Schwiegervater wird zunehmend aggressiver gegenüber Pflegeheim-Personal

    Mein Schwiegervater, 82, ist mit Parkinson in einem grossartigen Pflegeheim. Er ist dort richtig aufgeblüht. Nun wird er aber zunehmend gegenüber dem Pflegepersonal agressiv und verbal ausfällig. Er macht verletzende Kommentare wie "du bist viel zu dick" oder übergriffige wie "du hast tolle Titten" oder er wird auch handgreiflich. Verständlich, dass ihn da keine weiblichen Pflegefachkräfte mehr pflegen wollen. Wir stellen fest, dass er kaum mehr gewaschen wird - nur die Zähne werden noch geputzt. Auch gegenüber den männlichen Helfern, die jetzt übernommen haben, ist er agressiv. Während er bis vor einem Monat am Morgen schlief, bis das Pflegepersonal ihm beim Aufstehen geholfen hat, steht er jetzt schon kurz nach sechs auf, geht in den Essraum, wird laut und reklamiert, weil das Frühstück noch nicht bereit sei!


    Weil er zu Beginn im Pflegeheim nicht so war, vermutet man jetzt, dass Medikamente, die er wegen seiner Parkinson Krankheit einnehmen muss, Schuld sein könnten. Aber die kann man ja nicht einfach absetzen! Man will es jetzt mit Medikamenten versuchen, die ihn "ruhig" stellen, aber ist das wirklich die Lösung? Dann wird er doch einfach in einen Dämmerzustand versetzt - oder nicht?


    Ich frage mich auch, ob seine Frau mit ihm darüber reden sollte oder könnte das kontraproduktiv sein?


    Weil es ihm körperlich und geistig sonst recht gut geht, will ihn seine Frau an Weihnachten für 1-2 Nächte nach Hause nehmen. Ihre Befürchtung ist aber, dass es dann ein Drama gibt, wenn er wieder zurück ins Heim muss. Einfach Pflegekräfte zur Hilfe nach Hause zu holen ist auch keine Lösung, da er, bevor er ins Pflegeheim kam, auch gegenüber diesen zunehmend übergriffig wurde, was zur Einweisung ins Pflegeheim führte. Ist es eine gute Idee, ihn für kurze Zeit nach Hausee zu holen?


    Kann es sein, dass er einfach über seine Lage frustriert ist und die Wut gegenüber dem Personal auslässt - so quasi "ich habe ja nichts mehr zu verlieren"? Es scheint, als würde er zunehmend seine natürlichen Hemmungen im Umgang mir anderen - Besuchern (ausser seiner Frau), anderen Pflegefällen und dem Personal verlieren.


    Die ganze Familie ist absolut rat- und hilflos mit der Situation. Wer hat Vorschläge, wie man die unhaltbare Situation verbessern könnte? Besten Dank!

  • 12 Antworten
    Haki schrieb:

    Mein Schwiegervater, 82, ist mit Parkinson

    Wurde er schon auf Demenz getestet?


    Parkinson-Demenz betrifft viele ältere Patienten. Das würde auch sein herausforderndes Verhalten erklären.



    Haki schrieb:

    Wir stellen fest, dass er kaum mehr gewaschen wird - nur die Zähne werden noch geputzt. Auch gegenüber den männlichen Helfern, die jetzt übernommen haben, ist er agressiv

    Das ist natürlich ein Problem. Eine gescheite Pflege kann an dann kaum noch durchführen wenn die Gefahr gegeben ist das Pflegepersonal verletzt wird.

    Dann macht man das was möglich ist.



    Haki schrieb:

    Wer hat Vorschläge, wie man die unhaltbare Situation verbessern könnte? Besten Dank!

    Er braucht einen Demenztest. Dann ggf Antidementiva.


    Weiter muss geschaut werden ob er mit dem L Dopa richtig eingestellt ist. Ggf muss man die Dosierung prüfen und anpassen.



    Eine sinnvolle Möglichkeit wäre aber ihn in einen Akutgeriatrie zu verlegen um ihn dort ausführlich zu testen und auch medikamentatös einzustellen.

    Das könnte ihm helfen.

    In der Geriatrie arbeiten Geriater ( Fachärzte für ältere Menschen) und ein therapeutisches Team die auf hochalterige Patienten spezialisiert sind.



    Haki schrieb:

    Weil es ihm körperlich und geistig sonst recht gut geht, will ihn seine Frau an Weihnachten für 1-2 Nächte nach Hause nehmen. Ihre Befürchtung ist aber, dass es dann ein Drama gibt, wenn er wieder zurück ins Heim muss

    Das würde ich nicht machen, denn wenn er zu Hause ebenso herausfordernd ist, habt ihr ein Problem an Weihnachten.

    Es ist besser das nicht zu tun und erst mal die Medies checken lassen, Demenztest oder Einweisung Akutgeriatrie.


    Erst dann, könnte man überlegen, wenn er wieder führbar und auch zu händeln ist, ihn nach Hause zu beurlauben.

    Zum einen machen die Parkinson-Medikamente solche Probleme häufig schon von Anfang an. Da sollte man ggf. medikamentös gegensteuern. Ist bei meinem Vater der Fall. Seine Aggressivität und Ausfälligkeiten haben sich durch die ergänzende Medikation mit einem Neuroleptikum reduziert; leider nicht ganz.


    Und auch bei mir drängt sich die Frage bzgl. Demenz auf... Das sollte abgeklärt und die behandelnden Ärzte schleunigst über die Verhaltensänderungen informiert werden. Bei meinem Vater steht immer noch nicht endgültig fest, ob es Parkinson-Demenz ist oder eine Multiinfarkt-Demenz plus Parkinson. Ist letztlich auch egal. Aber man sollte es abklären. Und auch wenn man beruhigenden Medikamenten skeptisch gegenübersteht: Die jetzige Situation mit der geringen Pflege und dem ständigen Anecken tun dem Patienten auch nicht gut. Er stößt ja nur auf Gegenwehr und Abwehr, war ihn wiederum aggressiv machen könnte. Teufelskreis...

  • Elisada

    Hat den Titel des Themas von „Übergriffe im Pflegeheim“ zu „Schwiegervater wird zunehmend aggressiver gegenüber Pflegeheim-Personal“ geändert.

    Mein Schwiegervater hatte auch Parkinson und dann eine beginnende Demenz. Er ist irgendwann auch handgreiflich geworden gegenüber dem Pflegepersonal, auch verbal ausfallend. Dabei war mein Schwiegervater zwar nie ganz leicht, aber grundsätzlich ein höflicher und zurückhaltender Mensch. Er kam dann ins Krankenhaus, wo seine Medikamente neu eingestellt wurden. Danach ging es dann wieder.

    Vielen herzlichen Dank Euch allen für Eure wertvollen Hinweise und guten Wünsche. Nein, auf Demenz wurde er meines Wissens bisher nicht getestet, aber vielleicht hat das der Neurologe routinemässig abgeklärt. Da er auch noch auf einem Ohr völlig taub ist und mit dem anderen schlecht hört, ist nicht immer klar, ob er überhaupt versteht, was man ihm sagt oder ob er wirklich an Demenz leiden könnte. Aber ich werde das ansprechen. Das Problem ist auch die Balance, wie weit man sich einmischen soll. Soll man alles der (etwas überforderten) Schwiegermutter überlassen, oder soll man im Interesse des Patienten einen Streit riskieren. Ich hoffe, dass er auf die geänderte Medikation gut anspricht.

    Ich kann nur zu liebevoller, begründeter, aber deutlicher Einmischung raten. Wegschauen fürhrt i.d.R. zu noch mehr Problemen (wobei Einmischung nicht garantiert, dass das nicht dennoch passiert...).

    Gerade wenn Schwiegermutter überfordert scheint, kann man da doch ganz freundlich "Hilfe" anbieten und dann handeln.

    Du schreibst er ist auf einem Ohr taub und auf dem anderen schwerhörig.

    Warum bekommt er dann nicht wenigstens ein Hörgerät für das eine Ohr?

    Plüschbiest schrieb:

    Du schreibst er ist auf einem Ohr taub und auf dem anderen schwerhörig.

    Warum bekommt er dann nicht wenigstens ein Hörgerät für das eine Ohr?

    Er hat eins, aber meistens legt er es wieder weg, sobald er nicht unter Aufsicht steht. Und das Personal kann ihn zum Tragen des Hörgerätes nicht zwingen.

    Inzwischen ist er über Weihnachten zu Hause gewesen. Das einzige Problem war, dass er mitten in der Nacht immer wieder mal aufgestanden ist und dabei natürlich auch seine Frau geweckt hat. Aber nach 4 Tagen zu Hause, ist er problemlos wieder ins Pflegeheim zurückgekehrt. An Silvester kann er wieder für ein paar Tage nach Hause.

    Vielleicht sollte man es mit einem anderen Hörgerät versuchen?

    Diese billigen Kassengeräte sind ja alles andere als klein und dezent.

    Plüschbiest schrieb:

    Vielleicht sollte man es mit einem anderen Hörgerät versuchen?

    Diese billigen Kassengeräte sind ja alles andere als klein und dezent.

    Kann sein, aber er hat kein "Kassengerät", sondern eins für knapp 4000 Euro. Ich denke, es ist ihm einfach lästig, weil man ihn ständig daran erinnert, es zu tragen und weil er es zum schlafen und duschen ausziehen muss.

    Wahrscheinlich merkt er von den Vorteilen die so ein Hörgerät mit sich bringt zu wenig.

    Wenn tagsüber kaum jemand mit ihm spricht hat er von dem Hörgerät wenig.

    Und oft ist es ja auch so dass das Umfeld Schwerhöriger immer lauter redet damit der Schwerhörige auch ja alles mitbekommt. Völlig kontraproduktiv.