeptablen Situationen. Und ein Gespräch ist nicht möglich er tobt völlig unzugänglich. Wie soll mein KEINE Grenze setzen, wenn seine eigene Selbstkontrolle nicht existent ist?

    Polizei rufen: Zu Hause hat sich leider nichts ergeben und gestern war es erneut nur ein kurzer Moment, wo mein Partner sich dann geschickt dazwischen stellte. Die Polizei würde da nicht kommen, das haben wir jetzt leider an einer Situation zu Hause erlebt. "Ach, er ist wieder ruhig, dann ist ja alles gut". Tja... Natürlich existiert diese Option für uns weiterhin, aber es sind immer nur so Momentaufnahmen

    Und der Aspekt, dass hinter jeder Aggression ein Bedürfnis steckt: Klar, Aufmerksamkeit und bloß nicht benachteiligt werden. Aber egal wie sehr man diese Bedürfnisse füttert, es macht es nicht besser, sondern schlimmer. Mehr, hemmungsloser, aggresiver.


    Weitere Pläne, wenn Pflegestufe:

    Nichts Konkretes. Letztlich ehrlich gesagt gerne Betreuung und Heimunterbringung, wenn es zu Hause gar nicht mehr geht. Oder einfach die Sicherheit, dass wir irgendeine Hilfe bekommen können, wenn bspw. meine Ma ausfällt. Die ist völlig am Limit und selber angeschlagen, so dass ein Ausfall bei ihr nur eine Frage der Zeit ist.


    Medikation weglassen:

    Keine gute Idee. Das Seroquel darf nicht einfach so abgesetzt werden und er ist ja nicht pauschal aggressiv, sobald er es nicht nimmt. Sondern es sind immer die Momente, wo er das Gefühl hat, benachteiligt zu sien, geärgert zu werden,... Das ist leider nicht neu, sondern nach Tod der Mutter als der Grundschulkind war und das jüngste von 9 Kindern ein ganz altes Muster. War immer ein wunder Punkt, nach dem Schlaganfall wurde er komplett auffällig. Sämtliche Therapien schon vor 30 Jahren wurden verweigert, denn er hat ja kein Problem. Die Einsicht fehlte damals schon und daraus resultieren natürlich auch festgefahrene Muster, die alle Involvierten aktuell nur schwer ablegen.


    MDK, Symptomatik (Inkontinenz etc.):

    Ich werde morgen dann mal nachhaken. Nasse Hose wird bei der Begutachtung kein Thema sein, da Toilette auf jeder Etage im Haus nur wenige Schritte entfernt. Das klappt (bis auf nachts) halt noch. Außerhalb nur nicht. Einlagen liegen seit drei Jahren bereits und man bitte immer wieder um Benutzung: "Es ist nicht schlimm, man sieht die nicht, es macht es es so viel einfacher für dich,...". Ohne jeglichen Effekt.

    Dokumentation habe ich begonnen; weniger auf Tagesprotokollbasis sondern als thematisch gruppierte Auflistung. Aber es läuft in allen Bereichen nur auf "wir behaupten, er leugnet" hinaus. Und dann kommt die Sorge, dass man mir mit meinem beruflichen Hintergrund unterstellen könnte, ich übertreibe oder versuche ein best. Bild zu erwecken. War leider ein Kommentar der Oberärztin in der Klinik (die, die sich geweigert hat, meinem Vater bei Entlassung zu erklären, dass man ihn gerade rauswirft wg. des versuchten 2. Angriffs auf einen Patienten). *seufz*

    Stürze gab es auch schon etliche, immer relativ glimpflich (wenn auch einige Male mit Notaufnahme & Röntgen). Er kommt alleine ja auch nicht hoch und meine Ma hatte letztes Jahr wg. Kollaps aufgr. Herzrhythmusstörungen vier angebrochene Brustwirbel. Sie DARF ihn auch nicht groß heben/hochzerren, versucht es aber auch immer wieder, wenn gerade niemand zur Hilfe da ist. Es reicht dennoch nicht zu verstehen, dass der Rollator hilfreich wäre.


    Ärztliche Unterstützung:

    Die Hausärztin steht voll und ganz hinter uns und sieht auch die Dramatik; sie hat ja selber einige Dinge mit ihm durch und dokumentiert alles. Wir kämpfen gerade nur gegen einen falschen Klinikentlassbericht an, der obendrien noch geschönt ist. Mein Partner hat (illegalerweise) einige Telefonate mit den Klinikärzten mitgeschnitten, und die sind unser einziges Argument bzgl. des Entlassberichts und der Ereignisse in der Klinik.

    Die Hausärztin teilt auch die Klinik-Diagnose Parkinson nicht (und wir auch nicht, zumal die Medikation nichts bringt). Sie geht von einer vaskulären Demenz aus mit Gehproblemen als (ein) Symptom. Der ambulante Neurologe auch; nur die Klinik sagt Parkinson. Weiteren Tests hat mein Vater sich ja durch den Rauswurf/Selbstentlassung entzogen. Und wir leben hier leider in einer katastrophal unterversorgten Gegend mit z.T. absolu tinkompetenten Ärzten. Wenn man dann nur einen einzigen Arzt der Fachrichtung zur Verfügung hat, stößt man an Grenzen. Die Hausärztin sagt aktuell nur "medikamentös ruhigstellen, Pflegegrad abwarten, alles dokumentieren und mit genug Vorfällen dann Betreuung und Unterbringung veranlassen". Aber sie weiß auch, dass wir da noch lange dokumentieren müssen und eigentlich auch auf ein paar "Knaller" angewiesen sind.


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    Ich komme mir ehrlich gesagt teilweise einfach auch wie die furchtbarste Tochter auf Erden vor, die jmd. eiskalt abschieben will... Dabei haben wir die Defizite viel zu lange unterschätzt. Aber was will man machen?


    Ich bin halt auch skeptisch wg. der MDK-Begutachtung, da der Eilantrag ja auch schon abgelehnt wurde.

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    Danke Hanca.

    Zitat

    Die werden meistens auch begleitet von Ängsten, Wutausbrüchen und Aggressionen.

    Das wiederum kenne ich auch. Meine Bekannte will sich auf keinen Fall testen lassen, egal von wem. Der Hausarzt vermutet auch eine beginnende Alzheimererkrankung. Auf der Geriatrie-Station hat man einmal versucht sie zu testen. Das war ganz schlimm. Sie hat gemeint, sie kommt in die Psychiatrie, man würde sie entmündigen.

    Sie hat da noch etwas altes Wissen von ihrer Mutter, die ins Altersheim musste, weil die Kinder sie nicht mehr betreuen konnten, da eine Krebserkrankung das unmöglich gemacht hat. Zusätzlich gab es Familienstreitigkeiten. Meine Bekannte schaltet sofort auf Altersheim und abschieben. Man kann ihr zwar diese Ängste etwas nehmen, aber es ist nicht leicht.


    Zitat

    Fachärzte haben unterschiedliche Testmöglichkeiten und erkennen sehr schnell die Defizite.


    Der MDK hat die Defizite bei der Begutachtung gut erkannt. Aber da habe ich leider schon anderes gehört.

    Ich glaube, du hast das falsch gelesen, Sunflower. Man soll Grenzen setzen. Das wird im Demenzzentrum empfohlen, ganz klar. Genauso wie Pflegestufe und Hilfe von außen.


    Zitat

    Ich komme mir ehrlich gesagt teilweise einfach auch wie die furchtbarste Tochter auf Erden vor, die jmd. eiskalt abschieben will... Dabei haben wir die Defizite viel zu lange unterschätzt. Aber was will man machen?

    Das musst du nicht. Die Überforderung hat uns auch lange Zeit begleitet. Genauso wie das Gefühl niemals zu genügen und es demjenigen nicht recht machen zu können, weil immer mehr verlangt worden ist und man irgendwann nicht mehr konnte. Im Demenzzentrum war bei uns die Beratung sehr gut, auch die Sache mit dem Grenzen ziehen. Ich war da echt überrascht, aber es hat geholfen, was trotzdem immer wieder eine neue Herausforderung ist.

    Sunflower_73 schrieb:

    Aber es läuft in allen Bereichen nur auf "wir behaupten, er leugnet" hinaus.

    Das kennt der MDK aber von Demenzkranken.

    Ich würde versuchen, mit dem Gutachter vom MDK erstmal alleine zu sprechen, damit du offen reden kannst.

    Meine Mutter hat auch jeden Hilfebedarf abgestritten, als der MDK zu Besuch war.

    Die Dame hat mich dann gefragt, ob wir draußen noch mal reden können.

    Ihr war klar, dass meine Mutter Hilfe braucht.


    Die Bedingungen für Demenzkranke wurden 2017 in einer Pflegereform auch nochmal verbessert. Die geistigen Einschränkungen werden jetzt viel mehr berücksichtigt.

    Sollte eine Pflegeeinstufung abgelehnt werden, würde ich Widerspruch einlegen und notfalls auch klagen.

    Oder man beantragt einige Wochen später erneut eine Pflegestufe. Man kann eine Verschlechterung als Grund angeben. Oft kommt ein anderer Gutachter des MDK zu einem anderen Ergebnis als der vorige.


    Für die Unterbringung in einem Heim reicht es, wenn dein Vater eine fehlende Alltagskompetenz anerkannt bekommt. Eine Pflegestufe ist nicht zwingend erforderlich.

    Allerdings besteht da die Gefahr, dass er nicht mitmacht. Gegen seinen Willen bräuchte man das Aufenthaltsbestimmungsrecht und eine Genehmigung vom Gericht.


    Für eine rechtliche Betreuung ist auch keine Pflegestufe nötig.

    Die Betreuung würde ich auf jeden Fall mal in die Wege leiten, weil irgendwann Entscheidungen getroffen werden müssen.

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    Bzgl. Betreuung meinte die Hausärztin, dass wir das momentan wohl noch nicht durchbekommen und ihre Erfahrungen hier so sind, dass man das Gericht nicht zu oft nerven sollte. Also besser noch abwarten, bis es deutlicher wird.


    Habe mal ausführlich recherchiert; ein Demenzzentrum gibt es hier nicht. Mein Vater war bereits 2007 schon zu einer ersten Diagnostik 80 km entfernt (Spezialambulanz). Die jährlich geplanten Folgekontrollen hat er boykottiert und es gibt hier im Umkreis auch keine weitere Beratung als den Pflegestützpunkt vom Landkreis, den wir schon in Anspruch genommen haben.


    Ich hoffe sehr, dass man unter vier Augen mit dem MDK-Menschen sprechen kann. Allerdings ist mein Bauchweh-Faktor auch, dass ich selber beruflich recht regelmäßig mit dem MDK zu tun habe, da (liegt in der Natur der Sache) immer Widersprüche einlege und Contra gebe. In Kombination mit seltenem Namen und ländlicher Region (= wenige Gutachter) fürchte ich eine grundsätzliche Problematik. Mir fehlt da gerade die naive Angehörigen-Strategie...

    Sunflower_73 schrieb:

    dass ich selber beruflich recht regelmäßig mit dem MDK zu tun habe, da (liegt in der Natur der Sache) immer Widersprüche einlege und Contra gebe.

    Das war bei mir genauso. In einer Kleinstadt.

    Wenn du da als Angehörige sitzt, wirst du auch so gesehen.

    Das habe ich jedenfalls so erlebt.

    Liebe Sunflower73


    Ich drücke die Daumen ganz fest. Meine Mutter war auch dement. Ich musste sie in einem Heim unterbringen.

    Du bist keine furchtbare Tochter. Und keinesfalls bist Du eiskalt. Jedoch mit der Situation in dem Sinn überfordert als dass Du und deine Mutter für Deinen Vater eben nicht das leisten könntet, was dein Vater benötigt. Und darum habt ihr ja Pflegegrad beantragt.


    Bitte versuche, dich nicht ganz so verrückt zu machen, nicht immer ist der MDK schlimm.


    Manchmal erscheint eine Situation sehr Verfahren, aber es wird von der Situation auch wieder bessere Zeiten geben.

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