Pflegeplanung und Dokumentation beanprucht inzwischen so viel Zeit, das die Bewohner zu kurz kommen.


    Speziell bei Schichtwechsel wird zum Ende nur noch auf die Zeit geachtet weil man schon fast eine Stunde nur für sämtliche Protokolle einplanen muss.


    Was ich allerdings nicht so schlimm finde, sind die engmaschigeren Flüssigkeitskontrollen und den ggfls Ausgleich via IV.


    Ich bin 18 Jahre in der Altenpflege gewesen und es war nicht selten das in den 90 igern die Flüssigkeitszufuhr mehr als mangelhaft war und speziell in den Sommermonaten es zu Zwischenfällen kam.


    Nach und nach wurde dann mehr darauf geachtet, nicht alles was "neu" ist, ist auch schlecht.


    Wenn ich da allerdings an die Validation denke und wie zu meiner Anfangszeit noch mit Demenz umgegangen wurde, da könnte ich heute bei so machen Erinnerungen wirklich nur heulen.

    Zitat

    Ich habe selten unter 7-9 Tage Dienst am Stück.

    Ja, war bei mir auch so, meistens sogar zwischen 9 und 10 schön in Wechselschicht,( trotz alleinerziehend mit 5 Kindern) die Tagesmutter hat erstaunliches geleistet und ich bin ihr echt heute noch Dankbar, die Überstunden plus die ganzen Fortbildungen, die ständige Wechselschicht, darum habe ich 2011 aufgehört, ich konnte einfach nicht mehr bei teilweise über 190 Std. im Monat!

    Ich darf gar nicht daran denken, was mal mit uns wird, wenn wir nicht mehr können.


    Meine einzige Hoffnung ist, dass ich noch genug Verstand übrig habe und meine Augen noch mitspielen, damit ich ins Internet kann... lieber in eine virtuelle Welt flüchten als ein tristes Dasein in einem nach Medikamenten und Desinfektion miefenden Zimmer zu fristen, abgefüttert, gepampert.... abgeschrieben.

    Ja ich weiß, die Japaner haben damit, glaube ich, angefangen. Fand ich damals schon verquer. Ich habe mal gelesen, dass es verabscheuungswürdige Versuche gab, wo man Müttern verboten hat, ihre neugeborenen Babys außer zu stillen nicht zu berühren, also kein Knuddeln, Streicheln.... die Babys sind gestorben. Weil kein Mensch ohne zwischenmenschliche Zuwendung leben kann. Ich weiß von meiner letzten Narkose mit Wachintubation, dass eine Pflegerin die ganze Zeit meine Hand gehalten hat - und wie wichtig das für mich war.


    Nicht auszudenken, eines Tages nur noch gescannt zu werden und/oder Knöpfe drücken zu müssen....

    Pflegeroboter, Erziehungsroboter und was sonst noch an schreckensvisionärem Unfug angeblich zum Wohl der Menschheit erfunden wird – es wird Realität werden und zwar aus einem einzigen Grund: es bringt den Betreibern ne Menge Geld, mehr als reale Menschen je einbringen würden. Die Verluste und Folgen haben die Verantwortlichen bereits mit einkalkuliert. Ein Menschenleben gilt nichts im Vergleich zum Profit. Du ahnst ja nicht wie Habgier gestört werden lässt.... {:( :-X %:|

    Die Dokumentation hat schon ihren Sinn. Wer mal nen Verfahren wegen Fahrlässigkeit hatte, wird froh sein, mit einer ordentlichen Dokumentation gleich schnell aus dem Schneider zu sein(wenn er natürlich alles richtig gemacht hat).


    Früher war man eben auch nicht so schnell mit gleich einem sowas zu unterstellen, aber heute ist das auch einfacher!

    Ich hätte überhaupt kein Problem mit Robotern. Man könnte sie als eine Art selbstständige Hilfsmittel betrachten, haben wir ja heute auch, nur das Menschen sie bedienen, wenn sie es denn tun. Mir wären Roboter wesentlich lieber als gestresste Menschen.

    Ich habe mir die sehr interessanten Beiträge durchgelesen und möchte mich auch dazu äußern:


    Ich bin seit 17 Jahren in der Altenpflege tätig, zunächst als Zivi, habe dann später meine Ausbildung gemacht und bin nun seit 11 Jahren examinierter Altenpfleger und inzwischen auch Praxisanleiter, WBL und stellvertretende PDL.


    Tägliches Kalorienzählen muss nicht sein. Man kann eine Mischkalkulation aufstellen lassen, wie viele Kalorien eine durchschnittliche Essensportion hat. Dann kann man im Ernährungsprotokoll in Viertelschritten dokumentieren, wie viel jemand gegessen hat.


    Bei minimalem Gewichtsverlust muss nicht direkt ein Arzt informiert werden, sondern erst bei einem von mehr als 5% in 1-3 Monaten. Bei unserer PC-Dokumentation wird die Zahl direkt rot, so dass man erkennt, wann das der Fall ist. Ist der Gewichtsverlust gewünscht, reicht ein kurzer Satz dazu in der Pflegedokumentation. Ansonsten muss der Arzt informiert werden. Ist ein weiterer Gewichtsverlust krankheitsbedingt zu erwarten, reicht auch hier ein kurzer Satz in der Doku.


    Zum Thema "Infusion" bei Bewohnern in der finalen Phase muss ich sagen, dass da ein Umdenken stattgefunden hat. Nach Rücksprache mit Ärzten und Betreuern soll meistens nur noch das angeboten werden, was der Bewohner wünscht.


    Der Gesamtumsatz, den ein Bewohner benötigt, kann natürlich nicht mit dem eines Arbeitenden verglichen werden. Meist reicht hier ein "leichter Arbeitsumsatz", der zum Grundumsatz addiert wird oder sogar kein Leistungsumsatz bei Bettlägerigen.


    Die gefühlten ständig neuen Assesments und Screenings sind teilweise echt eine Qual! Sie müssen regelmäßig ausgefüllt werden, obwohl man vorher meist schon weiß, was rauskommt, z. B. ob jemand gelagert (oder heißt es jetzt "positioniert", diese ständig neuen Begriffe sind auch eine Qual...) werden muss, sturzgefährdet ist etc. Dabei kommt es letztendlich nur auf die individuelle Einschätzung an, ob ein Bewohner gefährdet ist oder nicht.


    Momentan ist die MDK-Prüfung "dokulastig", eine gute Note bedeutet demnach gute Dokumentation, aber nicht unbedingt auch gute Pflege. Das soll sich im kommenden Jahr ändern. Die Beurteilungskriterien werden "schärfer" und mehr bewohnerbezogen, so dass ein Notenabfall um ca. eine Note zu erwarten ist.


    Und ja, ich würde die Ausbildung jederzeit wieder machen! Ich weiß um die Missstände und versuche, für die Bewohner (und auch Mitarbeiter) das Beste rauszuholen. Es bringt leider wenig, sich darüber aufzuregen, ich sehe es als meine Pflicht an, das Beste daraus zu machen, denn die Bewohner können nichts dafür! Man muss sich einfach vom Gedanken verabschieden, dass man immer für alle da ist und alles erledigen kann! Sonst führt der Weg ins Burnout! Traurig, aber wahr! Man muss der Realität ins Auge sehen!


    Dass die Examinierten sich fast nur noch um die Organisation und Dokumentation kümmern (gerade als WBL), ist wohl leider normal! Nach der Morgenpflege muss ich mich darum kümmern und kann ggf. mittags nach dem Mittagessen nochmals in die Mittagspflege.


    Gerade in privaten Häusern ist die Altenpflege auch eine Art Geschäft. Wie oft ist es so, ein Bewohner der Pflegestufe 3 verstirbt und ein Kollege muss gehen.


    Die einzige Möglichkeit, für "ausreichend" (wer immer diesen Begriff auch definiert...) ist, die Bewohner korrekt einzustufen. Hier gibt es Fortbildungen zum Thema "korrekte Einstufung", wo man Tipps und Tricks erfährt, wie ein Bewohner die korrekte Pflegestufe erhält. An den Pflegeschlüssel muss sich eine Einrichtung zwingend halten!


    Sturzprotokolle sind leider wichtig, denn sie sind ein rechtlicher Nachweis. Meist kommt nach Krankenhausbehandlung ein Schreiben der Krankenkasse, dass ein Sturz geschildert werden muss, dann kann man direkt das Sturzprotokoll dazu verwenden. Natürlich wird das Protokoll erst dann geschrieben, wenn der Bewohner gut versorgt wurde nach einem vorherigen Sturz.


    Validation ist eine gute Sache, nur leider fehlt häufig die Zeit dazu. Wie heißt es so schön, "zeitaufwändige Umstimmungsarbeit" (noch so ein schöner MDK-Begriff), wie der Name schon sagt ist er mit viel Zeit verbunden, und die fehlt oft. Aber wie oben geschrieben, ich sehe es als meine Pflicht an, "Nischen" zu finden und es so gut wie möglich zu machen.


    Ich mag lieber auch nicht daran denken, was einmal sein wird, wenn ich pflegebedürftig bin. Sicher kennt jeder Pflegende die Situation, wenn es besonders stressig ist, dass man sich selber nicht sehen möchte, wie man pflegt und mit dem Bewohner umgeht, wenn man einen imaginären Spiegel in der Pflegesituation vorgehalten bekommen würde!

    Ich arbeite Selbständig und komme dadurch natürlich in sehr vielen Heimen zu Einsatz. Es ist schlimm und auch sieht man welche Philosophie in der Einrichtung verfolgt wird. Jeder hier in NRW hat die gleichen Rahmenbedingungen, und doch sind die unterscheide sehr stark schwankend. Eins ist leider immer gleiche, keine Zeit und arbeiten am Fließband.Bürokratie super Doku damit das Heim eine 1 Bekommt. Einfach mal ein bisschen quatschen oder Spiele spielen geht nicht. Das schlimmste in den Jahren der Tätigkeit war der erste tag in der Einrichtung 28 Bewohner und nur einen Praktikanten. Waren auch nur Menschen die im leben hart gearbeitet haben, und jetzt mit Medikamente abgeschossen werden damit sie Geld bringen. Das schönste 8 Bewohner zwar alleine aber total beherrschbar da es dort keine mit Medikamenten ruhig gestellten Bewohner gab die waren einfach nur ihrem Alter würdig am Leben. Jetzt die Schattenseite die Einrichtung war Privat und dort waren Menschen denen Geld nicht wichtig ist, wenn ihr versteht.


    Trotz alle dem werde ich diesen Beruf nicht aufgeben da mir es auch wichtig ist etwas zu geben was man mit Geld nicht aufwiegen kann, ich kann die Welt nicht alleine Retten aber mein Gewissen und mein Welt schon. Und da ich nicht an dem gebunden bin da ich dort nur zur Unterstützung dort bin, und nicht west zu Team gehöre ist meine Frustration nicht ganz so schlimm. Für mich ist die arbeit sehr wertvoll da ich immer und das höre ich auch von Kollegen etwas mitnehmen kann und nicht in diesem Ohnmachtsgefühl reinrutsche.


    Fest in einer Einrichtung zu arbeiten kommt für mich nicht mehr in frage, nicht wenn die Situation so bleib.

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    Pflegeroboter, Erziehungsroboter und was sonst noch an schreckensvisionärem Unfug angeblich zum Wohl der Menschheit erfunden wird – es wird Realität werden und zwar aus einem einzigen Grund: es bringt den Betreibern ne Menge Geld, mehr als reale Menschen je einbringen würden.

    Mir fällt noch ein Grund ein. Es gibt einen großen Arbeitskräftemangel im Bereich Altenpflege.


    Pflegeroboter, Erziehungsroboter – auch für mich eine Schreckensvision. Aber was soll man machen, wenn es nicht mehr genug Menschen gibt, die Alte pflegen und kleine Kinder betreuen wollen?

    Für mich sind Pflegeroboter keine Schreckensvision, ich glaube, das hat eher mit den Vorstellungen zu tun, die man damit verbindet. Ein Schreckensvision sind für mich eher unfreundliche und überarbeitete Menschen und ich muss leider sagen, es gibt sie häufig genug.

    Naja. Wenn so ein Roboter funktioniert, mag es vielleicht akzeptabel sein. Ich gehe aber davon aus, dass es dann – je nach KV-Klasse – unterschiedliche Modelle geben wird und der Basis-Prototyp kann dann auch nur das Notwenigste. Außerdem hat auch die Technik ihre Grenzen. Nicht auszudenken, was passiert, wenn die Dinger dann Fehlfunktionen haben... :-X

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    Aber was soll man machen, wenn es nicht mehr genug Menschen gibt, die Alte pflegen und kleine Kinder betreuen wollen

    Kinderpflege ist ja noch mal was anderes als Altenpflege. Bei Kindern weißt Du, sie werden mal groß und selbständig, überhaupt haben sie ihr ganzes Leben noch vor sich, es geht bergauf und vorwärts und man kann seinen Beitrag dazu leisten. Bei Altenpflege sieht das anders aus, da geht es nur noch in eine Richtung, und ich stelle mir vor, dass das ziemlich deprimierend wird, alles wird nur immer schlechter, keine positiven Aussichten...


    Dass Pflegeroboter durchaus angenehmer sein können als genervtes oder gar quälerisches Personal, ist klar, das sehe ich übrigens auch so. Aber wenn die gesamte Pflege nur noch von Maschinen übernommen wird, das ist eine grausame Vorstellung. Denn ich denke, es geht - vielleicht nicht den Erfindern, aber den Betreibern ganz bestimmt - vor allem darum, Kosten zu sparen und nicht darum, dass Pflegepersonal mehr Zeit hat um sich auch mal den Patienten widmen zu können.

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    eher unfreundliche und überarbeitete Menschen und ich muss leider sagen, es gibt sie häufig genug.

    Warum wohl?


    Ein (vermeintlicher) Rückschritt stellt oft einen größeren Fortschritt dar. Statt die Aufgabe an Robotern abzugeben sollte man lieber versuchen die Menschen, die diese Arbeit machen, wieder in den Vordergrund zu rücken, nicht die Zahlen.


    Das erinnert mich an eine Entwicklung in den USA. Da füttern einige Fleischproduzenten ihre Waren mit Getreide, Mais usw., dadurch wird aber das Entstehen von gefährlichen E. coli begünstigt. Gefährlich für den Menschen! In seltenen Fällen sogar tödlich, auch für Kinder. Es sterben nicht nur 98-Jährige an diesen E. coli. Auf jeden Fall versuchen sie es technisch zu lösen anstatt einen (vermeintlichen) Rückschritt zu machen und die Tiere wieder grasen lassen oder zumindest den Anteil in der Nahrung erhöhen.

    Naja, ob ich jetzt einen Roboter habe, der jemanden ins Bett legt, weil er ihn problemlos heben kann, oder einen Lifter, der unbequem mit Gurten zwischen den Beinen verankert wird, aber von einem Mensch bedient wird.. würde ich das Erste bevorzugen. Lifter sind unangenehm und beängstigend, das könnte ein Roboter besser und für den Bewohner schonender. Dazu kommt noch, dass die Lifter Zeit kosten und deshalb nicht so oft verwendet werden, wie es eigentlich nötig wäre zur Rückenschonung, was aber andererseits das Personal verschleißt. Altenpflege ist anstrengend und körperliche Schwerarbeit, warum nicht von Robotern unterstützen lassen, gibts ja auf halbautomatische Art jetzt schon. Zumindest in dem Bereich sehe ich nur Vorteile. Es hat nicht nur mit dem Geld zu tun, dass es zu wenig Leute gibt.

    Natürlich würde das Pflegepersonal entlastet werden. Aber die freigewordene Zeit wird nicht dem Patienten zugute kommen - das Pflegepersonal würde nur drastisch abgebaut werden. Und davon haben weder Patient noch Personal was.