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    Habt ihr Erfahrung damit, ab welcher Dosis Morphin das Ende der Fahnenstanstange erreicht sein könnte?

    auch wenn es dir so scheint, dein onkel wird nicht aufgrund der morphin-gabe sterben, sondern wegen der krebserkrankung. das morphin wird nur gesteigert, um ihm schmerzen zu nehmen.


    so war es zumindest bei meiner mutter im endstadium. sie hatte metastasen in der leber etc., und als sie ins krankenhaus kam am ende hat man ihr auch morphin gegen die schmerzen gegebenen. sie war dann gleich nicht mehr ansprechbar und ist wenige tage später verstorben.

    Nun, auch wen das Eingangsposting 4 jahre alt ist, kann man das so nicht stehen lassen:

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    Die Leute welche hier schreiben, dass Morphium nicht tötet, haben das alles selber noch nicht erlebt!

    Ich würde mal behaupten, nach knapp 20 Jahren als Arzt (und zwar weit mehr als die Hälfte davon in der Schmerztherapie) weiß ich schon, wovon ich rede.

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    Ist ja logisch, wenn man sonst schon geschwächt ist und noch Morphium bekommt, welches jedwelchen Appetit hemmt, dass dann ein Mensch zugrunde geht.

    Was in dieser Situation den Appetit hemmt, ist in aller Regel nicht das Opiat, sondern der Allgemeinzustand. Manche Menschen, die dem Tod nah sind, wollen auch einfach nichts mehr essen, weil sie mit dem Leben abgeschlossen haben. Und oft ist es so, das die Opiatgabe den Appetit fördert – nälich dann, wenn vorher die Schmerzen das Essen beeinträchtigt haben.

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    Ja wissen Sie es geht halt eben so schneller, ansonsten ist der Sterbeprozess viel langsamer"

    Da hast Du wohl was falsch verstanden: Eine Morpingabe in der korrekten Dosis (die muss individuell ermittelt werden) macht in aller Regel kaum bis keine Lebensverkürzung, aber eine gute Linderung der Symptome. Dass im Einzelfall dadurch der Tod (als unbeabsichtigte Nebenwirkung) etwas schneller eintreten kann, nimmt man in kauf und das ist juristisch auch ganz klar in Ordnung.


    Wenn allerdings jemand ein Medikament (egal ob Morphin oder was anderes) geben würde, um absichtlich den Eintritt des Todes zu beschleunigen, wäre das ganz klar eine Straftat. Aber das kann man dann ja kaum dem Mittel anlasten.

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    wenn Morphium so unschädlich sein sollte, wird es nicht rezeptfrei verkauft?

    Niemand hat behauptet, dass Morphin unschädlich wäre. Es hat Nebenwirkungen und Risiken wie jedes Arzneimittel. Du würdest Dich übrigens wundern, wieviele Menschen an frei verkäuflichen Medikamenten sterben...

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    Morphium hat den Herzstillstand herbeigeführt.

    Morphin macht viele Dinge, aber keinen Herzstillstand. Was es auslösen kann, wenn ein opiat-ungewohnter Patient eine hohe Dosis davon bekommt, ist ein Atemstillstand – aber damit rechnet man dann auch in solchen Situationen und kann entsprechend reagieren.


    Es ist ein häufiges Missverständnis, dass Hinterbliebene glauben, das böse Morphin (oder welches Medikament auch immer eingesetzt wird) sei an allem schuld – einfach deswegen, weil der Todeseintritt von Angehörigen als schlimmes Ereignis angesehen wird (was er am Ende einer Krebserkrankung eigentlich nicht ist) und man das automatisch mit den Dingen in Zusammenhang bringt, die zu diesem Zeitpunkt gerade passiert sind. Und das sind halt sehr oft irgendwelche medizinischen/pflegerischen Maßnahmen.

    Auch wenn der Thread hier Jahre alt ist, möchte ich dazu etwas berichten.


    Morphin selbst macht in mittleren Stadium den Körper zwar träge, lustlos und müde, aber im Endstadium wenn der Körper schon seine Funktionen eingestellt hat, ist es das beste Mittel.


    Der Körper stellt gegen Ende immer seine Funktion ein, das fängt mit mangelden Hungergefühl und Appetitlosigkeit an, am Ende ist die Leber noch zusätzlich stark belastet oder durch Streuen des Krebses am Ende der Funktion, das führt zum Bewusstseinsstörung und hepatische Enzephalopathie.


    Hepatische Enzephalopathie habe ich bei meiner Mutter erlebt die vor 14 Monate an einem Klatskin-Tumor nach Bismuth 4 erkrankte und zugleich eine kleingeknotete Leberzirrhose hatte. Am 26.08.2014 starb sie daran. :-( An ihre Augenstellung konnte ich erkennen das ihr Gehirn eine unwiderrufliche Schädigung durch Stoffwechselgifte hatte. Sie war gar nicht mehr da.


    Morphin ist daher ein gutes Mittel wenn bei Krebspatienten das Gehirn weiterhin gut intakt ist. Meine Mutter hatte durch diese Schädung gar nicht mehr Schmerzen spüren können, weshalb die Leber den Körper durch Gifte selbst sediert hat. Wäre dem anders gewesen, hätten die Ärzte sie auch Intensivmedizinisch mit Morphin behandelt, weil ein Klatskin-Tumor nach Bismuth 4 kein Zuckerschlecken ist.


    Ich möchte nur jeden sagen, im mittleren Stadium sind Novaminsulvon Lichtensteintropfen ganz gut. Bei stärkeren Schmerzen kann man die Dosis auf über 60 Tropfen steigern. Morphin wie meine Mutter es bekam Hydromorphon muss nicht sein, weil es zusätzlich im mittleren Stadium dämmt und man weniger isst. Je mehr man isst und Lebenslust hat, desto besser ist es. Aber gegen Ende sollte dann doch Morphin zum Einsatz kommen. Ich kann jeden nur Raten der an Krebs erkranken sollte, eine Vorsorgevollmacht und Pflegevollmacht auszufüllen und auch einen Brief an jeden geliebten Menschen zu schreiben und diesen zu Hinterlassen mit liebe und nette Worten um den Hinterbliebenen den Abschied zu erleichtern. Verbringt viel Zeit mit euren geliebten Menschen, umarmt sie viel, gebt ihnen das Gefühl dass sie nie alleine sind und sagt ihnen wie wichtig sie euch sind. Denn viele wissen einfach nicht das sie wichtig sind und man diese braucht. Ich habe einiges verpasst und wollte noch vieles sagen.

    Übrigens, auch Morphine erhöhen die Lebensquälität. Und es stimmt nicht bei jedem, daß dadurch das Hungergefühl reduziert wird. Die richtige Zusammensetzung und Kombination der Medikamente ist das Maßgebende, für jeden individuell zusammengestellt. Jeder Mensch kann anders auf Medis reagieren. Morphine sind trotzdem bei ohnehin Sterbenden unverzichtbar!

    Hallo,


    das Thema ist zwar schon alt aber ich habe trotzdem diesbezüglich noch ein paar Fragen an the-caver. Woran würde man eigentlich beim Tumorpatienten eine Morphinüberdosierung erkennen wenn der sowieso schon niedrigen Blutdruck hat. Wäre der niedrige Blutdruck hier ein Argument kein oder weniger Morphin zu geben? Muß man bei einer Umstellung von oraler Morphingabe auf subkutan vorsichtig sein oder eher großzügig da schon eine Toleranz vorliegt?


    Vielen Dank!