Schmerzmittel bei Krebs

    Hallo,


    ich bin interessierter Laie und möchte mal wissen, was für Schmerzmittel-Wirkstoffe bei Krebspatienten eingesetzt werden und ob der Schmerz dann "weg" ist?


    Danke


    Jaguar2004

  • 19 Antworten

    hallo.


    in den schmerzambulanzen gibt man, nach ausschöpfen der nicht-btm-pflichtigen medikamente, gerne folgende kombis:


    fentanyl pflaster alle 3 tage


    metamizol-natrium 4mal täglich


    morphine bei Schmerzspitzen


    zusätzlich kann diclophenac oder ibuoprofen bei ossären schmerzen dazugegeben werden.


    heutzutage muss niemand mehr wirklich starke schmerzen haben.


    den erfolg der schmerztherapie sollte immer der patient bewerten und nicht der arzt.


    leider denken die meisten menschen in deutschland, dass man ein gewisses maß an schmerzen aushalten muss... was die sache oft kompliziert... ebenso die scheu vor medis, die unter das betäubungsmittelgesetzt fallen...


    lg

    "sufenta" kenne ich nur aus der anästhesie/intensiv. auf station habe ich noch keine anwendung erlebt.


    die anwendung von hydromorphon habe ich zwar schon erlebt, sie stellt aber sicherlich eine arge ausnahme dar.


    mit meiner oben genannten kombination habe ich bisher die besten erfahrungen gemacht - der patient soll ja schmerzfrei UND wach sein.

    hallo reX,


    scheinst wohl krankenpfleger zu sein, oder?


    also ich habe mit metamizol geil gallenkoliken gute erfahrungen gemacht, wobei das präperat wenn ich ehrlich bin zu schwach war.


    aber eine schnelle schmerzlinderung war schon zu spüren.

    Ich nehme Morphium Tabletten. Und bei Bedarf zusätzlich Talvosilen forte Kps.


    Wirkt innerhalb 30 Minuten und hält 6-8 Stunden an. Bin aber nicht immer ganz schmerzfrei.


    Gegen die Schmerzen (bedingt durch die Bestrahlung) hilft es aber nicht.


    Mit der Darmtätigkeit habe ich keine Probleme. Ich habe mir getrocknete Aprikosen gekauft. Jeden 2. Tag 1 und ich habe keine Probleme.

    Mein Vater hat Morphine bekommen, anfangs nur 60mg pro Tag aber er hat sich so schnell daran gewöhnt das er nach einiger Zeit ganze 540mg am Tag bekommt. Hab irgednwo mal gelesen das in Holland nur die soviel Morphine kriegen die wirklich sterben wollen. In Deutschland ist ja sterbehilfe net erlaubt.


    Jedenfalls mein Vater wurde immer und immer abhängiger, er sah andauernd überall weiße Katzen und im Bett hat er andauernd nach Nadeln und Schlangen gesucht. Meine Mutter und ich wollten ihn dann rntersetzen weil er Bestrahlung bekommen hat damit er keine Schmerzen mehr kriegt. Also waren die Schmerzmittel ziemlich sinnlos. Wir sind dann schritt für schritt bis auf 120mg gegangen was ein riesen erfolg war. Doch mein Vater konnte immer noch nicht 100%ig normal denken. Er hatte auch seiner meinung nach immernoch schmerzen doch ich glaube die hat er sich eingebildet bis er dann gestorben ist.


    LG Joris

    @ ReX

    Noch mal an ReX, die Ärzte meines Vaters haben auch so gedacht wie du und ich glaube das viele Morphium hat meinen Vater so zugesetzt das er daran gestorben ist. Also ein gewisses maß muss man schon einhalten. Zuviel Morphium ist auch nicht gut.


    Die pflaster die man alle 3 Tage wechseln muss hatte er auch aber ich weiß nicht mehr genau wieviel mg das waren.


    Meiner Meinung nach waren die Pfalster auch besser weil die geben das Morphium konstant durch die Haut ab, bei den Pillen muss man dem Patienten ja hundert mal beim Schlafen aufwecken.

    Also,


    1. Arzt bin ich keiner. Aber mit Schmerzeinstellungen habe ich im post-operativen und palliativen Bereich viel zu tun.


    2. Man kann natürlich Schmerzmittel auch überdosieren. Prinzipiell muss es meiner Meinung nach aber der Patient entscheiden, ob er mit der Schmerzeinstellung zufrieden ist.


    Morphine machen den Darm sehr lahm, deswegen sollten die Patienten auch regelmäßig Abführmittel einnehmen, wenn sich Schwierigkeiten andeuten.


    Fentanyl-Pflaster haben nicht solche Nebenwirkungen auf den Darm.


    3. Irgendwo habe ich gelesen, dass Novalgin zu schwach sei. Als alleiniges Schmerzmittel sicherlich. Aber in der Kombination seeehr sinnvoll. Novalgin besetzt andere Schmerzrezeptoren als das Morphin, was eine bessere Schmerzabdeckung bewirkt.


    (Tramal und Morphin besetzt zum Beispiel die Gleichen, weswegen diese Kombi Unsinn ist.)


    Wichtig ist immer die kontinuierliche Einnahme, damit es erst gar nicht zu Schmerzattacken kommt.


    Ach ja,


    4. in der Schmerztherapie beobachte ich immer genau die Pupillen. Wenn die sehr eng sind, kann man sehen, dass das Maximum an Opiaten erreicht ist.


    Außerdem kommt es dann häufig zu Übelkeit (Aber auch allgemein in der Anfangsphase)


    Bei Patienten, die schon lange chronische Schmerzen ausgehalten haben, muss erstmal dieser Schmerz durchbrochen werden - was gar nicht so einfach ist, weil sich das Gehirn schon daran "gewöhnt" hat, diese Schmerzsignale auszusenden.


    LG


    reX

    @ reX

    hallo,


    dein Beitrag ist sehr informativ. Jedoch stimmt es nicht, das Metamizol Schmerzrezeptoren besetzt. Wenn ich mich richtig erinnere gehört Metamizol zu der Gruppe der NSAIDs und die wirken nunmal alle gleich nämlich durch Hemmung des Cylccoxygenasen (wenn ich das richtig geschriben habe), dadurch wird die Bildung von Botenstoffen wie die Tromboxonen, Prostaglandinen und Prostacyclinen deutlich herabgesetzt und die Schmerzempfindlichkeitsschwelle deutlich heraufgesetzt.


    Gruss Jaguar2004

    @ jaguar

    Dass Metamizol zu den NSAIDs gehören soll, wäre mir jetzt neu. Ich wüsste nicht, dass Metamizol eine antiphlogistische Wirkung zugeschrieben wird.. außerdem müsste man diese Medikamente 24 Std. vor Rückenmarksnarkosen absetzen.. und das tut man definitiv nicht.


    Ich muss "gestehen", dass ich nicht die jeweiligen Schmerzrezeptoren auswendig gelernt habe (ich glaub, die haben alle irgendwelche griechischen Buchstaben). Metamizol ist auf jeden Fall peripher wirksam, dh. es werden die peripheren Schmerzrezeptoren geblockt....oder "von mir aus" die Synthese von Schmerzmediatoren suppremiert...(die dann nicht die Rezeptoren besetzen).. läuft aber auf das gleiche heraus.


    Opiate sind dagegen zentral wirksam..


    Erstaunlich, was Du so alles weißt und Dir auch noch merken kannst. Prostaglandine kenn ich noch und die gehen mir flüssig von den Lippen... der Rest ist schon was für den Biochemiker und Zungenakrobaten.


    Für die Praxis (besonders für den Patienten) hat das aber wenig Relevanz. Er muss verstehen, warum er die Mittel regelmäßig nehmen muss und warum es verschiedene Präparate in Kombination gibt.


    LG


    reX