Erst Schlaganfall, 3 Tage später Diagnose Lungenkrebs

    hallo zusammen,


    Meine Mutter ist 71 Jahre, hat COPD, eine Bypass-Op vor 4 Jahren, Niereninsuffienz und Diabetes Typ 1 seit 45 Jahren. Also schon mal krank von Haus aus.


    Am Sonntag, 18.2. erlitt Sie einen Schlaganfall. Jetzt, nach 3 Tagen ist Sie ansprechbar und einigermaßen klar im Kopf, kann jedoch den rechten Arm nicht bewegen und nicht sprechen, schlucken.


    Heute, am Mittwoch, 21.2. kam noch zusätzlich die Diagnose Lungenkrebs dazu. Der Krebs ist in beiden Lungenflügeln, hat noch nicht gestreut.


    Das sagte mir der Arzt heute eiskalt und im Beisein meiner Mutter.....unglaublich. Ich hoffe nur, daß Mama das nicht wirklich verstanden hat, so wird Sie sich nicht erholen. Es ist schlimm wie Ärzte manchmal sind.


    Ich solle mit meiner Mutter sprechen (Sie kann nicht sprechen, aber wen interessiert das), Sie hat zwei Möglichkeiten, 1) Biopsie und dann Chemotherapie sobald wie möglich, oder 2) warten, bis sie sich einigermaßen vom Schlaganfall erholt hat, es können jedoch in der Zeit Metastasen wachsen, muss nicht, aber kann sein.


    Ich setzte mich erst einmal auf einen Stuhl und hab gar nicht begriffen, was der eigentlich sagt.


    Vielleicht habt Ihr eine ähnliche Erfahrung, Schlaganfall und Krebs innerhalb von 3 Tagen.......und es hat bum gemacht.


    Soll ich Mama eine Chemo zumuten? soll Sie sich erholen erstmal?


    Ich habe auch Angst Ihr den Krebs zu sagen, den Schlaganfall weiß und begreift Sie (auch Papa hatte vor 4 Jahren einen Schlaganfall, darum weiß Sie darüber Bescheid), aber wenn ich Ihr den Krebs sage dann sackt Sie doch total zusammen oder?


    Danke Euch für Eure Hilfe.

  • 16 Antworten

    Deine Mutter muss eigentlich für sich die Entscheidung treffen. Nicht du oder die Ärzte. Aber....


    Frage ihr durch Augenblinzeln (1x für Ja, 2x für nein), ob sie überhaupt etwas versteht. Wenn sie globale Aphasie hat, dann versteht sie gar nichts und wird auch nicht schreiben können. Dann muss du die Entscheidung treffen. Frag den Arzt nach die realistischen Chancen, dass die Behandlung anschlägt und ob sie der Chemo überhaupt überleben wird - das ist ja eine Latte an Vorerkrankungen. Das erschwert alles erheblich.

    besonders wenn dein Vater auch schon einen Schlaganfall hatte, habt ihr doch sicher in der Familie darüber gesprochen, was die Wünsche deiner Mutter in so einem Fall wären?

    Zitat

    Das sagte mir der Arzt heute eiskalt und im Beisein meiner Mutter.....unglaublich. Ich hoffe nur, daß Mama das nicht wirklich verstanden hat, so wird Sie sich nicht erholen.

    Eiskalt ist sicher hart, aber deine Mutter hat ja ein Recht auf ihre eigenen Diagnosen!


    Und wenn sie ansprechbar und klar im Kopf ist, dann kann sie sich vielleicht mit Nicken oder Händedrücken äußern?


    Es tut mir leid, was ihr gerade durchmacht, aber ich finde es richtig, wenn man um all seine Optionen weiß.


    Auch oder gerade als kranker Mensch

    Ich finde, da sie ja klar und ansprechbar ist, sie selbst darüber entscheiden soll. Es ist hart, ja, aber stell dir vor, du entscheidest, dass sie sich erst mal erholen soll und dann hat der Krebs gestreut.


    Sie muss es einfach schnell wissen, damit sie die Option auf Sofortbehandlung hat.


    Ich verstehe allerdings nicht, dass der Arzt so einfach dir die Verantwortung zuschiebt. Er könnte ihr viel besser raten, was sinnvoll ist.

    das hab ich ihn auch gefragt , was soll ich tun? was ist das beste? was raten Sie mir?..........das muss Ihre Mutter und/oder Sie selber entscheiden, Ihre Mutter muss wissen ob Sie stark genug ist und die Chemo will...


    aber meine Mutter kann es nicht sagen....verstehst?


    Sie bringt das noch gar nicht in die Reihe nach 3 Tagen, auch wenn Sie ansprechbar ist, damit ist Sie überfordert.

    Rupprecht Bärbl

    Ich selbst (62 Jahre alt) habe schon diesen Hammer erlebt. Wegen massiv nachlassender Muskelschwäche und Schluckbeschwerden ging ich Ende November 2016 zum Hausarzt, der mich wegen der Schluckbeschwerden sofort zum HNO schickte. Bei dem war ich eine knappe Stunde später. Nachdem der zwar eine deutlich verringerte Muskelkontraktion feststellte, aber sonst nichts weiter, schickte er mich direkt in unser Bezirksspital. Dort fand dann eine weitere Stunde später einiges an Untersuchungen statt (u.a. MRT). Meine Schluckbeschwerden interessierten auf einmal nicht mehr, man fand nämlich einen auffälligen Knoten in der rechten Brust. Zwei Tage später hatte ich Termin zur Stanzbiopsie. Wenige Stunden später hatte ich einen schweren Herzinfarkt mit zweimaligem Herzstillstand. Kaum war ich in unser Bezirksspital zurückverlegt worden, erhielt ich knallhart die Diagnose Brustkrebs mit schon befallenem Lymphknoten. Meine extreme Muskelschwäche, die bis zur Gehunfähigkeit führte, hatte ich einem paraneoplastischen Syndrom (Dermatomyositis) zu verdanken, die im Verlauf der Chemo im Februar 2017 langsam zurück ging.


    Da ist man natürlich erst mal bedient, und ja, es war ein großes "Bumm". Deiner Mutter wird es nicht anders gehen, und es tut mir wirklich unendlich leid für Euch. Für Dich ist das noch schwerer als für sie selbst. Deine Mutter ist aber noch nicht so alt, dass sie eine Chemo nicht verkraften würde. Die bisherigen Erkrankungen sprechen eigentlich nicht gegen eine Chemo, die allerdings auch kein Spaziergang ist.


    Bezüglich des weiteren Prozederes würde ich den Ärzten vertrauen. Ich lief damals gut damit. Ich bekam kurz nach der Diagnose einen Port und am nächsten Tag die erste Chemo, die sich dann bis Ende April 2017 hinzog. Wegen des Herzinfarkts und noch einer folgenden Lungenembolie konnte ich erst im Juni 2017 operiert werden: Radikal-OP.


    Aber, wie Du siehst, gibt es mich noch. Ich bin in engmaschiger medizinischer Betreuung, und bis auf meine rheumatische Erkrankung und dem massiven Untergewicht geht es mir wieder vergleichsweise gut.


    Deine Mutter sollte über die Krebsdiagnose informiert werden und natürlich auch umfassend darüber, welche Therapien zur Verfügung stehen. Ich hatte damals zum Glück einen sehr einfühlsamen Arzt, der mir das schonend, aber absolut ehrlich mitteilte. Die Diagnose Krebs ist leider immer besch***en, weil unberechenbar und potenziell tödlich.


    Deiner Mutter wünsche ich ganz viel Kampfgeist und natürlich von Herzen alles Gute! Dir auch ... :)* :)* :)*

    ja bitte Süntje.....sorry, ich wußte nicht wo ich schreiben soll da es ja zwei Themen sind.


    Danke Monsti.........


    Danke Luci32........


    jeder von Euch zwei hat recht....und trotzdem sind die Hilfestellungen verschieden.


    Es ist einfach nur schlimm.

    Ja, es ist schlimm. Klar, dass unsere Hilfestellungen unterschiedlich sind. Luci und ich haben auch unterschiedliche Erfahrungen gemacht. M.E. ist es positiv zu sehen, dass bei Deiner Mutter noch keine Metastasen ersichtlich sind, d.h. der Krebs ist bisher auf die Lungenflügel beschränkt.


    Das mit der Chemo würde ich wirklich von der ärztlichen Empfehlung abhängig machen. I.d.R. gibt es einen Tumor-Board ( --> https://www.netdoktor.at/krankheit/krebsschule/was-ist-ein-tumorboard-3647074 ), bei dem die einzelnen Fälle interdisziplinär besprochen werden. Das Resultat ist dann eine gemeinsam besprochene und vereinbarte Therapie-Empfehlung.


    Liebe Grüße :)*

    oder man überlegt zunächst, wieviel von dem Schlaganfall zurückbleibt und ob man eine Behandlung überhaupt in Erwägung zieht

    Zitat

    oder man überlegt zunächst, wieviel von dem Schlaganfall zurückbleibt und ob man eine Behandlung überhaupt in Erwägung zieht

    Auch so etwas wird in der Tumor-Konferenz besprochen. Die Entscheidung für oder gegen eine Krebs-Therapie liegt niemals in der Hand eines einzelnen Arztes.

    nein, es liegt in der Hand von Rupprecht Bärbls Mutter.


    Deshalb meine frage, ob es keine Gespräche gab, als der Vater einen Schlaganfall erlitt

    Weißt Du um welchen Lungenkrebs es sich handelt? Gibt es schon ein Staging? Kann die Hirnproblematik evtl. doch mit einer Streuung ins Gehirn zusammenhängen? Wurde da ein MRT gemacht? Wurde ein Szintigramm der Knochen gemacht?


    Wenn der Krebs in der Tat nicht gestreut haben sollte ist Chemo und OP eine gute Möglichkeit ihn in den Griff zu bekommen.


    Sicher ist diese Diagnose hart, aber der Patient hat ein Recht darauf es zu erfahren. Schwierig natürlich bei der momentanen Kommunikationsproblematik. Gibt es eine Patientenverfügung? Und dann sollte zunächst alles mit dem Onkologen durchgesprochen werden, wenn der Beschluss der Tumrokonferenz steht.


    Das heißt dann aber nur, dass beschlossen wurde, was man machen kann, dazu braucht man dann die Zellart und das Staging. Ob der Patient die Behandlung dann angeht ist und bleibt Entscheidung des Patienten selbst. Sollte der Patient selbst nicht in der Lage sein zu kommunizieren, dann sind bei fehlender Patientenverfügung die Angehörigen dran zu entscheiden.

    Süntje

    Zitat

    nein, es liegt in der Hand von Rupprecht Bärbls Mutter.

    Letztendlich schon. Aber es wird im Vorfeld interdiszplinär eine Strategie ausgearbeitet, die sämtliche Erkrankungen und den aktuellen Zustand des Patienten berücksichtigen. Darum geht es zunächst. Das meinte ich oben.


    Selbstverständlich entscheidet der Patient selbst (oder aber Angehörige), ob die ausgearbeitete Strategie zur Anwendung kommen soll oder nicht.

    Vielen Dank für Eure Anteilnahme.

    @ Süntje:

    Als mein Vater einen Schlaganfall erlitt haben wir uns leider nicht unterhalten über die Zukunft von Mama. Er kam auf Reha und es ist wieder alles gut, hat ja auch keinen Krebs......Man ist dann froh, es überstanden zu haben und will von dem Thema nix mehr wissen.

    @ Maerad:

    Meine Mutter war heute wieder viel wacher als gestern, hat gegessen und getrunken. Hab Ihr dann erklärt, dass eine Biopsie gemacht werden sollte, da es Krebs sein kann.


    Die Ärztin meinte auch, es ist nicht sicher dass es Krebs ist, deshalb die Biopsie.


    Meine Mutter hat eingewilligt, morgen ist der Termin. Momentan weiss ich noch nicht, ob und welcher Krebs es ist.


    Ein MRT wurde 2x gemacht, Gehirn und Lunge, dadurch wurde der Krebs ja festgestellt.


    Eine Vollmacht habe ich.