Mama ins Pflegeheim? Alternativen?

    Hallo zusammen,


    ich bräuchte mal ein paar Feedbacks zu unserer jetzigen Situation.


    Meine Mutter (76) hatte am 15.06.2020 einen Schlaganfall (Multihirninfarkt). Bewegungstechnisch sah anfangs alles noch gut aus. Der Haupt"ausfall" war die Sprache.

    Die kam recht schnell wieder, in der ersten Woche nach dem SA sogar inhaltlich einigermaßen ok. Seit dem 25.6. ist sie nun in der Reha, aber ab dem Zeitpunkt meine ich, dass alles immer schlechter wurde. Die Sprache, der Geist . . . . . . Am 5.7. hatte sie auch noch einen epileptischen Anfall, danach inkontinent. Und konnte nicht mehr aufstehen. (Vorher rannte sie ständig - auch nachts - über die Station) Im Liegen die Beine bewegen klappte, aber hinstellen 8-( das geht jetzt ansatzweise wieder. Zusätzlich auch noch einen Harnwegsinfekt, der sie voll umgehauen hat:°(Die Rehamaßnahmen wie Sprachtherapie und Bewegung konnte sie deshalb teilweise auch nicht mitmachen. Das geht nun wieder. Sie wurde zwischenzeitlich auch mehrfach untersucht, weil ihre Verwirrung unerklärlich war (MRT, CT, Lumbalpunktion usw.) Mittlerweile würde ich ihren Zustand als dement bezeichnen, ganz selten ist sie in der Gegenwart. Zeitliche Orientierung null. Laut Pflegepersonal und Arzt ist sie nun 24h pflegebedürftig. Manche Tage redet sie wie ein Wasserfall, klar und deutlich - aber der Inhalt ist für niemanden verständlich. Man erkennt an einzelnen Worten, wo sie sich befindet, aber in dem Gesprochenen besteht keine Zusammenhang.

    Wenn ich sie dort besuche, kommt sie mir eher schon wie in einem Seniorenheim vor als in einer Rehaklinik.

    Unvorstellbar, da sie vorher nach dem Tod meines Vaters vor 13 Jahren total selbstständig gelebt hat, das einzige, was sie vor 2 Jahren freiwillig aufgegeben hat, war das Auto fahren. Sie hat selbst geputzt, machte Onlinebanking, konnte in Quizshows fast jede Frage beantworten. Sie war eine meiner wichtigsten Kommunikationspartner. Und nun das. . . . . . . .:-( Was ganz blöde ist, sie hat sehr schlechte Augen, trug vorher Kontaktlinsen, weil Brille bei ihr aufgrund einer Hornhautverkrümmung nicht funktioniert. Bedeutet, dass sie jetzt halb blind durch die Gegend läuft/fährt (Rolli, aber nicht selbst).


    Nun stehen wir vor der schwierigen Entscheidung, die Sache mit dem Pflegeheim.

    Sie wohnt nur ein paar Straßen weiter als wir, aber wir sind ganztägig berufstätig, beide je 60 km entfernt. Sie kann auf gar keinen Fall alleine bleiben. Sie war Mieterin in einem 2-Fam.-Haus in der oberen Etage. Alles andere als rollstuhlgerecht.


    Und eine 24h-Pflege zuhause, das kenne ich aus dem Bekanntenkreis, aber auch da war meist einer von der Familie zumindest teilweise dabei, zumindest nachts. Und da war nie Demenz im Spiel, eher körperliche Defizite. Sie kann ja nicht mal mehr mit einem Telefon umgehen.

    Und kostentechnisch wäre das sicher insgesamt teurer, weil ja neben der Pflege auch die Miete, Strom etc. weiter bezahlt werden müsste.


    Auch ganz blöde momentan: Wegen Corona kann man keine Heime besichtigen :-(

    Ich habe mich vorsichtshalber bei ein paar quasi "blind" und unverbindlich auf die Warteliste setzen lassen. Denn wenn die Reha zu Ende ist, muss ja was passieren.


    Meine Mutter hat für alles vorgesorgt, Finanzen, Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung - aber die Entscheidung nimmt mir das nicht ab.

    Ich weiß nur, dass sie vorher immer gesagt hat: Wenn ich mal ein Pflegefall werde, bringt mich bitte in ein Heim - ich möchte nicht, dass ihr das macht. :°(


    Seit Wochen beschäftige ich mich mit dem Thema, da ist es echt schwer, sich auch auf die Arbeit zu konzentrieren.


    Vielleicht kann ja jemand von seinen Erfahrungen berichten.


    @:)

  • 140 Antworten
    Merlinchen7 schrieb:

    Ich weiß nur, dass sie vorher immer gesagt hat: Wenn ich mal ein Pflegefall werde, bringt mich bitte in ein Heim - ich möchte nicht, dass ihr das macht. :°(

    Hallo Merlinchen7,

    möchte deine Mutter nun in ein Pflegeheim, oder nicht? Ich verstehe die Aussage nicht..

    Meine Großmutter war in ihren letzten Jahren leider auch zunehmend dementer...wir hatten das mit einer 24 - h Pflege gelöst, damit sie zu Hause bleiben konnte. Allerdings ist meine Tante Krankenschwester und war zusätzlich jeden zweiten Tag dort.

    Gibt es die Möglichkeit, deine Mutter in einem Heim ganz in der Nähe unterzubringen?
    Dort hättet ihr immerhin die Gelegenheit, sooft wie möglich dort zu sein, wenn ihr Zeit habt.

    Einen Angehörigen zu pflegen ist eine Herausforderung. Ich arbeite mittlerweile selbst in der Pflege und habe bei etlichen Kollegen*innen miterlebt, wie sie sich durch die Pflege der Eltern/Angehörigen kaputt/an den Rand eines Burn outs geschuftet haben - der professionelle Abstand fehlt.


    Viel Kraft :)*




    Von "möchte" kann sicher keine Rede sein, das kann man sie jetzt eh nicht mehr fragen, sie würde es wohl nicht richtig verstehen. Trotzdem werde ich es ihr irgendwann irgendwie beibringen müssen.


    Sie hat schon vor Jahren immer ganz offen über diese Themen gesprochen, sicherlich auch bedingt durch die Krankheiten ihrer Mutter und meines Vaters. Und da hat sie das eben öfter gesagt, dass sie nicht will, das wir uns das "antun". . . . . .

    Die Heime wäre alle quasi bei uns zuhause um die Ecke, teils sogar fußläufig erreichbar.

    :-)

    Weißt du eventuell wie es aussieht, bei so einer Pflegekraft zuhause, wohnt die dann mit da in der Wohnung? Die Fälle, die mir bekannt sind, da spielte sich das ganze meist in einem großen Haus ab, mit Einliegerwohnung oder separater Etage für die Pfleger/in.

    Und die waren wirklich ständig da, auch nachts. Die haben gepflegt, gekocht, "bespaßt" usw. Einen Tag die Woche hatten die glaube ich frei, da musste dann ein Angehöriger für ein paar Stunden da bleiben. Und alle 8 Wochen war kompletter Wechsel - andere Pflegekraft.


    Aber in einer Mietwohnung, auch wenn sie 100 qm hat, wird so jemand wohl kaum ins ehemalige "Kinderzimmer" ziehen, oder? Der Rest würde dann ja gemeinsam mit dem Pflegebedürftigen genutzt.


    Ich lese hier nämlich auch häufiger von "Hotelkosten" - aber was soll das sein? Die Pflegekraft muss ja 24h durchgehend beim Patienten sein, oder was ist in dem Fall mit Hotel gemeint?

    Ich denke, wenn Demenz nun auch eine Rolle spielt, ist eine häusliche Pflege, selbst wenn sie 24/7 gewährleistet ist, nicht mehr darstellbar. Dann muss sie Wohl oder Übel in ein Pflegeheim. Das dürfte am ende für sie die beste Möglichkeit sein. Zumal sie vorher auch schon immer gesagt hat das sie in ein Heim möchte. (Weil sie den Kindern nicht zur Last fallen wollte.)

    Bei Demenz ist es mit ein bisschen kochen, waschen und "bespaßen" nicht getan.

    Die Mutter meines Vaters wurde von einer ihrer Töchter zu Hause gepflegt bis zu ihrem Tod, nachdem sie nicht mehr alleine sein konnte. Aber sie war nicht dement, sondern geistig fitt bis zum letzten Tag. Trotzdem ist das eine Aufgabe, die sehr belastend ist.

    Es passiert auch schnell das pflegende Angehörige quasi bis zum Umfallen schuften und alleine dadurch selber zum Pflegefall werden.

    Hallo! Da kann ich dir nur etwas zu schreiben, betr. meine 90 jährige Mutter. Sie ist nicht direkt pflegebedürftig rund um die Uhr, geht noch alleine zur Toilette und ißt alleine, kann noch ein wenig alleine gehen. Sie braucht Hilfe bei der Grundpflege, anziehen, kämmen usw. Alleine versorgen kann sie sich nicht mehr. Die Demenz schreitet fort, der eine Tag schlecht, der andere etwas besser. Von Anfang an lehnte sie einen Heimaufenthalt ab, sie wollte in ihrem eigenen Haus bleiben. Wir haben uns dann für eine polnische Kraft entschieden und damit 2 Glücksgriffe getan, es kann auch in die Hose gehen. Der Wechsel erfolgt alle 10 Wochen. Eine Polin ist gelernte Krankenschwester, der anderen Polin habe ich alles gezeigt. Vom ersten Tag hat alles bestens geklappt, ohne Probleme. Die beiden Polinnen gehören mittlerweile zur Familie, seit knapp 3 Jahren. Meine Mutter konnte seit dem Tode meines Vaters nachts nicht mehr alleine bleiben und litt unter Angstzuständen. Seit die Polinnen für sie da sind, hat sich das alles zum positiven gewendet. Natürlich besuche ich die beiden mindestens 3 mal in der Woche und sie kommen bei schönem Wetter öfters zu mir, Mama im Rollstuhl. Wir wohnen genau 1 km auseinander. Ansonsten hole ich die beiden mit dem Auto zu mir. Zu den Kosten, auf jeden Fall viel preiswerter als ein Heim. Kommt natürlich auf die Rente und die Höhe des Pflegeranges an. Meine Mutter bekommt eine geringe Rente, daher beteilige ich mich an den monatlichen Kosten. Wir haben allerdings einen Vorteil, die Miete entfällt, da meine Mutter im eigenen Haus lebt, trotzdem fallen noch genug Unkosten an, aber Hauptsache meine Mutter ist glücklich und zufrieden. So haben wir die Situation gemeistert. Alles Gute für Euch!

    Merlinchen7 schrieb:

    Aber in einer Mietwohnung, auch wenn sie 100 qm hat, wird so jemand wohl kaum ins ehemalige "Kinderzimmer" ziehen, oder?

    doch, sie müssen lediglich ein eigenes Zimmer haben und Internetzugang.
    Wenn du jemand haben möchtest der deutsch spricht ist es teurer, dann muss man rund 2500€ rechnen, ohne Deutschkenntnisse ist es günstiger. 6 Stunden Nachtruhe am Stück sind Vorraussetzung und Behandlungspflege dürfen sie nicht machen.
    ich persönlich würde das immer einem Heim vorziehen, wenn ich das für meine Angehörigen stemmen könnte

    Hallo!

    Du kannst Kontakt zum Sozialdienst der Reha aufnehmen, die können theoretisch einen Eilantrag bei der Pflegekasse zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit stellen. Ihr könntet erst einmal eine Kurzzeitpflege in einer Einrichtung machen, so könnt Ihr sehen ob es passt. Vielleicht fühlt Deine Mutter sich ja ganz wohl, und man kann beobachten wie sich die Situation entwickelt. Mit der Einrichtung könntet Ihr absprechen, ob Deine Mutter anschließend evtl. in die vollstationäre Pflege wechseln könnte. Bei der Such nach Einrichtungen wäre der Sozialduenst Dir behilflich. Des Weiteren hast Du einen gesetzlichen Anspruch auf kostenlose Pflegeberatung. Vielleicht hilft es Dir. Lg

    Eigenes Zimmer und Internetzugang ist völlig ausreichend. Unsere Polinnen haben keinen Tag frei, bekommen dafür mehr Geld. Eine spricht perfekt deutsch, die andere gut. Mittagspause: täglich von 13 - 15 Uhr. Nachts braucht meine Mutter noch keine spezielle Pflege, sie kann aber nicht alleine sein. Die Polinnen messen morgens ihren Blutdruck, geben ihr die Tabletten, die ich wöchentlich richte. Kochen, bügeln, putzen alles, was anfällt. Meine Mutter duschen, ankleiden usw. Wir zahlen 500 Euro pro Woche + Krankenkasse monatlich 60 Euro + 180 Euro Fahrkosten hin und zurück. Für Einkäufe bekommen die Frauen von mir 100 Euro pro Woche. Ich zahle selber, Getränke, Pflegeartikel. Das Geld ist ausschließlich für Lebensmittel. Kommt die Frau damit nicht aus, gebe ich ihr mehr. Natürlich zeige ich mich erkenntlich für die Fürsorge und erstklassige Betreuung, d.h. es gibt schon mal etwas zwischendurch. Ein T Shirt, neue Jeans, in der Art. Zu besonderen Anlässen wie Weihnachten oder Ostern, Geburtstag sind die beiden bei mir.

    Marida schrieb:

    Hyazinthe, dann hast du sie selbst angemeldet? Bist du Arbeitgeber?

    Nein, das hat eine Seniorenberaterin bei uns in der Stadt gemacht, die die Polinnen vermittelt. Seriös, da habe ich mich erkundigt. Man zahlt eine einmalige Vermittlungsgebühr. Ich bin kein Arbeitgeber, ich bin in der Medizin tätig. Gute Nacht!

    Merlinchen7 schrieb:

    Laut Pflegepersonal und Arzt ist sie nun 24h pflegebedürftig.

    Ich habe den Eindruck, dass Du jetzt die Verantwortung und Entscheidung für deine Mutter alleine trägst oder meinst tragen zu müssen. Tu das bitte nicht.


    Den Hinweisen von ElafRemich0815 und lamy66 kann ich mich aus eigener Erfahrung anschließen.


    Wenn möglich beginne mit der Kontaktaufnahme des Sozialdienstes in der Rehe, solange sie sich dort noch befindet. Meistens werden von dort aus die wichtigsten Formalitäten in Gang gesetzt und dazu gehört die Feststellung des Pflegegrades. Ohne diese Feststellung weisst Du nicht, in welcher Höhe finanziell Anspruch besteht, bestehen könnte.


    In Anbetracht der späten Stunde stelle ich hier mal einen Link ein, wo Du dich evtl. mal einlesen, informieren kannst.


    https://www.wegweiser-demenz.d…reuung-und-pflege/eigene-


    Wenn Du Fragen hast, antworte auch ich dir gerne.

    24h Pflege funktionierte bei meinen Großeltern so:


    2 wöchentlicher Wechsel (bei der Agentur so üblich), eigenes Zimmer, kein Internet (hatten die Großeltern auch nicht). Bei der letzten Pflege, bei Oma, war es dann zwar so, dass die Pflegerin eine ganze Etage zur Verfügung hatte, aber nur weil Oma nicht mehr die Treppe rauf kam, Voraussetzung war das keinesfalls. Man hat dann irgendwann auch einen 2. kleinen TV angeschafft, einfach weil die Pflegerinnen schon lange da waren und meine Oma Dank Restless Legs oft irgendwann vor dem TV einschlafen ist und bei der geringsten Veränderung aufwachte.


    2h Mittagspause, ca nach dem Mittagessen. Es waren aber alle flexibel genug, wenn der Arzt um 13:00 kam, dann halt Mittagspause danach. Keine freien Tage in diesen 14 Tagen.


    Zur Nachtruhe, das war bei meiner anderen Oma ein Problem, diese ging nachts bis zu 10 Mal zur Toilette. Da musste dann zur Windel gegriffen werden. Zitat Agentur: zweimal ist ja OK, aber Pflegerin kann nicht alle 45 Minuten aufstehen.

    Restless Legs Oma war ja im anderen Stockwerk, daher hat es die Pflegerin nicht gestört wenn sie herum lief. Und wenn was passiert ist, dann hatte sie den Knopf einer drahtlosen Klingel mit, die Klingel selber war im Zimmer der Pflegerin.


    Während bei Restless Legs Oma meine Mama oder ich öfter da waren (weil ums Eck von Mama), bei der anderen Oma zb waren meine Eltern alle paar Wochen (3-4), um zu schauen das alles passt, damit die Pflegerin auch mal jemand anderen sah, mit (klingt böse) "normalen" Leuten reden konnte, ob was außergewöhnliches gebraucht wurde,... Da wurde dann zb auch von uns eine Kiste Bier oder so getauscht, Waschmittel geliefert und Co, Zeug das man den Pflegerinnen nicht unbedingt beim Einkauf auch noch anhängen wollte. (In den 7 oder so Jahren im Laufe der Zeit (ca 2 Jahre bei Oma 1, zwei Tage bei Opa, gut 5 Jahre bei Oma 2) in denen Pflegerinnen da waren hatten wir glaub ich 8 Pflegerinnen, nur eine hatte ein Auto.)


    Wegen der unterschiedlichen Entfernung gab es auch etwas andere Aufgaben. Bei der Oma ums Eck haben Mama oder ich die Medikamente vorbereitet. Bei der anderen die Pflegerin. Dafür "mussten" die Pflegerinnen (von meiner Oma aus) vor Weihnachten Kekse backen und im Sommer Marmelade einkochen und Co. Die andere hatte das die 80+ Jahre davor nicht gemacht, kam daher nicht einmal auf die Idee. Als Beispiel.

    Oh, sie mussten bei Restless Legs Oma auch Holz herein holen für den Kachelofen der im Wohnzimmer die Hauptwärmequelle ist oder leichte Gartenarbeit. (Nicht unbedingt rasenmähen, aber bissl Unkraut und so.)