Lungenwasser absaugen (an Dr. Schneider)

    Sehr geehrter Herr Dr. Schneider,


    mein Schwiegervater hat Endes letzten Jahres ein Lungentumor diagnostiziert bekommen! Ins Krankenhaus ist er aber wegen eines Schlaganfalls. Nach mehreren Untersuchungen, CT, Bronchoskopie, Knochenuntersuchungen, kam man zum Beschluss, das es sich um ein unoperablen Tumor handelt, der hinter dem Gewebe am Ende des rechten Lungengewebes sitzen würde.


    Man beschloss im Chemo zu geben. Nach 2 Chemobehandlungen, nun muss man auch sagen, daß mein Schwiegervater schon 73 Jahre alt ist, bekam er Husten, Herzprobleme und der Puls stieg auf 160. Nachdem er wieder ins Krankenhaus musste, diesmal auf der Zwischenintensiv, stellte man dort einen Infekt fest, der mit Antibiotika behandelt wurde. Weiterhin wurde sein Herz wieder richtig eingestellt, so daß auch der Puls sich eingliederte.


    Nach 5 Tagen kam er auf die Herzstation, wo er immer stärker hustete und über Schüttelfrost, Fieber und Schmerzen, die von unterhalb, der Leiste, bis über den Lungenflügel, die Brust bis vor zur Halsschlagader austraten. Das selbige von der Rückseite. man stellt dann nach ca. 5 weiteren Tagen eine schwere Lungenentzündung fest, wo ich nicht weiß, was es heißt, einiges an verschmelzen war. Auf jedenfall hörte es sich gar nicht gut an. Die Ärztin überwiss ihn in die Lungenklinik, da sie sonst die Befürchtung hatte, das er in wenigen Tagen an die Lungenentzündung sterben würde.


    Dort legte man einen Schlauch zur Lunge und ließ Lungenwasser ab, das ganze wurde noch verschärft, durch den Abzess in der Lunge, wobei er dann operiert wurde.


    Meine Frage an Sie ist: Macht man nach der Heilung mit der Chemo weiter? Waren die Schmerzen von der Lungenentzündung oder eher die Anzeichen von Metasen? Wenn Metasen, werden auch diese noch behandelt, oder schweigt man? Welche Chance besteht für ihn? Mit was müsste man rechnen? Welche Symptome könnten noch eintreten? Wie können wir ihm helfen?


    Vielen Dank im voraus,


    von ganzen Herzen Pollin

  • 7 Antworten

    Liebe Pollin,

    daß Ihr Schwiegervater nach den zwei Chemotherapien wirklich "geheilt" gewesen ist, muß ich leider bezweifeln. Fast immer ist es leider so, daß der Befall des Rippenfells mit Bildung von Wasser (ein sogenannter Erguß) von vornherein mit Unheilbarkeit gleichzusetzen ist. Das sollte auch bei der Therapiebesprechung nicht verschwiegen werden.


    Ob man nach zwei Therapien die Chemo beendet oder weiter macht (fast überall hat es sich eingebürgert, nicht mehr als vier, in einigen Fällen maximal sechs Zyklen zu geben), hängt von der Wirkung und der Verträglichkeit ab. Im beschriebenen Fall scheinen ja doch einige Komplikationen engetreten zu sein, die eine Fortsetzung der Chemo unmöglich machten (Infektion, Herzprobleme usw.). Hier wird auch der Grund gelegen haben, die Behandlung dann zu beenden.


    Grüße,


    Schneider

    Morphium

    Hallo Herr Dr. Schneider!


    Wie sie schon wissen, hat mein Schwiegervater die Lungenentzündung. Während dessen bekommt er Morphiumtabletten, die er aber nicht nehmen will! Man sagt er sollte sie wegen den Schmerzen nehmen, aber er hat keine!


    Meine Frage: Wann wird bei Lungenentzündungen Morhium eingesetzt und warum?


    Oder hat das was anderes zu bedeuten. Die Ärzte gehen nur im Gespräch auf die Lungenentzündung ein, und nicht auf den Krebs!


    Was können sie mir dazu sagen!


    Vielen Dank im voraus,


    es grüßt sie ganz herzlich


    Pollin

    Hallo, Pollin,

    zunächst erstmal Bitte um Verständnis, daß ich einige Tage nicht im Forum geschrieben habe...


    Also, ich sehe das so, daß die Lungenentzündung sicher als eine Art "Nenbeneffekt" des Krebses zu werten ist. Das ist sehr häufig und kommt durch die Verstopfung/Verschluß von Bronchien durch den Tumor und das Wachsen von Bakterien in dem betreffenden Lungenabschnitt, was oft durch die Chemotherapie und die damit verbundene Abwehrschwäche noch begünstigt wird. Es ist also keine Krankheit für sich. Das Morphium (M) ist natürlich in allererster Linie ein Medikament gegen Schmerzen, kann aber auch z.B. bei sehr starker Luftnot oder Unruhe eingesetzt werden. Ein Medikament gegen Lungenentzündung an sich ist es definitiv nicht! Vielleicht hat man das auch nicht richtig rübergebracht.


    Nächster Punkt, wenn der Schwiedervater keine Schmerzen hat, heißt das nicht, das er das M nicht nehmen muß, denn vielleicht hat er ja gerade deswegen kein, weil er es nimmt|-o Zudem kann man M ab einer bestimmten Dosis und Einnahmedauer nicht einfach wieder absetzen, sonst passiert dasselbe wie bei einem Junkie, man kommt auf "Turkey", also in einen Entzug. Das muß man dem Schwiegerpapa auch sagen.


    Und nicht zuletzt ist M eben auch ein wirklich gutes Medikament für Krebspatienten, aber man muß mit dem Gebrauch bzw. der Verordnung schon vertraut sein.


    <span title="OK">OK***</span>


    Grüße,


    Schneider

    OP

    Sehr geehrter Herr Dr. Schneider,


    die Lungenentzündung ist nun ganz gut abgeklungen, da klagt mein Schwiegervater über Schwindel im Kopf und Schluckbeschwerden. Die Ärzte haben ihn noch immer keine Halsschmerztabletten gegeben, aber 3 weitere Tabletten abgesetzt. Gestern sagte er uns, das Chemo nicht gemacht werden kann, zwecks noch der Ausheilung der Lungenentzündung, sie denken über eine OP nach!


    Nie erwischt man einen Arzt!


    Was hat das wieder zu bedeuten, heißt dass das noch was wegen der Lungenentzündung gemacht werden muss, denn der Tumor liegt doch hinter dem Lungengewebe und kann nicht operiert werden!


    Haben sie da eine Theorie!


    Vielen Dank für ihre Mühe,


    liebe Grüße, Pollin

    Neue Meldung

    Sehr geehrter Herr Dr. Schneider, können sie mir bitte sagen, wie sich das verhält.


    Bei meinem Schwiegervater ist die OP wieder abgesetzt worden und ist jetzt für "14" Tage nach Hause geschickt worden. Der Husten ist immer noch sehr fest. Gestern (zu Hause) hatte er Kopfschmerzen und kribbeln in den Beinen, dieses Gefühl hatte er aber auch schon im Krankenhaus, worauf die Ärzte meinten das sollte er den Hausarzt ansehen lassen.Vor ein paar Monaten hatte er den Schlaganfall, da hatte er auch das Kribbeln in den Füssen.


    Was passiert hier eigentlich! Wenn man mit den Ärtzten redet, dann fixieren sie sich nur auf die Lungenentzündung, kein Wort von dem Tumor! Ich hätte von ihnen gewusst, warum man so handelt. Erst OP, dann keine, jetzt weiß man noch nicht einmal, ob in 14 Tagen die Chemo wieder eingesetzt wird, weil der Professor ganz zufrieden wäre ohne Chemo!


    Mit ganz lieben Grüßen,


    Pollin

    Ältere Unterlagen

    Sehr geehrter Herr Dr. Schneider,


    nun kann ich ihnen erste Angaben vom 19.1.2006 geben.


    Die Diagnose lautete:


    Bronchial-CA des rechten Lungen-UL


    - hist.: schlecht differenziertes bronchogenes Adeno-CA


    Initialstadium T3, N3, M 0


    Applikation von Teil 2 des 1. Zyklus einer Chemotherapie(Carboplatin/Gemcitabin) am 18. 1.06


    Zn. Nikotinkonsum


    Z. n rezidivierender cerebraler Ischämie


    -Lyseversuch am 27.12.05


    -Residualparese links


    - hochgradige ACI-Stenose links


    Typ 2 Diabetes mellitus


    Generalisierte Arteriosklerose


    Aortenstenose, Mitralinsuffizient


    Aufnahmebefund:


    Haut und Schleimhäute unauffällig, Kopf und Hals unauffällig, Wirbelsäule klopfschmerzhaft, Nierenlager nicht klopfschmerzhaft, Keine Unterschenkelödeme, perophere Pulse nicht sicher palbierbar.


    Chemo 2tag: Husten und Auswurf-Lungenentzündung


    Mäßige Vergrößerung der Schilddrüse, insbesondere im li. unteren Schilddrüsenlappens im Bereich des Isthmus eine knotige Raumforderung mit zentral hypodensen Dichtewerten im Sinne regressiver Veränderungen zu sehen. Der links. Knoten reicht knapp restrosternal der größere der beiden Knoten hat einen Durchm. von ca. 2,2 cm.


    Als Ursache der Verschattung der Toraxaufn. findeet sich eine ausgeprägte Tumorformation, der Durchm. beträgt etwas mehr als 6,5 cm. Die Formation ist hauptsächlich dem Segment 9 zuzuordnen, jedoch sind auch die benachbarten Segmente 8 und 10 wohl teilweise mit infiltriert. Der Tumor liegt breitflächig der Pleura an, eine subbifurkal Nachweis ausgedehnter Lympfknotenvergrößerungen.Der subbifurkale Lympfknoten hat einen Durchm. von ca. 3x4 cm, der größte Lympfknoten im Bereich des rechten Hilus einen Durchm. von etwa 2 cm. Der Abstand des Tumors zum Abgang des re. Unterlappenbronchus beträgt mehr als 4 cm. Im übrigen zeigt eine regelrechte Lungengerüststruktur. Kein Nachweis intrapulmonaler Metastasen.


    Peripheres Bronchialkarzinom, Durchm mehr als 6,5 cm rechter Unterlappen. Ausgedehnete ipsilaterale Hilus- wie auch mediastinale Lympfknotenmetastasierung.


    Ich hätte das gerne erklärt. Dann kam die schwere Lungenentzündung nach der 2. Chemo. Nun ist er 14 Tage zu hause. Man weiß noch nicht ob er Chemo weiterhin bekommt, da der Professor mit seinen Zustand ganz zufrieden ist. Die Lungenenzündung ist auch noch nicht ganz ausgeheilt.


    Was sagen sie zu all dem. Bitte in deutsch!


    Rausgehört habe ich, das es ein Tumor ist, der keine Metastasen hat, und zum Schluß aber wieder eine Metastasierung stattfindet. Wie verhält sich das alles. 2004 hatte er noch keinen Tumor. Ist es ein sehr schnellwachsener? Ist es ein sehr agressiver? Was kann noch kommen? Wie verhält sich in so einem Fall die Lebenserwartung mit Chemo, oder ohne Chemo?


    Ich weiß ich möchte von ihnen vieles erfahren und sie können sich nicht nur mit mir beschäftigen, aber mir ist es wichtig, da wir sonst keinerlei Hinweise bekommen. Man redet immer über die Lungenentzündung, und ansonsten nichts. Wenn wir darauf eingehen wollen, erklärt man uns das erst die Lungenentzündung verschwunden sein muss, bevor wir an den Krebs überhaupt denken!


    Bitte melden sie sich schnell!!


    Ganz liebe Grüße, Pollin.


    Ps. Meine Schwägerin ist Krankenschwester und die hat die Unterlagen einfach kopiert!


    Deswegen haben wir ja Hinweise!

    Liebe Pollin,

    zunächst erst einmal bitte ich um Entschuldigung für mein langes Fernbleiben aus der Runde, aber ich war einfach mal eine Woche im Urlaub...


    Der Arztbericht erscheint mir eigentlich ganz plausibel. Man muß verstehen, daß die Lymphknoten einerseits zwar als "Metastasen" bezeichnet werden, hier als N3, d.h. bereits fortgeschrittene LK, aber im eigentlichen Sinne nur die Metastasen außerhakb der Lunge/des Brustkorbes als M, also Metastasen bezeichnet werden, das bedarf sicherlich der Erklärung.


    Im übrigen werden "N3-Tumoren" fast überall in Deutschland/Europa/weltweit nicht operiert, sondern mit Chemo und Bestrahlung behandelt, wir machen das auch so. Nur in ausgewählten Fällen, wenn diese Therapie sehr gut anschlägt, prüfen wir gemeinsam mit den Kollegen aus der Chirurgie die Möglichkeiten einer Operation in zweiter Instanz. Manchmal geht das sogar sehr gut.


    Es hängt aber eben von vielen anderen Faktoren ab.


    Insgesamt, so habe ich den Fall jetzt verfolgt, hätten wir die Therapie (z.B. also mit Platin und Gemcitabine) auch so oder ähnlich durchgeführt.


    MfG,


    Schneider