Polyxena


    Wie gesagt: Ich bin insgesamt bei Dir. Und ich sage ja auch nichts gegen Opfer/Kriegstraumata!


    Ich will nur sagen, dass man dennoch nicht alle über einen Kamm scheren sollte. Vielleicht ist genau der Patient um den es hier geht von einem anderen Schlag – verstehst Du was ich meine? Eben kein Kriegsopfer/Geschädigter oder was auch immer – also meine Familie ist recht groß, sie haben z.B. größtenteils vom Krieg kaum etwas mitbekommen.

    Naja ISA, ich denke sie wird ja mit der Pflegekraft reden...und dann wird sie sich ja auch dazu äußern. Aber ich denke...mal lieber die Sprache so einzustellen, dass einem da gar nicht erst etwas passieren kann.

    Der kleine Prinz

    Zitat
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    irgendwie so versuche ich das die ganze Zeit rüberzubringen

    lass es, das schaffst du nie

    :)z


    Leider scheinen irgendwie hier alte/ältere Menschen lediglich als "Opfer" gesehen zu werden und nicht mehr als individuelle Persönlichkeiten.

    Also ich würde mehr leiden, wenn alles seinen politisch korrekten Formulierungsgang ginge. Ich hätte mehr Spaß, wenn die Pflegerinnen und Pfleger lockerer wären, und auch mal einen Spruch losließen. Ich gehe jetzt nicht zum Lachen in den Keller und wenn ich alt, senil und dement wäre, würd ich mir bestimmt manches einfallen lassen, um mein Gegenüber aufzumuntern ;-D.

    Der kleine Prinz


    Das meine ich. :)z


    Ich fände es wesentlich demütigender als sozusagen "automatisches Opfer" gesehen zu werden.


    Ich meine es ist doch so:


    Bin ich noch soweit bei Verstand, dann kann ich mich bezüglicher gefühlter Respektlosigkeiten wehren oder sie mit Humor nehmen – bin ich nicht mehr soweit bei Verstand, dann sollte es das Pflegepersonal merken und mich somit auch "in Watte packen" und sich ein solches Verhalten wie hier beschrieben mal ganz gepflegt sparen.

    Zitat

    Also ich würde mehr leiden, wenn alles seinen politisch korrekten Formulierungsgang ginge. Ich hätte mehr Spaß, wenn die Pflegerinnen und Pfleger lockerer wären, und auch mal einen Spruch losließen.

    Auch MAL... ja... aber unbedingt in dem Kontext? Mein Vater war auch immer zu Späßen aufgelegt, hat gerne versaute Witze erzählt, war alles anderes als politisch-korrekt, aber als er pflegebedürftig wurde, ging es ihm verständlicherweise gar nicht gut damit und obwohl er sonst dazu neigte, unangenehme Dinge mit Albernheit zu überspielen, da war definitiv die Grenze erreicht. So ein Spruch, der ihm seine hilflose Lage beim Gewaschen- oder Gewickeltwerden bewusst gemacht hätte, während er völlig entblößt daliegt, wäre definitiv nicht gegangen und absolut daneben gewesen. In vielen anderen Situationen, beim Blutabnehmen (wenn x mal daneben gestochen wurde) beim Essenbringen oder vielem anderen, mal ein flotter Spruch, gerne. Aber ich denke, gerade wenn es um den Intimbereich, die Intimsphäre geht, ist bei vielen eine Grenze erreicht.


    Ich finde jedenfalls gut, wenn da für einen sensiblen Umgang plädiert wird, solange der Patient nichts absolut Gegenteiliges verlauten ließ. Von daher, ja, klar, zur Sicherheit sollte man natürlich nochmal nachfragen, wie es genau dazu kam und sowieso ist es gut, das Thema anzusprechen, aber ich denke, Vorsicht ist bei dem Thema echt besser als Nachsicht. Die Gefahr, dass jemand durch so einen Spruch gedemütigt und verletzt wird, ist nämlich mit Sicherheit ungleich höher, als dass jemand unter "politisch korrektem" Umgang beim Gewaschenwerden im Intimbereich leidet.

    @ Isabell

    Nö. Natürlich ist ein großer Teil meiner Pat. nicht übermäßig traumatisiert. Viele sind stolze Mütter/Väter/Großeltern und blicken auf ein erfülltes Leben zurück.


    Das Problem ist nur, weiß man, was ein Pat. alles erlebt hat? Ich kann mir nicht von jedem die ganze Biographie erzählen lassen (und viele wollen das auch gar nicht).


    Aber ich bin vorsichtig und versuche halt, potentielle unnötige Verletzungen zu vermeiden. Ich glaube nichts ist schlimmer, als krank unter lauter unbekannten Leuten zu liegen und die hauen einem auch noch unbeabsichtigt Kränkungen um die Ohren. So eine schlaflose Nacht im KH kann sehr lang sein, und wenn man dann noch traurige Gedanken hat, weil jemand einen durch flappsige Sprüche verletzt hat, kann das glaube ich sehr weh tun. Mit ein bisschen Sensibilität, Verständnis und Zuneigung kann das echt vermieden werden....Selbst wenn der Pat. nicht mehr Herr seiner selbst ist und damit stressig für uns. Ein dementer Pat. versucht in der Regel nicht, uns absichtlich zu ärgern, er begreift halt die Situation nicht.

    Zitat

    politisch korrekt

    Ah, Reizbegriffe :-@

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    Leider scheinen irgendwie hier alte/ältere Menschen lediglich als "Opfer" gesehen zu werden und nicht mehr als individuelle Persönlichkeiten.

    ???


    Das ist doch etwas überzeichnet und stark verallgemeinert. Hier geht es überhaupt nicht um ältere Menschen im Allgemeinen. Meine Eltern sind 70 und stecken jeden zweiten 30-jährigen locker in die Tasche, aber sie sie sind komplett selbstständig. Wenn man aber darauf angewiesen ist, sich waschen zu lassen, dann ist man ganz klar in diesem Moment nicht auf Augenhöhe mit dem Pflegekräften. Diese Gleichmacherei, wo nunmal keine ist, das ist wennschon die negativ gemeinte politische Korrektheit.

    Und nee, ich bin kein politisch korrekter Über-Sozpäd. Es gibt durchaus viele Witze, die man machen kann und die nicht unter der Gürtellinie liegen. Und ein Händedruck oder ein nettes Lächeln tut es oft auch, gerade wenn man krank ist und u.U. Schmerzen/Atemnot usw. hat. Da können mir persönlich Witze eher gestohlen bleiben

    Zitat

    Also ich würde mehr leiden, wenn alles seinen politisch korrekten Formulierungsgang ginge. Ich hätte mehr Spaß, wenn die Pflegerinnen und Pfleger lockerer wären, und auch mal einen Spruch losließen. Ich gehe jetzt nicht zum Lachen in den Keller und wenn ich alt, senil und dement wäre, würd ich mir bestimmt manches einfallen lassen, um mein Gegenüber aufzumuntern .

    Klaus Lage singt in einem Lied : das Pendel sucht steht's das Extreme! Aber...in diesem fall braucht es nicht nur nach rechts oder links zu gehen...ein lockerer Spruch zum Beispiel wäre für mich...Bettruhe gibt's erst nach dem waschen wieder...jetzt müssen sie sich noch einmal anstrengen...mit einem Lächeln auf den Lippen und locker dahergesagt...hört es sich nicht an als würde ich mit einem Opfer sprechen. Man muss doch auch nicht unbedingt in jedem Menschen ein Opfer sehen um ein Opfer nicht sprachlich treffen zu müssen. Es gibt so viele lockere Sprüche, die nicht anzüglich wirken können....oder müssen.

    Und im übrigen ist das Waschen schlechthin schon ein -für viele Menschen- negativer Vorgang.


    Im intimen Bereich gewaschen zu werden UND dann noch so einen Spruch zu hören...


    Wir wissen doch auch gar nicht was alles bei einem Dementen Menschen ankommt. Mag sein, dass er das locker wegsteckt...(das gilt auch für Opfer ) mag aber auch sein, dass er sich gar nicht traut irgendetwas zu sagen...aber der Tag ist für diesen Menschen dann gelaufen.

    @ Polyxena

    Wow, Hut ab vor Dir, die Du als Ärztin Dir inmitten von Klinikalltag und Stress so viel Menschlichkeit und Sensibilität bewahrt hast! :)^


    Sehr einfühlsame und differenzierte Sichtweise (allen Beteiligten gegenüber), einschließlich dem Bewusstsein, dass es ein "100% richtiges Verhalten" nicht gibt (wer sollte das auch festlegen/definieren)?


    Ich glaub', dass Du hier gar keine großen Tipps brauchst; folge einfach Deiner inneren Stimme, und Du triffst der Schwester gegenüber so oder so einen konstruktiven Ton (falls Du nicht, warum auch immer, beschließen solltest, dass der Fall zum Zeitpunkt der eintretenden Gelegenheit verjährt ist... ggf. beobachtest Du sie einfach gelegentlich ein wenig aufmerksamer und weist sie evtl. ein anderes Mal auf etwas hin, das Dir auffällt bzw. nicht stimmig vorkommt).

    @ :)

    ich wunder mich ein wenig über das Verständnis von sexueller Gewalt....


    es kommt doch nicht darauf an, ob der "Anwendende" es als sexuelle Gewalt sieht, sondern ob es vom "Opfer" so wahrgenommen wird/werden kann.


    Der Popo-Klapser ist doch nicht deshalb exculpiert, indem er sagt "das war doch von mir nicht als Belästigung, sondern eher witzig gemeint", wenn die rau, die ihn abkriegt, sich verletzt fühlt. Weil das eben bedeuten würde: so, wie du dich fühlst, ist es falsch.


    Das so ein Spruch erstmal nicht gerade die Würde des alten Herren angemessen schützt, steht doch wohl außer Diskussion, oder?


    und auch eine "ansonsten fähige Pflegekraft" kann manchmal einen Hinweis bekommen, wie sie im Umgang mit Patienten noch besser werden kann.

    DieKruemi

    Zitat

    es kommt doch nicht darauf an, ob der "Anwendende" es als sexuelle Gewalt sieht, sondern ob es vom "Opfer" so wahrgenommen wird/werden kann.

    Wo liest Du hier Gegenteiliges?


    Ich will doch die Ganze Zeit genau darauf hinaus, dass man sich in seinem Verhalten auf den "Empfänger" (Patienten) einstellen muß, vor allem als Pflegepersonal.


    Und ich hatte zeitweise das Gefühl, dass hier "alte Menschen" alle über einen Kamm geschoren werden, als hätten sie keine eigene Persönlichkeit mehr. Das hat sich aber mittlerweile ja geklärt, dass es nicht so gemeint war ;-).

    Zitat

    Das so ein Spruch erstmal nicht gerade die Würde des alten Herren angemessen schützt, steht doch wohl außer Diskussion, oder?

    Man sollte gerade in solchen Situationen (Intimwaschung) sehr viel Respekt entgegen bringen, sensibel mit dem Menschen umgehen. Ja, das steht außer Frage.


    Es sei denn, man kennt diesen Menschen, kennt seine Art von Humor, bzw. weiß welche Art des Umgangs damit er bevorzugt. Und sei es Eine etwas schräge....(also in diesem speziellen Fall, bei diesem Spruch hier, kann ich es mir allerdings auch nicht vorstellen ehrlich gesagt, aber wir waren ja schon allgemeiner).

    Zitat

    und auch eine "ansonsten fähige Pflegekraft" kann manchmal einen Hinweis bekommen, wie sie im Umgang mit Patienten noch besser werden kann.

    Vollkommene Zustimmung :)z

    Ich denke nicht das man wegen Fehler einzelner eine ganze Berufsgruppe anprangern sollte. Die Arbeit dieser Menschen ist schwer genug, sowohl körperlich als auch seelisch, da braucht es keinen der sie noch zusätzlich einschüchtert. :(v


    Ich bin selbst nicht in der Pflege, könnte es glaube ich auch nicht, aber diese Arbeit verdient meinen größten Respeckt. :)* :)^


    Ich habe eine junge Krankenschwester kennengelernt die sich mehrere Wochen auf der Sterbestation um meine Mutter gekümmert hat, Tag für Tag liebevoll und sehr sehr einfühlsam. Ich glaube das ist die Mehrheit in der Pflege.


    Ja, ich finde den Spruch dieser einen Pflegekraft auch nicht in Ordnung, und denke man müsste mit ihr darüber in einem Kritikgespräch mal reden.


    Aber aus solchen Gesprächen sollte keiner als Verlierer herrausgehen, nur dann bringen sie für alle beteiligten etwas.

    Zitat

    Ja, ich finde den Spruch dieser einen Pflegekraft auch nicht in Ordnung, und denke man müsste mit ihr darüber in einem Kritikgespräch mal reden.


    Aber aus solchen Gesprächen sollte keiner als Verlierer herrausgehen, nur dann bringen sie für alle beteiligten etwas

    das liegt dann an der "Sprücheklopferin". Zeigt sie null Einsicht in den Gespräch, würde ich als Chef eine Verwarnung in die Akte bringen und die Dame künftig etwas genauer beobachten. Zeit sie Einsicht, ist alles gut.