Opa will nicht im Seniorenheim bleiben

    Hallo,


    es handelt sich um den Opa meines Mannes. Dieser ist dement, wobei diese nicht konstant ist. Er hat viele klare Momente, kann sich auch an viele kurzfristige Geschehnisse erinneren. Ein andermal verlässt er das Haus, findet nicht mehr nach Hause und wird viele Stunden später total verwirrt von Polizei/Passanten aufgegriffen und nach Hause gebracht. Von diesen Ausflügen weiß er jeweils nichts mehr. Die Oma war so fertig, dass sie eine Kurzzeitpflege für Ihren Mann organisiert hat. Dieser wurde dorthin verfrachtet gegen seinen Willen. Mittlerweile ist er nun im dritten Seniorenheim, Kurzzeitpflege ist natürlich längstens vorbei. Doch er will nach Hause und wird (schon seit Beginn dieser Demenz) sehr rabiat. Zwischenzeitlich ist die Oma auch für längere Zeit im Krankenhaus und hat im Anschluss eine Anschlussheilbehandlung vor sich. Opa will unbedingt heim. Das geht aber - trotz klarer Momente - nicht.


    Seine Kinder schliessen die Augen und mein Mann ist immer wieder gefragt, Opa zu besänftigen, damit er im Heim bleibt. Nur wohnen wir 500 km entfernt und es ist langsam unmöglich, über Nacht dorthin zu fahren, um Opas Koffer am nächsten Tag wieder auszupacken. Wir sind selbstständig und das Geschäft leidet schon massiv.


    Was könnten wir denn für Maßnahmen ergreifen? Die eine Tochter hat eine Generalvollmacht, ist aber total überfordert. Kann Opa betreut werden? Hat das Seniorenheim dann das "Recht", ihn dort festzuhalten, wenn er abhauen möchte?


    Sorry für den langen Text, aber wir sind mittlerweile am Ende unserer Nervenkraft. Das ganze geht schon seit vier Jahren.


    Wir hätten beide bei uns aufgenommen damals, aber Oma wollte Opa mehr oder weniger loshaben. Und alleine schaffen wir es nicht, ihn bei uns aufzunehmen.

  • 17 Antworten

    Na, sowas bleibt natuerlich trotz "Demenz" ein Merkfaktor.

    Zitat

    Dieser wurde dorthin verfrachtet gegen seinen Willen.




    Mittlerweile ist er nun im dritten Seniorenheim, Kurzzeitpflege ist natürlich längstens vorbei. Doch er will nach Hause [...]

    Man kann sich immer selber fragen, ob man gegen eigenen Willen in einem Seniorenheim festgehalten werden wollen wuerde. Aus der gewechselten Perspektive kommen dann vielleicht Ideen.


    __________


    Signatur:


    Geh' zum Arzt.

    Mosquit%,


    hast du im Leben mal Jemanden betreut, der dement ist? Kannst du dir vorstellen, was das für eine Arbeit ist? Soll die Oma sich um den Opa kümmern oder was soll man in deinen Beitrag hinein interpretieren?


    Meine Großeltern wollten damals auch nicht in ein Heim, eine Alternative gab es nicht. Aber sie wollten es nicht wahrhaben. Jetzt wohnen beide zusammen seit ein paar Jahren in einem Heim bei meiner Tante direkt um die Ecke.

    dolorous

    Zitat

    Die eine Tochter hat eine Generalvollmacht, ist aber total überfordert. Kann Opa betreut werden? Hat das Seniorenheim dann das "Recht", ihn dort festzuhalten, wenn er abhauen möchte?

    Wenn die Tochter eine Vollmacht inclusive Aufenthaltsbestimmungarecht, dann darf sie bestimmen, wo sich der Großvater aufhalten darf. Da kann auch ein Heim sein, denn offenbar braucht er die Betreuung.


    Das Heim darf ihn aber nicht festhalten! Wenn z.B. fixiert werden muss, ist ein richterlicher Beschluß nötig.

    ich denke, ihr seid da in einer Situation, die uns allen aktiv und passiv blühen wird. Im Alter kann man eben oftmals nicht mehr alleine, kann daher auch die Entscheidungen über das eigene Leben und Verbleiben nicht alleine treffen, die anderen können die Fremdbetreuung gegen den Willen kaum mitansehen und aber auch nicht zuhause pflegen.


    So herzlos es klingen mag: Wenn keiner die Betreuung stemmen kann, dann muss er im Heim bleiben. Eine 24 Stunden Pflege ist auch nicht immer das Mittel der Wahl, da diese Frauen eigentlich eher keine Altenpflegerinnen und schon gar nicht ausgebildete Pflegerinnen für Demenzkranke sind. Ihr hättet dann eben - auch mit Hilfe zuhause - einen dementen Familienangehörigen im Haushalt, dessen Zustand heute ja nur vorübergehend ist. Ich bin absolut nicht vom Fach, aber es ist ja anzunehmen, dass seine Demenz noch zunehmen wird, oder? Ihr könntet es natürlich probieren, aber wenn ihr da von seinem Willen und seinen Einschätzungen ausgeht, dann vermute ich, dass er auch bei euch (500 km entfernt, auch nicht sein "zuhause") nicht einfach glücklich und zufrieden sein wird.


    Gäbe es Alternativen? Übrigens finde ich es auch nachvollziehbar, dass die Oma einer Heimbetreuung aktiv zugestimmt hat. Pflege eines dementen Ehepartners kann manchmal wirklich über die Kräfte gehen, sowohl körperlich als auch emotional. Manche möchten das stemmen, andere wollen und können das nicht. Ich finde, dass "abschieben" ein hartes Wort dafür ist, dass andere eine Entscheidung treffen, vor der man selbst noch nicht gestanden hat.

    Besteht eine Betreuungsverfügung?

    Zitat

    Ein andermal verlässt er das Haus, findet nicht mehr nach Hause und wird viele Stunden später total verwirrt von Polizei/Passanten aufgegriffen und nach Hause gebracht. Von diesen Ausflügen weiß er jeweils nichts mehr. Die Oma war so fertig, dass sie eine Kurzzeitpflege für Ihren Mann organisiert hat. Dieser wurde dorthin verfrachtet gegen seinen Willen

    Ich denke mal, dass man bei einer Demenz nicht unbedingt nach dem Willen des Erkrankten gehen kann. Wenn man zu Hause keine lückenlose Betreuung sicher stellen kann (Demente kann man überhaupt nicht alleine lassen) ist eine Unterbringung in einem Heim sicher besser.


    Jetzt könnt ihr mich in der Luft zerreißen, aber ich habe in meiner Familie einen ähnlichen Fall und weiß wovon ich schreibe. Es ist nicht einfach, aber eigentlich nur zum besten der betroffenen Person. Wenn eine ausgeprägte Weglauftendenz

    besteht, bewahrt man die Person nur davor irgendwo hilflos umher zu irren ??wir suchen meine Schwiegermutter immer wieder mal, und glaubt mir, das ist keine Spaß??. Außerdem ist es für Angehörige sehr schwer wenn sie dann auch noch aggressiv werden.

    Zitat

    Mosquit%, hast du im Leben mal Jemanden betreut, der dement ist?Kannst du dir vorstellen, was das für eine Arbeit ist? Soll die Oma sich um den Opa kümmern oder was soll man in deinen Beitrag hinein interpretieren?Meine Großeltern wollten damals auch nicht in ein Heim, eine Alternative gab es nicht. Aber sie wollten es nicht wahrhaben. Jetzt wohnen beide zusammen seit ein paar Jahren in einem Heim bei meiner Tante direkt um die Ecke.


    nanchen

    Zitat

    Mosquit%, geh zum Arzt.


    mariposa

    TE bat um Rat, ich schrieb ein paar Zeilen, die - durch Veraenderung der Perspektive - vielleicht ihr eigene Idee bringen koennte. Ich schreibe hier nicht, um komplette Handlungskonzepte auf den Tisch zu pfeffern,


    und auch nicht das, was ohnehin schon 30 Andere schrieben, schreiben und zu schreiben gedenken.


    Genau daher ruehrt uebrigens meine ironische Signatur.


    _______


    Signatur:


    Geh' zum Arzt.

    @ dolorous

    Erstmal möchte ich Dir sagen, dass dieses "nach Hause wollen" zur Demenz gehört.


    Meine verstorbene Mutter war auch dement. Sie hat fast bis zum Schluß bei meinem Vater gelebt, also in ihrem Zuhause, in dem sie fast ihr ganzes Leben verbracht hat.


    Trotzdem kam eine Zeit, in der sie dies Zuhause nicht mehr erkannt hat. Sehr oft hat mein Vater mich spät abends angerufen, weil er mit meiner Mutter nicht mehr klar gekommen ist.


    Ich bin dann hingefahren und habe meine Mutter gefragt, welche Probleme sie hat. Sie meinte dann, dass ein fremder Mann (mein Vater) sie hier festhalten wolle und sie nicht nach Hause lassen würde. Erklärungsversuche haben nicht geholfen.


    Also habe ich sie "nach Hause gefahren". Wir haben ein paar Runden um den Block gedreht und dann habe ich sie wieder bei meinem Vater abgesetzt, den sie dann erleichtert begrüsst hat.


    Nun konnte sie beruhigt schlafen gehen.


    Es stellt sich also die Frage, ob euer Opa überhaupt die Bedeutung von "nach Hause wollen" noch versteht.


    Ich würde an eurer Stelle mal einen Familienrat halten mit der Oma und auch den Kindern eures Großvaters.


    Wenn keiner den Großvater aufnehmen und betreuen kann, wäre zu überlegen, ob ihr ihn in eure Nähe holt und bei euch in einem Heim unterbringt. Immerhin scheint Dein Mann den größten Zugang zu dem Großvater zu haben. Es könnte dem Großvater sehr helfen, sich in einem Heim zurecht zu finden.


    Dafür solltet ihr beim Amtsgericht die ehrenamtliche Betreuung für euren Großvater beantragen.


    Eine Generalvollmacht ist etwas anderes und kann auch aufgehoben werden, wenn die Vollmachtnehmer überfordert sind.


    Mit der Bestellung zum Betreuer bekommt ihr dann die Aufgabenkreise wie z. B. Sorge für die Gesundheit, Aufenthaltbestimmungsrecht und was sonst noch nötig ist. Damit seid ihr handlungsfähig. Man bekommt dafür auch eine jährliche Aufwandsentschädigung.


    Ich würde für den Großvater ein Heim suchen, welches speziell auf demente Menschen eingerichtet ist. Dort kann er auch nicht ohne weiteres weglaufen.

    Vielen Dank für Eure Beiträge! Ich werde im nächsten Schritt mal eruieren, ob das Aufenthaltsbestimmungsrecht in der Generalvollmacht inkludiert ist. Mein Mann ist kommende Woche wieder dort, denn Opa hat schon wieder seine Koffer gepackt und will nach Hause.

    @ Mosquit% - aufgrund der Tatsache,

    dass wir uns das schlimm vorstellen, ins Heim "abgeschoben" zu werden und dort zu verkümmern (aufgrund verschiedener heute unabänderlicher Lebensgewohnheiten), hatten wir vorgehabt, die Grosseltern bei uns aufzunehmen. Wir haben unsere Firma im Haus und hätten mit Hilfe eines Pflegedienstes vielleicht die Chance gehabt, beiden eine schöne Zeit zu gestalten. Und klar wäre es uns allen am liebsten, er könne daheim sein. Aber er, nein, eigentlich beide lehnten und lehnen seit vielen Jahren einfach alles ab, was echte Unterstützung bringen könnte. Zuerst wurden alle herannahenden Probleme negiert und dann kam das große Aufwachen. Uns wurde der "Maulkorb" angelegt, wenn wir diese Themen zur Sprache bringen wollten. Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen. Opa erfasst die Situation nicht mehr, er versteht nicht mehr, dass er eine Dauerbetreuung haben müsste zu Hause. Und Oma sagt Opa nicht einmal, dass sie das eigentlich gar nicht will. Dass er im Heim bleiben soll. Das ist so verzwickt und vertrackt. Und in den Opa hineinversetzen ist da echt schwer. Vor allem, weil er so jähzornig geworden ist.

    Zitat

    Dafür solltet ihr beim Amtsgericht die ehrenamtliche Betreuung für euren Großvater beantragen.

    :)z


    Ich finde es auch wichtig mit dem behandelnden Arzt zu reden und sich Tips zu holen. Welche Pflegestufe hat er denn?


    An einem geeigneten Heim führt wohl kein Weg vorbei. Es gibt gute und weniger gute Heime für demente Menschen. Wäre es nicht möglich, dass Oma mit ihm ins Heim geht? Einfach damit er nicht so allein und fremd ist.


    Ein Heim in eurer Nähe, würde euch die Möglichkeit zu einem schnellen Besuch zwischendurch geben. Oder ihr könntet Opa mal für ein paar Stunden zu euch heim oder zu einer Unternehmung holen. Demente Leute vergessen zwar viel/alles, aber Zuwendung und Wertschätzung spüren sie doch. Und in der Anfangszeit, wenn sie selber noch lichte Momente haben und begreifen was los ist, stell ich mir diese Krankheit grausam vor. Für alle Beteiligten.


    Ich wünsche euch viel Kraft. :)* :)* :)*

    ist den wenigstens eine Altenpflegerin in dem Heim in Validation geübt?


    dass demente Menschen nach Hause wollen kommt oft vor - dürfte aber nur dann zum Problem werden wenn zu wenig Betreuungspersonal vorhanden ist, denn dann hat er die Möglichkeit abzuhauen.


    wenn er klar Momente hat, kann er dann begründen warum er nach Hause will? (schlechtes Essen, kleines Zimmer, etc etc.)

    Wenn das mit dem Heim so gar nicht funktionieren will, wie wär's denn dann mit einer Pflegerin (aus Polen), die mit im Haus wohnt?


    Zum anderen: über welchen Zeitrahmen reden wir hier? Innerhalb welcher Zeiträume wurde dreimal das Heim gewechselt? Ich frage, weil das zur Desorientierung eines dementen Menschen extrem beitragen kann, und es kann auch Agressivität auslösen. Ich spreche aus Erfahrung, wir hatten das Problem, als unsere Mutter nach langem KH-Aufenthalt und anschließender Reha mehrere Male innerhalb kurzer Zeit verlegt werden mußte (leider war das nicht anders möglich, würde jetzt zu weit führen). Sie konnte zwar damals nicht weglaufen, aber es gab auch Attacken auf Pfleger. Wochen später, als sie dann im endgültigen Heim zur Ruhe kam, kam auf einmal wieder der ursprüngliche Mensch zum Vorschein, und die Demenzsymptome gingen zurück. Heute lebt sie (überhaupt nicht dement) ganz zufrieden immer noch im selben Heim.


    Dort gibt es übrigens mehrere demente Menschen, die häufig im Heim herumwandern. Ansprechbar sind sie eher nicht, aber sie werden immer wieder von den Pflegern liebevoll dort abgeholt, wo sie gerade unterwegs sind und zum Essen geholt. Bei einem von ihnen habe ich die Eingewöhnung miterlebt. Er war erst gar nicht bereit, zum Essen im Gemeinschaftsraum zu kommen, drückte sich immer an der Tür rum und wollte nicht rein, er fremdelte regelrecht. Das ging über einige Wochen, und irgendwann fühlte er sich sicher genug, um hereinzukommen. Heute macht er keine Probleme mehr... mal abgesehen davon, daß er gerne in fremde Zimmer wandert und alles auffuttert, was er findet. Aber daran haben sich inzwischen alle gewöhnt und finden es eher lustig, und die Pfleger "schnappen" ihn im allgemeinen, bevor er wieder mal auf Raubzug geht.


    Wäre es eventuell möglich, dem Vater einen GPS-Sender umzuhängen? Meines Wissens gibt es solche Teile genau für den Zweck!

    Wir kommen gerade vom Besuch bei den Grosseltern meines Mannes zurück und ich kann ausführlicher antworten.

    @ Mariposa

    Zitat

    Wenn die Tochter eine Vollmacht inclusive Aufenthaltsbestimmungsrecht, dann darf sie bestimmen, wo sich der Großvater aufhalten darf. Da kann auch ein Heim sein, denn offenbar braucht er die Betreuung.


    Das Heim darf ihn aber nicht festhalten! Wenn z.B. fixiert werden muss, ist ein richterlicher Beschluß nötig.

    Die Generalvollmacht enthält vieles, aber kein Aufenthaltsbestimmungsrecht. Vom Heim weiss ich nun, dass diese nicht einmal eine Pflanze vor den Aufzugsknopf stellen dürfen, um "den Fluchtweg" etwas besser zu verstecken.

    @ Winterfest

    Zitat

    Ich bin absolut nicht vom Fach, aber es ist ja anzunehmen, dass seine Demenz noch zunehmen wird, oder? Ihr könntet es natürlich probieren, aber wenn ihr da von seinem Willen und seinen Einschätzungen ausgeht, dann vermute ich, dass er auch bei euch (500 km entfernt, auch nicht sein "zuhause") nicht einfach glücklich und zufrieden sein wird.

    Da wirst Du recht haben. Wobei er im Seniorenheim extrem abgebaut hat. Ich habe ihn ja nun länger nicht gesehen und bin wirklich sehr erschrocken.

    Zitat

    Gäbe es Alternativen? Übrigens finde ich es auch nachvollziehbar, dass die Oma einer Heimbetreuung aktiv zugestimmt hat. Pflege eines dementen Ehepartners kann manchmal wirklich über die Kräfte gehen, sowohl körperlich als auch emotional. Manche möchten das stemmen, andere wollen und können das nicht. Ich finde, dass "abschieben" ein hartes Wort dafür ist, dass andere eine Entscheidung treffen, vor der man selbst noch nicht gestanden hat.

    Sie will ihn halt gar nicht mehr sehen, das versteht er nicht. Sie möchte nicht einmal, dass er sie im Krankenhaus besuchen darf. Und er ist nicht so dement, dass er das nicht kapiert. Er erkannte mich problemlos, übrigens auch meine Stimme am Telefon, immer.

    @ Schneehexe

    Zitat

    Wenn eine ausgeprägte Weglauftendenz

    besteht, bewahrt man die Person nur davor irgendwo hilflos umher zu irren ??wir suchen meine Schwiegermutter immer wieder mal, und glaubt mir, das ist keine Spaß.??. Außerdem ist es für Angehörige sehr schwer wenn sie dann auch noch aggressiv werden.

    Das Problem ist, die Weglauftendenz ist eben auch im Seniorenheim da und es macht die Sache nicht einfacher, wenn er von dort abhaut. Manchmal wird das erst Stunden später bemerkt und es gibt nicht mal eine grobe Idee, wo er hin sein könnte (Großstadt). Das war von seinem Zuhause aus einfacher.

    @ Hanca

    Zitat

    Es stellt sich also die Frage, ob euer Opa überhaupt die Bedeutung von "nach Hause wollen" noch versteht.

    Ja, das versteht er noch. Er steht auch immer wieder vor seiner Haustüre und findet dort hin. Er weiß nur nicht, wie. Er kann kilometerweise laufen oder mit dem Fahrrad (letzteres ist nun passé) fahren. Daran erinnert er sich dann absolut nicht mehr. Sobald er aber aufgegriffen wird, ist er wieder klar.

    Zitat

    Ich würde an eurer Stelle mal einen Familienrat halten mit der Oma und auch den Kindern eures Großvaters.

    Wenn das nur möglich wäre. Die Familie ist ... komisch ...

    Zitat

    Wenn keiner den Großvater aufnehmen und betreuen kann, wäre zu überlegen, ob ihr ihn in eure Nähe holt und bei euch in einem Heim unterbringt. Immerhin scheint Dein Mann den größten Zugang zu dem Großvater zu haben. Es könnte dem Großvater sehr helfen, sich in einem Heim zurecht zu finden.

    Das ist eine Möglichkeit, die ich nach dieser Woche ernsthaft in Betracht ziehe. So kann es jedenfalls nicht weitergehen.

    Zitat

    Dafür solltet ihr beim Amtsgericht die ehrenamtliche Betreuung für euren Großvater beantragen.


    Eine Generalvollmacht ist etwas anderes und kann auch aufgehoben werden, wenn die Vollmachtnehmer überfordert sind.


    Mit der Bestellung zum Betreuer bekommt ihr dann die Aufgabenkreise wie z. B. Sorge für die Gesundheit, Aufenthaltbestimmungsrecht und was sonst noch nötig ist. Damit seid ihr handlungsfähig. Man bekommt dafür auch eine jährliche Aufwandsentschädigung.

    Danke für diese Tipps. Ich gebe sie an meinen Mann weiter.

    Zitat

    Ich würde für den Großvater ein Heim suchen, welches speziell auf demente Menschen eingerichtet ist. Dort kann er auch nicht ohne weiteres weglaufen.

    "Eigentlich" ist er in einem solchen Heim.

    @ Bambiene

    Zitat

    Ich finde es auch wichtig mit dem behandelnden Arzt zu reden und sich Tips zu holen. Welche Pflegestufe hat er denn?

    Er hat Pflegestufe I. Als das evaluiert wurde, zeigte er sich total klar. Erst hatte er Pflegestufe 0, soweit ich weiß. Es war schon ein Kampf, dass er auf I hochgestuft wurde.

    Zitat

    An einem geeigneten Heim führt wohl kein Weg vorbei. Es gibt gute und weniger gute Heime für demente Menschen. Wäre es nicht möglich, dass Oma mit ihm ins Heim geht? Einfach damit er nicht so allein und fremd ist.

    Das wäre super und würde viele Probleme lösen. Aber Oma will - von einem Tag auf den anderen - nichts mehr mit ihrem Mann zu tun haben.

    Zitat

    Ein Heim in eurer Nähe, würde euch die Möglichkeit zu einem schnellen Besuch zwischendurch geben. Oder ihr könntet Opa mal für ein paar Stunden zu euch heim oder zu einer Unternehmung holen. Demente Leute vergessen zwar viel/alles, aber Zuwendung und Wertschätzung spüren sie doch. Und in der Anfangszeit, wenn sie selber noch lichte Momente haben und begreifen was los ist, stell ich mir diese Krankheit grausam vor. Für alle Beteiligten.

    Das wird, wie weiter oben auch schon einmal geschrieben, die Lösung sein.

    Zitat

    Ich wünsche euch viel Kraft. :)* :)* :)*

    Vielen Dank, das können wir wirklich gebrauchen. *:)

    @ Madame Charenton

    Zitat

    ist den wenigstens eine Altenpflegerin in dem Heim in Validation geübt?

    ja, es gibt mehrere. Sie schaffen es auch, dass er zum Bingo/Singen/sonstige Aktivitäten geht. Trotzdem fühlt er sich sehr einsam.

    Zitat

    dass demente Menschen nach Hause wollen kommt oft vor - dürfte aber nur dann zum Problem werden wenn zu wenig Betreuungspersonal vorhanden ist, denn dann hat er die Möglichkeit abzuhauen.

    Selbst wenn die Pfleger in beim Fluchtversuch ertappen, dürfen sie ihn nicht festhalten. Und er wird dann rabiat und geht einfach.

    Zitat

    wenn er klar Momente hat, kann er dann begründen warum er nach Hause will? (schlechtes Essen, kleines Zimmer, etc etc.)

    Zu teuer, das Hotel. Und meinen Fernseher musste ich auch noch selber mitbringen! Oder - ich komme prima alleine zurecht, dann esse ich halt Haferflocken mit Milch, das kann ich mir schon noch selbst zubereiten (was auch stimmt).


    Er glaubt in dem Moment auch nicht, dass er zigmal vermisst war, etc und ist sehr beleidigt, wenn man ihm das sagt.

    @ Cornelia59

    Zitat

    Wenn das mit dem Heim so gar nicht funktionieren will, wie wär's denn dann mit einer Pflegerin (aus Polen), die mit im Haus wohnt?

    War vor Jahren schon ein Vorschlag unsererseits. Da wollten es beide nicht. Heute sagt seine Frau, sie kann und will nicht mehr mit ihm zusammenleben.

    Zitat

    Zum anderen: über welchen Zeitrahmen reden wir hier? Innerhalb welcher Zeiträume wurde dreimal das Heim gewechselt? Ich frage, weil das zur Desorientierung eines dementen Menschen extrem beitragen kann, und es kann auch Agressivität auslösen.

    Danke, dass Du das schreibst. Das sagte ich auch und wurde von der Tochter böse angefeindet. Er kam im Januar in Kurzzeitpflege, jetzt ist er im zweiten Heim. Seit ca. 2 Monaten.

    Zitat

    Ich spreche aus Erfahrung, wir hatten das Problem, als unsere Mutter nach langem KH-Aufenthalt und anschließender Reha mehrere Male innerhalb kurzer Zeit verlegt werden mußte (leider war das nicht anders möglich, würde jetzt zu weit führen). Sie konnte zwar damals nicht weglaufen, aber es gab auch Attacken auf Pfleger. Wochen später, als sie dann im endgültigen Heim zur Ruhe kam, kam auf einmal wieder der ursprüngliche Mensch zum Vorschein, und die Demenzsymptome gingen zurück. Heute lebt sie (überhaupt nicht dement) ganz zufrieden immer noch im selben Heim.

    Diese Zeilen machen Hoffnung! Danke dafür @:)

    Zitat

    Dort gibt es übrigens mehrere demente Menschen, die häufig im Heim herumwandern. Ansprechbar sind sie eher nicht, aber sie werden immer wieder von den Pflegern liebevoll dort abgeholt, wo sie gerade unterwegs sind und zum Essen geholt. Bei einem von ihnen habe ich die Eingewöhnung miterlebt. Er war erst gar nicht bereit, zum Essen im Gemeinschaftsraum zu kommen, drückte sich immer an der Tür rum und wollte nicht rein, er fremdelte regelrecht. Das ging über einige Wochen, und irgendwann fühlte er sich sicher genug, um hereinzukommen. Heute macht er keine Probleme mehr... mal abgesehen davon, daß er gerne in fremde Zimmer wandert und alles auffuttert, was er findet. Aber daran haben sich inzwischen alle gewöhnt und finden es eher lustig, und die Pfleger "schnappen" ihn im allgemeinen, bevor er wieder mal auf Raubzug geht.

    Der Opa lässt sich halt nicht "schnappen". Er ist unglaublich stur in dem Moment und setzt seinen Kopf durch.

    Zitat

    Wäre es eventuell möglich, dem Vater einen GPS-Sender umzuhängen? Meines Wissens gibt es solche Teile genau für den Zweck!

    Die werden weggemacht, aus der Jacke (eingenäht) herausgeschnitten etc. etc. Er möchte nicht "kontrolliert" werden, er sei ein erwachsener Mensch, habe die Nazizeit mitgemacht und müsse sich heute nicht mehr sagen lassen ... usw usf

    Konntet ihr einmal mit seiner Ehefrau darüber sprechen, warum sie sich so verhält? Kam das nun erst, oder hat das abrupt etwas mit der Demenz zutun? Hat sie Probleme mit ihrem dementen Mann, will nicht sehen, wie dieser abbaut? Hat sie Berührungsängste mit einem Menschen, den sie eigentlich so gut kannte und der nun zunehmend anders wird?


    Oder war sie in einer Beziehung, aus der sie nun endlich entkommen ist? Manchmal leben Menschen ja jahrzehntelang zusammen und wenn der eine stirbt, ins Heim kommt oder ähnliches, dann erst nimmt sich der andere die Freiheit, die er vielleicht vorher schon hätte haben wollen.


    Antworten auf diese Fragen lösen euer Problem nicht, machen es aber vielleicht leichter, eine Alternative zu finden. Wenn sie tatsächlich absolut nichts mehr mit ihm zutun haben will, die Beziehung für sie also zu Ende ist, dann spricht doch erstmal nichts dagegen, für eine Unterbringung in eurer Nähe zu kämpfen.

    Zitat

    Die werden weggemacht, aus der Jacke (eingenäht) herausgeschnitten etc. etc. Er möchte nicht "kontrolliert" werden, er sei ein erwachsener Mensch, habe die Nazizeit mitgemacht und müsse sich heute nicht mehr sagen lassen ... usw usf

    Wie wär's dann mit einem Seniorenhandy, das (ohne daß er davon weiß) eine Ortungsfunktion eingebaut hat? Das könnte man ihm doch als "damit du dich melden kannst, wenn du irgendwo abgeholt werden willst" verkaufen?


    Ansonsten würde ich anregen, daß er unter Betreuung gestellt wird. Dann kann der Betreuer seinen Aufenthalt festlegen, und das Heim hat dann auch die Möglichkeit, ihn zurückzuholen, wenn er wieder versucht, abzuhauen. Wie verwirrt ist er, findet er z. B. den Weg nach Hause selbständig? Eine andere Möglichkeit wäre sonst vielleicht noch, ihn in eine Art betreutes Wohnen zu geben, speziell für Demente. Dort hätte er die Möglichkeit, sich nach seinen Bedürfnissen wenigstens teilweise selber zu versorgen und auch einigermaßen selbständig zu wohnen, weil er dort eben nicht nur ein Zimmerchen, sondern eher eine Art Wohnung hätte. Teilweise werden solche Wohnformen auch von den Heimen selber angeboten, also z. B. oben im Haus sind dann entsprechende Seniorenwohnungen. Könnte er sich damit eher arrangieren?


    Aber es muß mal Klartext mit ihm gesprochen werden, nämlich, daß es für ihn kein "zurück nach Hause" mehr geben wird. Und das muß notfalls so oft wiederholt werden, bis es in seinem Kopf angekommen ist. Immer nur um den heißen Brei herumreden bringt nur immer neue Fluchtversuche von seiner Seite ein. Die Schaukelpolitik von seiten seiner Tochter und der Ehefrau macht das Ganze doch nur noch schlimmer.