Was braucht es alles, um glücklich und gesund alt zu werden?

    Ich habe ein schönes Video gefunden. So kann man sich das Altwerden ja noch einigermassen "schön" vorstellen. Habt Ihr Euch auch schon oft gefragt, wie manche Menschen das anstellen, wirklich in Würde ins Alter zu kommen, ohne zu vergreisen?


    Ich hoffe, ich kann das auch mal - vielleicht sollte ich lernen, Klavier zu spielen? ;-)


    Macht Ihr etwas bewusst "Spezielles", um auch später gesund zu sein? Was ist das Geheimnis, solcher Menschen?

  • 296 Antworten

    Hmm - keiner eine Idee....


    Ich habe heute eine ältere Dame beim Einkaufen gesehen, die sehr sehr viele Lachfalten hatte. Sie hat so viel Fröhlichkeit ausgestrahlt, obwohl sie am Stock ging und alles viel langsamer ging als bei den anderen. Über sie hat sich auch niemand aufgeregt. Sonst hört man doch eher so Sprüche, dass die Rentner doch nicht immer genau dann einkaufen sollen, wann die Berufstätigen es müssen. Diese Dame hat einfach gute Laune verströmt.


    Vermutlich hat das mit der inneren Zufriedenheit zu tun. Aber die kommt wohl nicht von allein, wenn ich an all die anderen betagten Menschen denke, die vom Leben enttäuscht und verbittert sind.


    Ich glaube, ich werde mir wieder jeden Tag ganz BEWUSST etwas Lustiges anschauen oder anhören.

    Hallöchen,


    wir hatten genau diese Disskusion letztens in der Arbeit (Altenpflegeheim).


    Eine Kollegin meinte, sie hätte einen Bericht im TV gesehen, in dem untersucht wurde, welche Voraussetzungen od. Lebensbedingungen alte, gesunde, glückliche Menschen haben od. hatten.


    Ergebniss dieser Untersuchung (die sich auf Asien und Afrika beschränkt hat) war, dass das Lebenselexier dieser alten Leute ARBEIT bis ins hohe Alter war.


    Na super, dachte ich mir, dann werd ich nicht alt, oder vielleicht doch, dann aber bestimmt nicht gesund oder zufrieden. Ich möchte (wenn's denn mal soweit ist) nach einem arbeitsreichen Leben auch mal meinen Ruhestand geniessen. Natürlich ist die ART der Arbeit entscheidend, in meinem Beruf kann keiner bis 70 arbeiten {:( ;-)


    Ich denke, um gesund und lebensfroh alt zu werden oder alt zu sein braucht man eine Aufgabe. Ziele. Freunde, Interessen und n bißchen Obst und Gemüse ;-)


    Aber jetzt mal ohne Scheiß: Man darf auch nicht außer Acht lassen, dass die heutigen Alten (teilweise) Kriege, Elend, Verfolgung und Hunger so gemacht haben, wie sie nunmal sind.


    In meiner Umgebung habe ich beobachtet, dass Betagte, die Tiere haben, glücklich wirken. Is ja auch bewiesen, dass Haustiere durchaus eine therapeutische Wirkung haben können. Seh ich bei mir selber jeden Tag!


    Grüssle...

    Opti

    Zitat

    Ich glaube, ich werde mir wieder jeden Tag ganz BEWUSST etwas Lustiges anschauen oder anhören.

    Das halte ich für einen guten Ansatz. Für noch wichtiger halte ich es, eine Aufgabe zu haben, die mich fesselt. Eine Tätigkeit, bei der ich mir jeden Tag mein kleines Erfolgs- und Glückserlebnis erarbeiten kann.

    Schwester S.

    Zitat

    Ich denke, um gesund und lebensfroh alt zu werden oder alt zu sein braucht man eine Aufgabe. Ziele. Freunde, Interessen und n bißchen Obst und Gemüse ;-)


    Aber jetzt mal ohne Scheiß: Man darf auch nicht außer Acht lassen, dass die heutigen Alten (teilweise) Kriege, Elend, Verfolgung und Hunger so gemacht haben, wie sie nunmal sind.

    Danke! Diese Bemerkung ist genau das, was für mich persönlich mehr Wert hat als irgendetwas Lustiges in den Medien. Humorvoll verpackte Lebensweisheiten. Die erste Aussage erscheint flapsig. Aber sie hat eine Tiefe, die sich manchem wohl erst beim zweiten Lesen erschließt. Und dem einen oder anderen vielleicht nie.


    Der zweite Teil beschreibt indirekt mein Rezept zum Glücklichsein. Die heutigen Alten haben gelernt, trotz großer Entbehrungen leben zu können. Das ist meiner Generation teilweise schon verlorengegangen. Unseren Kindern erst recht. Wir haben uns dressieren lassen, zu lamentieren, wenn es z.B. im Januar keine Weintrauben gibt. Daß die Natur für uns Weintrauben nur für September bis November vorgesehen hat, ignorieren wir dabei.


    Ich bin davon überzeugt, daß wir alle glücklich sein könnten, wenn es uns gelänge, unsere Ansprüche mit unserer Realität abzugleichen.


    Vor wenigen Tagen ist die "Simele-Thres" im Alter von 111 Jahren verstorben. Sie hat nie einen Arzt gebraucht. Ihr Lebensmotto war: "Arbeit, Mäßigkeit und Ruh' schlägt dem Arzt die Türe zu."

    Kann es sein, dass im Alter nur die Menschen glücklich sein werden, die es auch Zeit ihres Lebens waren? Denn das Glücklichsein hat viel mit der Einstellung zum Leben, dem Wahrnehmen der täglichen "kleinen Dinge", der Dankbarkeit, der Neugier und dem Leben im Jetzt - das "bei sich zu sein" zu tun...


    Da ich beruflich viel mit alten Menschen zu tun habe, kenne ich alle Facetten des menschlichen Alterns. Nicht zu unrecht sagt man ja, dass alte Menschen wieder wie kleine Kinder werden. Da ich ebenfalls viel mit kleinen Kindern gearbeitet habe, konnte ich die beiden Gruppen miteinander vergleichen. Die wohl wunderbarste kindliche Eigenschaft ist das unkonventionelle Ausleben von Emotionen, das ungeschminkte Rüberbringen von dem, was wirklich in einem vorgeht. Da die "innere Zensur" bei alten Menschen sich aufgrund der eingeschränkten Hirnfunktionen wieder verliert, fallen sie in dieses kindliche Verhaltensmuster zurück. Manchmal erleben die Außenstehenden dann bei demjenigen eine regelrechte Persönlichkeitsveränderung. Möglicherweise bricht aber dann nur hervor, was jahrelang im Unterbewußtsein durch starke Kontrolle zurückgehalten wurde...


    Sind wir unseres Alters Schmied? Ich denke ja. Der Umgang mit Höhen und Tiefen im Leben, das Jammern oder das Trotzdem-Lachen bilden Muster in unserer Seele. Unsere Mitte - unser Herz - wird verkrampft oder weit... und im Alter wird dieser Mechanismus einmal mehr unser Verhalten bestimmen.


    Die alte Dame, die mich in meiner Kindheit wohl am meisten beeindruckt hat, war eine Frau aus unserem Dorf. Wir nannten sie liebevoll unsere "Tante Hempel". Sie war schon über 80, aber immer auf Achse. Wenn sie uns Kindern begegnete, dann stellte sie sich mit weit ausgebreiteten Armen und einem lauten "Hahaaaaa!" hin und wartete auf eine stürmische Umarmung! :-D Bei ihr durfte man zu jeder Tageszeit zu Besuch kommen, sie freute sich immer. Und dann kochte sie für die Mutti's und Vati's ihren berühmten "Hempelkaffee" (einen starken Mocca) und holte vom Bäcker Sahnebaisee's und Puddingschnitten. Sie konnte fließend französisch sprechen und herrliche Geschichten von früher erzählen. Alles tat sie mit einer herrlichen Zufriedenheit, mit Frohsinn und Positivität, dass sich stets alle in ihrer Gegenwart einfach gelassen und glücklich fühlten.


    Als sie starb, kam das ganze Dorf zur Beerdigung. Der junge Pfarrer erzählte aus ihrem Leben und zitierte sie dabei, dass sie ihm gesagt hätte, man solle doch auf ihrer Trauerfeier nicht soviel heulen, sondern lieber ein paar Witze erzählen... "und dann, lieber Herr Pfarrer, macht ihr den Deckel auf der alten Schachtel zu und wünscht ihr eine gute Reise.." - das war die lustigste Trauerfeier meines Lebens. Wir haben soviel gelacht und bei den ganzen Erzählungen wurde sie wieder lebendig unter uns.... kein Wunder, dass ich 2 Monate später plötzlich mit einem Blumenstrauß vor ihrer Türe stand und sie wieder besuchen wollte... :)_ So möchte ich im Alter auch sein. :)z@:)

    Zitat

    Der zweite Teil beschreibt indirekt mein Rezept zum Glücklichsein. Die heutigen Alten haben gelernt, trotz großer Entbehrungen leben zu können. Das ist meiner Generation teilweise schon verlorengegangen. Unseren Kindern erst recht. Wir haben uns dressieren lassen, zu lamentieren, wenn es z.B. im Januar keine Weintrauben gibt. Daß die Natur für uns Weintrauben nur für September bis November vorgesehen hat, ignorieren wir dabei.

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    Moin Schnattergusche *:)


    Dieser Satz


    Daß die Natur für uns Weintrauben nur für September bis November vorgesehen hat, ignorieren wir dabei.


    drückt, so empfinde ich das, sehr gut aus, daß wir "vergessen" haben, daß wir ALLE Bestandteil der Natur sind. Wer sich einfach mal unseren wunderschönen blauen Planeten als einen hervorragend funktionierenden Organismus vorstellt, dem sollte klar werden, daß es uns nun wirklich nicht gut bekommen kann, wenn wir uns von der Natur entfremden, deren Bestandteil wir doch sind.


    Der unterstrichene Satzteil mach deutlich, daß wir uns nicht wirklich von dem entfernen können, dem wir angehören ]:D Wenn wir das gedanklich und in unserem Lebensstil versuchen, weil wir uns über die Natur erheben, dann ist der tiefe Fall eine Frage der Zeit.


    Wem das nicht einleuchtet, der braucht ja nur mal eine tödliche Portion irgendeines Giftes zu sich zu nehmen, mit der Absicht, einen Körperteil, der ihm nicht mehr gefällt, abzutöten. Bin ich ein Hellseher, wenn ich behaupte, daß es dem ganzen Körper nicht gut bekommen wird?

    Hallo Optimismus! *:)


    Du führst hier vor allem zwei unterschiedliche Komponenten an - gesund sein und glücklich sein, beides im hohen Alter. Eine schwierige Sache, aber ich kenne einige, bei denen das zutraf.


    Das beste Beispiel und mein größtes Vorbild war meine Großmutter mütterlicherseits. Sie verstarb 2007 im Alter von 93 Jahren. Auf dem Sterbebett sagte sie zu meiner Mutter: "Irgendwann muss ja auch mal gut sein." x:) Sie hatte ein wirklich hartes Leben, hat durch den 1. und 2. Weltkrieg quasi ihre ganze Familie verloren, hat erst spät heiraten können und diesen Mann (meinen Großvater) auch viel zu früh verloren, nach 18 Jahren Ehe zwar, aber so alt war er noch nicht und er ließ sie mit einer 10jährigen Tochter allein. Auch das Geld war immer knapp. Und dann zog meine Mutter mit 16 auch noch in ein anderes Bundesland und sie war noch alleiner. Das sind so einige Beispiele. Allerdings habe ich sie nie unzufrieden oder unglücklich erlebt, außer eine kurze Zeit, als sie vorrübergehend bei uns gewohnt hat und ihre Selbstständigkeit teilweise aufgeben musste. Als sie dann ins Altersheim zog, war wieder alles paletti, da war sie wieder selbstbestimmt. ;-)


    Dinge, die bei ihr zu dieser inneren Ausgeglichenheit geführt haben, waren wohl stetiger Fleiß, gesunde Ernährung, ab und zu ein Schnaps ;-), Freude an kleinen Dingen (besonders an den Erfolgen ihrer Enkel ;-)) und vor allem Gottvertrauen und Zuversicht. Das alles ist aber nur durch innere Stärke möglich.


    -


    Auch der Großvater meines Verlobten wurde alt (94 oder 96). Ich glaube, bei ihm (ich habe ihn fast gar nicht mehr kennen gelernt) war es vor allem die Liebe zu seiner Frau, die ihn wach und am Leben hielt. Denn als sie starb, verfiel er innerhalb eines Jahres körperlich und geistig und starb dann auch. Sein Leben endete, als seine Frau starb. Traurig, aber irgendwie auf eine romantische Weise, denn es ist doch schön, dass eine Liebe bis ins hohe Alter soviel bewirken kann.


    Meine Großmutter hat übrigens nach dem Tode ihres Mannes nie wieder einen anderen Mann gehabt und auch nicht gewollt. Die Liebe blieb bis zu ihrem Lebensende, auch wenn das schon 41 Jahre nach seinem Tod war - man hatte den Eindruck, sie freute sich, wieder zu ihm zu kommen. :-)

    Zitat

    Wir haben uns dressieren lassen, zu lamentieren, wenn es z.B. im Januar keine Weintrauben gibt. Daß die Natur für uns Weintrauben nur für September bis November vorgesehen hat, ignorieren wir dabei.

    Den Satz finde ich wunderschön! x:)

    @ Hanna-Maria

    Zitat

    ...macht ihr den Deckel auf der alten Schachtel zu und wünscht ihr eine gute Reise.." - das war die lustigste Trauerfeier meines Lebens. Wir haben soviel gelacht und bei den ganzen Erzählungen wurde sie wieder lebendig unter uns.... kein Wunder, dass ich 2 Monate später plötzlich mit einem Blumenstrauß vor ihrer Türe stand und sie wieder besuchen wollte... :)_ So möchte ich im Alter auch sein. :)z @:)

    Wunderbare gelebte Zeitgeschichte :)^


    Solche alte Schachteln sind Menschen nach meinem Geschmack!;-D

    Hanna

    "Tante Hempel" erinnert mich an meine Urgroßmutter. Mit 90 Jahren fuhr sie noch jede Woche einmal mit dem Bus in die Stadt, um u.a. für die mit 60 Jahren alten Leute im Dorf die Pillen aus der Apotheke zu holen. Als dann ihre Zeit gekommen war, baute sie schnell ab, verkalkte, und hatte einen raschen Tod. Aber noch Jahre später erinnerte sich jeder im Dorf an die "Miez", deren Fröhlichkeit gerade in den harten Jahren nach dem Krieg allen gut getan hatte. Auf diese Weise Spuren zu hinterlassen, gehört in meinen Augen zum Sinn des Lebens.

    Schnattergusche, das erinnert mich daran, wie meine Großmutter im Altenheim den bis zu 20 Jahre jüngeren gezeigt hat, wo ihre Zimmer sind, weil die sich dauernd verlaufen haben und dann bei ihr im Zimmer standen! ;-D "Sie gehören hier doch nicht hin, kommen Sie mal mit!"

    Zitat

    Vermutlich hat das mit der inneren Zufriedenheit zu tun.

    Ganz sicher. Wer unzufrieden ist, der benimmt sich alt, obwohl er es körperlich noch gar nicht ist. Das fällt mir selbst beim Lesen vieler Beiträge hier auf. Ich bekomme meine innere Zufriedenheit durch meinen christlichen Glauben. Der trägt mich immer über schlimme Zeiten hinweg oder stützt mich in der Zeit wenigstens.

    Zitat

    das Lebenselexier dieser alten Leute ARBEIT bis ins hohe Alter

    Ja, allerdings körperliche Arbeit. Wer nur streßbeladene Arbeit hat und zudem noch körperlich nicht ausgelastet ist, der hat in der Regel nicht viel vom Alter. Aber auch Streß ist nicht gleich Streß. Ich kannte mal eine ältere Dame, Mutter von 12 (!) Kindern, die die Ruhe und Freundlichkeit in Person war.

    Zitat

    lamentieren, wenn es z.B. im Januar keine Weintrauben gibt

    Das ist einfach nur weltfremd. Eine Unterrichtseinheit Betriebswirtschaft und man weiß, warum es nicht immer alles gibt, was man möchte. An objektive "Mängel" (also daß Wein eben im Herbst reif wird) sollte man seine Bedürfnisse anpassen, um seltener unzufrieden zu sein. Subjektive Mängel dagegen sollte man versuchen zu beseitigen.

    Zitat

    So möchte ich im Alter auch sein.

    Das ist natürlich nur ein Blickwinkel. So wie wir alte erleben, so müssen sie sich selbst durchaus nicht auch erleben. Ich kenne mehrere noch nicht mal so alte Leute, die den ganzen Tag Fröhlichkeit ausstrahlen und abends, wenn die Tür hinter ihnen zufällt, in Tränen ausbrechen. Dieses schizophrene Leben wird einem leider auch anerzogen.


    Für mich ist am wichtigsten, wie ich mal mein Alter erlebe, nicht wie andere es sehen.

    Zitat

    Ganz sicher. Wer unzufrieden ist, der benimmt sich alt, obwohl er es körperlich noch gar nicht ist.

    So sieht es aus. Das traf im übrigen auf meine andere Großmutter zu - gesund, alt geworden, aber ihr ganzes Leben lang unzufrieden gewesen (ganz genau, wie bei ihrer Mutter, die hatte schon in jungen Jahren einen bitteren Zug um den Mund). Also auch das gibt es.

    Zitat

    Ich bekomme meine innere Zufriedenheit durch meinen christlichen Glauben. Der trägt mich immer über schlimme Zeiten hinweg oder stützt mich in der Zeit wenigstens.

    Das ist schön! :-) Mir geht es auch so, aber auch der Glaube ist kein Allheilmittel und bei manchen hilft der eben auch nicht mehr...

    Zitat

    Ja, allerdings körperliche Arbeit.

    Das kann gut möglich sein. Meine vorher erwähnte Großmutter hat vor allem viel auf dem Bauernhof gearbeitet, aber auch später denn in der Bäckerei ihres Mannes und natürlich im Haushalt. Im hohen Alter war sie immer noch regelmäßig Kegeln und fuhr, bis sie fast 90 war, Rad (mit künstlicher Hüfte 8-)).

    Oh - hier ist ja viel geschrieben worden. Hanna-Maria, Deine Tante Hempel war nicht zufällig meine Urgrossmutter? ;-) Auch sie hatte zwei Weltkriege erlebt, ist zwei mal quer durch Europa geflüchtet, hat Ehemann, Kinder, Enkelkinder begraben, oft kein Geld, nichts zu essen, etc. gehabt. Und dennoch sehe ich sie in ihrem Ohrensessel, mit vielen Lachfältchen und zufriedenem Gesicht. Ihr Leitspruch war immer: Nichts auf der Welt ist so schlecht, dass nicht noch irgendwas Gutes darin wäre und kein Unglück so gross, dass es nicht noch ein kleines Glück enthielte. Recht hatte sie. Ja, ich denke auch, dass es eine Rolle spielt, wie zufrieden man in jüngeren Jahren ist und wie man mit Schicksalsschlägen oder schwierigen Situationen lernt umzugehen. Meine Urgrossmutter ist mit 93 noch aufgestanden und hat Kniebeugen gemacht. Nur noch 6, aber immerhin. Auch an ihrer Beerdigung wurde übrigens Witze erzählt und gelacht ;-) Der Menschenauflauf war gigantisch. In der Kirche hatten lang nicht alle Platz, viele mussten draussen stehen. Der Friedhof war total überfüllt.


    Und wieso lernen wir nicht mehr, zufrieden zu sein mit dem, was wir haben? Woran liegt das genau. Ich kauf jetzt auch keine Weintrauben, genau so wenig wie Erdbeeren. Aber es gibt BEIDES in den Läden. Und offensichtlich wird das gewünscht, sonst wäre es wohl nicht da.


    Und dann gibt es hier in unmittelbarer Nachbarschaft eine Dame, sie ist noch berufstätig, die nichts anderes zu tun hat, als zu beobachten, ob jemand sein Fahrrad falsch abgestellt hat, etc. Hat sie zu wenig sinnvolle Aufgaben? Zu wenig Sinn überhaupt im Leben?


    Ich sehe mir die Menschen auf der Strasse, beim Einkaufen, etc. oft an. Und ich sehe manchmal faltige Gesichter, die keineswegs alt wirken und jüngere (mit Falten), die wesentlich vergreister wirken als die wirklich alten. Und unzufrieden.


    Aber - wie können Menschen in die eigene Zufriedenheit finden, wenn sie es nicht sind? Wie kommt Farbe ins Leben von Leuten, die alles nur Dunkelschwarz sehen?

    Zitat

    Auch an ihrer Beerdigung wurde übrigens Witze erzählt und gelacht

    Wir haben bei der Beerdigung meiner Oma gelacht und geweint gleichzeitig...:)z

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    Ja, ich denke auch, dass es eine Rolle spielt, wie zufrieden man in jüngeren Jahren ist und wie man mit Schicksalsschlägen oder schwierigen Situationen lernt umzugehen.

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    Und wieso lernen wir nicht mehr, zufrieden zu sein mit dem, was wir haben?

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    Aber - wie können Menschen in die eigene Zufriedenheit finden, wenn sie es nicht sind? Wie kommt Farbe ins Leben von Leuten, die alles nur Dunkelschwarz sehen?

    Ich glaube, man erlangt leichter Zufriedenheit, wenn man jemanden kennt (Eltern, Großeltern etc.), von dem man Zufriedenheit lernen kann. Und wie du schon sagst - es kommt auch darauf an, wie man aufwächst. Ich habe als Kind gelernt, mit dem Alter umzugehen, denn ich hatte immer schon sehr alte Großmütter (Großväter bereits lange verstorben) und auch einen alten Vater. Ebenfalls dank meines Vaters lernte ich, mit Krankheit umzugehen, denn er wäre damals beinahe an Krebs gestorben. Meinen Eltern ging es finanziell zu meinen Lebzeiten nie schlecht, doch verwöhnt wurde ich nie, im Gegenteil wuchs ich sehr bescheiden auf und empfinde an einem Sommertag ein Eis essen zu gehen als Luxus. :p> Nicht mal so sehr in finanzieller Hinsicht - sondern einfach in Anbetracht dessen, dass man an einem schönen Sommertag in der Lage ist, irgendwo, am besten mit Freunden oder Familie, zu sitzen und ein Eis zu genießen. Ich habe gelernt, dankbar zu sein, für kleine Dinge und sie nicht als selbstverständlich zu sehen. Ich schätze die Liebe meiner Familie, meines Partners und meiner Freunde wert und überhaupt bin ich froh, wahre Freunde zu haben, die mich verstehen und kennen, so wie ich bin. Und schließlich ist es eben auch noch dieser Punkt: Wenn es einmal nicht so gut läuft, dann vertraue ich darauf, auch wenn ich Angst habe und auch wenn es wehtut, dass Gott mich wieder in bessere Zeiten führen wird. Ohne diese Zuversicht würde mir etwas fehlen. Und ohne meine Vorbilder hätte ich sie wohl nicht.