• Kurzzeitpflege verzweifelt gesucht - und dann?

    Wir stehen ganz akut vor der Situation, für meinen Vater einen Kurzzeitpflegeplatz zu benötigen. Er ist z.Zt. stationär, der Sozialdienst empfahl gestern dringlich, die Kurzzeitpflege in Angriff zu nehmen (Ergebnis ist offen, von dauerhafter Pflege bis hin zu nur kurzer Betreuung ist irgendwie alles drin, wobei ich eher von dauerhaft ausgehe). Der…
  • 154 Antworten

    Zum MDK Termin würde ich mir auch keine großen Gedanken im Voraus machen. Wenn Defizite dokumentiert sind, einzelne schwierige Situationen geschildert werden können, ist das alles was man als Vorbereitung machen kann.

    Hier in Berlin ist es die Regel, das fast jeder Erstantrag zunächst abgelehnt wird und erst beim Widerspruch eine eingehende Prüfung erfolgt. Das muss nicht überall so sein, aber sollte man im Hinterkopf behalten.


    Typisch ist auch (das wissen die MDK-Gutachter), dass die Person um die es geht, dass beste bei dem Termin aus sich rausholt und beweisen möchte (gerade gegenüber Fremden), was sie noch alles auf dem Kasten haben und alles super allein geregelt bekommen. Ist menschlich nachvollziehbar, aber der Begutachtung nicht zuträglich ":/

    Meine Schwiegermutter hatte letztes Jahr eine Begutachtung. Wir haben im Familienkreis alles vorher im Detail besprochen und auch die Hintergründe erläutert. Ihr ging es so schlecht und war auf Hilfe angewiesen. In dem Umfang konnten wir als berufstätige Angehörige die Unterstützung nicht erbringen. Alles haben wir schriftlich niedergelegt. Naja, zum Termin war sie entgegen der Absprache, das blühende Leben und konnte alles allein >:(


    Von dieser Konstellation muss man leider ausgehen.

    Was manchmal hilft, ist, ein bisschen flunkern. Beispielsweise nicht den wahren Grund des Gesprächs verraten, sondern sagen, dass es um kostenlose Zuschüsse der Krankenkasse geht oder so. Vielen ist ja z. B., selbst wenn sie schon sehr krank sind, daran gelegen, den Angehörigen nicht auf der Tasche zu liegen.

    Bei deinem Vater, sunflower, funktioniert es vielleicht, wenn du ihm sagst, dass es darum geht, dass er zu seinem Recht kommt so.

    Bzgl. des MDK ist mein Vater auch nicht contra eingestellt - er sieht das mögliche Geld...


    Rücksprache mit Krankenkasse ergab, dass der MDK hinterherhinkt zeitlich. 6-8 Wochen seien Minimum. Gestern dann Anruf vom MDK, man könnte ihn kurzfristig heute begutachten. Leider fehlt weiterhin der Entlassbericht vom Krankenhaus, auf den wir seit Mitte Mai warten und den auch der MDK sinnvoll fände.


    Tja, nur wird aus der Beguachtung nix, weil er vorgestern mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gekommen ist. Sturz/Kreislaufkollaps in der Garage (wir wissen es nicht, ein Nachbar hat ihn fallen sehen). Rettungswagen, Platzwunde am Kopf. Erste Ergebnisse aus der Notaufnahme: Schädel-Röntgen "auffällig", Nierenfunktionsstörung, "schlechte" Blutwerte.

    Gestern keine weiteren Befunde, aber er rebelliert schon wieder, will gehen weil man mit ihm nichts mache. Ist aggressiv (momentan nur meiner Mutter gegenüber), verwirrt (findet nach dem WC-Gang sein Bett nicht, legt sich in ein anderes "weil schönere Aussicht aus dem Fenster").

    Nun stand heute um 14h ein Gespräch mit dem Arzt an, damit wir überhaupt wissen, was Sache ist. Ich hätte telefonisch dazugeschaltet werden können. Tja, meine Mutter wartet immer noch und ich habe noch 20 Minuten Zeit, dann selber Termine.


    Von meinem Vater kamen dann auch gerade noch Vorwürfe, warum ich ihn nicht besuche. Tja, ich bin selbstständig mit festen Terminen, Montag 12 Stunden, gestern 10, heute auch 10 Stunden im Einsatz. Ich kann nicht ständig frei nehmen, die Eskapaden beim letzten Mal haben mich mein persönliches Monatsgehalt gekostet.

    Und wenn ich es so schreibe, fühlt es sich wieder eiskalt an. Ich bin mit dem Pensum bei mir gerade selber unglücklich, habe selber eine schwierige Situation, aber die bleibt bis Ende August noch so. Ich kann es nicht ändern, muss an mein Einkommen denken - und denke doch, dass auch für meinen Vater Zeit bleiben müsste. Freizeit habe ich aktuell eh keine, die kann somit nicht auf der Strecke bleiben.

    Aber ich bin total unsicher, was ich machen muss, wie viel ich da sein "muss". Bedingt durch lange Fahrstrecken, lange Arbeitstage etc. habe ich halt keinen Feierabend. Wenn ich frei habe, erwische ich keinen Arzt. Wenn Termine nicht halbwegs pünktlich stattfinden, muss ich wieder los und kann nichts klären/in Erfahrung bringen.


    Immerhin weiß ich mittlerweile, dass es hier in allen Heimen auch für Dauerunterbringung Wartelisten gibt. Auf denen steht er jetzt, aber wenn es sich drastisch verschlechtert, man eine Betreuung durchbekommt wg. Unterbringung gegen seinen Willen oder er es selber erkennt, dann haben wir das Problem, dass wir ihn nicht untergebracht bekommen. Tja...


    Ich versuche gerade, die Dinge sachlich zu sehen und mich auch - aber es bleibt ein schaler Beigeschmack und ich bin einfach nur fertig und genervt und ratlos.

    Einziger Trost: Er ist jetzt im Krankenhaus im Wohnort. Das ist auch nicht das Tollste, aber die haben immerhin die Psychiatrie mit dabei. Kurzer Weg, wenn er komisch wird - und Psychiater im Haus. Ob's hilft?


    Der MDK hat die Begutachtung auf "Wiedervorlage in 3 Wochen" gelegt. Auch schön. Also wird es wieder eine halbe Ewigkeit dauern, nur weil mein Vater zum "wir könnten morgen kommen"-Termin im Krankenhaus liegt. ARGH! Es geht einfach nicht konstruktiv vorwärts.

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    Ich wünsche Dir sehr, dass es für euch von Vorteil ist, dass Dein Vater im Krankenhaus ist. Ich persönlich würde die Zeit investieren wollen, bei der Entlassung dabei sein zu können . Ich weiß, Du hast viel zu tun. Jedoch benötigt ihr die Dokumentation.


    Das scheint eine never ending Story zu sein. Wird aber wieder aufwärts gehen.


    Ich wünsche Dir das sehr bald.

    Es weiß ja keiner, wann er entlassen wird. Meine Ma hat heute nach 4 Stunden das Krankenhaus verlassen. Ohne Arztgespräch. Sie wurde mehrfach vertröstet und dann hieß es, der Arzt sei weg. So viel Zeit kann ich nicht für nichts investieren, so hart es klingt. Ich weiß selber wie es ist, im Krankenhaus zu arbeiten. Aber wartende Angehörige, die bereits am Vortag um ein Gespräch gebeten haben, nach vier Stunden Warterei ohne jedes Gespräch wegzuschicken, das ist für mich ein NoGo auch unabhängig von meinen eigenen zeitlichen Möglichkeiten.

    Morgen früh werde ich anrufen und schauen, ob ich etwas erreichen kann...

    ich kenne die nervenaufreibende Warterei in Krankenhäusern. Schlimm.


    Kannst Du versuchen, für dich ein wenig Zeit frei zu schaufeln, um mal runter zu kommen? Kino, spazieren, irgendwie so was?


    Is

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    Sunflower, das klingt richtig kacke. ich kann da nichts konstruktives beitragen, ausser dich an etwas zu erinnern, was du selbst weißt: Es nützt niemandem was, wenn du auch umfällst. Lieber den Vater einmal nicht besucht, als am Ende das Bett neben ihm zu buchen.


    Viel Glück beim Arzt, ich hatte schon den Eindruck, dass man da gelegentlich nur mit Waffe jemanden erwischt.

    @ Peddi:

    ich habe seit Monaten keine Freizeit, außer abends mal ein Stündchen TV. Wo ich dann einschlafe. Ich gehe schon länger auf dem Zahnfleisch, z.T. selbstverschuldet und nicht zu ändern, aber ab Ende August besser. Bis dahin halt durchhalten.

    Abschalten klappt ja sogar bzw. es ist genug anderer Kram zu tun (wobei ich jobmäßig sicherlich schonmal konstruktiver war, was mir auch zu schaffen macht). Aber es kommt halt immer wieder was Neues oder Dinge funktionieren nicht, was mich irre macht. Und immer das schlechte Gewissen, egal wie ich es drehe. Momentan grenze ich mich recht gut ab, sprich war gestern nicht mehr dort und heute auch nicht, gebe viel an meine Ma ab. Was aber bedeutet, dass Dinge noch weniger laufen, meine Mutter auch immer kopfloser wird und letztlich das Gefühl bleibt, doch handeln zu müssen, bevor der Haufen wg. meinem Raushalten noch größer wird. *seufz*


    @ danae:

    Danke. Ich glaube, genau sowas habe ich gebraucht. Neben all dem konstruktiven Kram einfaach mal "ist wirklich scheiße, du darfst jammern". Der Raum dafür fehlt gerade total, alles lastet auf mir und mein Partner ist da z.T. auf gewisse Art zu kalt. "Dann gehst du halt nicht hin, wo ist das Problem?" Das Problem ist, dass das an meinen Gedanken vorbei geht und ich mal brauche, dass jemand MICH versteht.


    Ansonsten nix Neues. Heute nicht mal telefonisches Durchkommen auf der Station, also weiterhin nix erreicht. Ich sitze 25 km entfernt im Job bis 19h fest.

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    Na, dein Freund ist ja nen Herzchen^^. Das Problem ist doch offensichtlich, dass du gerade gerne zweimal existieren würdest, um alles so gut zu erledigen, dass du mit dir zufrieden bist.


    Kannst du in der Klinik die Sozialstelle oder so erreichen? Und sei es nur damit die dem Arzt hinterher rennen können und du es nicht immer wieder versuchen musst.

    Ja, manchmal ist er ein Vollpfosten.


    Klinik:

    Trotz vorliegender Vorsorgevollmacht mit Telefonnummer, notariell beglaubigt, KEINE Auskünfte am Telefon. "Könnte ja jeder anrufen". Nö, SIE könnten MICH anrufen. Arztgespräche nur persönlich zwischen 14 und 15h auf Station. "Eventuell 15.30h, aber Freitags eher nicht". Ja, ich kenne Klinikalltag blabla, aber verdammt, ich liege nicht in der Hängematte.

    Habe also zwei Termine für morgen abgesagt/verlegt, was problematisch ist und mir kein gutes Gefühl gibt. Werde dann kurz vor knapp in die Klinik hetzen und dort notfalls in Sitzstreik treten. Vor'm Arztzimmer.


    Einzige Auskunft: Er wird "noch nicht" entlassen. Mein Vater ging gestern von einer Entlassung am Freitag aus. Ich hoffe, die behalten ihn noch da.


    Ich glaube, ich schmeiße mein Handy in den Müll und wandere auf die Fidji-Inseln aus. Oder auf irgend ein Atoll, welches noch weiter im Nirgendwo liegt. Rettungsanker Galgenhumor.

    Samoa, geselle dich doch zu mir und Shojo nach Samoa. Da wollen wir hin auswandern, weil man jede Unbill in Form von Nachreisenden schon ewig im Vorraus ankommen sieht. 8-)


    Ansonsten wünsche ich dir viel Glück für den Ärztefang. Sowas ist einfach unverschämt, wenn du mich fragst, und an jeder Realität vorbei. Kannst du die Termine nachholen?

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    Deine Situation erinnert mich mich gerade sehr an meine Situation von vor ungefähr 3 Jahren, als ich mit meiner Tochter gerade zu Hause war, meine Mutter so krank war, ich sie dann in ein Altersheim geben musste, Wohnung auflösen, selbst gearbeitet, und dann schlimm krank wurde. Total erschöpft.


    Ich kann soooo mit dir mitfühlen.

    Liebe Sunflower, ich lese hier mit Beklemmung mit, weil sowas demnächst auch auf uns zukommen wird. Jetzt muss ich mich aber doch zu Wort melden.


    Du schreibst, du hast ein schlechtes Gewissen gegenüber deinem Vater, egal wie du es drehst und wendest und egal was du tust oder nicht tust. Und über deinen Freund schreibst du

    Sunflower_73 schrieb:

    Der Raum dafür fehlt gerade total, alles lastet auf mir und mein Partner ist da z.T. auf gewisse Art zu kalt. "Dann gehst du halt nicht hin, wo ist das Problem?" Das Problem ist, dass das an meinen Gedanken vorbei geht und ich mal brauche, dass jemand MICH versteht.

    Versuch doch mal, deine Selbstschutzmechanismen zu aktivieren. Das versucht dein Freund gerade auch. Ich weiß dass ich, wenn bei mir diese Situation akuter werden wird, kein schlechtes Gewissen haben werde, ich habe diesen Selbstschutz gegenüber meinem Vater schon lange aktiviert. Und früher hat es mich auch genervt, wenn ich mich über etwas geärgert habe o.Ä. und mein Freund sowas wie "Hilft ja nichts" gesagt hat. Aber nachdem mein Freund - deiner bestimmt auch ;-)- ein kluger und normalerweise durchaus empathischer Mensch ist, hab ich mich mal auf diese Ansage eingelassen und dabei festgestellt, dass er im Grunde Recht hat: Sich ärgern und dadurch im Kreis drehen hilft tatsächlich nichts; wenn man so eine Sache vernünftig betrachtet (wie man sie zB betrachten würde, wenn sie nicht einen selber sondern eine Freundin betreffen würde) würde man überlegen, was man tun kann und tun muss. Wegen dem, was man nicht tun kann oder muss braucht man kein schlechtes Gewissen zu haben. Allerdings hab ich meinem Freund auch mal erklärt, dass ich mich schon erst mal "abärgern" will und er das nicht gleich durch irgendeine vernünftige Ansage stoppen soll; dass ich seine vernünftigen Lösungsvorschläge gerne annehme, aber erst wenn ich mich erst mal abreagiert habe. So haben wir uns strategisch quasi aufeinander zu bewegt, und das klappt seither ganz gut.

    @ danae:

    Samoa. Geil. Ich komme (seht Ihr mich schon?!). Hab' einen dicken Walfisch bestiegen, der leider etwas träge schwimmt. Wird aber.


    Ärztefang: Ich bin so richtig schön krawallig innerlich, sollte gelingen.

    Termine: Nächste Woche halt. Die ist dann noch voller als voll, die letzten Zeitfenster für bitter nötigen Papierkram wurden jetzt anderweitig gefüllt. Und wenn die Vater-Dramatik dann weitergeht, zeichnet sich jetzt schon das nächste Chaos ab.


    @ Peddi:

    Danke! Es ist einfch erschreckend, wie hilflos man dasteht und welche Hürden einem in den Weg gelegt werden.


    @ CoteSauvage:

    Ja, mein Kerl ist eigentlich liebevoll und empathisch und durchaus reflektiert. An seiner Haltung ist auch was Wahres dran, irgendwie. Nur hat er beide Eltern verloren, als er noch keine 18 war - und ich glaube, das prägt seine "coole" Haltung im Sinne von Schutzfunktion. Ich fürchte, er knabbert gerade auch an mehr als nur meinem Vater. Aber da der Kerl auch zum Nichtreden neigt, lasse ich ihn erstmal brüten.

    Eigentlich kriegen wir es ganz gut hin, und obwohl er heute frei hat und in den Garten will und überhaupt, will er nachher auch mitkommen ins Krankenhaus. Immerhin. Hatte ich nicht erwartet, aber kommt mir ganz gelegen. Zwar bin ich definitiv zuständig für Arztgespräche, aber er hat manchmal mehr Charme/Durchsetzungsvermögen/Anspruchshaltung.

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