Kollegin Hypochondrie?

    Hallo Leute,


    meine Kollegin auf der Arbeit hat irgendwie immer so den Tick sich irgendwelche Krankheiten einzureden, eine ganze Zeit lang dachte ich immer, dass sie das einfach aus Spaß macht, mal zu sagen ich hab x oder ich habe diese Krankheit.. , aber meint ihr, dass das schon ein Zeichen von Hypochondrie sein kann?

  • 28 Antworten

    Kommt drauf an...manchmal ist man echt krank...ich habe mit manchen Kollegen auch das Problem, dass manche die Krankheiten nicht ernst nehmen, obwohl ich aufgrund der Krankheiten schwerbehindert bin....ich wäre mit solchen Aussagen immer vorsichtig :)D

    Hypochondrie erkennt man eigentlich schnell. Die Betroffenen sind ständig beim Arzt und lassen unzählige Untersuchungen über sich ergehen. Kommt nichts heraus, sind sie trotzdem der Überzeugung, dass da etwas sein muss und von den Ärzten nur übersehen wurde. Darüber reden sie auch ständig, wie sie nämlich fast an nichts anderes mehr denken können. Überwiegend sind sie davon überzeugt, an schwerwiegenden Erkrankungen zu leiden, obwohl es keinerlei Anzeichen dafür gibt. Die Erkrankungen können wechseln. Einmal ist es Lungenkrebs, ein anderes Mal Bauchspeicheldrüsenkrebs oder ein Hirntumor. Andere präferieren Erkrankungen wie ALS oder MS.


    Es gibt allerdings auch organische Erkrankungen, die wirklich schwer zu diagnostizieren sind, weil selten vorkommend, aber ohne passende Therapie einen ganzen Rattenschwanz an Folgen haben, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Solche Personen gehen damit eher nicht hausieren, aber sie können durchaus oft krankgeschrieben sein.


    Einem wirklich kranken Menschen sieht man eigentlich an, dass er krank ist. Er ist entweder blass, wirkt eingefallen, schnauft auffällig, hustet ständig oder er hat oft blaue Lippen bzw. ist auffallend dürr (oder auch übermäßig adipös). Sichtbare Anzeichen gibt es eigentlich fast immer - außer bei Krebs in früheren Stadien.

    Wenn man häufiger zum Arzt geht, deutet das nicht unbedingt auf Hypochondrie hin. Ein Mensch kann auch chronisch krank sein und regelmäßiger ärztlicher Überwachung bedürfen. Geht die Kollegin damit nicht hausieren, spricht dies eher nicht für eine hypochondrische Störung.


    Hypochonder haben ständig irgendwas, i.d.R. sind sie davon überzeugt, eine schwerwiegende, bisher nicht entdeckte Krankheit zu haben. Darüber reden sie meist auch sehr ausgiebig. Logisch, da sich ihr gesamtes Dasein um die Panik vor schweren Erkrankungen dreht.


    Es gibt aber auch Nicht-Hypochonder, denen es bei ihren Geschichten einfach nur um Aufmerksamkeit, Zuwendung und/oder Mitleid geht. Manches ist da einfach auch frei erfunden. Eine solche Frau hatte ich mal kennengelernt, zunächst in einem Forum, später über ihre Schwester auch persönlich. Der Hammer war eine Story im Forum, sie würde gerade im AKH Wien auf der Intensivstation liegen. Es kam zu einer Flut an sehr betroffenen Beiträgen. Zufälligerweise hatte ich mich damals mit ihrer Schwester in Wien getroffen. Ich fragte, wie es denn ihrer Schwester jetzt gehe, worauf sie grinsend meinte, ich solle das mit der ITS doch bitte vergessen. Das sei mal wieder eine ihrer Spinnereien, sie sei gerade heute mit ihrem Freund beim Bungee Jumping am Europaturm gewesen und auch selber gesprungen. :-o


    Im Forum hatte sie immer ausführlich über ihren schweren Morbus Crohn und ihr Ileostoma erzählt. Die Schwester sagte mir aber, dass sie weder das eine noch das andere habe. Es gibt offenbar nichts, was es nicht gibt ...

    Hypochondrie kann man nicht einfach so nach ein paar Beschreibungen erkennen.


    Ich kenne jemanden seit vielen Jahrzehnten, der immer wechselnd davon überzeugt ist gerade an einer anderen tödlichen Krankheit zu sterben - und kein Arzt erkenne das richtig.


    Den Anfang machte Krebs (=eine Warze), dann HiV (= verschwand komischerweise von selbst wieder) usw.


    Jedes Mal ist derjenige wirklich überzeugt davon gerade zu sterben. Das ist nicht übertrieben, er sagt das genauso: "Ich sterbe ja jetzt sowieso bald..."


    Ärzte werden sofort gewechselt wenn sie , Zitat: "nicht erkennen, dass ich in Lebensgefahr bin".


    Wie damit umgehen? - ich höre zu, sage ganz ehrlich, dass es mir leid tut das es ihm so schlecht geht - was auch stimmt. Denn das Leiden ist echt, wenn eben auch psychisch, nicht körperlich.


    Hypochondrie ist auch eine Art von Leiden.

    Paritu schrieb:

    Hypochondrie kann man nicht einfach so nach ein paar Beschreibungen erkennen.

    Doch, im direkten Kontakt und mit guter Menschenkenntnis ist das problemlos möglich. Ich gebe Dir Recht, dass man bei Beschreibungen in einem Forum vorsichtig sein sollte.


    Dass Hypochondrie schweres Leiden bedeutet, dürfte doch wohl klar sein. Die Betroffenen beschäftigen sich rund um die Uhr mit ihren panikartigen Ängsten. Es muss grauenhaft sein. Ich selbst kenne so etwas zwar nicht, aber ich hatte einst einen Freund mit schwerer Hypochondrie. M.E. sind psychische Probleme oft schwerer zu ertragen als richtig schwere organische Probleme.


    Doch darum geht es hier nicht, sondern darum, ob die Kollegin der TE evtl. hypochondrisch sein könnte. Und da ist aufgrund ihrer bisherigen Informationen keine klare Aussage zu treffen. Vielleicht kommt da ja noch etwas ...

    Ich meinte ja Beschreibungen in einem Forum. Gerade wenn es nur um eine Kollegin geht reichen Beschreibungen da nicht


    Ich glaube, "Hypochonder" steht für viele für "stellt sich nur an". So erlebe ich es leider in Bezug auf besagte mir bekannte Person.


    Oft wird lang und breit darüber geredet, dass die ja "gar nichts" habe.


    Dabei wird dann eben vergessen, das Hypochondrie in sich schon keine "schlechte Angewohnheit" ist sondern eine echte Krankheit und nix was derjenige aus Jux und Dollerei hat...


    Eben weil diese Panik ja echt ist.


    Mir war einfach wichtig das zu erwähnen.

    Ich glaube, die will nur Aufmerksamkeit. Bei Hypochndrie hätte sie echte Ängste. Damit würde sie aber eher nicht hausieren gehen.

    GreenVelvet schrieb:

    Damit würde sie aber eher nicht hausieren gehen.

    Doch, das tun die meisten sehr wohl, und zwar gerade wegen der panischen Angst. So kenne ich es von meinem Ex-Freund, und genauso war es auch in einer psychosomatischen Klinik, in der ich mal selbst für drei Monate war. Ausnahmslos alle Betroffenen berichteten während der Therapien und in der freien Zeit fast ausschließlich von ihren körperlichen Symptomen, die ihrer Ansicht nach klares Indiz für die Krankheit XY sei. Versuchte man sie abzulenken, kamen sie sehr schnell wieder auf ihr Problem zurück. Das ist meine Erfahrung.

    Monsti schrieb:
    GreenVelvet schrieb:

    Damit würde sie aber eher nicht hausieren gehen.

    Doch, das tun die meisten sehr wohl, und zwar gerade wegen der panischen Angst. So kenne ich es von meinem Ex-Freund, und genauso war es auch in einer psychosomatischen Klinik, in der ich mal selbst für drei Monate war. Ausnahmslos alle Betroffenen berichteten während der Therapien und in der freien Zeit fast ausschließlich von ihren körperlichen Symptomen, die ihrer Ansicht nach klares Indiz für die Krankheit XY sei. Versuchte man sie abzulenken, kamen sie sehr schnell wieder auf ihr Problem zurück. Das ist meine Erfahrung.

    Ja, ich denke zwae, dass es auch da verschiedene Typen geht aber nur weil jemand uber seine Panik auch viel spricht ist das noch kein "sich interessant machen wollen"

    Dann verhalten sich die Hypos hier anders. Die sind dann eher anonym in Foren unterwegs weil sie im real life nicht angreifbar sein möchten.

    Man könnte mal die vielen hier im Forum fragen, da kommt sicher was Repräsentatives raus.;-D

    GreenVelvet schrieb:

    Dann verhalten sich die Hypos hier anders. Die sind dann eher anonym in Foren unterwegs weil sie im real life nicht angreifbar sein möchten.

    Man könnte mal die vielen hier im Forum fragen, da kommt sicher was Repräsentatives raus.;-D

    Ich glaube ganz ehrlich, das viele nur denken, man würde ihnen das nicht anmerken und sie würden das ja nicht sooo zeigen wie andere.


    Auch meine Erfahrung übrigens. Bei ihnen ist es immer doch gar nicht so, das andere es wissen. Auch wenn es kein einziges Gespräch gibt in dem das eigene Leiden erwähnt wird.


    Der wirklich starke Hypochonder den ich sehr gut kenne glaubt dieser mittlerweile von vielen Ärzten bestätigten Diagnose überhaupt nicht.


    Das finde ich immer sehr rätselhaft - einer der intelligentesten Menschen die ich kenne, mehrere abgeschlossene Studiengänge und versteht nicht, das etwas nicht stimmen kann an der Selbstwahrnehmung wenn zB sowohl der tödliche Krebs, andere schlimme Krankheiten und sogar eine HiV-Infektion mit der Zeit verschwinden und durch eine andere schlimme Erkrankung ersetzt werden.


    Aber in Foren natürlich "das weiß keiner von mir!"