• Diagnose Krebs und Lebensmut

    Was mache ich mit jemandem, der sich nach einer Krebsdiagnose hängen lässt und jeden Lebensmut verloren hat? Werde gleich ein solches Gespräch führen müssen. Danke.
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    Okay, wenn ER es nicht möchte, steht Euch als Angehörigen immer noch frei, sich zu informieren! ;-) Dann ggf. außerhalb der eigenen vier Wände, aber einfach, um SELBER auch zu wissen, welche Optionen es gibt. Ist ja auch nicht ganz unwichtig.


    Das mit den Apparaturen meine ich eher symbolisch. Auf der Ebene "Hilfsmittel, die die Eigenständigkeit fördern" vs. Dinge, die halt einfach nur noch mehr ständige Maßnahmen, "Besonderheiten" etc. darstellen. Kann es irgendwie nicht besser ausdrücken. Dusche, Bett,... sind Dinge, die dann einfach da sind und helfen. Aber halt kein ständiges Kümmern, Berücksichtigen etc. nehmen. Ach, ich krieg's nicht ausgedrückt, sorry.


    Aber wenn ich lese, was Ihr alles macht und was er akzeptiert: Das ist doch auch was wert!


    Und schließe mich Sense an: Wichtig ist, dass die Schmerztherapie funktioniert!!!

    @ Juliania

    Zitat

    ich verstehe, wieso du dich persönlich angegriffen fühlst (durch das Aufgreifen des Wortes "durchsetzen".)


    Allerdings war das Posting weniger auf deine Person oder dein Beispiel, sondern eher auf die generelle Tendenz von Angehörigen und medizinischem Personal bezogen, einen Kranken mehr oder minder als nicht mehr so richtig "mündig" anzusehen und medizinische Maßnahmen um jeden Preis durchboxen zu wollen.

    Darum geht es in diesem Faden nicht. Das hat keiner getan und das hat keiner vor.

    Sense

    Zitat

    Andererseits: hier kam heraus, dass viele Fakten anfangs dem TE nicht wirklich klar waren. Dann wäre niemals die Rede von

    ! "Sich hängen lassen" ist demnach eine berechtigte Fragestellung.

    Doch, irgendwie schon. Das ist ja keine Wertung in Bezug auf seine Person, sondern auf seine Krankheit. Es ist ja auch eine ganz neue und ungewohnte Situation, an der er zu knacken hat.


    Die weitgehende Bettlägerigkeit ist da. Wenn er sich hängen lässt, egal ob nun aus Erschöpfung oder Verzweiflung, dann hat das andere Dimensionen. So wollte er z.B. am Sonntag nicht aus dem Bett im Schlafzimmer aufstehen und hat wirres Zeug geredet, war schlecht drauf, etc.

    Zitat

    Wann sollte, darf, kann, muss man ermutigen oder anspornen? Ich weiß es auch nicht.


    Die Angehörigen haben es damit nicht leicht. Wo beginnt Bevormundung, wo die Resignation?

    Das ist ein schmaler Grat. Das sage ich immer und es bewahrheitet sich für mich jetzt in dieser Situation. Gezielt eingesprungen bin ich an einem emotionalen Tiefpunkt. In solchen Situationen würde ich immer unterstützend eingreifen. Hinzu kommt, dass die grobe Leitlinie ja auch vorgegeben ist. Er will Unterstützung. Dann wäre es ja paradox, sie ihm dann zu verweigern, wenn er mal einen schlechten Tag hat und sie deswegen am meisten braucht. An solchen Tagen müssen ja dann auch keine Entscheidungen für irgendwelche Therapien getroffen werden.

    Zitat

    Palliativen Pflegedienst einschalten geht nicht, wie ich aktuell lese. Klappt die Schmerztherapie trotzdem?

    Ja, das entwickelt sich nach anfänglichen Startschwierigkeiten recht gut.

    Zitat

    Übrigens könnt Ihr Pflegestufe beantragen und damit ein professionelles Pflegebett. Auch ohne Pflegebett (hat mein Mann nie zugelassen seinerzeit, obwohl das einiges erleichtert hätte) gibt es kleine Vorteile und Entlastungen, die man in Anspruch nehmen sollte.

    Das Thema hat, wie es der Zufall so will, bereits jemand angesprochen, dafür sind beide aber (wen wundert's?) momentan noch nicht empfänglich.

    Sunflower

    Zitat

    Okay, wenn ER es nicht möchte, steht Euch als Angehörigen immer noch frei, sich zu informieren! ;-) Dann ggf. außerhalb der eigenen vier Wände, aber einfach, um SELBER auch zu wissen, welche Optionen es gibt. Ist ja auch nicht ganz unwichtig.

    Damit würde man ihn, so finde ich, ein wenig hintergehen.


    Selber fände ich es nicht schlecht, aber für die beiden ist das nichts. Fremde Leute im Haus die sich kümmern, etc.


    Die Option ist bekannt, ich habe ein paar Sachen ausgedruckt, das ist bei ihnen nun im Hinterkopf abgespeichert, mehr aber auch nicht. Denn der Hausarzt meinte heute, dass sei auch momentan noch nicht nötig. Damit sind wir bei der Verbesserung des Allgemeinzustand noch kein Stück weiter (außer dass die Schmerzen im Griff sind).

    Zitat

    Aber halt kein ständiges Kümmern, Berücksichtigen etc. nehmen.

    Dieses ständige Kümmern ist aber genau das, was er will. Zu viel Trubel verträgt er zwar nicht, aber am liebsten hat er es, wenn seine Frau ihn umsorgt und dann noch jemand zum Reden da ist. Die Tiefphasen folgen einem bestimmten Schema. Sie passieren immer dann, wenn mal keiner da ist. So war seine Frau am Sonntag mal eine Stunde auf einem Kindergeburtstag. Das zieht ihn dann runter.

    Zitat

    Ach, ich krieg's nicht ausgedrückt, sorry.

    Das ist schon OK.


    Was mich dagegen ein wenig stört, wenn ich das mal offen sagen, darf, ist die Tatsache, dass hier auf Biegen und Brechen versucht wird, eine Missachtung seines Selbstbestimmungsrechts zu konstruieren. Wenn dann aber mal bestimmte Vorschläge nicht angenommen werden, ist das auch wieder nicht gut.

    Martienchen

    Zitat
    Zitat

    Allerdings war das Posting weniger auf deine Person oder dein Beispiel, sondern eher auf die generelle Tendenz von Angehörigen und medizinischem Personal bezogen, einen Kranken mehr oder minder als nicht mehr so richtig "mündig" anzusehen und medizinische Maßnahmen um jeden Preis durchboxen zu wollen.

    Darum geht es in diesem Faden nicht. Das hat keiner getan und das hat keiner vor.

    Das kann ich nur unterstreichen.


    Ich möchte das schon so verstanden wissen, dass ich mir hier Tipps und Anregungen hole, um die ikonkrete Situation zu meistern und nicht der "generellen Tendenz" zu folgen, sofern es überhaupt eine solche gibt. Der Fokus liegt auf dem Betroffenen und nicht auf einer allgemeinen Diskussion bzw. darin, es besser zu machen als andere o.ä.

    Wieviel hat er bisher abgenommen, wenn er nicht essen kann? Was wiegt er auf welche Größe? Kann er nur mit Hilfe laufen, weil er zu schwach ist oder weil er Schmerzen hatte?


    Bei uns machen Palliativmediziner (und -schwestern) auch die Schmerztherapie bei fortgeschrittenem Krebs. Das macht es Patienten oft einfacher, das palliative Team anzunehmen. Gibt es bei Euch ein Hospiz?

    Ui, zum Thema Hospiz habe selbst ich mich noch nicht kundig gemacht. Wenn es aber mal so sein sollte, wird selbst das ganz sicher im privaten Rahmen geschehen.


    In Bezug auf seine Mobilität hat er zunächst Schwindel angegeben. Mittlerweile ist er m.E. halt auch sehr geschwächt durch die Bettlägerigkeit. Der Arzt sieht das aber anders. Krankengmynastik sei noch nicht nötig, er könnte höchstens ein paar Übungen machen.


    Genaues Gewicht weiß ich nicht, er soll netto (unter Berücksichtigung des entnommenen Wassers) nur 700 g abgenommen haben. Sein Gesicht und seine Hände sagen mir aber etwas anderes.

    Entweder will er Euch nicht sagen, wie schlecht es um ihn steht, oder die Ärzte haben es ihm nicht gesagt.


    Ich würde vorsichtig versuchen, herauszubekommen, ob er es weiß. Ansonsten sollte man es ihm ermöglichen, noch zu tun, was er will (Angelegenheiten ordnen?) und Leute zu sehen, die er nochmal sehen will. Er hat nicht mehr lange Zeit.

    Zitat

    Entweder will er Euch nicht sagen, wie schlecht es um ihn steht, oder die Ärzte haben es ihm nicht gesagt.

    Es spricht einiges für die letztere Alternative. Denn es hieß, da soll noch nichts gestreut haben etc. Das könnte ja dann nicht stimmen, wenn es Bauchwasser ist. Auch waren ja kurative Behandlungen (OP) zumindest im Gespräch.


    Andererseits besteht eine gewisse Trägheit in Bezug auf die Chemotherapie. Ich habe das bislang auf den Hausarzt und

    Angst vor dem Krankenhausaufenthalt (wegen des Stents) geschoben. Im dem diagnostizierenden KH hat er sich absolut nicht wohlgefühlt. Das waren aber auch Zustände dort ...

    Zitat

    Ich würde vorsichtig versuchen, herauszubekommen, ob er es weiß.

    Wird schwierig, ohne dass das auffällt und er deswegen in ein Loch fällt.


    Danke.

    Ich würde an seiner Stelle keine Chemotherapie machen. Vielen Patienten wissen, wie es um sie steht, bevor es ihnen gesagt wird. Unterschätzt ihn nicht.


    Ich wünsche Euch allen viel Kraft!