Schwiegermutter plötzlich Pflegefall - und jetzt?

    Liebe Lesende,

    Ich muss unser Problem einfach mal loswerden und hoffe, dass ihr mir helfen oder wenigstens gut zureden könnt.

    Bitte entschuldigt die sehr ausführliche Darstellung, es geht mir um die Gesamtlage, vieles "hängt dran" an dem Thema und belastet zusätzlich.

    Auch ist die Geschichte zum Teil etwas ungewöhnlich.


    Also, wir wohnen seit fünf Jahren am jetzigen Wohnort. Unsere Kinder gegen in die 1. und 5. Klasse der Waldorfschule, das Jüngste hat für nächstes Jahr einen Platz im Waldorfkindergarten. Der Start hier ist hart gewesen und finanziell haut es nach wie vor nicht gut hin, aber die Kinder sind jetzt sehr gut integriert, wir haben hier ebenfalls Freunde gefunden und so langsam zeichnete sich für mich sogar eine berufliche Perspektive ab (das ist sehr schwierig, da ich eine brotlose Kunst studiert habe).

    Nur mit der Wohnsituation waren wir unzufrieden. Nun hatten wir gerade eine andere Wohnung gefunden und den Mietvertrag unterschrieben. Am folgenden Tag zogen wir gerade unsere Jacken an, um die alte Wohnung zu kündigen, da klingelte das Telefon und der achtzehnjährige Sohn meines Mannes rief an: Was soll ich tun, Oma liegt am Boden...


    Kurz gefasst: Sie hatte offenbar eine Thrombose, den Symptomen nach. Sie wollte jedoch keinesfalls einen Arzt oder Krankenwagen. Aus ihrer Vorgeschichte heraus ist das absolut verständlich, ausserdem ist sie erwachsen und bei vollem Verstand. Ihre Entscheidung.


    Mein Mann fuhr sofort hin. Da er selbständig ist, brauchte er keinen Urlaub zu nehmen, allerdings haben wir nun auch keine Einkünfte und nur sehr geringe Rücklagen. Sie wohnt etwa 3 Stunden von hier entfernt.

    Stand der Dinge: Eine Heilpraktikerin war für sie O. K., und diese half ihr so weit, dass die Beine wieder abschwollen und nicht mehr blau waren. Jedoch kann sie die Beine nur minimal bewegen, kann sich nicht ohne Hilfe aufsetzen, kann nicht aufs Klo. MeinMann pflegt sie.


    Wir wissen nicht, wie sich ihr Zustand weiter entwickeln wird. Jedenfalls kann man sie nicht mehr allein lassen. (Es ging ihr vorher schon lange schlecht und sie hat Diabetes. Der zuletzt besuchte Arzt und auch das Krankenhaus, in dem ihr Herz untersucht wurde, verweigerten leider einen Test und somit auch die Diagnose. Begründung:Sie sei ja schlank und sie wolle sich wohl interessant machen... Ihre Blutzuckerwerte sprechen da aber eine andere Sprache. Dies ist einer der Gründe, weshalb sie schulmedizinische Hilfe ablehnt. Den Blutzucker hält sie nun selbstständig über die Ernährung in Schach und macht das sehr gut, nur die Folgeschäden sind nun eben schon da...)


    Natürlich machen wir uns Sorgen, ob man uns irgendwann einen Strick daraus dreht, dass wir ihr keinen Arzt aufzwingen. Allerdings ist ja nun selbst Sterbehilfe erlaubt, da müsste der Verzicht auf einen Arzt doch auch möglich sein? Mein Mann und ich sind da jedenfalls für Selbstbestimmung und unterstützen Schwiegermutter so, wie SIE das will.


    Mein Mann ist bereit, sie auch langfristig zu pflegen. Das würde bedeuten, dass wir mit in Ihr Haus ziehen (zu uns ziehen kann sie nicht, wir wohnen bereits jetzt beengt und sie würde ausserdem alle Sozialkontakte verlieren). Dies liegt aber wie gesagt etwa 3 Autostunden von hier entfernt, sehr ländlich. Beruflich bin ich wieder bei Null, jedoch würde ja ich das Geld verdienen müssen. Mit meiner Ausbildung findet man aber nur sehr, sehr schwer eine Arbeit. Ich selbst kann niemanden pflegen, mein Rücken ist so kaputt, dass mich schon die Versorgung unseres Einjährigen an meine Grenzen bringt und ich für manche Haushaltstätigkeiten zumindest an schlechten Tagen Hilfe oder Hilfsmittel brauche. Genau deshalb kann ich aber auch viele einfache Jobs nicht annehmen, ich kann nichts heben und mich nur schlecht bücken. Ich kann also noch nicht mal stundenweise pflegen, denn ich kann niemanden aufrichten oder auf den Toilettenstuhl hieven.

    Finanziell ist es also ein Riesenproblem.


    Emotional ebenfalls, unsere Grosse hat sich damals den Platz in der Klassengemeinschaft wirklich erkämpft, hat nun aber sehr geliebte Freundinnen und die Kleine fand den Übergang in die Schule sehr belastend, fühlt sich aber zunehmend wohl und gerade erst ganz aktuell beginnen sich festere Freundschaften zu bilden, auch freut sie sich aufs kommende Schuljahr, denn dann kommen Kindergartenfreundinnen in die Schule... Und sie ist immer so glücklich, wenn sie unter ihren "alten" Freundinnen sein kann wie z. B. beim Kindergartenfest (wegen jüngerer Geschwister bleibt hier bei vielen die Verbindung zumKindergarten noch jahrelang erhalten).


    Und nun die Kinder aus allem herausreissen...


    Am Wohnort meiner Schwiegermutter gibt es keine Waldorfschule, die ist 30km entfernt, das ist kaum machbar, so müssen wir die zusätzlich dem Druck und der unpersönlichen Atmosphäre der öffentlichen Schulen aussetzen. Für sich kein Drama, da die meisten Kinder ja damit klarkommen, aber das im Kontext eines plötzlichen Zwangsumzugs und mit der Angst um die sehr geliebte Oma.


    Soviel zum emotionalen Teil.

    Technisch habe ich die Frage: Gibt es eine Chance auf einen Pflegegrad und/oder sonstige Hilfen, wenn sie weiterhin eine Untersuchung beim Arzt bzw. imKrankenhaus ablehnt? Einen Gutachter von der Pflegekasse würde sie zulassen, sie will nur keine medizinische Untersuchung im Sinne von Blutabnehmen O. Ä..


    Ein Pflegeheim kommt übrigens erst dann infrage, wenn MeinMann sie wirklich nicht mehr pflegen kann. Sie hat immer sehr viel für ihn und uns alle getan. Und sie würde dort nicht leben können, das ist nicht vorstellbar. Ausserdem wäre da noch die Frage, was aus dem Sohn meines Mannes werden soll, der bei ihr lebt und nicht damit klarkäme, allein zu leben (nicht nur allein im Haus, sondern ohne räumlich erreichbare Familienmitglied) und ausserdem Omas einziger in der Nähe wohnender Verwandter zu sein.

  • 105 Antworten

    Oma muss ja nicht gleich ins Heim.

    Aber ich würde an eurer Stelle dafür sorgen dass Oma noch Mal richtig untersucht wird

    Da lässt sich durch die richtige Behandlung sicher noch was an ihrer Gesundheit verbessern

    Und dann müsste Oma einmal vom MDK begutachtet werden, damit man den Pflegegrad feststellen kann.

    https://www.pflegegrad-berechnen.de/

    Es wäre aber wirklich am besten wenn ihr euch Rat holt bei der Caritas oder anderen Beratungsstellen .

    Wenn Vormittags und Abends ein Pflegedienst käme mùsste Oma nicht ins Heim und dein Mann wäre entlastet.

    Der 18 jährige Sohn könnte der Oma ja auch ein wenig unter die Arme greifen.

    Mit einem Pflegegrad kann die Schwiegermutter auch eine Seniorenbetreuerin bekommen. Da sie bei klarem Verstand ist, kann sie diese mit aussuchen. Dabei kann auch die Caritas helfen oder eine entsprechend gut formulierte Anzeige in der Zeitung ect.


    Es gibt nicht viele Ärzte, die auch Naturheilverfahren anbieten, aber den ein oder anderen gibt es. Vielleicht wäre das etwas für die Schwiegermutter. In unserer Stadt gibt es zwei wirklich gute. Das ist natürlich immer subjektiv, aber man kann über entsprechende Bewertungen schon Rückschlüsse ziehen, wie die entsprechenden Behandlungen ablaufen.


    Und natürlich hat die Schwiegermutter das Recht ärztliche Behandlungen zu verweigern.

    des klingt jetzt sehr hart von mir, aber des käme mir so nicht in die Tüte.


    Ihr klingt alle sehr Alternativ, aber Arzt ablehnen find ich so dumm. .

    Du sagst selbst du kannst kaum einen Job machen, von was wollt ihr denn Leben?

    Und Kinder aus allem raus reißen... ne würde ich auch nicht machen.


    Was ist wenn des dein mann in 2 Monaten plötzlich doch nicht mehr alleine machen kann? Dann habt ihr alles aufgegeben.

    entschuldige: Beine blau- es ist allerhöste Zeit für einen Aztbesuch ... vielleicht Trombose


    Das ist absolut fahrlässig, dass ihr keinen Arzt befragt. Wie verrückt ist das denn, dass dein Mann da mitmacht. Dafür sind Erwachsene doch da, um zu helfen, einen anderen zu überzeugen, wenn der gerade wirr ist. Das ist Verantwortung und nicht einfach mitmachen.

    Weist du so einfach ist das mit dem Sterben nicht - es kann grausam sein.


    Es kann zur notwendigen Amputation kommen....


    Die Situation mit Sterbehilfe zu vergleichen ist quatsch Hier geht es eigentlich wahrschenlich noch nicht ums sterben, sondern darum schlimme schmerzende Krankheiten , Elend abzuwenden.


    Nur weil ein Arzt sie mal doof behandelt hat. Der Sohn kann doch bei der ärztlichen Untersuchung dabei sen und einschreiten, wenn blöde sprüche fallen aber eben auf eine richtige Untersuchung bestehen.


    Dass nun auch deine Kinder unter der absoluten Unvernunft der Oma leiden sollen halte ich auch für sehr gemein ihnen gegenüber.


    Wenn Oma selbstverschuldet sich in eine solche Lage bringt, sollten nicht andere mit den solchen Konsequenzen bezahlen

    Caramala 3 schrieb:

    Und natürlich hat die Schwiegermutter das Recht ärztliche Behandlungen zu verweigern.

    ja ....dann wäre ich aber raus aus der Nummer und die Kinder erst Recht.


    Wenn sie so dumm ist , muss sie auch alleine die Konsequenzen tragen.



    Wenn der Mann sich dort kümmern will und er seine Mutter nicht zur Vernunft bringen kann - soll er machen - da gibt es eben getrennte Wohnsitze.


    Selbstständig , nichts verdienen - dann müsst ihr eben Harz 4 beantragen. Auch davon kannst u mit den Kindern leben.

    Puh, du lässt dich aber in die Ecke stellen!


    Sie hat viel für euch getan, schön und gut, aber von jetzt auf gleich 300 km entfernt die Pflege übernehmen, die eigene Existenz riskieren und das, ohne dass sie externe Hilfe/ärztliche Untersuchung akzeptiert? Da würd ich nicht mitmachen, das ist echt zu viel verlangt. Ich würd da außerdem unter dem Stichwort Selbstgefährdung knallhart einen Arzt rufen (wenn die den dann wegschickt, ist es ihre Sache).

    Was hat der 18-Jährige, dass er sich vorübergehend nicht kümmern kann, bis die Pflege sichergestellt ist?

    Ich kann kaum fassen, dass du das Wohlergehen deiner Kinder, eure ganze Existenz so leicht in Frage stellst. Erst mal kann ja, wenn es für euch nicht anders geht, dein Mann eine Zeit da hin ziehen und ihr bleibt wo ihr seid. Dann zieht$! ihr um, und eine Woche später hat sie einen Herzinfarkt... sie übt durch die Arztverweigerung Macht über euch aus, lasst euch da nirgends reintheatern.

    Brimbamborium schrieb:

    da klingelte das Telefon und der achtzehnjährige Sohn meines Mannes rief an: Was soll ich tun, Oma liegt am Boden...... Sie wohnt etwa 3 Stunden von hier entfernt.

    Euer 18 jähriger Sohn wohnt 3 Stunden von euch entfernt mit der Oma zusammen?

    Er wohnt nicht bei euch?



    Wie alt ist sie denn die Schwiemu?

    Ich würde da nicht mitspielen.


    Ich würde das Problem dort lassen, wo es hingehört. Bei Schwiegermutter.


    Sie veranstaltet ihren eigenen Kindergarten. Soll sie den alleine bespielen...


    Du kannst nicht arbeiten, der Mann tut es nicht, die Kinder schnurzeln gewaldorft durchs Leben.

    Ziemlich realitätsfremdv das Ganze...

    AnnaKarma schrieb:

    Ich kann kaum fassen, dass du das Wohlergehen deiner Kinder, eure ganze Existenz so leicht in Frage stellst. Erst mal kann ja, wenn es für euch nicht anders geht, dein Mann eine Zeit da hin ziehen und ihr bleibt wo ihr seid. Dann zieht$! ihr um, und eine Woche später hat sie einen Herzinfarkt... sie übt durch die Arztverweigerung Macht über euch aus, lasst euch da nirgends reintheatern.

    Jup, das unterschreib ich so. Bei aller Liebe für Oma, aber mit blauen Beinen zur Pfuscherin und dafür euch alle quer durch die Republik schupfen?? Eure Kinder haben auch ein Leben und ihr auvh. Sucht vl. eine kleine Wohnung für sie bei euch in der Nähe. Aber es kann nicht sein, dass ihr alle Abstriche macht, um der anderen Person gar keine Umstände zu machen. Sie kann entscheiden, ob sie zum Arzt geht, also kann sie auch entscheiden ob ihr ihr mobile Pflege o.ä. lieber ist als zu euch zu ziehen.

    Und ohne Arbeit ist sowas zehnmal nicht stemmbar. Wenn ihr einkommenslos seid, könnt ihr ihr auch nicht helfen. Stattdessen gehts euch dann elend zu fünft.

    Ich frage mich echt, was diese aggressiven Unterstellungen jetzt sollen.

    Habe aber auch keine Zeit, Kraft und Notwendigkeit für Klarstellungen. Nur so viel, die Schwiegermutter verlangt gar nichts von uns, eine Wohnung in unserer Nähe kann sie sich nicht leisten und der Sohn ist nicht unser Sohn, sondern der meines Mannes. Was er hat? Eine Arbeit bzw. Ausbildung,

    er ist also tagsüber nicht da. Ich kann auch von einem Achtzehnjährigen nicht so ohne weiteres verlangen, Oma die Genitalien zu waschen, nur so als Beispiel. Natürlich hilft er, kocht, kauft ein, besorgt den Garten, richtet sie auf... Kann aber nicht 24 Std Pflege plus Gesamtverantwortung übernehmen.


    Danke denen, die sinnvoll geantwortet haben. Ja, da müssen wir wohl zu einer Beratungsstelle. Wir sind einfach bestürzt und verwirrt, das kommt halt sehr plötzlich. Und klar, ein Schritt nach dem anderen. Erst mal bleibe ich mit den Kindern hier und wir sehen, wie sich Schwiegermutters Zustand entwickelt. Eventuell würden wir dann auch erst mal nur für ein paar Wochen dort sein. Natürlich hoffen wir, dass sie bald wieder laufen oder wenigstens stehen kann. Aber wir würden sie nicht mehr allein lassen wollen. Wenn sie morgens umfällt, liegt sie bis zum Abend da...

    Versteht ihr nicht, dass unbehandelte Thrombosen vermeidbare Folgeschäden haben können? Dass schlechte Blutwerte systemische Folgen haben bis hin zu Demenz? Ich dachte, ihr wollt, dass es Oma gutgeht... dann wirkt auf sie ein, dass sie sich in Behandlung begibt.

    Brimbamborium I

    Ich kann euch nur empfehlen, die Aussagen von AnnaKarma zu bedenken. Ich selbst bin nun wirklich alles andere als überzeugt von unserem Gesundheitswesen, vor allem wie es den gesetzlich Versicherten damit geht und vielfach sehe ich auch nicht, dass Ärzte verantwortungsvoll mit den Bedürfnissen der Patienten umgehen. Aber dort, wo die Symptome schwer und ganz offen sind, wie bei der Gefahr einer Thrombose, sind diese wohl die richtigen Ansprechpartner und leistet dann auch gute Dienste.

    Mein Bruder (83 Jahre alt) hat wohl seine mentale Klarheit inzwischen eingebüßt und ja, er hatte eine tiefe Venenthrombose im Bein und ist anschließend als Notfall mir einer beidseitigen Lungenembolie auf der Intensivstation einer Klinik behandelt worden. Es macht mich insgesamt sehr traurig, wie es ihm geht; er hat allerdings nie sehr auf seine körperliche Befindlichkeit geachtet, so waren auch nicht seine Lebensbedingungen.

    Ich wünsche euch alles Gute, würde aber unbedingt fachmedizinisch abklären lassen, ob eine behandlungsbedürftige Thrombose vorliegt; dies der Schwiegermutter entsprechend klar mitteilen und so dann in deren eigene Verantwortung übergeben.