Oma braucht Hilfe

    Hallo zusammen. Meine Oma wird alt. Mit ihren 98 Jahren ist sie mittlerweile körperlich fertig. Sie schafft es gerade so mit dem Rollator zur Toilette und wieder zurück zu ihrem Bett. Jeden Tag wird sie mit Essen versorgt und die Sozialstation kommt zweimal täglich für die Tabletten und Spritzen. Kognitiv ist sie voll fit. Aber sie will nicht mehr. Trotz vielen Besuchen (auch während Corona - nur mit besonderer Vorsicht und unter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben) will sie nicht mehr leben.

    Aber ihr Herzschrittmacher hält sie am Leben und irgendwie muss es ja weiter gehen. Leider geht es ihr aktuell so schlecht, dass sie alle 2-3 Tage stürzt - zum Glück nicht schlimm. Aber jedes Mal braucht sie Hilfe um wieder hoch zu kommen und alle haben Angst, dass sie sich beim nächsten Sturz doch schlimmer verletzt.

    Und da kommen wir an unsere Grenzen- was kann man tun?

    Eigentlich will sie auch nichts verändern-

    Sie weiß nicht wozu das gut sein soll- sie will eh nicht mehr leben:°(

    Wir drumherum -ihre Kinder und Enkel können das nicht mehr mit anschauen - was können wir tun?

  • 17 Antworten

    Hallo, gibt es die Möglichkeit, dass sie bei einem von euch lebt? Die Pflegestufe wird sie ja schon haben, aber vielleicht lohnt sich da auch eine Neuberechnung.


    Pflegeheim wäre eine Option, ist aber oft das letzte, was sie selbst wollen.

    Ich würde als allererstes mit deiner Großmutter zu einem Psychiater bzw. wenn sie das absolut nicht will zum Hausarzt um zu schauen ob man ihre negative Stimmung ein bisschen heben kann.


    Und anschließend würde ich planen wie es weitergehen soll. Dass sie mit den häufigen Stürzen nicht mehr alleine gelassen werden soll, sollte mittlerweile klar sein. Kann/will jemand aus der Familie die Pflege übernehmen, oder ist ein Heim die bessere Wahl, seziell in Anbetracht der annehmen physischen Gesundheit?

    Berichte die Sache doch mal der Sozialstation, dass Ihr mit dem Alltag mit der Oma und den Stürzen nicht mehr klar kommt und lasst Euch beraten.

    Das man bei so einem hohen Alter nicht mehr leben will, ist ganz normal.

    Schwierig, aber ich finde das in diesem wirklich sehr hohen Alter akzeptiert werden sollte wenn ein Mensch nicht mehr möchte.

    Mit 98 wird das Weiterleben anstrengend und die Perspektive fehlt.

    Mit Antidepressiva einzugreifen ist sicher aufgrund der anfänglichen Nebenwirkungen auch gefährlich.


    Ich denke das Augenmerk sollte auf einer engmaschigen und liebevollen Betreuung liegen.


    Alles Gute für euch und die Oma die wirklich ein tolles Alter erreicht hat :)*

    jaydee88 schrieb:

    Und da kommen wir an unsere Grenzen- was kann man tun?

    Altenheim

    Da versuchen einen Platz zu finden.



    jaydee88 schrieb:

    was können wir tun?

    Alternativ eine 24 Std Kraft aus Polen ect?

    jaydee88 schrieb:

    Sie schafft es gerade so mit dem Rollator zur Toilette und wieder zurück zu ihrem Bett.

    In Anbetracht des offensichtlichen Sturzrisikos sollte sie sich nicht mehr ohne Begleitung fortbewegen.


    Wenn sie äußert, daß sie nicht mehr leben mag, kann man ihr - finde ich - ruhig sagen, daß man dafür Verständnis hat. Aber sie sollte es auch akzeptieren, daß nicht einfach irgendein Familienmitglied bereit ist, sie umzubringen. (Was ja auch eine Straftat wäre.)


    Evtl. kann man sagen, daß man Gott die Wahl des Zeitpunktes überlässt. Diesbezüglich ist noch kein Mensch von ihm vergessen worden...

    Danke für die vielen Antworten!

    Sie will nicht raus aus ihrem Haus. Zu keinem der Kinder und erst recht nicht in ein Altersheim.

    Pflegestufe hat sie. Davon wird die sozialstation bezahlt. Zweimal täglich Tabletten/spritzen und einmal pro Woche duschen. Eine Pflegekraft im Haus will sie auch nicht, denn die würde sie ja nur in ihrem Alltag stören (vorm TV sitzen und schlafen im Wechsel).

    Stimmungsaufheller wurden ihr kürzlich auch von der Hausärztin verschrieben. Aber die machen sie so müde, dass sie gar nicht mehr aufstehen mag. Also wieder abgesetzt.


    Wie sollen wir denn die liebevolle engmaschige Betreuung anders organisieren?

    Jeden Tag ist jemand bei ihr. Manchmal nur eine viertel Stunde, manchmal auch den ganzen Tag. Aber kaum ist sie alleine, ist die Gefahr eben wieder da, dass sie stürzt.

    Eine Tochter wohnt direkt nebenan und kriegt zum Glück viel mit und ist dementsprechend schnell vor Ort. Aber die ist halt auch berufstätig und keine 24 h verfügbar.

    Auch einen Klingelknopf vom Roten Kreuz Ht sie. Anfangs unter heftigem Protest.. Mittlerweile hat sie ihn schon mehrfach genutzt.


    Ja wir sind froh, dass sie so alt geworden ist, aber kognitiv fit vor sich hin vegetieren will ja auch keiner.

    Ich überlege ob ich sie zu einer geriatrischen Reha überreden soll ? Andererseits soll sie die Zeit die ihr bleibt doch so leben, wie sie das gerne möchte ":/


    Ich fühle mich so machtlos. Mir bleibt nur, sie regelmäßig zu besuchen. Und das fällt mir immer schwerer, weil ich sie nicht leiden sehen mag - und sie auch nicht so in Erinnerung behalten will. In meiner Erinnerung ist sie die fitte Oma die Apfelkuchen backt und mit uns Enkeln im Wald Feuerholz sucht.

    In Wahrheit nässt sie regelmäßig ein, weil der Weg zur Toilette zu weit ist:°(


    Und nachdem ich jetzt Korrektur gelesen habe, frage ich mich, ob es hier ausschließlich um meine Oma geht!? Oder geht es vielleicht auch um mich? Um mit dem Abschied auf Raten besser umgehen zu können? Um mich mental darauf vorzubereiten, dass sie bald gehen wird?

    Und vielleicht geht es auch um die Angst was aus meiner Mama wird - die sich am meisten um meine Oma kümmert und anschließend plötzlich alleine wäre!?

    Ich weiß, dass der Tod kommt. Und sehenden Auges weine ich vorab und fürchte mich doch vor dem Schmerz der noch auf uns zu kommt wenn sie wirklich geht :°(

    Ja sie spricht öfter zum lieben Gott - dass er sie doch endlich holen soll... sie will das. Ich kann es nicht verstehen. Ich wünsche mir so sehr, dass meine Kinder ihre Uroma erleben dürfen. Und ich weiß wie egoistisch mein Wunsch ist... meine Oma hat es nicht verdient so zu leiden.

    Zumindestens für die Nacht wäre vielleicht ein Leibstuhl eine Möglichkeit, so stürzte meine Oma zumindestens in der Nacht weniger, da sie nur drei Schritte gehen musste wenn sie denn endlich schlief.

    jaydee88 schrieb:

    Ich fühle mich so machtlos. Mir bleibt nur, sie regelmäßig zu besuchen.

    Wenn sie alles ablehnt und nichts möchte, dann ist das so.

    Mehr könnt ihr nicht tun.

    Sie ist anscheinend nicht dement und noch selbestimmend. Wenn alles so bleiben soll wie es ist, dann ist das so. Das musst du akzeptieren.

    Du kannst nicht jedem Helfen wenn er das nicht will. Wenn Oma nix möchte muss sie auch die Konsequenzen daraus ziehen.


    Wenn sie öfters stürzt dann ist es irgendwann so das sie sich eine Schenkelhalsfraktur ect zuzieht, dann OP, dann Krankenhaus, Kurzzeitpflege oder Reha das ganze Procedere.



    Sicher st es schwer wenn man gerne helfen und etwas ändern möchte, aber du kannst nur Helfen wenn Oma das auch zuläßt.

    Wenn sie nicht will, ist es so. Besucht sie regelmäßig, mehr könnt ihr nicht machen.

    just_looking? schrieb:

    Zumindestens für die Nacht wäre vielleicht ein Leibstuhl eine Möglichkeit, so stürzte meine Oma zumindestens in der Nacht weniger, da sie nur drei Schritte gehen musste wenn sie denn endlich schlief.

    Ja, so ein Toilettenstuhl... vielleicht kann sie diesen wenigstens akzeptieren.

    Deine Oma scheint ja nicht dement zu sein, richtig? Hast du schonmal versucht mit ihr Gespräche zu führen? Über ihre Situation, ihr Leben, das Thema Tod und Sterben ( wer so alt ist hat in der Regel keine Angst mehr vor dem Tod ) und über deine eigenen Gefühle?

    Vielleicht hilft dir das weiter deine eigenen Gedanken und Gefühle zu verarbeiten.

    jaydee88 schrieb:

    In Wahrheit nässt sie regelmäßig ein, weil der Weg zur Toilette zu weit ist :°(

    Ist zwar ein wenig unkonvenionell, aber wie wäre es mit einem Campingklo. Die gibt es in richtiger normaler Toilettenhöhe. Das Teil direkt neben das Bett stellen. Die Dinger haben eine richtige Brille und Deckel. Es gibt auch Eimertoiletten, die auch für sowas sind. Auch mit Deckel und Brille und allem.

    Ach so ja, wegen dem Wollen: Also so eine Eimertoilette ist wirklich nicht übel...hatte die schon selbst neben meinem Bett stehen.

    Und wenn Oma sowas auch nicht will, muß man ihr dann auch mal sagen, dass sie dann halt immer nasse Buxen hat. Sie versteht das ja alles, ist komplett bei Verstand. Dann kann sie sich entscheiden, was sie will und tun möchte.