Zustände im Krankenhaus

    Auf die Gefahr hin, ganz viele Verteufelungen von mitlesendem Pflegepersonal hier abzubekommen, möchte ich doch mal meinen Frust über die Vérsorgung in Krankenhäusern hier ablassen, bin aber auch neugierig, ob es anderen Angehörigen von Patienten genauso erging oder ergeht wie uns immer wieder.


    Die Liste meiner Negativerfahrungen ist ellenlang; fing bei meiner Tochter vor 6 Jahren bei einem doppelten schwierigen Unterarmbruch an, ging über die entsetzlichen Erfahrungen mit Ärzten und SChwestern vor 2 Jahren bei meinem Vater, der dann nach 2 Wochen in der Klinik starb und führt sich zur Zeit fort mit dem Aufenthalt meines Sohnes in der Klinik.


    Allgemein stelle ich fest, dass es mittlerweile eigentlich den Bemühungen, Nachfragen, Bitten oder sogar den ganz bestimmten Forderungen von uns Angehörigen zu verdanken ist, dass Zustände ernst genommen und auch weitere Untersuchungen unternommen werden. Erschreckend finde ich die absolute Abgestumpftheit und auch Schlampigkeit von Schwestern, die zu nicht hinnehmbaren Zuständen führen. Bei all meinem Verständnis bzgl. schlechter Bezahlung des Pflegepersonals und der ständigen Überforderung im Krankenhaus, sind doch gewisse Dinge nicht hinnehmbar und sind schlichtweg auf die jeweilige Unlust des betreffenden Pflegers bzw. der Schwester zurückzuführen. Eine Auflistung von Negativereignissen warf bei uns die Frage auf, ob wir als Familie einfach einen zu hohen Anspruch haben oder ob unser Anspruch doch der ganz "normale" ist, der aber heute von (fast) niemandem mehr erfüllt werden mag im Krankenhaus.


    Anspruch auf ganz normale medizinische Versorgung, Anspruch, dass man, wenn man um ein Gespräch mit dem Arzt bittet, auch Antworten bekommt, den Anspruch auf ganz normales Miteinander ohne ständig von patzigen SChwestern "abgewatscht" zu werden....


    Leider, leider ist das heute eher eine Seltenheit geworden. Mag auch sein, dass gerade unser Krankenhaus einfach außergewöhnlich schlecht ist.


    Betonen möchte ich, dass wir eher zur nicht motzenden Fraktion gehören, die erstmal positiv auf alles zugeht und den normalen Vorgängen erstmal ihren Lauf lässt. Nachhaken oder auch "nerven" tun wir dann, wenn schlampiges Verhalten bzw. eine fehlerhafte Versorgung eine Gesundung unserer Angehörigen verzögert bzw. sogar einer Gesundung entgegenwirkt...Meine Erfahrung ist schlichtweg, dass, besonders bei alten Leuten, die sich gar nicht mehr gut artikulieren können, diese doch aufgeschmissen sind ohne Angehörige, die deren Interessen wahrnehmen und sich für sie einsetzen, was natürlich beim Personal nicht immer erwünscht bzw. sogar lästig ist.


    Hinzu kommt, dass unsere niedergelassenen Ärzte (Internistin, Frauenärztin usw.) abosolut top sind und super in Ordnung, fachlich und auch menschlich....


    Wie meinte ich doch vor 2 Jahren zu einem Arzt, der sich bei mir persönlich entschuldigt hatte, weil mein Verdacht, mein Vater hätte viel zu wenig künstliche Nahrung per Bauchsonde von den Schwestern erhalten und dadurch total neben sich (ich kenne ja die Symptome,die er bei zu wenig Flüssigkeit hat)sich bestätigt hatte und die SChwester ihn tatsächlich schlichtweg "vergessen" hatte zu versorgen : "es kann doch nicht sein, dass sich Angehörige 24 Std.in die Klinik begeben müssen ,um die Versorgung ihrer Angehörigen zu überwachen, das ist verdammt nochmal der Job auf der Station selbst".......Da murmelte er nur vor sich hin und wusste nichts mehr zu sagen... (nur ein winziges Beispiel von vielen) Naja, Ironie des Schicksals; als mein Vater dann dort verstarb, hatte er dann zum Zeitpunkt seines Todes, als wir Abschied nahmen von ihm, noch ein ganz anderes Namensschild (wohl eines anderen Verstorbenen) am Zeh angebracht; ich versuchte das noch vor meiner Mutter geheim zu halten um sie nicht noch mehr aufzuregen in der Situation, aber äusserte schon bei den Ärzten mein Unverständnis, dass es schwer nachzuvollziehen sei, wie ein Namensschild am Zeh des Toten doch ein ganz anderes sein könne als das 10 cm darüber am Krankenbett angebrachte............................................


    Wenn ich ehrlich bin, haben die Erfahrungen nur als Angehörige von Patienten im Krankenhaus bei mir fast zu einer Phobie geführt, ich hätte Angst und würde mich da gar nicht richtig versorgt fühlen.


    Für uns sind diese ganzen Erfahrungen noch neu, sie mögen auch bei vielen nur ein Achselzucken verursachen bzw. auf die Auswirkungen der Krankenhauspolitik zu schieben sein. Kann alles sein, aber an den Gedanken, dass solche Zustände normal sein sollen, möchte ich mich ehrlich gesagt nie gewöhnen müssen.


    Betonen möchte ich auch noch, dass es bei den Klinikaufenthalten meiner Angehörigen immer mal wieder jemand sehr Netten und Verständnisvollen gab, einfach menschlich.........wir waren immer überglücklich, mal an jemanden dieser anscheinend aussterbenden Spezies zu geraten.


    Vielleicht gibt es ja auch ganz andere positive Erfahrungen, die mir wieder zu einem besseren Glauben an die ärztliche Versorgung helfen.

  • 273 Antworten

    Wow..Endlich mal ein Hetztiraden Faden. Mal was ganz Neues %-|


    Ja, das böse, böse Pflegepersonal...*auf die Finger klopp

    An das Pflegepersonal ,


    ich habe soeben via mail den Admin darum gebeten, solche Fäden zu unterbinden bzw einzugrenzen.


    Diese gibt es schon zu genüge hier.


    Ich denke das habe ich im Sinne von uns allen getan.


    Ich hoffe auf eine positive und verständnisvolle Reaktion seitens des Admins.


    Lieben Gruß


    Pointy


    ( Krankenschwester )

    @ :)

    immer wird geschimpft über freches, missgelauntes, faules pflegepersonal... es gibt aber auch echt blöde patienten. (zitat: Dr. Hirschhausen, Humanmediziner und Komiker)


    azrael (gesundheits und krankenpflegeschüler)

    Ich hab meinen Text mal wieder gelöscht.


    Manchmal stelle ich mir die Frage ob Patienten und Angehörige nicht mit einer falschen Erwartungshaltung ins Krankenhaus kommen ...

    Klar die erwarten gute Betreuung.

    @ pointy,

    ich finde du übertreibst, was fühlst du dich denn angegriffen??? Nur weil du KS bist, heißt das gleich dass du dich mit allem schmücken musst? Wenn du eine gute KS bist, dann brauch dich dieser Beitrag gar nicht aufregen.


    Unser deutsches Gesundheitssytem kackt ab, und das ist Tatsache. :(v

    Sicher erwarten die gute Betreuung, aber bei 30 Patienten auf der Station und vielleicht 5 Leuten im Frühdienst kann ich ich nicht immer so wie ich will.


    Und leider sehen viele auch nicht das es bei weiterm nun auch andere Tätigkeiten gibt, als sich nur um einen Patienten zu kümmern.


    Und vernachlässigt wird keiner, nur oftmals sagen die Patienten auch nicht bzw. melden sich nicht, ich kann nicht hellsehen ...

    Das sagt ja keiner, es ist logisch, dass man auch andere Dinge machen muss, aber die Patienten leiden. Wenn ein Kh Geld sparen will und 5 Pflegekräfte auf 30 Patienten verteilt, ist das klar, dass man da den Kopf verliert, trotzdem ist es eure Schuld, wenn Fehler unterlaufen, und das darf euch eben nicht passieren, anders müsst ihr euch einen anderen Job suchen, wenn ihr es nicht gebacken bekommt.

    Zitat

    Unser deutsches Gesundheitssytem kackt ab, und das ist Tatsache.

    Stimmt! Und daran ist das Pflegepersonal schuld.

    Zitat

    @pointy, ich finde du übertreibst

    Sehe ich anders. Aber das natürlich reine Empfindungssache.

    Zitat

    was fühlst du dich denn angegriffen

    Ich fühle mich nicht persönlich angegriffen es gut um den Berufsstand. Und der wird hier angegriffen. Also steht es mir zu, mich dazu zu äussern.

    Zitat

    Nur weil du KS bist

    Was heißt denn "nur" ?

    Zitat

    du dich mit allem schmücken musst

    Mit was schmücke ich mich hier? Beispiele bitte!

    Zitat

    Wenn du eine gute KS bist

    Ja, bin ich

    Zitat

    dann brauch dich dieser Beitrag gar nicht aufregen.

    Manche verstehen es spät, manche nie.

    Es ist nicht einfach beiden Seiten gerecht zu werden (Selbstschutz und Qualität der Pflege). Das grösste Problem wo ich arbeite ist der Personalmangel.


    Hier Mal ein Bild von dem, was wir leider normal nennen:


    Im Spätdienst sind wir weniger Leute als den ganzen Tag durch. Wenn dann noch ein Notfall kommt und es noch zwei akute Patienten zu versorgen gibt, kann es schnell Mal passieren, dass das Nachtessen eine Stunde Verspätung hat. Wir können uns nun Mal nicht teilen. Und wenn dann halt mal ein Espresso vergessen geht, könnte der betreffende Patient auch einfach Mal klingeln (ich rede von solchen, die dies können) anstelle mit einer gewissen Vorfreude abzuwarten, um der doofen Schwester die als nächstes das Zimmer betritt alle Schande zu sagen. Und wenn man kurz davor einer fliegenden, stuhlverdreckten Wolldecke ausweichen musste, obwohl man nichts dafür konnte, und sich als betrunkenes Huhn betiteln lassen musste, geht auch die beste Laune irgendwann den Bach runter.


    Ich bin sehr, für die Zusammenarbeit mit Angehörigen, aber wenn sie dann die ganze Zeit auf die Finger schauen, und man sowieso alles falsch macht, ist es nicht einfach, immer anständig zu bleiben. Vor allem, wenn man dann noch als Lerndende angeschrieben ist. Bööööööööse bööööööööööse unfähige Schüler.


    Es gibt sicherlich immer wieder Personal, welches sich nicht korrekt verhält. Vielfach wird aber einfach viel zu viel von uns erwartet. Wir müssen immer mehr Leisten, die Qualität sollte steigen, wir müssen immer schneller arbeiten mit immer weniger Personal und mehr Patienten. Und bei 17 Patienten kann man nicht einfach Mal bei jedem 5 Minuten länger haben 5 x 17 = 85 Minuten!


    Ich wünsche deinem Sohn gute Besserung :)*

    Nunja dass solche Fäden ständig eröffnet werden, zeigt ja dass es in den Kh nicht mehr stimmen kann. Da helfen die 5 guten auch nicht mehr.

    Zitat

    aber die Patienten leiden.

    Das Pflegepersonal auch.Aber das wird ja dafür bezahlt.

    Zitat

    trotzdem ist es eure Schuld

    Ist es das?Wer ist denn für die Einstellung und Personalschlüssel zuständig?Auch das Pflegepersonal?

    Zitat

    anders müsst ihr euch einen anderen Job suchen, wenn ihr es nicht gebacken bekommt

    Das ist der Satz des Jahres.:)^ Das wird aber eine Kündigungswelle das Jahrhunderts.


    Darf man fragen was Du beruflich machst?

    Nein, es ist nicht die Schuld der Pflegenden. Es ist die Schuld des Systems. Die geizen mit Personal und stellen zu wenige ein, wir dürfen dann rennen und uns kaputt machen. Da wo ich arbeite, laufen die Angestellten regelrecht davon! Es will niemand, wieso sollte ich mir den Arsch aufreissen und am Limit des Machbaren arbeiten, wenn ich an einem anderen Ort, mit weniger Anstrengung und mehr Anerkennung mehr verdiene?

    Eure Kommentare werfen auch nicht gerade ein gutes Licht auf "uns". Ich finde die beiden Beispiele, die der Frager genannt hat, sehr schlimm. Ich gehe davon aus, dass wir alle unsere Arbeit gerne und auch gewissenhaft machen und durch solche Beispiele verstärkt darauf achten, dass so etwas eben nicht passiert.


    Die Patienten und Angehörigen sind in Sorge und haben keine Ahnung, wie groß unsere Belastung auf Station ist. Deshalb kann man ihnen doch nicht verbieten, Fragen zu stellen oder "Ansprüche" zu stellen.


    In diesem Fall sollte man sich angemessen entschuldigen und sich bemühen, das Vertrauen der Patienten (Angehörigen) wiederzugewinnen.