Sexistische Sprüche bei der Intimpflege

    Hallo,


    ich bin Ärztin und erhole mich gerade vom meinem Nachtdienst.


    Eine Szene von heute morgen will mir aber nicht aus dem Kopf gehen.


    Ich war gerade beim Blutabnehmen, während neben mir zwei weibliche Pflegekräfte einen männlichen, betagten, mittelgradig dementen Patienten gewaschen haben. Die Intimpflege war an der Reihe und der Pat. lag mit entblößtem Geschlechtsteil und angewinkelten Beinen auf dem Rücken im Bett. Er hat wohl nicht so schnell mitgemacht, wie die eine Schwester sich das vorgestellt hat, woraufhin sie in freundlich-aggressivem Tonfall (eine schon spezielle Tonlage, die ich nur aus dem Umgang mit geriatrischen Patienten kenne, vielleicht weiß man, was ich damit meine) zu ihm sagte: jetzt aber mal los, die Beine auseinander, sie sind ja schließlich keine Jungfrau mehr, oder?


    Ich habe in dem Moment nichts gesagt, fühle mich jetzt aber immer noch, als wäre ich Zeuge einer verbalen Vergewaltigung geworden.


    Ich überlege mir die ganze Zeit, ob ich morgen nochmal auf die Sache reagieren soll, wobei ich ehrlich gesagt nicht erwarte, dabei auf Verständnis zu stoßen. Außerdem mache ich mir Vorwürfe, dass ich nicht nochmal zu dem Pat. hingegangen bin, um mich für das Vorgefallene zu entschuldigen.


    Ich stelle mir vor, ich läge ohne Unterhose hilflos vor einem männlichen Mitarbeiter eines medizinischen Berufs und der würde so einen Spruch ablassen. Das ist doch die Höchstform einer Demütigung, oder?


    Hat jemand eine Meinung dazu?

  • 171 Antworten

    Nachdenklich würde mich das auch machen, es war eben ziemlich unpassend aber vllt. haben sich die "Mädels" echt nichts dabei gedacht, es heißt aber auch: "Der Ton macht die Musik"


    Wenn du der Meinung bist, nochmal nachhaken zu müssen, mach es doch einfach, du hättest aber auch als Ärztin und "Vorgesetzte" gleich handeln können. Vielleicht ist ein Gespräch mit der Pflegedienstleistung der bessere Weg.

    Aber natürlich solltest Du morgen dieses Thema ansprechen!!! Bei allem Verständniss vor dem Stress und dem Druck unter denen medizinisches Personal stehen kann. Man arbeitet an einem Menschen und dieser Mensch hat ein Recht darauf das man ihn mit Respekt behandelt!!!!


    Ich hoffe sehr das Du Dein Gespür dafür niemals verlierst!!!

    sprich das an. ich finde es gut, dass es für dich nicht normal ist, mit personen (seien sie nun dement oder nicht!) so zu reden. falls es für die schwestern normal geworden sein sollte, wäre eine erdung diesbezüglich nicht verkehrt.

    Ich bin selber Pflegefachkraft und nein, das geht gar nicht! Definitiv! Im Grundgesetz steht, dass die Würde des Menschen unantastbar ist ... das GG macht nicht an den Türen eines Krankenhauses oder Heimes halt und ich finde es gut, dass Du versucht hast, Dich in den armen Senior der den beiden "Damen" hilflos ausgeliefert war, hineinzuversetzen.


    An Deiner Stelle würde ich es ansprechen ... nicht anklagend aber vllt auch mit dem Hinweis, wie sich die beiden denn fühlen würden, wenn sie an der Stelle des Patienten gewesen wären. Und auch wenn es dann heißt "der ist ja dement – der bekommt das nicht mit" ... bleib dabei und lass Dich nicht verunsichern. Dein Gefühl ist das Richtige ... so geht man nicht mit Menschen um.

    Der Spruch geht gar nicht und mir tut dieser hilflose arme alte Mann unwahrscheinlich Leid. Gibts sowas wie eine Entschuldigung (aber nicht nur als Floskel sondern richtig!)?


    Ich hab aber auch noch einen Spruch parat. Muss über den aber wirklich lachen.


    Als meine Tochter vor paar Semestern erstmals beschloss "ich werde Arzt" begründete sie das damals so:


    Ich werde Urologe, gehe zum Bund und hab dann dort täglich ganz viel Spaß. ]:D


    Dann traf sie ihren Freund und stornierte den Bund. Urologie will sie auch nicht mehr werden. Momentan grübelt sie über eine Zukunft als Kinderarzt ...


    Stolze Mama bin. x:) ;-D

    OH Gott da wäre ich schon als Pflegekollegin direkt dazwischen gegangen, nee das geht so gar nicht.


    Du bist als Ärztin zwar nicht deren Vorgesetzte, aber ich würde auch das direkte gespräch suchen und wenn die nicht reagieren sollten darauf dann sofort ab zur Stationsleitung... gerade in der Geriatrie muss man aufpassen, dass man wirklich immer an Menschenwürde etc denkt. Ich weiß wie hart auch dort der Alltag ist und wie überlastet alle sind, aber trotzdem, das geht einfach nicht. :-X

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    Vielen Dank für die vielen Antworten! War gerade mal zur Ablenkung die Blumen gießen.


    Die betroffene Schwester ist eigentlich kein Drache, hat aber manchmal einfach eine zu kesse Lippe und ich denke auch, dass ihr der Satz sozusagen entflohen ist, bevor sie darüber nachgedacht hat.


    Ich werde sie morgen nochmal darauf ansprechen, schauen wir mal, ob sie mich versteht.


    Eigentlich hasse ich halt so "ernste Gespräche unter vier Augen".


    Der Thread hat mir aber doch geholfen, dass Ganze nochmal zu reflektieren (wie die Sozpäds so sagen: gut, dass wir darüber geredet haben x:) )


    Nochmal danke für die Kommentare!!

    Auf jeden Fall ansprechen!


    Auch wenn die Person eher eine kesse Lippe hat, manches geht nicht. DAS kann man aber durchaus freundlich zur Sprache bringen (oder eben verbissen-autoritär). Ich würde die freundlich-kollegiale Art wählen und kurz sagen "Du hör mal, der Spruch gestern, das war nicht okay."

    Nene, ich mache das schon freundlich, schließlich habe ich mich mit der Schwester bisher immer gut verstanden und bin sowieso der Meinung, dass Rumbrüllen der Einsicht nicht gerade förderlich ist, sondern eher im Gegenteil.


    Und ich habe ja auch nicht ganz richtig reagiert und bin dem Pat. zu Hilfe geeilt, wobei ich auch nur den Stress und die "lange Leitung" nach einem Nachtdienst als Entschuldigung anführen kann.


    Da ich aber die Zimmerpflege meistens nur sporadisch und in zufälligen kleinen Stichproben mitkriege würde mich schon mal interessieren, ob so ein Vorfall eher "normal" oder doch außergewöhnlich ist. Ich kann mich an ähnliches eigentlich bisher nicht erinnern.


    Ich berichte auf jeden Fall nochmal, wie sich die Sache entwickelt hat.

    je nachdem wie der Patient sonst so mit dem Pflegepersonal spricht, finde ich kann so ein Spruch durchaus gehen.


    ich habe Patienten, die hätten sich darüber amüsiert und vermutlich die passende Erwiderung gehabt.


    Meine Meinung also, pauschal sagen, dass geht gar nicht, da muss man eingreifen ist falsch.


    Ich überlege mal, ob mir Beispiele einfallen, wo ein zufälliger Beobachter auch eher sagen würde, das geht gar nicht......

    Süntje

    Zitat

    je nachdem wie der Patient sonst so mit dem Pflegepersonal spricht, finde ich kann so ein Spruch durchaus gehen.

    Diesen Gedanken hatte ich auch schon. Vielleicht kennen die Schwestern den Patienten schon sehr lange und wissen wie er "tickt", vielleicht ist es sogar schon eine Art Ritual oder so.....aber das kann man nicht beurteilen und schon gar nicht wissen wenn man nicht dabei war oder eben in Polyxena Situation nachfragt.


    Doch grundsätzlich sehe ich es wie alle Anderen hier, dass ein solcher Satz, ein solch verbaler Umgang derart, ein NOGO ist.

    Isabell,


    ich tu mich immer sehr schwer mit "grundsätzlich" in der Pflege...


    Grundsätzlich gehören die Patienten gesiezt, klar aber wenn Fr. Meier in ihrer Demenz denkt ihre Mutter sei gemeint und sie wäre doch die Erna, dann sag ich: Komm Erna, ich helf dir mal beim Waschen.....


    Grundsätzlich geht irgendwie nicht, da die Menschen so verschieden sind

    Polyxena,


    mir ist ein Beispiel eingefallen.


    Hr. Müller Hans sprach von seinem Penis immer als den "kleinen Hannes". Hr. Müller trug Windelhosen und wenn er merkte er muss Wasser lassen, dann meldete er sich mit den Worten: "der kleine Hannes muss mal Auslauf haben"....


    Wenn wir zwischendurch fragten, ob er eingenässt hätte, dann konnte er da wenig mit anfangen also gingen wir dazu über ihn zu fragen, ob der kleine Hannes vielleicht schon ausgelaufen ist. Hr. Müller grinste dann und antwortete entsprechend: "noch nicht, aber nun müsste er dringend an die frischen Luft und Auslauf haben" oder eben "ja, er hat nicht warten können"


    Jetzt denk dir mal, du hättest nur gehört, wie eine Schwester Hr. Müller fragt: Ist der kleine Hannes schon ausgelaufen??


    Klingt respektlos, ist es aber nicht, ist eben die Art Kommunikation, die der Patient führen mag.

    Nein, der Spruch geht nicht. Das ist total daneben, und ich finde, dass solche Äußerungen gestraft gehören. Es passieren viel zu viele Unverschämtheiten und Fehler im Pflegedienst, die anscheinend ohne Probleme toleriert werden.


    Wie wäre es stattdessen mit einer Abmahnung? Und sollte sowas nochmal vorkommen, muß die Kündigung folgen.


    Ein bisschen mehr Einschüchterung würde dieser Berufsgruppe meiner Meinung nach sehr gut tun.