Sterbefasten

    Eine Bekannte von mir ist an einem nicht mehr operablen Unterleibstumor erkrankt. Die Möglichkeiten der Chemotherapie sind erschöpft. Ob eine palliative Bestrahlung ihre Situation verbessern kann, ist fraglich - es wird sich in Bälde herausstellen. Sie befindet sich derzeit auf einer Palliativ-Station und leidet sehr unter Schmerzen und unter einer menschenunwürdigen gesundheitlichen Situation (der Tumor drückt auf die Blase und das Rektum, das linken Bein erlitt eine tumorbedingte Thrombose, ist sehr geschwollen und funktioniert kaum mehr). Seit geraumer Zeit denkt sie über mögliche Methoden für einen Suizid nach.


    Nun bin ich im Internet auf die Möglichkeit des "Sterbefastens" gestoßen. So wie es dargestellt wird (in der Schweiz ist man da wohl aufgeschlossener), scheint mir das Sterbefasten verglichen mit einem Suizid doch die bessere Lösung zu sein, vor allem, wenn man an die Gefühle der Hinterbliebenen denkt.


    Mit den Funden im Internet kann man nicht vorsichtig genug sein. Von daher meine Bitte um Meinungen und Erfahrungsberichte.

  • 7 Antworten

    ich kann da nicht wirklich viel beisteuern. Allerdings weiss ich, dass es in der Schweiz noch das Exit Programm gibt. Dort geht es auch um Sterbehilfe bzw "den Knopf" muss man selbst drücken. Vllt wäre das noch etwas.


    Luna

    Mit einer todbringenden austherapierten Diagnose, siechend auf einer Palliativ-Station kann ich den Wunsch nach dem Ende schon nachvollziehen. Warum muss sie so stark unter Schmerzen leiden? Ist sie da medikamentös nicht gut eingestellt?


    Sterbefasten hört sich für mich persönlich nicht so richtig gut an. Essen einstellen eher ja, das Hungergefühl verschwindet ja nach einigen Tagen, aber Durst - in diesem Fall verdursten - stell ich mir jetzt sehr quälend vor. Habt ihr da mal mit einem Palliativmediziner drüber gesprochen? Es gibt dabei ja diverse Begleitsymptome und wohl auch weitere Schmerzen.

    Ein wirklich sehr schwieriges Thema, was auch nicht einfach zu beantworten ist.


    Rubinax schrieb:

    Ob eine palliative Bestrahlung ihre Situation verbessern kann, ist fraglich - es wird sich in Bälde herausstellen.

    Hier meinst Du sicher die Strahlentherapie (Radiotherapie)?!

    Wenn Ärzte darin einen Sinn sehen bzw. sie mit den zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen eine Besserung/Heilung zu erreichen, wird die Bestrahlung auch durchgeführt.


    Deine Bekannte kann das allerdings ablehnen, in schriftlicher Form. Dazu muss sie aber noch klar bei Verstand sein.


    Rubinax schrieb:

    Sie befindet sich derzeit auf einer Palliativ-Station und leidet sehr unter Schmerzen und unter einer menschenunwürdigen gesundheitlichen Situation (der Tumor drückt auf die Blase und das Rektum, das linken Bein erlitt eine tumorbedingte Thrombose, ist sehr geschwollen und funktioniert kaum mehr). Seit geraumer Zeit denkt sie über mögliche Methoden für einen Suizid nach.

    Unter Schmerzen sollte sie nicht leiden. Hier stimmt evtl. die Dosis der Medikamente nicht. In den meisten Fällen werden Morphine verabreicht, in extremen Fällen erhalten diese Patienten eine Morphinpumpe. Hier wäre eine Besprechung mit den Familienangehörigen deiner Bekannten, mit ihr und den Ärzten sinnvoll. Vllt. hat deine Bekannte ihre Schmerzen den Ärzten auch noch nicht mitgeteilt, traut sich evtl nicht, befindet sich nicht in der Situation oder versucht tapfer zu sein. Deshalb hilft hier nur das Gespräch vor Ort mit Unterstützung aller Beteiligten.

    Viele Menschen fühlen sich sehr oft allein gelassen, wollen die Angehörigen schonen, sehen keine Chancen mehr. Das führt auch schon mal zu den Gedanken nach Möglichkeiten eines Suizides.


    Rubinax schrieb:

    Nun bin ich im Internet auf die Möglichkeit des "Sterbefastens" gestoßen.

    Sterbefasten ist Suizid, indem man das Essen und Trinken einstellt. Auch hier kann deine Bekannte diesen Wunsch äussern, wenn der Verlauf der Erkrankung zum baldigen Ableben führt/führen sollte.

    Vllt. hilft es ihr, wenn sie das Gespräch mit einem Psychologen, Priester oder Pastor, den Ärzten sucht.

    Hilfreich bei der eigenen Entscheidung ist eine Patientenverfügung, indem deine Bekannte den weiteren Weg für sich verfügen kann.

    Ich gebe ich nur noch mal zu bedenken, dass oftmals viele Menschen diesen Weg (verfrüht) gehen wollen, weil sie die Situation - die Schmerzen - oftmals nicht mehr ertragen können/wollen. Wenn noch Hoffnung besteht, sollte man sich deshalb auch um die psychische Situation kümmern.

    Erst wenn wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind und keine Besserung mehr erfolgen kann, wird auch hier in D alles mögliche getan, den Patienten den Weggang zu erleichtern.

    Zunächst einmal vielen lieben Dank an alle für die Antworten.


    Eine palliative Radiotherapie wurde bei meiner Bekannten letzte Woche durchgeführt. Im Ergebnis ist sie gestern friedlich verstorben, ohne Schmerzen erleiden zu müssen. Die genaue Todesursache ist mir noch nicht bekannt. Meine Vermutung wäre, dass der Tumor wegen der Bestrahlung beleidigt war, zu bluten angefangen hat und sie dann innerlich verblutet ist.


    Meine Hochachtung vor den Ärzten, dass man ihren Wunsch respektiert hat und sie in Frieden sterben durfte (ist mehr eine Vermutung von mir, vielleicht erfahre ich noch Genaueres). Obwohl zu erwarten, kam dieser Abschied denn doch sehr plötzlich. Tröstlich ist wenigstens, dass ihr ein Dasein unter sehr trostlosen und unwürdigen Bedingungen erspart blieb. Und genauso tröstlich ist es, dass sich das Thema Suizid/Sterbefasten damit erledigt hat.


    Bedauerlich ist es, dass die Menschen in Deutschland bezüglich Sterbehilfe von der Politik dermaßen entmündigt und im Stich gelassen werden. Ich war bei einigen Arztgesprächen mit dabei und alle Ärzte haben fachlich wie menschlich auf mich sehr integer gewirkt. Als meine Bekannte den Herrn Professor fragte, warum man Menschen ein Leiden zumutet, was man Tieren nie zumuten würde, konnte (und durfte) er verständlicherweise nichts darauf sagen.

    Das ist für deine Bekannte dann doch so gekommen, wie sie es für sich selbst beschlossen hatte.

    Zitat

    Bedauerlich ist es, dass die Menschen in Deutschland bezüglich Sterbehilfe von der Politik dermaßen entmündigt und im Stich gelassen werden. Ich war bei einigen Arztgesprächen mit dabei und alle Ärzte haben fachlich wie menschlich auf mich sehr integer gewirkt. Als meine Bekannte den Herrn Professor fragte, warum man Menschen ein Leiden zumutet, was man Tieren nie zumuten würde, konnte (und durfte) er verständlicherweise nichts darauf sagen.



    Zwei Altenpflegerinnen in meinem Bekanntenkreis fragen sich das auch. Bis zu einem gewissen Punkt kann ein alter Mensch seine Leiden ertragen, was sehr individuell ist, aber irgendwann ist es nur noch eine Qual. Und nicht jeder verträgt Schmerzmittel gleich gut.