• Sinnlose Mammografie/Brustkrebs-Screenings?

    Zum Thema gibt es ja seit ca. 2 Jahren diverse Berichte im Fernsehen und Anderswo, ein Beispiel: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/grafik-des-tages-brustkrebs-so-viel-bringt-das-mammografie-screening-a-982523.html Wurde Das in diesem Forum schonmal diskutiert? Ich finde Nichts. Es scheint ja so zu sein daß die ganzen Vorsorgeuntersuchungen
  • 46 Antworten

    Um mal beim Brustkrebs zu bleiben:


    Okay, wenn in der Familie eine Anfälligkeit für Brustkrebs ist geht man womöglich hin zur Vorsorgeuntersuchung.


    Aber ansonsten...die Statistiken wie die im Link ganz am Anfang empfehlen Das Gegenteil. Und Das liest man ja nicht zum ersten Mal.


    Zu den hier im Forum erwähnten Fällen "es hätte ja ganz schlimm werden können wäre es nicht früh erkannt worten": Das ist Spekulation.


    Dem gegenüberzustellen sind die Fälle von sinnlosen Brustamputationen und Komplikationen nach OPs, mit dauerhaften weitreichenden Folgen.

    Zitat

    Zu den hier im Forum erwähnten Fällen "es hätte ja ganz schlimm werden können wäre es nicht früh erkannt worten": Das ist Spekulation.

    bei einem unbehandeltem Krebs, brauch ich nicht viel spekulieren :-/


    aber wie dem auch sei... zwingt einen ja keiner zur Vorsorge oder FRÜHerkennung zu gehen *:) *:) *:)

    Zitat

    also lieber das Risiko auf unerkannten Brustkrebs eingehen als mal ein paar Tage psychischen Stress haben ?

    Ist letztlich eine Frage von Kosten und Nutzen und bei mir kommt unter'm Strich raus, dass ich sehr viel ruhiger lebe, wenn ich auf solche Früherkennungsmaßnahmen verzichte. Ich will natürlich so oder so nicht an Krebs erkranken und mir ist klar, dass die Chancen auf Heilung oft besser stehen, wenn eine Veränderung frühzeitig erkannt wird, aber mich belasten solche Untersuchungen enorm und wenn ich nie an Krebs erkranken sollte, wovon ich optimistischerweise einfach mal ausgehen möchte, verleiden sie mir unnötigerweise sehr viel Lebenszeit.


    Ich habe das als Angehörige dieses Jahr erst wieder durch und es waren nicht nur ein paar Tage Stress für mich, mir war schon Ende letzten Jahres um Weihnachten herum elend zumute, weil ich wusste, dass Ende des ersten Quartals im neuen Jahr eine solche Untersuchung ansteht und bis dahin ging es mir über Wochen von Tag zu Tag dreckiger. Dann kam Tag X, die Untersuchung fand statt und das richtige Warten begann. Ich konnte an nichts anderes mehr denken, nichts mehr essen, nicht mehr schlafen, habe mich rund um die Uhr mit dem Gedanken auseinandergesetzt, dass Krebs diagnostiziert werden könnte und als 14 Tage später der Umschlag mit dem Ergebnis im Briefkasten lag, hätte ich ihn am liebsten verbrannt, nur um mich der Gewissheit, die unser ganzes Leben verändert hätte, nicht stellen zu müssen.


    Es war glücklicherweise alles in Ordnung, große Erleichterung, aber rückblickend tut es mir schon sehr leid, um die vielen Wochen, in denen ich eigentlich glücklich und unbeschwert hätte leben können.


    Ich weiß, dass diese Vogel-Strauß-Politik auf viele befremdlich wirken mag, denn ob das Ergebnis Schwarz auf Weiß im Briefkasten liegt oder nicht, krank wäre man ja so oder so und müsste die Konsequenzen tragen. Bei meinem Vater wurde der Krebs auch nur zufällig diagnostiziert (obwohl er aufgrund diverser Vorerkrankungen engmaschiger überwacht wurde als sonstwer in der Familie, gebracht in Sachen Früherkennung hat es leider nichts), was erst noch für Freude sorgte, denn so hatte man wenigstens noch eine kleine Chance, kurativ anzusetzen. Er quälte sich dann fast 2 Jahre mit Chemo, Bestrahlung usw. bis zur Erlösung. Ein Bekannter von ihm erkrankte, wie man heute weiß, zeitnah an der gleichen Krebsform, bei ihm wurde es aber nicht erkannt und er starb plötzlich und unerwartet am Durchbruch der Metastasen. Ich bin auf der einen Seite dankbar für die zwei Jahre, die wir noch mit unserem Vater verbringen durften, aber auf der anderen Seite dachte ich mir rückblickend oft, dass ihm eigentlich eher ein Tod wie der seines Bekannten, der ohne Wissen um seine tödliche Erkrankung, demnach auch ohne Angst und ohne diese ganze Chemo-Maschinerie durchlaufen zu müssen, gehen konnte. Ich finde, es kann auch ein Segen sein, sich gar nicht so sehr mit dem Sterben auseinandersetzen zu müssen. Und das müsste ich zwangsläufig, wenn ich heute eine Diagnose bekäme. Ich müsste entscheiden, wie es weitergehen soll, ob es sich "lohnt", zu operieren, eine langwierige Chemo durchzumachen usw. usf. Am Ende rettet es mir bestenfalls das Leben, weshalb ich wohl zu jeder Therapie bereit wäre, denn ich hänge sehr an meinem Leben. Lieber wäre mir aber, ich komme nie in die Situation und irgendwann geht einfach das Licht aus, ohne dass ich vorher in Angst leben musste. Auch wenn es früher als nötig geschieht, weil ich auf Früherkennung weitgehend verzichte und mich damit der Möglichkeit auf Heilung sicherlich in mancher Hinsicht beraube. Das nehme ich aber in Kauf, um im Hier und Jetzt unbeschwert leben zu können.


    Wer solche Termine in Sachen Früherkennung locker wegsteckt und ohne eher Tag für Tag in Angst leben würde, an unentdecktem Krebs zu sterben, der fährt natürlich besser damit, solche Maßnahmen wahrzunehmen. Ich bin auch froh, in einem Land zu leben, in dem sie der breiten Masse zur Verfügung gestellt werden und nicht so sehr wie anderswo der Geldbeutel in der Hinsicht über Leben und Tod entscheidet. Die Zahlen über "Kosten und Nutzen" zu veröffentlichen, finde ich aber auch wichtig, damit jeder entscheiden kann, wie sinnvoll ihm die jeweilige Früherkennungsmaßnahme erscheint.

    Ich frage mich immer wieder wieso man eine Auswertung nicht gleich macht und die Patientin mit dem Ergebnis nach Hause schickt. Es kann doch nicht sein, dass eine Frau die einen Knoten ertastet hat dann noch tagelang warten muss bis sie ein Ergebnis der Mammo erhält. Aber auch bei Vorsorgeuntersuchungen könnte man doch gleich die Auswertung machen.

    Tja, ich habe einige Monate im Bereich Psychoonkologie eines Brustkrebszentrums gearbeitet. Und JA ich weiß, dass die Screenings nicht die beste Lösung sind. Aber ich weiß auch, dass viele Patientinnen die frühzeitige Entdeckung dann eben doch der Mammographie zu verdanken haben.


    Screenings sind IMMER problematisch, man googele mal die Schlagwörter "Sensitivität" und "Spezifität". Und ja, vielleicht wäre ein Ultraschall manchmal die bessere Option. Ich kenne aber auch Fälle, wo weder Mammo noch US Auskunft gaben, sondern erst ein MRT.


    Die Leitlinien werden ja gerade überdacht... bis dahin muss jeder für sich entscheiden... Pauschales Verteufeln bringt wenig. Leider geht der Faden hier in die Richtung.

    Zitat

    bei einem unbehandeltem Krebs, brauch ich nicht viel spekulieren

    Kommt schon auf die Krebsform und die genauen Umstände an, wie ich finde. In den letzten Jahren beobachte ich in meinem Umfeld z.B. eine starke Zunahme an operierten und/oder bestrahlten Patienten mit Prostatakarzinom im Alter von 75+ oder gar 80+ Früher hieß es im selben klinischen Umfeld noch, dass fast bei allen Männern im hohen Alter die Prostata auf die ein oder andere Weise verändert ist, bösartige Formen aber meist so langsam voranschreiten, dass man ab einem bestimmten Alter nicht mehr operiert/bestrahlt, weil der Patient aller Wahrscheinlichkeit gar nicht mehr so alt wird, um die Folgen des Krebs zu erleben und der Lebensqualität wegen, denn die Folge der OP ist in der Regel Inkontinenz (und Impotenz, was auch in diesem Alter für viele durchaus noch eine Rolle spielt).


    Nun werden die Menschen tendenziell immer älter und wenn jemand mit 95 dann an den Folgen des Tumors stirbt, sagt man sich vielleicht auch, so ein Mist, derjenige hätte durch eine OP vielleicht 98 oder gar über 100 Jahre alt werden können! Ich kann schon verstehen, dass man sich auch mit 78 oder 83 nicht damit abfinden möchte, an Krebs zu sterben und deshalb jeden Strohhalm ergreift. Aber nicht jeder unbehandelte als bösartig diagnostizierter Krebs führt unweigerlich zum Tod.

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    Ich will natürlich so oder so nicht an Krebs erkranken und mir ist klar, dass die Chancen auf Heilung oft besser stehen, wenn eine Veränderung frühzeitig erkannt wird, aber mich belasten solche Untersuchungen enorm und wenn ich nie an Krebs erkranken sollte, wovon ich optimistischerweise einfach mal ausgehen möchte, verleiden sie mir unnötigerweise sehr viel Lebenszeit

    Ich bin ähnlich gestrickt. :-/ Leider, denn mir wäre es anders lieber.


    Wir hatten einen Faden im Herzforum. Der Vater der TE hatte sich nach Jahren guten Zuredens willen einer Vorsorgeuntersuchung unterzogen und sich derart darüber aufgeregt, dass er einen Infarkt oder Schlaganfall bekam, der dann das eigentliche Problem war. Meinem Vater gings es übrigens ganz genauso, er kam vom Arzt, den er jahrelang gemieden hatte wie die Pest und hatte ein paar Stunden später einen verheerenden Schlaganfall, von dem er sich nie wieder erholte. Natürlich, wäre er viele Jahre früher gegangen, hätte Medikamente genommen, wäre das vermutlich nicht so und in diesem Alter passiert.

    Es gibt Untersuchungen zu Prostata-Krebs, dass Frühentdeckung hier oft nur die Leidenszeit durch das Wissen, an Krebs erkrankt zu sein – verlängert. Behandelt oder unbehandelt soll sich in der Lebenswartung nicht signifikant unterscheiden. Das zu lesen, hat mich schon erschüttert.

    Zitat

    In den letzten Jahren beobachte ich in meinem Umfeld z.B. eine starke Zunahme an operierten und/oder bestrahlten Patienten mit Prostatakarzinom im Alter von 75+ oder gar 80+ Früher hieß es im selben klinischen Umfeld noch, dass fast bei allen Männern im hohen Alter die Prostata auf die ein oder andere Weise verändert ist, bösartige Formen aber meist so langsam voranschreiten, dass man ab einem bestimmten Alter nicht mehr operiert/bestrahlt, weil der Patient aller Wahrscheinlichkeit gar nicht mehr so alt wird, um die Folgen des Krebs zu erleben und der Lebensqualität wegen, denn die Folge der OP ist in der Rege

    :)z

    Ich krieg ewig von der kassenärztlichen Vereinigung eine Einladung für ein Brustscreening. Finde ich ja strange, dass die es jetzt schon nötig haben, fremde Haushalte anzuschreiben...wie Supermarktswerbung hat man das im Briefkasten, nur halt als richtigen Brief. Natürlich gehe ich da nicht drauf ein. Ich werfe das Ding immer weg.

    Ja, sehe ich ebenso. Die teuren Geäte müssen ja ausgelastet werden, und wenn dafür mit kostenträchtiger Briefwerbung Patientinnen eingefangen werden, muss es sich ja wohl immer noch lohnen. Aber natürlich alles nur zum Wohle der Menschen. %-|


    Dabei: Wer zum Sreening gehen will, wird es tun, auch ohne solche Rattenfängermethoden.

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    Die Leitlinien werden ja gerade überdacht... bis dahin muss jeder für sich entscheiden...

    Es werden aktuell auch Entscheidengshilfen entwickelt - finde ich sehr sinnvoll bei diesem Thema. Ich persönlich habe mir da noch keine Meinung gebildet.

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    Der Vater der TE hatte sich nach Jahren guten Zuredens willen einer Vorsorgeuntersuchung unterzogen und sich derart darüber aufgeregt, dass er einen Infarkt oder Schlaganfall bekam, der dann das eigentliche Problem war.

    Kein gesunder Mensch bekommt wg. Aufregung einen Herzinfarkt oder Schlaganfall...


    Und ein Hinweis auf die Möglichkeit einer einen nichts kostenden Vorsorge-Untersuchung empfinde ich nicht als Rattenfängermethoden...


    Ich habe auch keine endgültige Meinung. Aufgrund einer familiären Brustkrebsbelastung (allerdings nicht genetisch), meiner beruflichen Erfahrungen und meines allgemeinen Wissens um Vor- & Nachteile von Screenings und Vorsorgeuntersuchungen würde ich vermutlich die Mammao machen lassen. Habe eh grobes Gewebe und Zysten, wo die Gyn alle 6 Monate mit dem Ultraschall genau guckt.


    (Der als ziemlich mies geltende Test auf okkultes Blut im Stuhl hat meiner Ma im Übrigen das Leben gerettet. Darmkrebs frühzeitig erkannt.)