Welche Pflegeeinstufung hatte er denn?


    Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass Angehörige kommen sollten, um einen Bewohner umzuziehen. Das sollte schon noch drin sein. Möglicherweise war dieses Haus unterbesetzt. Was war das für ein Träger? Beschwerden von solcher Art kann man auch mal direkt an die Heimaufsicht/MDK weiterreichen.

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    Ihr sitzt ja direkt an der Quelle, gibt es da den einen Ansatz an Bestrebung was an der Situation zu ändern?

    Es gibt nur Bestrebungen vom MDK gute Noten zu bekommen, das ist nicht immer der Fall und das muss dann schleunigst geändert werden, denn gute Noten sind die Dinge, die für Angehörige wichtig sind. Wie diese Noten zustande kommen, wissen sie ja nicht. Das betrifft in 80 Prozent der Fälle die Dokumentation und Pflegeplanung, das ist dem MDK immens wichtig.

    Puh bzgl Pflegestufe kann ich dir jetzt leider keine Antwort geben, das weiß ich nämlich nicht. Ich lebe nicht in D. Naja aber wenn die Pfleger komplett überfordert sind, dann musste es eben von uns übernommen werden. Der Leidtragende war in erster Linie ja mein Opa. Da ist mir die Zuständigkeit im ersten Moment auch egal.

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    Der Leidtragende war in erster Linie ja mein Opa. Da ist mir die Zuständigkeit im ersten Moment auch egal.

    Schon klar, ich hätte versucht ein besseres Heim zu finden. Die Grundpflege muss gewährleistet sein. Habe auch Angehörige im Heim, aber nicht vor Ort, ich könnte gar nicht jeden Tag hinfahren. Und es gibt Leute, die einen gesetzlichen Betreuer haben und niemals von Angehörigen besucht werden, entweder weil keine mehr da sind oder kein Interesse besteht. Was würde dann aus denen?

    Ja das ist mir durchaus klar. Deshalb ist diese Situation ja einfach nur traurig. Das Heim war bei uns im Ort und für meine Oma (keinen Führerschein) war es so am einfachsten, ihn jeden Tag zu besuchen. Wir haben lange überlegt ihn woanders unterzubringen, wo wir aber tlw auch einige Horrorgeschichten von anderen Angehörigen gehört hatten und am Ende abgewogen haben, dass es wohl besser ist er bleibt dort. Auch sein Bruder und eine andere Schwester waren dort untergebracht.

    Während meines Studiums habe ich als Pflegehilfe sowohl im Krankenhaus als auch im Altenheim gearbeitet.


    Die Pflege im Krankenhaus hat mir besser gefallen, weil das Medizinische im Vordergrund steht und man mit einer vom Krankenhaus auferlegten Struktur die Grunddinge (waschen ab 7h, essen ab 8h/12h/17h, anziehen, ausziehen, Toilette) abarbeiten kann. Diese Struktur ist festgelegt und da kann kein pflegebedürftiger Patient dran rütteln. Und wenn jemand, der voll mobil ist, schon das dritte Mal wegen einer Tasse Tee klingelt, die er sich ohne Probleme vom Flur hätte besorgen können, dann darf man auch schonmal höflich anmerken, dass man für sowas keine Zeit hat.


    Im Altenheim müssen die Pfleger - eigentlich - den Gästen noch sehr viel mehr Liebe und Geduld entgegenbringen. Ich habe es so empfunden, dass man, weil man die individuellen Bedürfnisse der Menschen berücksichtigen muss, oft in Stress und Chaos versinkt. Und, es tut mir leid, auch wenn das Angehörige anders sehen: viele alte Menschen können ungemein bockig werden. Im Krankenhaus hätte ich dann gesagt:"Jo, Sie wollen nicht, aber wir müssen. Das ist hier vorgeschrieben". Im Zweifelsfall noch:" Der Doktor hat das gesagt!" Im Altenheim musste ich die absurdesten Verweigerungen respektieren.


    Und leider aus genau dieser (eigentlich richtigen und wichtigen!) Freiheit, kommen dann Probleme zustande.


    Wir hatten eine Dame, die gerade dabei war, voll in die Demenz einzusteigen. Die hauste in ihrem Zimmerchen und es roch penetrant nach einem Infekt der Harnblase. Das Essen vergas sie auch andauernd. Jedes Mal, wenn ich dort hineinkam, habe ich die Krise bekommen. Im Krankenhaus hätte ich sie rigoros genötigt! Urinprobe, Antibiotikum, lüften und vor allem hätte ich sie vehement auf das Essen hingewiesen. Das durfte ich im Altenheim aber nicht, denn das hätte unter Umständen dazu geführt, dass man mir "Gewalt in der Pflege" oder das "Ignorieren von Gastwünschen" vorgeworfen hätte. Einen Arzt wollte die besagte Dame bis zu ihrem Tod nämlich nicht mehr sehen (sie hat uns angeschrien, wenn wir mit der Idee kamen, doch mal eine Behandlung einzuleiten) und das Essen wollte sie über den ganzen Vormittag dehnen, weil sie das schon immer so gemacht hätte und es für sie etwas mit Genuss und Ruhe zu tun hätte. Von ihrem Sohn, der ein Mal im Monat zu Besuch kam, durften wir uns dann anhören, dass wir die Frau vernachlässigen würden, so wie es in ihrem Zimmer aussähe ("Da riecht es so streng! Und das Essen rührt sie auch nicht an! Bitte halten Sie sich an die Wünsche meiner Mutter!")


    Eine Frau habe ich morgens eingepinkelt und verwirrt in der Ecke ihres Bett gefunden. Sie hat um Hilfe geschrien und war orientierungslos. Mit viel Liebe und Geduld habe ich sie versucht zu beruhigen und habe sie liebevoll, aber bestimmend in das Badezimmer gebracht. Nur leider hatte diese Frau unheimliche Angst vorm Duschen. Ich habe es mit aller möglichen Behutsamkeit versucht, wie bei einem kleinen Kind. Ich habe versucht sie aufzuheitern, abzulenken, denn es war einfach notwendig, dass sie geduscht wird. Bei den Angehörigen kommt dann aber am Ende an:" Die waren gemein zu mir. Sie haben mich nackt in eine Ecke gestellt und mit Wasser bespritzt und dabei haben sie mich ausgelacht."


    Im Krankenhaus hatten wir wiederum eine Dame mit Verstopfung, die alle 15 Minuten der Meinung war, dass endlich etwas käme. Nachdem wir sie in einer Schicht schon das vierte Mal vom Schieber hoch und wieder runter geholt hatten, sagte sie beim fünften Versuch (als wir nach 10 Minuten wiederkamen), dass sie noch ein bisschen so sitzen bleiben wolle. Nach weiteren 10 Minuten kam ich wieder rein und fragte, wie es aussähe. Sie wollte immernoch drauf sitzenbleiben. Ich sagte, dass ich dann in 10 Minuten wiederkäme. Als ich dann reinschaute, war plötzlich ihre ganze Familie da und ich wurde angeblafft, was mir einfiele, die arme Oma eine halbe Stunde lang auf dem Schieber sitzen zu lassen. Dass ich immer die 10-Minuten-Absprachen mit der Betroffenen getroffen hatte, wurde da einfach nicht eingesehen. Kann ja schließlich jeder Pfleger behaupten... und Oma hat sich dazu dann auch nicht geäußert. Ist ja schließlich schön, wenn die Familie um einen besorgt ist.


    Wohlgemerkt: Es ist definitiv NICHT gut, wenn Fehler passieren. Sei es nun eine vergessene Medikamentengabe, oder das Vergessen, einem Patienten/Gast bei der Nahrungsaufnahme helfen zu müssen oder auch keine Zeit zu haben, eine Stunde vor der Abendrunde (bei der auch Windeln gewechselt werden), die volle Windel von jemandem zu wechseln. Das sind aber keine böswilligen Handlungen oder absichtliche Fehler. Sie sind Resultat eines knochenharten Jobs, der völlig unterbezahlt ist und mit wahnwitzigen Arbeitsdiensten auffährt, bei zeitgleicher Unterbesetzung der Schichten. 12 Tage am Stück Schichtdienst, am besten noch mit wechselnden Schichten dazwischen (von spät auf früh) - Leute, ihr seid dann körperlich und psychisch am Arsch und seid froh, wenn ihr selbst noch dazu kommt, euch zu duschen und euren Haushalt sauber zu halten. Und trotzdem erlebe ich Pflegerinnen und Pfleger im großen Anteil als immernoch menschenliebe, viel zu hilfsbereite und empathische Menschen.


    Und übrigens: Ich liebe Angehörige, die die Pflegekräfte wertschätzen und selbst helfen, wo sie können. Das erleichtert die Arbeit so sehr und hilft den pflegebedürftigen Menschen, sich ihre Selbstständigkeit zu erhalten und sich familiär integriert zu fühlen.