Wie soll man die Diagnose aushalten? Pflegefreistellung?

    Vor 2 Wochen mussten wir erfahren, dass mein Mann einen Pankreastumor mit kleinzelligen Metastasen in anderen Organen hat.


    Nun kommt er bald mit Pflegestufe 4 nach Hause. Krankenbett und Toilettenstuhl stehen bereit. Ein SAPV Team und ein Team für die Grundpflege werden sich kümmern. Die Grundpflege wollte ich zunächst selbst machen, aber mehrere Ärzte rieten mir vehement davon ab; ich würde das nicht schaffen. Nun gut. Ich habe bisher wenig Ahnung von dieser unheilbaren Erkrankung.


    Abgesehen davon, dass ich seit der Diagnose nachts höchstens 3-4 Stunden Schlaf finde, tut sich mir nun ein anderes Problem auf. Ich arbeite Vollzeit in einem Bürojob. Pandemiebedingt ist es im Job so geregelt, dass ich noch bis Ende Juli täglich im Home Office arbeiten darf. Danach darf ich dann aufgrund der Erkrankung meines Mannes pro Woche 2 Tage Home Office machen und 3 Tage muss ich im Büro präsent sein. Aber er kann doch nicht 9 Stunden alleine im Krankenbett in unserer Wohnung liegen?!!! Er schafft es nicht mal alleine auf den Toilettenstuhl; so geschwächt ist er.


    Ich könnte wohl Pflegezeit für 3-6 Monate beantragen. Da würden mir 50 % meines pauschalierten Nettoentgelts als zinsloses Darlehen vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben zur Verfügung gestellt werden. Wobei ich noch nicht kapiere, was dieser Halbsatz in fett bedeutet:
    „Ausgeglichen werden im Grundsatz 50 % des ausgefallenen (pauschalierten) Nettoentgelts, allerdings nicht der Differenzbetrag des Arbeitsentgelts, das auf die ersten 15 Wochenstunden entfällt.“


    Als Beispiel ist angeführt:

    “Ein Arbeitnehmer mit einer Wochenarbeitszeit von 37 Stunden nimmt unter vollständiger Freistellung von der Arbeit Pflegezeit in Anspruch. Als zinsloses Darlehen (monatlich) können 50 % des pauschalierten Nettoentgelts für 22 Wochenstunden geleistet werden.“


    D. h. doch laut dem Beispiel würden dem Arbeitnehmer hier 50 % von 22 Wochenstunden als Darlehen gezahlt? Also großzügig rund gerechnet, die Hälfte von seinem halben Gehalt? Also ein Viertel des üblichen Gehalts? Sorry, bin gerade zu blöd dafür. Liegt sicher auch am Schlafdefizit.


    Weil das bestimmt auch mit enormem Bürokratieaufwand verbunden wäre und ich das Geld ja sowieso zurückzahlen müsste, denke ich, ich sollte versuchen, mich ohne Gehalt von der Arbeit freistellen zu lassen und in den Monaten, die mein Mann noch lebt, einfach mein mickriges Sparbuch verbrauchen. Das sind gerade so die organisatorischen Dinge, mit denen ich mich rumschlage.


    Viel schlimmer ist natürlich, dass es so gar keine Hoffnung für meinen Mann gibt und ich bald alleine dastehe. Ich kann diese Traurigkeit schon jetzt kaum aushalten!!!!! :°(




  • 117 Antworten

    Das mit deinem Mann tut mir wahnsinnig leid.

    Du solltest dich dringend beraten lassen, wie das mit dem Geld weiter geht wenn du für deinen Mann da sein möchtest.

    Dass du nicht verstanden hast, wie das mit dem Geld gerechnet wird liegt nicht an deinem Schlafdefizit.

    Ich verstehe das so, dass man für 11 Stunden Geld bekommen kann.,

    Aber eben pauschalisiert.

    Ich frage mich allerdings, wieso es so wenig Geld gibt wenn das doch nur als Darlehen gezahlt wird?

    Ganz ehrlich, da würde es sich für manch einen eher lohnen sich kündigen zu lassen.

    Plüschbiest schrieb:

    Das mit deinem Mann tut mir wahnsinnig leid.

    ...

    Ich verstehe das so, dass man für 11 Stunden Geld bekommen kann.,

    Aber eben pauschalisiert.

    Ich frage mich allerdings, wieso es so wenig Geld gibt wenn das doch nur als Darlehen gezahlt wird? ...

    Ich danke dir für deine Anteilnahme!

    Wenn ich bedenke, dass er vor ein paar Wochen gerade mal etwas Übelkeit verspürte und jetzt ist er so schlapp, dass er sich kaum auf den Beinen halten kann...


    Ja wirklich!

    11 bezahlte Stunde als Darlehen? Wem soll das was bringen? Wenn man noch nicht mal die Miete davon bezahlt kriegt?

    Aber es wird was getan für pflegende Angehörige. Jaja. :-|

    Alias 973813 schrieb:

    Wenn ich bedenke, dass er vor ein paar Wochen gerade mal etwas Übelkeit verspürte und jetzt ist er so schlapp, dass er sich kaum auf den Beinen halten kann...

    Hm ja, dass geht sehr schnell bei Bauchspeicheldrüsenkrebs. :-(

    Ich frag mich gerade, wieso außer mir niemand hier was geschrieben hat?

    Forum heute wieder lahmgelegt?

    Hast du Freunde die dir beistehen?

    Gibt es bei dir die Caritas, oder den Sozialdienst für katholische Frauen?

    Eventuell haben die noch eine Idee, um dir zu helfen?

    Ich habe leider kein Tipp aber möchte dich „umarmen“ die Kraft senden und sagen:

    Nach dem Regen kommt

    Sonnenschein :)-:-(:)_

    Guten Morgen,

    Vielleicht gibt es bei dir eine Pflegeberatungsstelle in der Nähe. Die sind ein Teil der Behörde und oft recht fit, was den Papierkram angeht.


    Ansonsten könntest du dich auch krank schreiben lassen. Wirklich auf die Arbeit konzentrieren ist wohl eh nicht drin. Und Krankengeld ist dann vermutlich mehr als diese Darlehenssache.


    Fühl dich gedrückt!

    Es tut mir wahnsinnig leid für dich und deinen Mann.


    Wenn ich lese wie sehr du unter Streß stehst: würde es nicht Sinn machen wenn du dich krank schreiben lassen würdest? Ich kann mir nicht vorstellen dass du in dieser Situation in der Lage bist vernünftig zu arbeiten.

    Die Frau eines Bekannten ist mit Mitte 30 schwer erkrankt und nach 6 Monaten verstorben, er war auch fast ein Jahr lang krank geschrieben. Die psychische Belastung ist doch enorm. Sprich mal mit einem Arzt deines Vertrauens darüber.

    Dann würdest du nach 6 Wochen Krankengeld bekommen, das wären 67% vom Nettolohn. Damit müsstet ihr klar kommen.

    Auch mir tut Deine Situation unheimlich leid. So von jetzt auf gleich erfahren zu müssen, dass der Partner unheilbar erkrankt ist, muss mit das Schlimmste sein, was es gibt! Was das Finanzielle betrifft, würde ich es tatsächlich so machen wie Ratlos23 schreibt. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man in so einer Situation überhaupt vernünftig arbeiten und den beruflichen Belastungen standhalten kann. Du bist ja psychisch sicherlich schwer angegriffen jetzt. Diese andere Geschichte mit dem Darlehen scheint mir ja schon geradezu frech vom Staat. Gibt es nicht auch so etwas wie ein Pflegegeld?

    Mir scheint das wichtigste, dass Du so viel wie möglich der verbleibenden Zeit mit Deinem Mann verbringen und ihm in dieser letzten Phase seines Lebens möglichst eng beistehen kannst. :)_

    Das tut mir sehr leid :-(


    In den Krankenhäusern gibt es in Ö oft einen Palliativ-Konsiliardienst, der nach Hause kommt - und Sozialarbeit, die die bestmögliche Lösung für euch rausfindet bzgl. Versorgung und Geld. Frag mal im Krankenhaus nach, ob es das bei euch geht. Ich hab mit denen oft zusammen gearbeitet, die waren immer tip top informiert und sehr am Patienten orientiert.

    Da wird ja ein Pflegedienst kommen. Aber der kostet ja auch was.

    Wenn ihr Mann Pflegestufe 4 hat gibt es 728 Euro.

    Ach, ich verstehe, Pflegegeld für die Angehörigen gibt es nur, wenn sie die Pflege komplett selbst übernehmen und das ist in dem Fall weder möglich nicht sinnvoll.