Süntje

    Zitat

    je nachdem wie der Patient sonst so mit dem Pflegepersonal spricht, finde ich kann so ein Spruch durchaus gehen.

    Diesen Gedanken hatte ich auch schon. Vielleicht kennen die Schwestern den Patienten schon sehr lange und wissen wie er "tickt", vielleicht ist es sogar schon eine Art Ritual oder so.....aber das kann man nicht beurteilen und schon gar nicht wissen wenn man nicht dabei war oder eben in Polyxena Situation nachfragt.


    Doch grundsätzlich sehe ich es wie alle Anderen hier, dass ein solcher Satz, ein solch verbaler Umgang derart, ein NOGO ist.

    Isabell,


    ich tu mich immer sehr schwer mit "grundsätzlich" in der Pflege...


    Grundsätzlich gehören die Patienten gesiezt, klar aber wenn Fr. Meier in ihrer Demenz denkt ihre Mutter sei gemeint und sie wäre doch die Erna, dann sag ich: Komm Erna, ich helf dir mal beim Waschen.....


    Grundsätzlich geht irgendwie nicht, da die Menschen so verschieden sind

    Polyxena,


    mir ist ein Beispiel eingefallen.


    Hr. Müller Hans sprach von seinem Penis immer als den "kleinen Hannes". Hr. Müller trug Windelhosen und wenn er merkte er muss Wasser lassen, dann meldete er sich mit den Worten: "der kleine Hannes muss mal Auslauf haben"....


    Wenn wir zwischendurch fragten, ob er eingenässt hätte, dann konnte er da wenig mit anfangen also gingen wir dazu über ihn zu fragen, ob der kleine Hannes vielleicht schon ausgelaufen ist. Hr. Müller grinste dann und antwortete entsprechend: "noch nicht, aber nun müsste er dringend an die frischen Luft und Auslauf haben" oder eben "ja, er hat nicht warten können"


    Jetzt denk dir mal, du hättest nur gehört, wie eine Schwester Hr. Müller fragt: Ist der kleine Hannes schon ausgelaufen??


    Klingt respektlos, ist es aber nicht, ist eben die Art Kommunikation, die der Patient führen mag.

    Nein, der Spruch geht nicht. Das ist total daneben, und ich finde, dass solche Äußerungen gestraft gehören. Es passieren viel zu viele Unverschämtheiten und Fehler im Pflegedienst, die anscheinend ohne Probleme toleriert werden.


    Wie wäre es stattdessen mit einer Abmahnung? Und sollte sowas nochmal vorkommen, muß die Kündigung folgen.


    Ein bisschen mehr Einschüchterung würde dieser Berufsgruppe meiner Meinung nach sehr gut tun.

    @ Süntje:

    bei dementen Patienten die sich selbst nur noch mit dem Vornamen assoziieren, ist das selbstverständlich, dass man sie mit dem Vornamen anspricht. Solange es dokumentiert ist und begründet ist das doch kein Problem :-) . Im Gegenteil – das ist Teil der Therapie.


    Aber ich erlebe es wirklich oft, dass mit dementen Menschen sehr unfreundlich bis respektlos umgegangen wird – mit der Begründung "der merkts ja eh nicht mehr" – und ich glaube darum gehts hier in dem Faden – und ich befürchte ich bin nicht die einzige, die das mehrmals erlebt hat. Und der Spruch der TE fällt leider für mich nicht in die Sparte "therapeutisch" oder "begründbar" oder auch nur "dokumentierbar" ;-)

    Ambivalent

    Zitat

    Aber ich erlebe es wirklich oft, dass mit dementen Menschen sehr unfreundlich bis respektlos umgegangen wird – mit der Begründung "der merkts ja eh nicht mehr" – und ich glaube darum gehts hier in dem Faden....

    Ich glaube auch, dass es in der hier beschrieben Situation höchstwahrscheinlich der Fall ist – kann dennoch **Süntjes Gedankengang folgen was den Punkt angeht, dass man Pfleger/Schwestern nicht zu schnell verurteilen sollte.


    Süntje

    Zitat

    ich tu mich immer sehr schwer mit "grundsätzlich" in der Pflege...


    Grundsätzlich gehören die Patienten gesiezt, klar aber wenn Fr. Meier in ihrer Demenz denkt ihre Mutter sei gemeint und sie wäre doch die Erna, dann sag ich: Komm Erna, ich helf dir mal beim Waschen.....

    Mir geht es um eine grundsätzliche Grundsätzlichkeit (;-)), erst mal völlig unabhängig von der Situation.


    Der Satz/die Aussage/die Aufforderung ganz für sich alleine gestellt an einen Menschen der auf Einen angewiesen ist:

    Zitat

    jetzt aber mal los, die Beine auseinander, sie sind ja schließlich keine Jungfrau mehr, oder?

    geht in dieser grundsätzlichen Grundsätzlichkeit erst mal gar nicht.


    Dann erst kommt die Differenzierung, Abwägung, das Einbeziehen der Situation um zu schauen, ob es nicht doch in diesem speziellen Fall anders aussieht.

    Du hast halt keine Ahnung, mauma. Und den einen Spruch mit dem anderen zu vergleichen ist erst Recht daneben. %-|

    Clearness

    Zitat

    Du hast halt keine Ahnung, mauma.

    Dieser "Spruch" ist auch daneben, oder worin liegt sein Sinn?

    Zitat

    Und den einen Spruch mit dem anderen zu vergleichen ist erst Recht daneben.

    Sie vergleicht nicht die "Sprüche", sondern sie prangert an, dass Du quasi Gleiches mit Gleichem vergelten willst.


    Pfleger/Schwester nutzt seine Macht über den Patienten aus, also sollen es die in der Hirarchie Höheren also auch mit Pfleger/Schwester tun indem sie sie "einschüchtern", was ein ebensolcher Machtmißbrauch (von Abhängigen) wäre.....inwiefern soll das konstruktiv sein?

    Ambivalent


    Man kann es auch auf zig andere Situationen beziehen.


    Wenn z.B. meine Tochter manchmal nach Hause kommt und was aus der Schule erzählt, was ein Lehrer oder ein Mitschüler zu ihr gesagt hat, dann denke/sage ich auch oftmals spontan "Was? Hallo? Das geht ja gar nicht!!! :-o " – dann frage ich aber nach und die Situation stellt sich anders dar oder so, dass ich den gemachten Spruch, das Verhalten, des Lehrers oder Mitschülers zumindest nachvollziehen kann und er im Zusammenhang ganz anders rüberkommt.

    Ich würde es auch nicht auf sich beruhen lassen. Mein Vater war dement und hätte ich so einen Spruch jemals gehört, hätte ich mich SOFORT bei der Pflegedienstleitung beschwert. Das geht garnicht.