Mein Vater ist nun in einem Zustand, wo er sich nicht mehr wehrt. Er sagt uns, was ihm nicht gefällt oder welche Fachkräfte freundlich und sehr nett mit ihm umgehen. Wir kümmern uns dann um die Erfüllung seiner Wünsche, soweit es geht. Er kann nicht mehr mit dem Personal debattieren, ist zu anstrengend für ihn.


    Heute war das Radio an, das freute mich und er wollte es auch anbehalten, als wir ihn wieder auf sein Zimmer fuhren.....denn heute war der große Tag. Die Feier mit der Familie.


    Er wollte im Bett bleiben, das war sein Wunsch. Er erzählte leise und doch eine ganze Menge. Jeder von uns ging mal zum Bett und hörte ihm zu. Den Kuchen reichten wir ihm abwechselnd an. Im Gespräch erzählte er viel von früher, was er alles erlebt hat. Gern hätte er noch mehr erzählt, aber oft fehlten ihm die Worte. Die Gedanken konnte er nicht mehr so fließend in Worte fassen. Ich bemerkte, dass ihm das Kummer machte, er wollte unbedingt alle Gedanken aussprechen, aber trotz großer Anstrengung gelang es ihm nicht. Wir vollendeten dann gelegentlich den Satz und er bejahte oder verneinte. Manchmal beendeten wir die Worte mit einer lustigen Pointe, dann lachte er und freute sich.


    Er hat die Altersdemenz. Er behält zwar auch viele Dinge, die im Kurzzeitgedächnis gespeichert sind, erinnert sich an fast alles, was am Tag zuvor war, hat aber kaum noch ein Zeitgefühl für Tage oder Tageszeiten.


    Er vermischt Erinnerungen viel mit Fantasien oder bringt es durcheinander. Doch das bemerkt er nicht.


    Eine Patientenverfügung hat mein Vater gemacht , und meine Schwester hat eine notariell beglaubigten Betreuerschein. Ich habe für alle Konten, Versicherungen, Rente und Krankenkassen eine von ihm unterschriebene Vollmacht.


    Es ist somit alles geregelt. Das hatte mein Vater schon auf den Weg gebracht, als es ihm noch gut ging.


    Wir können also in seinem Namen alles auf den Weg bringen, was nötig ist.


    Die Feier war sehr schön, nur das Ende dann sehr traurig. Unser Vater weinte, weil er wieder auf sein Zimmer musste. Er wäre gern noch im Kreise seiner Kinder geblieben.


    Heute habe ich dann erlebt, wie schön es für die "Alten" ist, wenn sie zuhause bleiben können, wenn sie alt werden und auf Hilfe angewiesen sind.


    Doch "leider" müssen wir alle arbeiten und haben nicht den richtigen Platz für ihn. Da jeder um seine Rente kämpfen muss, können wir uns eine Auszeit nicht erlauben.


    Die Mutter meines Vaters durfte zuhause sterben und sein Vater auch. Mein Vater gehört noch zu der Generation, die ihre Eltern noch pflegten und er hat diese Möglichkeit für sich nicht mehr von seinen Kindern gepflegt zu werden, das tut ihm weh.


    Wir wissen, dass es unseren Kindern nicht möglich sein wird uns zu pflegen (wenn es denn mal dazu kommen sollte), und wollen es auch nicht verlangen. Wir sparen und organisieren schon jetzt alles, damit eine Unterbringung im Heim für mich und meinem Mann möglich gemacht werden kann. Ein tolles Ziel ist dies jedoch nicht. Vielleicht haben wir Glück und es wird nicht nötig sein.


    Ich werde jedenfalls weiter für meinen Vater das beste im Pflegeheim rausholen, so dass er nicht zu oft weinen muss.


    Allen Lesern wünsche ich einen schönen Abend! :)^ *:)

    Nur eine eigene Erfahrung: Einer Bekannten von mir ging es ähnlich, wie ich es aus deinen Zeilen über deinen Vater zu lesen glaube. Und auch sie berichtete immer wieder über einiges, dass sie im Pflegeheim unglücklich machte. Aber manches hat sie wohl wirklich verwechselt, also zu Zeiten Essen erwartet, zu denen es noch nichts geben sollte und solche Dinge. Nichts absolut schlimmes, aber sie war in einem ständigen Zustand der Unzufriedenheit, sie hatte oft und später dauerhaft das Gefühl, nicht richtig "gehört" zu werden. Der Umgang mit ihr war aber gut und so aufmerksam, so weit das in einem normalen Heim mit durchschnittlichen Personalschlüssel möglich ist.


    Ich will ihm da nichts unterstellen! Aber könnte es sein, dass er sich auch manchmal nicht wahrgenommen fühlt, ohne dass das so richtig der Realität entspricht? Und dann, wenn ihr da seid, froh ist, dieses Gefühl der Unzufriedenheit artikulieren zu können? Also seid ihr denn wirklich sicher, dass alles sich auch wirklich so ereignet, wie er das schildert? Es könnte ja sein, dass einiges tatsächlich so abläuft (Radio habt ihr ja selbst bereits mitbekommen, Tür etc.) und anderes nur manchmal oder sogar nur vereinzelt vorgekommen ist, für ihn aber durch eine gewisse Unsicherheit bzgl. der Zeiten und Tage gefühlt "ständig" passiert?


    Nicht, dass man ihn dann nicht ernst nehmen müsste! Aber bei meiner Bekannten musste sich der Ehemann z. B. darin üben, dieses Gefühl der Ehepartnerin auszuhalten, weil sie einfach nicht mehr ganz zufrieden zu stellen war. Vielleicht wird dein Vater unter seinen Umständen, in "Fremdbetreuung", auch einfach nicht mehr glücklich werden. Kann man ihm ja auch absolut nicht verdenken, ginge mir wahrscheinlich - so lange ich es noch bewusst bemerken würde - genau so. Ist mehr so eine Idee meinerseits, ich weiß nicht, ob du schon in diese Richtung gedacht hast?

    @ fallendes Blatt

    Ich beziehe mich jetzt nur auf z.B. die Mobilisation von der du geschrieben hast, denn da muss ich einfach einharken:


    Ähnlich wie Monika schon schrieb:


    Ich glaube kaum, dass es für deinen Vater zu anstrengend ist, die Pflegekräfte sind einfach zu FAUL!


    Entweder mobilisiert man Bewohner mit einem Lifter in den Cosy Chair (das geht dann oft sogar allein, je nach Patient) oder eben wie sie sagten zu zweit!


    Natürlich sollte man die ersten Mobilisationen mit Ruhe und Geduld machen, denn nen Lifter kennt man aus dem normalen Alltag nicht und wenn ich dann einfach so mit einem Tuch in die Luft gehoben würde, würde ich Angst haben!


    Oder wie du schon schriebst:


    Was ist damit das ganze Bett in den Aufenthaltsraum zu schieben?


    Haben wir bei einem Bew. auch gemacht, da er im Rollstuhl und Cosy Chair immer gerutscht ist und das ewige Hochziehen nicht förderlich war.


    Wenn man will gibt es IMMER einen Weg für eine Mobilisation!


    All das was du schreibst klingt einfach nur nach Faulheit des Personals!


    Setz dich doch mal deinem Vater zu liebe klar durch und hör auf mit denen zu diskutieren und sich deren Ausreden anzuhören!

    Zitat

    Er wollte im Bett bleiben, das war sein Wunsch.

    Hat er das in deinem Beisein gesagt oder haben das die Pflegekräfte gesagt?


    Ist auch ne beliebte Masche um um die Mobilisation herum zu kommen,zu sagen "Nein, er wollte nicht hat er gesagt!"


    Ich muss das nur anständig verkaufen, dann will jeder Bew. zu 90% raus!

    Zitat

    "Das war ein schöner Tag und ich habe mich so gefreut, mal wieder aus dem Bett zu kommen. Doch jetzt bin ich auch kaputt", waren seine Worte als man ihn um 17.00 Uhr auf sein Zimmer brachte.

    Ist ja auch vollkommen ok, für sowas gibts Lagerungspläne, da könnte man dann planen, dass dein Vater vielleicht von 11 bis 14/15 Uhr mobilisiert wird und dann zurück ins Bett kommt, muss ja keinen ganzen Tag im Aufenthaltsraum verbringen, aber wenigstens ein bisschen Gesellschaft/Geräuschkulisse!

    Zitat

    4. Aus dem Bett nehmen und in den Maxi-C. setzen kann zur Ohnmacht führen, weil der lange liegende Patient dann eine Blutleere im Kopf bekommen kann, bzw. sein Kreislauf versagt. Deshalb setzen die Fachkräfte nur ungern diese Möglichkeit ein.

    Unfug, deswegen steigert man die Mobilisation Stück für Stück, beim ersten Versuch z.B. nur ne halbe Stunde bei Beobachtung des Kreislaufs, dann ne Stunde etc!


    Was die Betreuungskraft nach §87b angeht kannst du auch mitreden, sag der Stationsleitung/der WBL, dass dein Vater mit der ihm zugewiesenen Person nicht zurecht kommt, dass er ne andere braucht, denn was hat er davon, wenn ihm die Tante nicht gefällt, die ihn "bespaßen" soll?!


    Wie schon geschrieben:


    Setz dich durch, mach den Mund auf, stellvertretend für deinen Vater!


    Ihr beide müsst euch nicht alles gefallen lassen!


    Dieses "Tür auf lassen" und "Personal sieht nach ihm" ist, da wette ich drauf:


    Gelogen!


    Tür auf, ok vielleicht, aber ich wage zu bezweifeln, dass sie öfter als zum Lagern ins Zimmer gehen!


    Weil das kostet ja Zeit, die müsste man sich ja dann irgendwo nehmen und an anderer Stelle wieder reinholen, wäre ja Arbeit %-|


    Also noch ein letztes Mal meine Bitte an dich:


    Mach den Mund auf und setzt dich mal da durch!


    Wir Pfleger sind für die Bewohner da und nicht die Bewohner für uns und sie sagen uns wie wir arbeiten/was wir machen/wie wir ihnen was Gutes tun können!


    Ich erlebe das ja auch täglich bei mir auf der Etage, wo die Leute mir sagen "Ach Schwester, Sie haben doch auch keine Zeit!"


    Wenn ich denen dann genau das sage, nämlich dass ich mich nach ihnen richte und nicht sie sich nach mir richten müssen da gucken die immer ganz erschrocken und lächeln dann!


    Klar ist das alles Arbeit und wir haben in der Pflege wenig Zeit, aber man muss Prioritäten setzen!

    Zitat

    Ich glaube kaum, dass es für deinen Vater zu anstrengend ist, die Pflegekräfte sind einfach zu FAUL!

    NEIN, das habe ich weder geschrieben noch so gemeint. Die meisten Pflegekräfte, die ich kenne, sind nicht mal annähernd faul, wer das ist, der braucht in dem Beruf gar nicht anfangen. Was hast du bloß für Vorstellungen?

    Nein, ich meinte damit nicht, dass du iwas über die Pfleger gesagt hattest, sondern bezgl. Der Mobilisation in den Cosy o.ä, bin mir nicht mehr 100% sicher, möchte am Handy aber auch nicht zig Seiten zurück blättern.


    Was ich bezgl. Der beschriebenen Pflegekräfte schreibe ist nur eine Vermutung, klar, aber nachdem was das Blatt hier so schreibt und dem was ich hier in meiner aktuellen Stelle so erlebe stelle ich eben diese Behauptungen auf!


    Und ja, ich arbeite selbst in der Pflege und hier bei mir im Haus sind auch 90% der Kollegen so eingestellt, dass sie sich mit Leuten, die eh nichts mehr sagen/sich nicht wehren können so wenig Arbeit wie möglich machen, bloß nicht zuviel tun %-|

    @Süntje


    Die Ironie war, dass mein Vater gar nicht mehr schreiben kann, deshalb waren wir auch so geschockt, dass gerade ihm dies gesagt wurde. :|N


    Ansonsten finde ich eine schriftliche Beschwerde auch ok.


    @hikleines


    Am Anfang haben wir auch gedacht, dass unser Vater uns nur etwas aufmischen will, damit er Zuwendung bekommt. Doch dann bemerkten wir, dass er jedesmal, wenn er geschlafen hatte (im Laufe des Tages) nicht mehr wusste, ob es schon wieder ein neuer Tag war oder nicht. Er sprach dann davon, dass er nicht zum Essen geholt wurde oder kein Frühstück bekam. Wir haben ihm dann Eselsbrücken gebaut. Danach wurde es besser.


    Mein Vater ist ein Beamter wie er im Bilderbuch steht. Korrekt und geradlinig. Noch heute schwärmen uns die jüngeren Kollegen von ihm vor, was für ein toller Vorgesetzter er war. Auch wenn sie Fehler gemacht hatten , stand mein Vater hinter oder zu ihnen. Das ist immer noch so. Wenn das Personal schusselt oder ihn schlecht behandelt, möchte er nicht, dass sie Ärger bekommen, er sagt dann immer, "nicht meckern oder schimpfen, nur klären. Ich möchte nur anständig behandelt werden". Das Recht hat er ja auch, aber uns ärgert es trotzdem, dass Menschen darauf hingewiesen werden müssen mit den Bewohnern wertschätzend umzugehen.


    Dadurch, dass meine Schwester im anderen Wohbereich arbeitet, hat sie Kontakt zu den Mitarbeitern und schon oft herausgefunden, dass mein Vater nicht "gelogen" hat.


    @Mittern8cht


    Ich glaube, diesmal wollte er wirklich im Bett bleiben. Er hatte ja am Mittwoch erfahren können, wie es ist in dem Maxi-Cosi zu sitzen. Die Fachkraft, welche ihn gestern fertig zurecht gemacht hat, ist eine von den Frauen, die sehr viel Wert darauf legen, dass die alten Menschen noch an allem teilhaben und ihre Selbständigkeit solange behalten, wie es nur geht. Ich traue ihr nicht zu, dass sie meinen Vater aus Bequemlichkeit im Bett gelassen hat. Sie ist dafür einfach zu engagiert.


    Heute waren wir wieder bei meinem Vater und ich habe ihn gefragt, ob er nochmals in den Maxi-Cosi möchte. Er hat es abgelehnt und wollte lieber im Bett bleiben. Allerdings nicht immer auf seinem Zimmer, sondern gelegentlich auch unter Menschen. Mal schauen, ob sich das einrichten lässt. Ich denke fast, die Aufenthaltsräume sind zu klein. Wir wollen uns nun mal nach einem Liege-Rollstuhl erkundigen.


    Wir äußern gegenüber der Heimleitung ganz direkt, was wir für unseren Vater wollen und lassen auch nicht locker, wenn es zu seinem Wohle ist. Doch wenn wir bemerken, dass mein Vater seine eigenen Kräfte nicht mehr einschätzen kann und sich durch seine Wünsche im Kopf körperlich selbst überfordert, müssen wir dem Personal recht geben. Doch wir beobachten die Entwicklung genau und haben zum Glück immer noch unsere Schwester im Pflegeheim, die dies recht gut beurteilen kann, denn sie ist eine von den Tatkräftigen, die auch die Seele der Bewohner pflegt. Als sie mal Urlaub hatte sprachen mich die Bewohner an, wann sie denn nun endlich wieder da sei :-) . Sie wurde doch vermisst.


    Für meinen Vater ist es nun wichtig, eine Lösung zu finden, wie er auch mal aus dem Zimmer raus kann, ohne die Aktion mit dem Maxi-Cosi. Vielleicht kann der Liege-Rollstuhl eine Hilfe und Erleichterung für alle sein.

    Zitat

    Nein, ich meinte damit nicht, dass du iwas über die Pfleger gesagt hattest, sondern bezgl. Der Mobilisation in den Cosy o.ä

    Ja, aber ich meinte nicht "Faulheit" sondern ich sprach von zeitaufwändig. Und Zeit ist das, was man immer nicht hat. Es ist nun mal nicht so, dass alle so gestrickt sind wie die Schwester der TE und Überstunden etc. machen wollen oder können. Vor allem die nicht, die mit hohen Stundenzahlen arbeiten.

    Zitat

    Und ja, ich arbeite selbst in der Pflege und hier bei mir im Haus sind auch 90% der Kollegen so eingestellt, dass sie sich mit Leuten, die eh nichts mehr sagen/sich nicht wehren können so wenig Arbeit wie möglich machen, bloß nicht zuviel tu

    Das hat den gleichen Grund. Zeit und Verschleiß. Das ist meine Beobachtung. Zumal dann noch das Gefühl dazu kommt, dass man für total lau arbeitet, also die Wertschätzung auf Seiten der Arbeitgeber und der Angehörigen (zum Glück nicht alle) nicht vorhanden ist. Wertschätzung ist eben auch keine Einbahnstraße.