Taps

    Ganz ohne über ihren Kopf zu entscheiden wird das nicht gehen, in gewisser Weise läuft es auf Zwang hinaus bei deiner Mutter, das muss man mal ganz klar sehen. Wenn sie in der Tat ihren Alltag nicht mehr alleine oder mit geringer Hilfe bewältigen kann, sie aber das nicht einsieht, gehts manchmal nicht anders. Bei meiner Mutter war es so, dass sie wegen gesundheitlicher Probleme im Krankenhaus war und dort, direkt vom Krankenhaus aus, kam sie in Kurzzeitpflege, sie hat das anfangs gar nicht umrissen, sie meinte zunächst, sie wäre in einem anderen Krankenhaus. Die Krankenhäuser haben auch entsprechende Beratungsstellen. Die 4 Wochen Kurzzeitpflege werden auch von den Kassen übernommen, das gibt einem zunächst Zeit, weiter zu organisieren und Kurzzeitpflegeplätze hat jedes Pflegeheim zumindest der größeren Verbände wie Rotes Kreuz, Diakonie, Caritas, Malteser. Kann aber sein, dass kleinere private Häuser das anders handhaben.


    Da die Pflegepersonen alles aufschreiben, was an Pflegehandlungen anfällt, ist es dann kein Problem, da alles dokumentiert ist, die Einstufung zu erhalten. Und die Pfleger können das ganz gut beurteilen. Mittlerweile gibt es übrigens auch einen gewissen Betrag für Demenz, auch wenn noch keine Körperpflege etc. direkt erforderlich ist, was erfahrungsgemäß aber meistens nicht lang auf sich warten lässt.


    Du hast halt jetzt das Problem, da du nicht selbst für sie entscheiden kannst, das alles über den Betreuer laufen lassen zu müssen, das war zumindest aus meiner Sicht etwas unklug. Ich bin übrigens auch nicht vor Ort, ebenso wenig war es meine Schwester. Wir hatten da irgendwie nicht so große Probleme, die Umstellung in ein Pflegeheim war zwar nicht ganz einfach für sie, aber letzten Endes hat sie irgendwann selbst gesagt, dass sie froh ist, nicht mehr für alles selbst sorgen zu müssen und inzwischen weiß sie so vieles nicht mehr – je nach Tagesform – gehöre ich inzwischen auch nicht mehr so wirklich zu ihrem Leben.

    Zitat

    Bei meiner Mutter war es so, dass sie wegen gesundheitlicher Probleme im Krankenhaus war

    So blöd es klingt, ich wäre froh, wenn es irgendeinen Grund gäbe, sie dorthin zu verfrachten, aber sie ist körperlich absolut gesund.

    Zitat

    Du hast halt jetzt das Problem, da du nicht selbst für sie entscheiden kannst, das alles über den Betreuer laufen lassen zu müssen

    Selbst wenn ich Betreuer wäre, ich habe inzwischen alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die ich hatte, um ihr Hilfe zukommen zu lassen. Meine Mutter "braucht" keine Hilfe.


    Aber wenigstens habe ich momentan nur die Arbeit und nicht auch noch den Papierkram, der jetzt erforderlich wird. So viel Urlaub habe ich gar nicht, dass ich immer frei nehmen und mich in den Zug setzten könnte. Klar habe ich an eine Auszeit gedacht. Aber dann bin ich in meinem Alter weg vom Fenster.


    Wenn irgendwer eine Idee hätte, was man noch ohne eine Zwangseinweisung tun könnte, würde ich mich freuen.

    Es gibt sogenanntes betreutes Einzelwohnen. Da werden psychisch Kranke in ihrer eigenen Wohnung sozialpädagogisch betreut und der psychosoziale Betreuer hat in der Regel ein hohes Stundenvolumen (mehrere Stunden pro Woche)


    hier ein Beispiel


    Möglicherweise hat der Betreuer aber recht, wenn er derzeit keine Lösung in der eigenen Wohnung deiner Mutter sieht.


    Er ist ja für das Wohl deiner Mutter verantwortlich. Pflegedienste, ambulante psychosoziale Betreuer ect. brauchen ein Mindestmaß an Kooperation.


    Vielleicht wäre ein Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik eine Möglichkeit. Dort könnte dann mit dem Sozialdienst geguckt werden, welche Einrichtungen es gibt, die viel Wert legen auf eine Wiederverselbstständigung und wenn deine Mutter noch beinflußbar ist in ihrem Verhalten, könnte später wieder ein Versuch gemacht werden.

    Zitat

    Da werden psychisch Kranke in ihrer eigenen Wohnung sozialpädagogisch betreut

    Ich glaube, so was hat meine Schwiegermutter.

    Zitat

    Pflegedienste, ambulante psychosoziale Betreuer etc. brauchen ein Mindestmaß an Kooperation

    und die ist gleich Null. Sie kam noch nie mit fremden Menschen klar.


    Sie hat bisher jeden Hausbesuch (der nur in meiner Anwesenheit stattfinden konnte) geblockt: sozialpsych. Dienst, Gutachter, Richter. Sie lässt den Betreuer nicht rein, sie wird auch den MDK abblitzen lassen. Und auch im Pflegeheim wird sie nicht kooperieren.


    Aber was soll ich tun? Es ist ja wahrlich nicht so, dass ich einer gesunden Person was aufschwatzen will. Sie ist wirklich zu keiner zielgerichteten Tätigkeit mehr in der Lage und macht Dinge, auf die kein normaler Mensch kommen würde. Sie gefährdet sich selbst und andere.


    Zu einer Wiederverselbstständigung wird es aufgrund der fortschreitenden Demenz nicht kommen. Es geht eigentlich nur noch darum, ihr eine gewisse Lebensqualität zu erhalten.


    Aber das schaffe ich eben nicht. Ich habe schon viele Tipps bekommen, aber alles ist an meiner Mutter gescheitert. Ich komme mir vor, wie Sisyphos (der mit dem Stein und den Berg).

    Zitat

    Ach ja, noch etwas. Der Betreuer hat alle Aufgabenkreise (Aufenthaltsbestimmung, Gesundheitssorge, Wohnungsangelegenheiten, Vermögenssorge, Behördenangelegenheiten...

    So ist es, und nur er darf entscheiden, nichteinmal die Post darf ein anderer öffnen.


    für mich stellt sich zunächst die Frage, wieso das Vormundschaftsgericht einen Berufsbetreuer bestellt hat und nicht etwa dich als nahen Verwandten zum Betreuer ernannt hat. Die Bestellung von Berufsbetreuern (die natürlich bezahlt werden müssen) ist nur vorgesehen, wenn keine ehrenamtlichen Betreuer zur Verfügung stehen. Ebenso ist auf die verwandtschaftlichen Beziehungen Rücksicht zu nehmen. Nahe Verwandte sind als mögliche Betreuer eigentlich immer zuerst zu nehmen, sofern sie zur Betreuung fähig und bereit sind. Siehe § 1897 BGB.


    Soweit ich weiss muss man als Angehöriger auf die Behörde zugehen, von selber fragen die nicht.


    Auch wenn es in diesem Fall zu spät ist, ich kann allen nur raten frühzeitig mit den Angehörigen über eine Vorsorgevollmacht zu sprechen und diese dann auch mit ihnen auszufüllen.


    Das erspart unglaublich viel Ärger und lauferei.


    Es ist nämlich nicht so, dass mal als Betreuer eines Angehörigen über die persönlichen Dinge frei entscheiden kann, dazu hat imm der zuständiger Richter das erste Wort und muss sein ok dazu geben.


    Leider habe ich das alles erst zu spät gewusst als ich die Betreuung für meinen Vater übernommen habe. Für meine Mutter ist das jetzt alles geregelt und eine Vorsorgevollmacht hat sie unterschrieben.

    Zitat

    für mich stellt sich zunächst die Frage, wieso das Vormundschaftsgericht einen Berufsbetreuer bestellt hat

    Das habe ich ja nun wirklich hinreichend erklärt.

    Zitat

    Nahe Verwandte sind als mögliche Betreuer eigentlich immer zuerst zu nehmen, sofern sie zur Betreuung fähig und bereit sind.

    Richtig, die Betonung liegt auf bereit.

    Zitat

    Soweit ich weiss muss man als Angehöriger auf die Behörde zugehen, von selber fragen die nicht.

    Falsch! Ich habe die Betreuung selbst angeregt und wurde gefragt.

    Zitat

    nicht einmal die Post darf ein anderer öffnen

    Stimmt so nicht ganz. Dazu bedarf es einer Extragenehmigung, wenn besondere Gründe vorliegen, die dafür sprechen. Dann kann die eingehende Post umgeleitet werden. Der Betreute darf die Post immer noch selbst öffnen.


    Im konkreten Fall wäre es gut, wenn der Betreuer sie bekommen würde (aber die Gründe sind nicht ausreichend), denn meine Mutter stapelt ihre Post ungeöffnet im Schrank. Ich bekomme sie nicht dazu, diese zu öffnen und ich werde mich hüten, einzugreifen. Ich kann nur den Betreuer darauf aufmerksam machen.

    Zitat

    über eine Vorsorgevollmacht zu sprechen

    Ja wenn derjenige einsichtig ist und versteht worum es überhaupt geht... Meine Eltern waren nie bereit, etwas zu unternehmen geschweige denn zu unterschreiben.

    Taps

    Zitat

    Aber das schaffe ich eben nicht. Ich habe schon viele Tipps bekommen, aber alles ist an meiner Mutter gescheitert. Ich komme mir vor, wie Sisyphos (der mit dem Stein und den Berg).

    Dann mach erst mal nichts. Haben wir bei meiner Mutter auch so gemacht. Sie hatte ein Gerät, bei dem sie sich beim Roten Kreuz melden musste, zweimal täglich, mit einer Notruffunktioner und damit haben wir sie in Ruhe gelassen. Meine Mutter hat den ersten Versuch einer Einstufung auch torpediert, indem sie erklärte, sie mache und könne alles allein. Das geht auch noch eine Zeitlang. Mehr schlecht als recht, aber es geht. Irgendwann gehts dann nicht mehr und dann hast du es einfacher zu handeln. Der Gesundheitszustand wird auch nicht so gut bleiben wie jetzt.


    Du schreibst von ihrer Lebensqualität. Darüber würde ich mir keine Gedanken machen, denn damit machst du dich verrückt. Du fühlst dich einerseits verantwortlich und dann auch wieder nicht, was ich aufgrund der Vorgeschichte gut verstehen kann. Wenn du jetzt schon nicht der Betreuer bist, dann lass es.


    Mehr als versuchen, ihr von den ambulanten Diensten jemanden zur Unterstützung zu schicken, kannst du nicht machen. Ich würde den Betreuer über die Lage informieren, dann muss er eben sich selbst einen Überblick verschaffen, ob sie untergebracht werden muss oder nicht.

    Zitat

    Sie hat bisher jeden Hausbesuch (der nur in meiner Anwesenheit stattfinden konnte) geblockt: sozialpsych. Dienst, Gutachter, Richter. Sie lässt den Betreuer nicht rein, sie wird auch den MDK abblitzen lassen. Und auch im Pflegeheim wird sie nicht kooperieren.


    Aber was soll ich tun? Es ist ja wahrlich nicht so, dass ich einer gesunden Person was aufschwatzen will. Sie ist wirklich zu keiner zielgerichteten Tätigkeit mehr in der Lage und macht Dinge, auf die kein normaler Mensch kommen würde. Sie gefährdet sich selbst und andere.

    Du kannst nichts tun und du bist auch nicht verantwortlich.


    Es war eine weise Entscheidung nicht selbst die Betreuung zu übernehmen.


    Jemand muß für deine Mutter Entscheidungen treffen und sie wird diese Entscheidungen nicht toll finden.


    So wie du die Situation schilderst wird es nicht ohne eine Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung gehen.


    Wenn man deine Mutter in der jetzigen Lage beläßt und ihr passiert etwas Schlimmes, wirst du dir wahrscheinlich auch Vorwürfe machen, weil du ja weißt, dass sie nicht mehr sinnvoll denkt und handelt.


    Insofern lass den Betreuer seine Arbeit machen bzw dränge ihn dafür zu sorgen, dass deine Mutter angemessen versorgt wird.


    :)_ ... Tatua

    @ Taps:

    So hart es auch klingt – es läuft auf eine Zwangsmaßnahme hinaus. WIE das dann aussehen kann: Überlass' es den Fachleuten, deren Alltag es ist. Nicht nur das Organisatorische, sondern auch die praktische Umsetzung. Die erreichen da z.T. auf harmlose Art mehr, als alle Verwandten, die sich den Mund fusselig reden. Sie sind halt emotional nicht so beteiligt. Ich kenne es v.a. aus dem psychiatrischen Bereich in allen Altersgruppen.


    Bzgl. der Betreuung:


    Ich finde es gut, dass Du für Dich eine klare Entscheidung getroffen hast. Ignoriere die "liebe Verwandtschaft" und ihre Meinung. Du handelst richtig – denn WENN etwas passiert, ist nachher das Geschrei garantiert groß. Wie gesagt, ich hab' in der direkten Familie erlebt mit Fast-Hausbrand, Tante nackt auf der Straße,... Was ist da immer wieder schön geredet worden, bis ein Enkel einschritt. ER wurde total angefeindet – und rückblickend mussten dann doch alle zugeben, dass es richtig war. Besagte Tante ist auch gegen ihren Willen ins Heim gekommen.


    Es ist traurig – aber das ist die Krankheit.


    Mein Vater hat auch eine beginnende Demenz; ist dabei extrem aggressiv (war es vorher auch schon und was unsere Beziehung seit über 25 Jahren erheblich belastet). Ich würde NIE NIE NIE da irgendeine Form von Betreuung oder Pflege übernehmen. NIE.

    Nachdem nun der MDK meine Mutter begutachtet und der Betreuer sie (immer in meiner Anwesenheit) mehrfach gesehen hat, wurden weitere Maßnahmen eingeleitet. Vor einer Woche wurde meine Mutter auf richterliche Anordnung in die Gerontopsychiatrie zwangseingewiesen. Daran führte kein Weg mehr vorbei.


    Niemand der an dem Tag anwesenden Personen (Richter, Betreuer, Arzt …) konnte ihr die Einweisung auch nur annährend erklären. Da sie nicht bereit war, freiwillig in den Krankenwagen zu steigen, wurde die Polizei gerufen. Gern hätte ich uns allen diesen Schritt erspart. Die letzten Worte bevor man sie "abgeführt" hat, waren "Ich habe doch nichts verbrochen". Sie wurde aus der Wohnung geführt und wird nie wieder dorthin zurückkehren. :°( :°( :°(


    Nun sitze ich in der Wohnung, in der meine Mutter gewohnt, ihre Ehe geführt hat und wir Kinder aufgewachsen sind und muss ein ganzes Leben entsorgen. Anhand ihrer Unterlagen kann ich genau mitverfolgen, wann der geistige Verfall eingesetzte. Früher als Kind hätte ich gern mal in ihren Schränken gewühlt, aber so? :|N

    Das ist gruselig, ich kann das nachvollziehen, denn ich habe das auch hinter mir.......


    Darf ich fragen, wieso du nicht zum Betreuer bestellt wurdest?


    Ich bin inzwischen bestellte Betreuerin meiner beiden Elternteile und es wäre für mich unvorstellbar, wenn dies ein anderer tut würde. Durch meinen Job bin ich zwar nicht ständig vor Ort, aber wenn Entscheidungen anstehen, sind sie durch mich zu fällen. Und glaube mir, wenn es hart auf hart kommt, werden Entscheidungen anstehen, die man nur selbst treffen kann....

    Ergänzung: vergiß meine Frage, wieso nicht du die Betreuerin bisher gewesen bist- ichhatte zu flüchtig gelesen, das würde ja schon besprochen. Für die Zukunft kann ich dir nur empfehlen, nochmal darüber nachzudenken. Hat deine Mutter Alzheimer? wenn ja, kann ich dir gerne meine Erfahrungen mit meiner Mutter und dem Thema Betreuung mitteilen.

    Ich danke Euch für den Zuspruch.

    @ Die Kruemi

    Ja meine Mutter hat laut Gutachten vermutlich Alzheimer im fortgeschrittenen Stadium. Aber ob dies oder eine andere Demenz, ist zum jetzigen Zeitpunkt wohl eher akademisch.


    Danke Kruemi! Was getan werden muss, das sehe ich an meinem Mann, der aus der Ferne seine ebenfalls demente Mutter betreut. Inzwischen kann ich das Verhalten auch ganz anders bewerten, als noch vor 1/2 Jahr. Unser ganzes Leben und unsere Gespräche drehen sich ja momentan um Demenz. Und langsam entwickeln wir uns zu Experten in Punkto Umgang.


    Der Betreuer müsste mich jetzt nicht einbeziehen, aber zum Glück tut er es. Aber ich hätte (moralisch und rechtlich) niemals die notwendige Zwangseinweisung in die Wege leiten können. Wenn meine Mutter in ein Pflegeheim an meinem Wohnort kommt, wird ein Betreuerwechsel stattfinden.

    Den Artikel über Alzheimer/Demenz auf den Rut in diesem Forum hinweist, hast Du bestimmt gelesen. Wenn nicht – lies ihn.


    Für mich und unsere Mutter wären diese Hinweise in diesem Artikel sehr hilfreich gewesen.


    Alles gute für Euch

    @ Taps:

    Kann mir vorstellen, wie übel das Gefühl ist. *tröst*


    Aber... hier gibt's irgendwie nur "Pest" und "Cholera". So bleibt für Dich die traurige Aussage Deiner Mutter (in einem lichten Moment!), die Dir (verständlicherweise!!!) zu schaffen macht. Aber hättest Du Dich nicht weiter gekümmert, hätte passieren können, dass sie die Wohnung abfackelt oder was auch immer. Auch dann stündest Du mit Schuldgefühlen da!


    Du hast eine schwere, aber nachvollziehbare und sinnvolle Entscheidung getroffen. Und vielleicht hat die Zwangseinweisung noch was gutes, z.B. die langfristige Unterbringung in einem geeigneten Heim.


    Mir graut es davor, eines Tages diese Entscheidung treffen zu müssen. Mein Vater ist 68, baut zusehends ab. Demenz-Verdacht seit 4 Jahren, er verweigert die empfohlenen jährlichen Untersuchungen.


    Hatte vor 10 Tagen eine Wirbelsäulen-OP – und abseits des alltäglichen Ablaufs merkt man, welche Schwierigkeiten er hat. Wie sehr man hinterher sein muss (falsche Medikamenteneinnahme, falsches Verhalten nach OP, obwohl ihm alles mehrfach erklärt wurde!). Mir wird klar, worauf es hinausläuft... Das ist bitter, aber: Die Betroffenen sind nun mal nicht mehr im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte!


    Kopf hoch!

    Zitat

    Der Betreuer müsste mich jetzt nicht einbeziehen, aber zum Glück tut er es. Aber ich hätte (moralisch und rechtlich) niemals die notwendige Zwangseinweisung in die Wege leiten können.

    Ok, dann bereichte ich mal, was bei meiner Mutter Stand der Dinge ist. Sie lebt in einem gerontopsych. Pflegeheim, hat nicht nur ihre Erinnerung an uns als Angehörige, sondern inzwischen auch ihre eigene Identität verloren und auch ihre Sprache. Will sie was sagen, kommt mur ein "da-da-da" heraus. Sie kann zum Teil nicht mehr schlucken, eigentlich kann sie garnichts mehr, sie ist einfach nur da. Sie wiegt inzwischen nur 43 Kg.


    Nun wurde an mich als Betreuerin die Entscheidung einer PEG-Sonde herangetragen. Das ist ein Zugang im Bauch, über den sie Nahrung direkt in den Magen gepumpt bekommen würde. ich habe mir im Heim andere mit dieser Sonde angesehen. Menschen, die regungslos im Bett liegen, nichts wahrnehmen und nur deshalb leben, weil diese Sonde sie ernährt. ( über Jahre!!!) Meine Mutter hätte das so nie für sich gewollt, da sind wir uns alle sicher. Und daher haben wir uns dagegen entschieden.


    Hätte meine Mutter einen gerichtlich bestellten Betreuer, würde es für sie anders aussehen, denn diese entscheiden immer für die Sonde-einfach weil sie den Willen des Betreuten ja nicht eruieren können, da sie ihn nicht kannten.


    So schwer die Entscheidung auch ist, ich bin froh, dass ich sie fällen kann. Denn so muss ich es meiner Mutter nicht antun, wie eine lebende Tote zu enden.....


    Um die Entscheidung der "Zwangseinweisung" kam ich irgendwie drum rum. Denn mein vater hatte sie lange gepflegt, bis er eine Hirnblutung bekam. Und ich musste sie dann ins Heim bringen, aber da war sie schon in einem Zustand mit keiner Gegenwehr.

    Ja den Artikel aus der WELT hatte ich gelesen. Weiß nicht recht, was ich davon halten soll.


    Meine Mutter hat bisher nie Medikamente genommen. Sie bekommt jetzt erstmalig welche, worauf ich ja keinen Einfluss habe. Doch wenn es ihr hilft, mit der gegenwärtigen Situation klar zu kommen, soll es mir recht sein. Aber es geht auch jetzt nicht darum, sie damit vollzustopfen, um aufzuhalten, was nicht aufzuhalten ist.


    Auch ich werde mich(zumindest aus heutiger Sicht) gegen eine PEG-Sonde aussprechen, wenn die Entscheidung mal ansteht und ich dann die Betreuung habe. Was der Betreuer machen würde, weiß ich nicht. Aber auch die Meinung der Ärzte hat sich in letzter Zeit grundlegend geändert. Viele sprechen sich insgeheim dagegen aus.


    Meine Mutter weiß weder wo sie ist, noch wie sie dort hinkam und erkundet immer wieder neu ihre Umgebung. Aber wie es scheint ist sie froh, dass sie rundum versorgt wird. Ihr scheint die Last genommen zu sein, den Alltag meistern und irgendwelche Entscheidungen treffen zu müssen. Und das ist erst mal die Hauptsache.


    Jetzt geht es darum, einen geeigneten Pflegeheimplatz zu finden. Aber die Wartelisten sind lang.

    @ DieKruemi

    Auch Dir viel Kraft!