Wir sagen Essen eingeben und nicht füttern, egal ob nun einzelne Leute das gut finden oder nicht. Jeder Beruf hat so seine Fachsprache.. da denkt man gar nicht mehr darüber nach. Es gibt Vorgaben, seitens des Qualitätsmanagements und dazu gehört eine angemessene und respektvolle Sprache. Zum Beispiel neben dem genannten, dass man nicht vor den Bewohnern und Angehörigen von Windeln oder Latz spricht. Das ist ein wichtiger Punkt und es ist mit Sicherheit nicht jedem egal. Das trägt mit zur Atmosphäre bei.

    Ahornblatt

    Das Verhältnis examinierte Kräfte und Pflegehilfskräfte ist gesetzlich vorgegeben, es muss eine bestimmte Anzahl Fachkraftstunden eingehalten werden und pro Schicht auch eine examinierte Kraft anwesend sein. Die Fachkräfte arbeiten in aller Regel Vollzeit, die anderen Teilzeit (auch da natürlich in der Regel..). Meine Erfahrung, die Fachkräfte haben ein paar Kompetenzen und Verpflichtungen mehr, die anderen haben oft mehr Geduld, nach einiger Zeit in der Grundpflege mindestens den gleichen Standard und sind weniger ausgebrannt und geduldiger. (Alles natürlich nicht ohne Ausnahme..)


    Die Sache mit dem verstopften Katheder passiert immer wieder mal, es sollte aber nicht Sache der Angehörigen sein, es überhaupt wahrzunehmen. Allerdings wird das dann, wenn es passiert, auch immer im Krankenhaus gemacht, das ist zumindest normal und nicht außergewöhnlich.

    Eine Verlegung wäre für den Schwiegervater ein harter Schlag gewesen, da das Heim ja quasi in der Nachbarschaft lag, wo er in seinem hohen Alter eben auch allein hingehen konnte, um seine Frau zu besuchen. Und auch für uns wäre es umständlich gewesen, die nächsten Heime wären nur mit dem Auto erreichbar gewesen.


    Wir haben ja alle an einem Strang gezogen und es der Schwiegermutter aus Eigeninitiative versucht, komfortabel zu machen. Darauf kam es uns an. Wir haben sie im Pflegeheim umsorgt, soweit wir das konnten. Wir haben für Körperpflege gesorgt, für Nahrung (oftmals die Lieblingsnahrung auch selbst gekocht und mitgenommen, was sehr gut ankam. Wenn die Sinne auch nicht mehr so gut funktionierten, aber der Geschmack brachte immerhin mal ein Leuchten in die Augen (trotz Fütterung!!!).


    Und die Unterbesetzung des Personals war ein dauerndes Thema. Durch unsere Präsenz wagte man hier nicht, bei uns zu luschern. Man hatte offensichtlich Ärger genug. Trotzdem hatte man im Heim Augen für rechts und links...


    Die Freundin unserer Tochter war 2 Monate dort, eigentlich Erzieherin in einer Behindertenwerkstatt, wegen Umzugs nahm sie erst mal diese Stellung an. Sie sollte als ungelernte Pflegerin Medikamente stellen, wo sie sich weigerte, was ihr sofort Minuspunkte einbracht. Soweit zu examinierten Kräften, die es wohl gab, aber wohl nicht in jeder Schicht und auf jeder Station. Haben wir oft erlebt, dass auf eine Frage erst mal geantwortet wurde: da muß ich mal da und da anrufen...


    So richtig kompetentes Personal gab es irgendwo schon, war immer nur die Frage, wo.

    Lieber Herr Wallraff, berichte doch einmal über die 99% der Heime in denen es nicht so abläuft.


    Ach so, das interessiert doch keine Sau.


    Klar, mit diesen Bildern hat man -die Reporter ein Aufreisserthema und die Einschaltquote stimmt wieder.

    Zitat

    nd die Unterbesetzung des Personals war ein dauerndes Thema

    Das ist das generelle Problem, nicht nur in dem von dir geschilderten Heim, obwohl ich das, was ich da lese, schon extrem finde. Wer war denn der Träger? Privat?

    Ach ja, das Essen dort war auch bescheiden. In den 5 Monaten habe ich immer die gleiche Billigwurst von Aldi gesehen, im Eintopf am Wochenende waren nicht 2 Würstchen sondern gerade mal 2 Wurststückchen enthalten, der alte Herr, der im Nebenzimmer wohnte, wurde nie satt.


    Es gab auf jedem Stockwerk eben die Küche, wo andere Heimbewohnern der Tisch gedeckt wurde. Es waren immer die gleichen in Alu verpackten Essen auf Rädern drin, offensichtlich von einem Billigstanbieter. Selten war das wirklich appetitlich angerichtet.


    Ich habe in der Küche immer eigenen mitgebrachten Kaffee gekocht und das mitgebrachte Essen für die Schwiegermutter noch mal erwärmen dürfen und bekam deutlich mit, dass sich Heimbewohner resigniert in ihr Schicksal gefügt hatten. Dafür hatten sie nachmittags aber Belustigungsangebote von Beschäftigungstherapeuten die ins Haus kamen. Immerhin.


    Der Träger war überhaupt eine private GmbH. Auf den Tellern war jedenfalls nicht viel Gutes zu sehen von dem kassierten Pflegegeld.....

    Ahornblatt

    Nebenbei mal ganz generell, selbstverständlich geht es Bewohnern, die von den Angehörigen mitbetreut werden, besser. Du schilderst es, als ob das, was ihr für eure Angehörige getan habt, generell Aufgabe der Pflegekräfte sein sollte. Das ist aber nicht der Fall, viele glauben, im Heim und das wars dann. Das stimmt im Prinzip, aber eben nur im Prinzip, die Betreuung und das Kümmern der Angehörigen sollte nicht deshalb ganz aufhören. Dazu zählt dann zum Beispiel sowas wie Verabreichen von Lieblingsessen, überhaupt ab und zu Essen eingeben, das machen viele Angehörige, so wie du es schilderst, ein wenig Umsorgen, gemütlich machen, einfach da sein. Wenn noch möglich, mitnehmen, spazieren gehen, mit nach Hause nehmen an bestimmten Tagen etc. Das ist (auch) Aufgabe der Verwandten und die Bewohner, die es nicht haben, sind echt ärmer dran auch wenn sie ja versorgt werden.

    Monika schrieb:


    Die Sache mit dem verstopften Katheder passiert immer wieder mal, es sollte aber nicht Sache der Angehörigen sein, es überhaupt wahrzunehmen. Allerdings wird das dann, wenn es passiert, auch immer im Krankenhaus gemacht, das ist zumindest normal und nicht außergewöhnlich. ---------


    Als Betreiber eines ambul. PD's frage ich mich:


    können examinierte Pflegefachkräfte keinen DK wechseln?( Das höre ich immer wieder von Pflegeheimen)


    DK wechsel hat jede examinierte gelernt.


    In der ambulanten Pflege gehört DK wechsel bei Mann u. Frau zum tgl. Brot einer jeden examinierten Pflegefachkraft.


    Ahornblatt: Fütterung- ein scher schlechtes Wort- gibt es bei Tieren,


    beim Mensch nennt man es Nahrung anreichen, (hört sich besser an)

    Ich hab die Reportage nicht gesehen aber heute morgen kurz mit Kollegen drüber gesprochen.


    Ich kenne berufsbedingt rund 30 Pflegeheime ??Rettungsdienst. Sind in den Heimen mehr oder weniger regelmäßig "zu Gast"?? und in einigen der Heime herrschen durchaus Zustände, wie im Beitrag gezeigt. Gerade die Situation, dass man zum Notfall gerufen wird und minutenlang keiner vom Personal zu finden ist. Auch wurden Bewohner von uns schon in den unmöglichsten Zuständen aufgefunden. Und statt examinierten Kräften trifft man regelmäßig völlig überforderte Schüler oder Pflegehelfer an. Und in den vielen Häuser auch Personal, welches nur sehr geringe Deutschkenntnisse hat. Das bedeutet zwar nicht zwingend, dass sie ihre Arbeit schlecht machen aber die Verständigung leidet eben doch sehr. Vor allem auf dem Land, wo viele ältere Leute auch noch ausgeprägten Dialekt sprechen.


    Auch trügt der äußere Schein auch sehr. In einigen sehr schönen und ansprechenden Neubauten herrschen katastrophale Zustände. Dafür kenne ich nur ein Heim, in dem man immer gut ausgebildetes, kompetentes Personal antrifft und das Haus sieht so schlimm aus, dass ich dort nicht mal begraben sein wollte.


    In keines der, mir bekannten, Heime würde ich meine Angehörigen vorbehaltlos geben. Es gibt einige Heime, bei denen ich insgesamt weniger Bauchweh hätte und ihr Hoffnung, dass es doch halbwegs klappt aber deutlich mehr Heime, die ich keinem aus meiner Familie zumuten wollte.


    Doch letztens Endes ist es eben auch eine Geldfrage und nicht für jeden ist es möglich, in einem der wenigen schönen Heime hier zu leben.

    Zitat

    Es waren immer die gleichen in Alu verpackten Essen auf Rädern drin, offensichtlich von einem Billigstanbieter. Selten war das wirklich appetitlich angerichtet.

    Das vermutest du, aber ordentlich nachgefragt hast du nicht, oder? Häufig stammt das Essen aus der Großküche eines anderen Heimes, nicht jedes Heim hat eine eigene Küche, deshalb muss das Essen nicht schlechter sein. Es ist eben typisches Großküchenessen, ich habe in Kantinen schon viel, viel schlechter gegessen. Aber dass es da Unterschiede gibt, denke ich auch. Bei uns wird so viel gereicht, dass nach meinem Empfinden viel zu viel weggeworfen wird.


    Ehrlich gesagt, finde ich, dass bei so vielen von dir empfundenen Misständen schon auch die Eigenverantwortung hätte einsetzen müssen. Es war das nächtgelegene Heim, also muss es passen, ihr wolltet nicht fahren, also musste es passen. Hat es aber ja offensichtlich nicht.

    Zitat

    Ahornblatt: Fütterung- ein scher schlechtes Wort- gibt es bei Tieren,


    beim Mensch nennt man es Nahrung anreichen, (hört sich besser an)

    Das habe ich schon erklärt, die Mutter hätte aber selbst füttern gesagt.

    @ Monika65

    Zitat

    Du schilderst es, als ob das, was ihr für eure Angehörige getan habt, generell Aufgabe der Pflegekräfte sein sollte. Das ist aber nicht der Fall, viele glauben, im Heim und das wars dann.

    Sorry, es ist schon so, wie ich es geschildert habe. Wir waren anfangs ja nicht so oft bei der Mutter. Da lag sie schon, weil verschubbert, stundenlang in Scheiße, nicht gewaschen, die Kleidung, die reichlichst im Schrank vorhanden war, war nicht gewechselt, die Prothese noch nicht im Mund. Lotterliche Protokollführung (Einfuhrblätter lagen auf dem Nachttisch, da war 10 STunden vorher was protokolliert mit 30 ml Trinken).


    Wenn Du es anders erlebst, schön für Dich. Ich könnte ein Buch schreiben über das, was wir erlebt haben. Ums verrecken möchte ich das nicht am eigenen Leib erleben müssen. Und im Fahrstuhl hingen Zertifikate, die beschrieben, das hier die Normen eingehalten werden....


    Nee, nee, ich tue hier kein fantastisches Fitzelchen dazu, es ist hart erlebte Realität. Man verbringt nicht 12 STunden am Tag freiwillig bei einem pflegebedürftigen Menschen, wenn es keine Notwendigkeit dafür gäbe.... Der Schwiegervater weinte stets vor so viel Unglück und flüsterte immer nur, dass es gut wäre, dass sie in ihrer Demenz das hoffentlich nicht so mitbekommt..... Seine Frau hätte soooo was nicht verdient...

    Ehrlich gesagt hatten wir genau die Zustände, die da für dieses Horror-Heim beschrieben werden, in der Reha-Einrichtung, in der unsere Mutter nach dem langen KH-Aufenthalt mit Intensivstation und künstlichem Koma wieder auf die Beine kommen sollte. Betreuung miserabel, keiner kam auf Klingeln (auch deutlicher Personalmangel), gefüttert wurde sporadisch, wenn wir nicht dauernd dagewesen wären, weiß der Geier, wie das ausgegangen wäre. Es war jedes Mal 1,5 Stunden Fahrt (einfache Strecke) in die tiefste Pampa, und wir haben uns in den 8 Wochen, die sie dort war, regelrecht aufgerieben.


    Andererseits wußten wir danach genau, worauf wir achten mußten. Und sind bei den ersten Problemen und Unstimmigkeiten im Heim sofort eingeschritten. Daß wir mal Essen mitbringen, kommt auch vor, ist allerdings überflüssig, weil das Essen im Heim sehr gut ist. Das beinhaltet sogar Kuchen nachmittags, abends wird sich richtig Mühe gemacht, ein Servierwagen mit allem möglichen wird angerichtet und jeder bekommt, was er möchte. Inzwischen bringe ich ihr eigentlich nur noch ihren Lieblingsjoghurt oder Süßigkeiten mit.

    Zitat

    Das vermutest du, aber ordentlich nachgefragt hast du nicht, oder? Häufig stammt das Essen aus der Großküche eines anderen Heimes, nicht jedes Heim hat eine eigene Küche, deshalb muss das Essen nicht schlechter sein. Es ist eben typisches Großküchenessen, ich habe in Kantinen schon viel, viel schlechter gegessen. Aber dass es da Unterschiede gibt, denke ich auch. Bei uns wird so viel gereicht, dass nach meinem Empfinden viel zu viel weggeworfen wird.

    Weißt Du, es ärgert mich, wie Du hier argumentierst. Jeden Tag gegen gegen 11:30 hielt der Wagen mit der Aufschrift mit irgendwas von toller Küche als Reklame vor dem Lieferanteneingang, wo man vom Fenster aus hingucken konnte. Und es gibt wohl Unterschiede von Anbietern, die auch um Centbeträge feilschen, um über die Runden zu kommen. Und ja, wir hatten zwangsläufig zumindest auf dem Stockwerk Kontakt mit Bewohnern, die letargisch meinten, es schmecke ihnen nicht.


    Du redest so, als ob es das Erlebte nicht gäbe. Und wenn dies hier alles nur eine Ausnahme gewesen sein sollte: das hier war Fakt und ich wünschte mir, dass mal ein wenig Bedauern von Dir rüber käme, statt immer und noch mal gegenanzupluddern.


    Wir haben viel geleistet, weil wir der Mutter/Schwiegermutter Menschlichkeit zeigen wollten. Meine Frau hat dazu sogar ihre Arbeit aufgegeben. Weil das Personal sonst nicht das geleistet hätte, was notwendig gewesen wäre. Die kamen ja selbst in Anwesenheit von uns nur 3 x ins Zimmer.


    Eine Frau, die sich nicht artikulieren kann, wenn die Pampers voll ist, egal ob naß oder mit Kot – da wird eben erst bei jeder Gesamtrunde mal geguckt. Und wenn woanders ein Notfall ist, bleibts eben liegen....


    Ich bin inzwischen richtig böse, weil das Geschriebene hier quasi als übertrieben dargestellt wird.


    Und so wie gestern im TV dargestellt – das paßt....

    Zitat

    Ehrlich gesagt, finde ich, dass bei so vielen von dir empfundenen Misständen schon auch die Eigenverantwortung hätte einsetzen müssen. Es war das nächtgelegene Heim, also muss es passen, ihr wolltet nicht fahren, also musste es passen. Hat es aber ja offensichtlich nicht.

    Klar, was weißt Du schon. Es gab ein Bemühen, aber keine freien Plätze, wo bessere Pflege bekannt war, gab es Wartelisten.


    Aber wir haben es uns einfach gemacht....

    Zitat

    Ehrlich gesagt, finde ich, dass bei so vielen von dir empfundenen Misständen schon auch die Eigenverantwortung hätte einsetzen müssen.

    Das finde ich abwegig. Regelmäßiges Wechseln der Einlagen, Waschen, richtige Medikamentengabe, Erkennen und Lösen von Problemen mit dem Katheter – das liegt doch alles eindeutig in der Verantwortung des Pflegeheims und muss von denen ordentlich erledigt werden.

    Zitat

    Weißt Du, es ärgert mich, wie Du hier argumentierst.

    Mag sein, manches, was du hier schilderst, sind aber keine Misstände, sondern systembedingt. Das Leben im Heim ist echt kein Paradies und kein Hotel. Letzteres erwarten oder erhoffen sich aber viele, wäre sicher auch schön, ich selbst würde es mir auch anders wünschen. Wieviel mehr würde das kosten? Die Bewohner sind jetzt schon am Limit und wir ständig unterbesetzt. Man tut, was man kann. Was glaubst du, wieviele Leute sagen, sie könnten niemals Altenpflege machen..


    Und hast du schon jemals länger in einer Kantine oder Mensa gegessen und dir hat es dann immer noch jeden Tag gut geschmeckt? Du differenzierst einfach nicht, das ist das Problem.


    Die Heime (gerade die von privaten Trägern) müssen an jeder Ecke sparen oder man versucht (was man ohnehin tut) die Leute gnadenlos hochzustufen, was die Kosten auch für die Leute wieder erhöht. Wir haben schon erfolgreich eine Hochstufung verhindern können, aber im Grunde sind die Heime darauf angewiesen.

    Zitat

    Weil das Personal sonst nicht das geleistet hätte, was notwendig gewesen wäre. Die kamen ja selbst in Anwesenheit von uns nur 3 x ins Zimmer.

    Wie lange wart ihr da? Dreimal in den paar geschätzten Stunden ist völlig normal, wenn nichts außergewöhnliches vorliegt. Umlagern alle 2 Stunden und Kontrolle, je nach Situation.

    Zitat

    Ich bin inzwischen richtig böse, weil das Geschriebene hier quasi als übertrieben dargestellt wird.

    Nicht unbedingt, ihr habt euch sicher nicht das beste Heim ausgesucht. Aber andererseits hast du auch sehr hohe Erwartungen und das ist wie es ist, es ist eine Geldfrage. Der Rest mögen echte Missstände sein und umso schlimmer, wenn ihr das dem MDK nicht gemeldet habt. :-/

    Zitat

    Das finde ich abwegig.

    So hatte ich das auch nicht gemeint. Eigenverantwortung in dem Sinne, dass man sich sorgfältiger das Heim aussucht und bei derart viel Unzufriedenheit und Leid schaut, dass es besser wird, das Heim wechselt.


    Probleme mit Kathetern sind relativ häufig und eine bekanntes Risiko. Katheterwechsel im dem Sinne wird immer von Ärzten vorgenommen, nicht von den Pflegekräften. Aber erkennen müssen sie es natürlich.


    Aber man kann nicht überall gleichzeitig sein, das ist einfach so. Wenn die GEsellschaft und der Einzelne nicht bereit ist, mehr in die Pflege zu investieren, wird es immer wieder so sein. Wir arbeiten zahlenmäßig am Limit, springen ständig ein, wenn jemand krank ist, an Wochenenden und Feiertagen in Wechselschichten. Und ständig ist jemand krank. Es ist echt eine Geldfrage, die Leute die da arbeiten, können sich doch nicht total aufreiben. Tun sie ohnehin oft genug, deswegen ändert sich ja so langsam nur etwas, weil jeder meint, es klappt doch irgendwie.

    Ich denke auch das die Missstände gezeigt werden müssen. Da wo es einigermaßen gut läuft, dass ist eher die Ausnahme, denn letztendlich haben wir, wie in allen Bereichen der Gesundheit, als Hintergrund ein Geld- und Wirtschaftssystem, dass erst einmal Gewinne erwirtschaften muss und zweitens wird soviel bürokratischer Papierkram verlangt, dass jeder Handgriff quasi dokumentiert werden muss. Auch wenn noch so viel Engagement da ist, was man in manchen Pflegeheimen durchaus merkt, wo man sich wirklich bemüht, trotzdem sind auch hier die Personen nicht selten überlastet, obwohl mehr von ihnen anwesend sind als in den Heimen, wo es nur um den reinen Profit geht.


    Es ist gut wenn schlechte Arbeitsbedingungen und schlechte Pflege aufgedeckt werden. Auf der anderen Seite kann man sich fragen, wie es denn dazu kommt. Solange sich an dem bestehenden Geld- und Wirtschaftssystem nichts ändert, haben wir in allen Bereichen Zustände, die sich immer mehr zuspitzen. Da muss man nur den Fernseher einschalten und die Reportagen schauen oder die Zeitung lesen (keine Bild). Da ist manches sogar schlimmer als die Fantasie es sich jemals ausmalen würde. Denn wie kann man von Arbeitslosigkeit sprechen, wo in gewissen Bereichen Menschen massiv fehlen. Wie kann man von einem reichen Land sprechen, wo jedes 6 Kind bereits in Armut lebt, ganz zu schweigen von der stetig zunehmenden Gewalt, die zum Teil darin ihre Ursache hat. Da wo ein großes Ungleichgewicht herrscht, da wird Platz geschaffen für Neid, Wut und Hass, der sich dann auf anderes projiziert wie Drogen und Gewalt.


    In vielen sozialen Bereichen ist die Überforderung nicht gerade klein und die Pflege ist dann wohl die Endstation. Ärzte sind überfordert, Psychologen überlaufen und in den Pflegeheimen, je nach Träger ist es dann leider auch nicht besser.


    Wer einmal ein positives Beispiel sehen will, der kann mal in die Dritten reinschauen. Aber auch da ist es nicht gerade schön, dass die wirklich sehr engagierte und herzliche Trägerin, nicht von ihrem normalen Beruf leben kann. Sie ist Bäuerin und muss neben dem Hof noch weiteres Geld verdienen, sonst ist ihre Existenz gefährdet. Denn man braucht hin und wieder neue Gerätschaften für die Tiere und es muss auch mal etwas renoviert werden. Dafür ist dann aber kein Geld da, denn die Devise der Deutschen ist billig, billig in Sachen Lebensmittel. Sie hat dann ein Pflegeheim neben dem Hof eröffnet, weil das ihr erlernter Beruf ist. Sie führt das Heim gut und hier sind viele Kräfte vorhanden, aber trotzdem ist das Geld ein so großer Faktor, dass keine Zeit für eine eigene Auszeit bleibt. Was sind das für Zustände? Die Frau schafft im Grunde rund um die Uhr und es bleiben nur wenige Stunden Zeit für ein bisschen Schlaf.

    Du tust so, als wenn man mit Heimen auf dem Land so große Auswahl hätte. Als die Mutter ins Heim mußte, was sie zuerst in einem anderen Heim. 18 km entfernt, weil nur da was frei wurde. Und der Vater ohne Auto kam da nicht hin. Also Taxi. Busse auf dem Land fahren morgens, mittags abends. Die demente Frau immer verwirrter.


    Die Familie bemühte sich. Bislang hatte man keine Erfahrungen mit Heimen, und da wird in 300 m Entfernung eins aufgemacht und nach 6 Monaten Existenz wird da ein Zimmer frei. Für den 87 jährigen Ehemann eine Erleichterung. Von den Zuständen wußte man nichts, außer dass man täglich dran vorbeidackelte und es toll aussah...


    Und dann das. Zurück ins andere Heim ging nicht mehr.


    Und für das Geld von Pflegestufe 3 war die Gegenleistung eben mickrig. Wenn Du hier sagst, die Arbeitsbedingungen seien schlecht, warum verbünden sich dann die Angestellten nicht, warum machen sie keinen Aufstand? Warum muß man gehetztes Personal und schäbigst behandelte Alte erst im TV sehen, damit sich was ändert? Vielleicht Angst um den Arbeitsplatz? Du gibt es zu, dass das nicht optimal ist, offensichtlich aber hast Du auch resigniert. Für mehr Menschlichkeit hast Du aber sooo viel Argumente, wie es trotzdem zu gehen hast. Und wirfst anderen Menschen mit über 60 vor, sie setzen zu viel voraus und sowieso.


    Mir kommt hier echt die Galle hoch....


    Jeder Gefängnisinsasse kann auf sein Recht pochen, sich dafür einsetzen, ein artgerechtes Zellenleben zu führen, aber eine hilflose Person muß für über 3000 € Pflegegeld in der Scheiße liegen. Macht ja nichts....


    Wir habe trotz dieser schon immensen Zahlung stundenlang 12 STd. !!! am Tag dort gesessen, im Grunde genommen dem Personal "das Zuführen" von Nahrung erspart, die Wäsche gewechselt, wenn von Speichel durchtränkt, darauf geachtet, dass die Trinkmenge stimmt, die Hand gehalten.


    Aber klar, unser Anspruchsdenken ist zu hoch.....