Lebenserhaltende Maßnahmen

    Hallo!


    Ich hab da mal ne Frage die ich im Bekanntenkreis schon ein paar Tage diskutiere.


    Mein Opa hat vor ein paar Jahren eine Patientenverfügung unterschrieben in der verfasst ist, dass er keine lebenserhaltenden Maßnahmen möchte.


    Nun liegt er mit seinen 88 Jahren und 3 Schlaganfällen im Krankenhaus. Er redet nicht mehr, verstanden hat man ihn schon seit ein paar Wochen nicht mehr. Organisch ist alles relativ in Ordnung, aber er wird künstlich ernährt, da er nicht mehr isst und trinkt.


    Nun hat meine Oma die Patientenverfügung noch nicht ins Krankenhaus gebracht, da wir alle Angst haben das die künstliche Ernährung zu den lebenserhaltenden Maßnahmen zählen könnten und wir können ihn doch nicht verhungern lassen :-o:°(


    Kennt sich jemand damit aus und kann mir sagen was alles unter "lebenserhaltenden Maßnahmen" fällt?


    Danke @:)

  • 22 Antworten
    Zitat

    Kennt sich jemand damit aus und kann mir sagen was alles unter "lebenserhaltenden Maßnahmen" fällt?

    Was hat er denn darin verfügt? Meine Eltern haben so eine Verfügung gemacht (notariell) darin ist alles was die beiden nicht wollen genau definiert. Ich würde aus Respekt Deinem Opa gegenüber mal genau lesen und mit den Ärzten darüber reden. Wozu macht man sonst so eine Verfügung?

    Wie Hase schrieb, sprich mit den Ärzten.


    Bei meinen Eltern, sowohl bei meinem Vater als auch bei meiner Mutter wurde die Patientenverfügung, in der lebenserhaltende Maßnahmen abgelehnt wurden, von den Ärzten akzeptiert, als feststand, daß das Sterben nur verlängert wird. Meine Eltern unterschrieben diese Verfügung in einem Notariat.


    Auch bei meiner Schwiegermutter, die nach mehreren Schlaganfällen nicht in ein lebenswertes Leben, zurückfinden würde, wurde ihre Willenserklärung, unterschrieben auch von ihrem Hausarzt und der Leiterin des Seniorenheims akzeptiert.


    Ich hoffe, dass jeder, der dies liest, sich auch Gedanken darüber macht. Genauso wichtig wie eine Patientenverfügung ist auch die Nennung von Namen von Menschen, denen man vertraut und die im Falle, dass man nicht mehr geschäftsfähig ist als Betreuer vom Amtsgericht bestellt werden.

    Meine Oma hat ja schon seit einiger Zeit zusammen mit meinem Onkel die Vormundschaft für ihn übernommen.


    Er wird zwischenzeitlich durch eine Magensonde ernährt und bekommt hierüber auch seine Medikamente. Das ist aber alles was getan wird. Wir weigern uns ihn verhungern zu lassen! Ich weiß nicht ob das eine gute Entscheidung für ihn ist, aber ich und auch meine Oma, wir könnten mit dem Wissen ihm keine Nahrung mehr gegeben zu haben nicht leben...


    Er hat auch noch eine schwere Lungenentzündung bekommen, daher geh ich davon aus, dass es sich in einigen Tagen sowieso erledigt hat... Aber nach seinem langen Leidensweg in den letzten 6 Jahren darf er mit 88 Jahren auch zu seinen Kindern gehen.. :°(

    Maeusle :°_


    Ich glaube, die Frage ist doch eher davon abhängig, ob es eine reelle Chance aufs Überleben gibt, nicht, ob es nun künstliche Ernährung oder Beatmung ist. Man könnte auch soweit gehen, zu fragen, ob es eine reelle Chance auf ein lebenswertes Leben nach der Notfallmaßnahme gibt.


    Meine ganz persönliche Meinung ist: Wenn es sein Wunsch ist, den er schriftlich festgehalten hat, sollte man ihm den auch erfüllen. Leider äußern sich nur wenige dazu zu Lebzeiten.


    Ich habe da letztes Jahr sehr viel drüber nachdenken müssen, als meine Oma im künstlichen Koma lag. In diesem Fall hat man ihr Leiden nur um eine Woche verlängert, nachdem sie auf natürlichem Wege schon gestorben wäre, hätte man sie nicht ins Koma gelegt.


    Haltet die Ohren steif.


    Liebe Grüße :)*

    Zitat

    Man könnte auch soweit gehen, zu fragen, ob es eine reelle Chance auf ein lebenswertes Leben nach der Notfallmaßnahme gibt

    Gibt es nicht! Aber ein lebenswertes Leben ist es schon lange nicht mehr... Das Grundproblem ist eigentlich gerade das seine Verfügung bei meiner Oma liegt und diese sie "vergisst" mit ins Krankenhaus zu nehmen %-|


    Ich denk sie ist noch nicht so weit ihn gehen zu lassen... hab heute lange mit ihr geredet und ich denke das sie sie morgen oder übermorgen nicht vergessen wird:°(

    Wer möchte denn schon diese Entscheidung treffen?


    Innerlich weiß man, dass es vielleicht besser für den leidenden Menschen wäre, aber den Knopf zu drücken, die Verfügung mitzubringen, dem Arzt Bescheid zu sagen, zu entscheiden, dass man zukünftig unumkehrbar alleine ist und den Menschen, mit dem man sein Leben verbracht hat, verliert ...


    Ganz ehrlich, heute bin ich der Meinung, dass man damals die Geräte hätte abstellen sollen, aber damals habe ich es mich nicht getraut zu sagen. Sicher, es sind erst später einige Informationen ans Tageslicht gekommen, aber selbst mit diesem Wissen hätte ich dem Arzt kein OK gegeben. Und die maßgeblichen Leute in der Situation waren nunmal meine Cousine und ich.


    Ich denke, man kann Euch bei der Entscheidung nicht reinreden, aber mein Rat wäre, Eure Oma nicht damit alleine zu lassen. Begleitet sie doch ins Krankenhaus und steht ihr bei der Entscheidung bei. Ihr werdet dann merken, warum es ihr schwerfällt.


    Ich muss sagen, das hat bei uns letztes Jahr (wider Erwarten) funktioniert und ich meine, es hat auch jedem geholfen, das durchzustehen.

    Ja, da hat es sich mehr oder weniger über 4 Wochen gezogen wo ich jeden Tag im Krankenhaus war... Das konnte wiederrum meine Oma nicht, sie hat das vor 8 Jahre bei ihrem Sohn schon gemacht und meinte das sie nicht auch noch ihr 2. Kind sterben sehen kann... und mir ist es in letzter Zeit schon schwer gefallen Opa im Altersheim zu besuchen weil ich es nicht mehr ertrage konnte und er mich auch immer mit dem Namen meiner Mutter angesprochen hat...


    Innerlich hab ich wohl schon Abschied von ihm genommen, weil er schon lange nicht mehr mein Opa ist wie ich ihn kenne, sondern einfach nur ein armer alter Mann dem es nicht vergönnt ist endlich sterben zu dürfen:°(

    Das ist eine schwierige Entscheidung die wirklich jeder für sich selbst treffen muss...ich kann euch nicht sagen wie ich handeln würde wenn ich dies einmal entscheiden müsste...aber Momentan ginge der Wunsch des Betroffenen vor ....

    hey.


    also wie schon geschrieben, die künstliche ernährug an sich wäre kein grund für die ärzte ihn sterben zu lassen.


    auch heißt eine verfügung nicht,dass sobald sie abgegeben wird,der arzt die sonde zieht und dein opa stirbt.


    normalerweise geht jeder der beteiligten sehr sensibel mit dieser situation um sprich,jeder kann verstehen dass es den angehörigen schwer fällt loszulassen (meist viel mehr als dem sterbenden selbst) und auch für die behandelnden ärzte ist es keine routine jemanden seinen weg gehen zu lassen.ihr werdet genug zeit haben euch zu verabschieden.


    natürlich ist die vorstellung ihn"verhungern zu lassen" grausam aber man darf sich das m.e. nicht so absolut vorstellen. der menschliche körper ist an die unterschiedlichen lebenszyklen angepasst (also auch an den des sterbens) d.h. jeder der eines "natürlichen todes"stirbt durchläuft den weg der nahrungs-und später auch flüssigkeitskarenz. dies hat den einfachen sinn, dass man mit zunehmender austrocknung einen zustand geistiger dämpfung erreicht,die einem das "sterben wohl erleichtern soll".


    klingt alles schön theoretisch wirst du sagen,da ich ja noch nicht gestorben bin..aber ich habe auf unserer palliativstation schon viele menschen auf dem weg begleiten dürfen und immer wieder diese erfahrung gemacht.


    lasst ihn los.:)*


    viel kraft wünsch ich euch bei allem was kommt.


    lg

    Zitat

    d.h. jeder der eines "natürlichen todes"stirbt durchläuft den weg der nahrungs-und später auch flüssigkeitskarenz. dies hat den einfachen sinn, dass man mit zunehmender austrocknung einen zustand geistiger dämpfung erreicht,die einem das "sterben wohl erleichtern soll".

    das ist interessant.


    Heißt im Prinzip, dass die menschen, die im KKH künstlich ernährt werden, nicht "natürlich" sterben dürfen.

    Zitat

    Heißt im Prinzip, dass die menschen, die im KKH künstlich ernährt werden, nicht "natürlich" sterben dürfen.

    ist schon ein wenig so.


    Durch die unzähligen Magensonden, die gelegt werden, häufig von Ärzten mit genau dem Argument des nicht "verhungern lassen" den Angehörigen angeraten, werden viele alte Menschen unnatürlich lange am Leben erhalten.


    was Amal hier schreibt

    Zitat

    natürlich ist die vorstellung ihn"verhungern zu lassen" grausam aber man darf sich das m.e. nicht so absolut vorstellen. der menschliche körper ist an die unterschiedlichen lebenszyklen angepasst (also auch an den des sterbens) d.h. jeder der eines "natürlichen todes"stirbt durchläuft den weg der nahrungs-und später auch flüssigkeitskarenz. dies hat den einfachen sinn, dass man mit zunehmender austrocknung einen zustand geistiger dämpfung erreicht,die einem das "sterben wohl erleichtern soll".

    ist so wichtig.


    Keine Nahrung bedeutet vielfach weniger Schmerzen.....


    Und die Nahrungsverweigerug, früher ein ganz natürliches Verhalten, wird künstlich umgangen.


    Was steht in der Patientenverfügung?


    Eine Wischiwaschierklärung "keine lebensverlängernden Maßnahmen" nützt heute vielfach gar nichts.


    In meiner steht sehr ausführlich drin, was ich will und was nicht und das ist letztlich wichtiger, als eine notarielle Beglaubigung

    Sehe ich genauso wie einige von euch.


    Ich arbeite in einem Pflegeheim,und viele Bewohner verweigern irgendwann die Nahrung und Flüssigkeit.Mit einer Magensonde wird diesen Personen die einzige Möglichkeit,selbst zu entscheiden das sie sterben möchten genommen.


    Mehrere Bewohner bekamen nach mehreren Schlaganfällen eine Magensonde,weil die Angehörigen sie nicht "verhungern" lassen wollten.Haben diese Menschen,die steif im Bett liegen,sich nicht bewegen,nicht sprechen,nicht selbst entscheiden "gehen zu wollen",sich nicht mal kratzen,drehen,irgendetwas äußern können ein lebenswertes Leben?


    Ich würde in einer solchen Situation bei einem meiner Angehörigen IMMER gegen eine PEG entscheiden,aber vielleicht einfach aus dem Grund,das ich schon SO viele Menschen "vor sich hin vegetieren" gesehen habe.

    @ Wehrfisch

    ich auch. Aber ich arbeite im Krankenhaus, wir bekommen dann häufig eure Heimbewohner mit der Diagnose "Nahrungsverweigerung" und ich bekomme ab und an die Diskussionen mit zwischen Ärzten und Angehörigen und das Argument "nicht verhungern lassen" wird noch von vielen Ärzten benutzt.


    Mir tut es auch immer in der Seele weh, wenn man die Alten so entmündigt.

    Maeusle,


    ich kann verstehen, wie Euch zu mute ist. Ich habe es zweimal mitgemacht und es fiel mir sehr schwer, diese Verfügungen vorzuzeigen. Wir haben jedesmal in der Familie beraten.


    Bei meiner Mutter, bei der der Krebs wieder ausgebrochen war und eine Behandlung wegen ihres schlechten Allgemeinzustandes (86 Jahre, hatte schon einen künstl. Ausgang, mehrere Wirbelbrüche - Osteoporose) kam dann noch ein schwerer Sturz mit Fraktur im Schultergelenk hinzu. Ich hörte aus dem Schwesternzimmer als ich auf den Arzt wartete: die Tochter ist schon wieder da, die müsste doch wissen, dass es inoperabel ist. Dann das Zögern des Arztes am Bett meiner bereits bewusstlosen Mutter. Die Fraktur umgeben von einem riesigen Hämatom, konservativ gerichtet - da zog ich die Patientenerklärung (Unterschrift notariell beglaubigt) hervor. Meine Mutter ist schmerzfrei eingeschlafen. Ich saß 16 Stunden an ihrem Bett.


    Frage, ob es im Krankenhaus nach Unterstützung durch die Hospizbewegung. Die können Euch seelisch zur Seite stehen.


    Ich wünsche Euch Kraft für die schweren Stunden. Jeder muss einmal gehen. Euer Opa hat sich viel mit dem Tod beschäftigt und entschieden, diese Patientenverfügung zu unterschreiben. Nun müsst Ihr seinen Willen respektieren, denn er kann sich nicht mehr helfen.