Mutter hat Lungenkrebs mit Hirnmetastasen

    Hallo, seit fast 3 Wochen wissen wir, dass meine Mutter (55) Lungenkrebs hat mit 2 - 3 Hirnmetastasen. Zum Arzt gegangen ist sie Ende Juni, weil sie ihren Fuß nicht mehr gespürt hat. Das sind - wie wir jetzt wissen - die Auswirkungen der Hirnmetastasen.


    Meine Mutter hatte vor 5 Jahren schon einmal Brustkrebs, der aber sehr früh erkannt wurde und sie hat seit 4 Jahren keine Beschwerden mehr. Ich dachte, das läuft jetzt genauso wie vor 5 Jahren: tapfer sein, trösten, Therapie - und wieder gesund werden!!


    Sie kann am Kopf nicht operiert werden - zu risikoreich - daher bekommt zu seit letzter Woche ambulant Bestrahlung für den Kopf und Chemo für die Lunge.


    Meine Mutter wohnt leider 3 Stunden von mir entfernt, deshalb war ich bei Arztgesprächen usw. nicht mit dabei. Soviel zur Vorgeschichte.


    Letztes Wochenende waren mein Mann und ich zu Besuch bei ihr. Und da haben sich sehr merkwürdige Dinge abgespielt, die mir sehr zu schaffen gemacht haben, aber ich habe mir auf die Zunge gebissen und erstmal nix gesagt, weil ich das alles nicht kapiert habe und in dieser Situation auch keinen Streit anfangen wollte.


    1) Zuerst war ich schockiert zu sehen, dass meine Mutter weiterhin raucht wie vorher (ca. 20 Zig./ Tag). Und ihr Mann - sie hat vor 7 Jahren nochmal geheiratet - ist auch nicht gewillt, etwas dazu zu sagen.


    2) Dann zieht mich ihr Mann in die Küche und will mit mir Beerdigungsdinge (!) besprechen. Da habe ich ihn angezischt, dass ich zu diesem Zeitpunkt ans Gesundwerden denke und nicht an Beerdigung und bin rausgegangen, um mich erstmal in einer stillen Ecke wieder einzukriegen.


    3) Dann kommt ihre beste Freundin vorbei, bietet meiner Mutter eine Zigarette an und heult los wie ein Schlosshund, knutscht meine Mutter ab und sagt "Ich hab's einfach nicht länger ohne dich ausgehalten, du bist jetzt das wichtigste in meinem Leben". Gegen dieses Gebaren kam ich mir als Tochter wie ein kalter Fisch vor!


    Dann freuen sich beide, wie toll es ist, dass meine Mutter nun wohl nie wieder arbeiten gehen muss. Da hab ich mich sehr beherrschen müssen und gesagt, dass es doch aber großartig wäre, wenn sie wieder so gesund würde, dass sie sogar wieder arbeiten kann. Dass man sich das doch eigentlich wünschen sollte.


    Ich hab das alles nicht begriffen, habe nur eine Mordswut bekommen und habe gestern - zurück zuhause - ganz viel im Internet recherchiert.


    Ich weiß weder, was für eine Art Lungenkrebs es ist, noch wie groß. Ich weiß nicht, wie sich die Chemo zusammensetzt noch wie der Therapieplan über den August hinaus aussieht.


    Aber - Gott segne das Internet - weiß ich jetzt, dass man mit Lungenkrebs verbunden mit Hirnmetasasen nicht mehr heilend sondern nur palliativ therapiert wird und mit Bestrahlung und Chemo eine statistische Lebenserwartung von 3 - 6 Monaten hat.


    Habe gestern abend ausgiebig geheult und diese Erkenntnis erstmal verarbeitet, mich mit der neuen Situation auseinander gesetzt und nachgedacht.


    Nun ergibt es auch einen Sinn für mich, warum alle um meine Mutter herumschwenzeln und sich benehmen, als hätte sie nur noch 4 Wochen zu leben. Wie sollte ich bereit sein, mich mit diesem ganzen Getue abfinden, solange ich davon ausgehe, dass meine Mutter nach 1 - 2 Jahren Therapie noch 20 Jahre leben kann??


    Aber warum spricht keiner mit mir? Ich bin die nächste Angehörige, das muss man mir doch sagen!!


    Und natürlich könnte ich sie jetzt nicht anrufen und sagen: So, ich weiß jetzt, dass wir vielleicht kein Weihnachten mehr zusammen feiern werden!. Können wir jetzt mit der Maskerade aufhören, damit ich mich nicht bis dahin wie ein Depp benehme!"


    Mir rumort der Magen und ich kann mich auf nichts konzentrieren. Ich wollte schon ihren Hausarzt anrufen, um mehr Infos zu bekommen, aber der ist noch im Urlaub.


    Musste das einfach mal loswerden. Hat jemand einen Rat oder vielleicht Erfahrung mit dem Krankheitsbild?

  • 11 Antworten
    Zitat

    Zuerst war ich schockiert zu sehen, dass meine Mutter weiterhin raucht wie vorher (ca. 20 Zig./ Tag).

    Hat meine Mama leider im ersten halben Jahr nach der Diagnose auch gemacht.

    Zitat

    Dann zieht mich ihr Mann in die Küche und will mit mir Beerdigungsdinge (!) besprechen

    Unsensibel... Es ist bestimmt nicht das schlechteste diese Dinge vorher zu besprechen, aber solang Deine Mama noch therapiert wird haben sie die Ärzte noch nicht aufgegeben, daher geh ich nicht davon aus das das im Moment notwendig ist...

    Zitat

    bietet meiner Mutter eine Zigarette an

    Rücksichtslos, da wär ich ausgeflippt!!!

    Zitat

    Dann freuen sich beide, wie toll es ist, dass meine Mutter nun wohl nie wieder arbeiten gehen muss

    Man kann ja aus jeder Situation das Beste ziehen, aber ich denke das es im Moment wichtigeres gibt...


    Soviel erst mal dazu....


    Nun zum Rest:


    Liebe Acci,


    bei meiner Mama wurde vor 4 1/2 Jahre ebenfalls LK mit Gehirnmetastasen festgestellt, auch ich habe im Internet recherchiert und mir einen riesen Kopf gemacht, da die Prognosen zum Krankheitsbild nicht gut aussehen... auch uns wurde die Prognose von max. 6 Monaten genannt.


    Meine Mama hat dann ebenfalls Bestrahlung und Chemo bekommen... Und 3 1/2 Jahre weitergelebt!!!


    Tatsache ist, dass dieses Krankheitsbild nicht heilbar ist!! Und auch eine Lebenserwartung von 10 oder 20 Jahren ist sehr unwahrscheinlich! Die 5-Jahres-Überlebensrate (also Menschen, die 5 Jahre nach der Diagnose noch leben) liegt bei ca. 7 %...


    Das sind alles keine guten Prognosen ich weiß... aber besser die Wahrheit als Heuchelei...


    Warum setzt Du Dich nicht einfach mit Deiner Mutter an einen Tisch und fragst sie einfach was die Ärzte sagen, was für ein Tumor das ist und wie es weitergeht. Ich denke das sind ganz normale Fragen die eine Tochter in dieser Situation ihrer Mutter stellen darf... Meine Mutter wollte von sich aus auch nie darüber sprechen, aber sie hat auf Fragen geantwortet.. Ich hatte das Glück bei den meisten Terminen mitzugehen bzw. habe auch teilweise Wert darauf gelegt mitzugehen...


    Frag Sie, in Ruhe, ohne ihren Mann oder am Telefon! Ich denke Du hast ein Recht darauf diese Dinge zu wissen....


    Ich wünsch Dir für die nächste Zeit alles Gute

    @ :)

    Hallo Mäusle,


    lieben Dank für deine Nachricht. Du bist die erste, von der ich höre, dass es doch so lange gut gehen kann. Auch wenn diese 3 1/2 Jahre bestimmt ganz schwierig waren für euch, wünsche ich mir nichts sehnlicher als auch einfach noch ein bisschen Zeit zu haben. Wie alt war deine Mutter? Wie gehst du jetzt damit um? Hut ab, dass du auch ein Jahr später noch hier im Forum unterwegs bist und anderen Trost spenden kannst. Danke.


    Ich habe meine Mutter gestern Abend mit Herzklopfen angerufen (sie wohnt ja leider so weit weg) und ihr gesagt, dass ich mich ein bisschen schlau gelesen habe, nun viele Dinge besser nachvollziehen kann und den ganzen Montag damit verbracht habe, mich an diese neue Situation zu gewöhnen.


    Sie hat erst heftig geschluckt, aber dann war sie ganz offen und meinte am Ende des Telefonats, dass ihr das Gespräch sehr gut getan hat. Ich soll mir aber auch keine übermäßigen Sorgen machen, sie würde auf jeden Fall kämpfen und hätte seit gestern auch mit dem Rauchen aufgehört (!!).

    Meine Mama war bei der Diagnose 54 Jahre alt und hat knapp 2 Schachteln Zigaretten geraucht...


    Ich geh nicht damit um, ich muss damit klar kommen... Wurde nicht gefragt ob ich das möchte und kann nichts dran ändern!


    Mit den 3 1/2 Jahren hatten wir verdammt viel Glück, das wird mir immer mehr bewußt!


    Das Forum hab ich erst dieses Jahr entdeckt, eher im Rahmen der Trauerbewältigung ;-)


    Hey, das mit dem Telefonat hört sich ja gut an :)^ Wenn der Anfang mal gemacht ist, lässt sich bestimmt auch in Zukunft besser drüber reden bzw. nachfragen.


    Meine Mama hat damals sämtliche Gespräche in diese Richtung verweigert, das würde uns nichts angehen, wäre ihr Leben...


    Aber über ihre Beerdigung und so, da wollt sie immer drüber reden wie sie´s gern hätte %-| Sie hat mir sogar auf dem Friedhof mal gezeigt wo sie gern liegen würde.... Da war ich richtig sauer! Aber im nachhinein war ich froh das ich wußte wie sie es haben wollte und ihr diesen letzten Wunsch einfach erfüllt habe ohne mir groß Gedanken zu machen wie ich es sonst gemacht hätte...


    Ich wünsch euch ganz schöne Wochen, Monate und hoffentlich noch Jahre!!!!! @:)


    Verträgt sie bisher wenigstens die Therapie?

    Mensch, da sind unsere beiden Mamas ja auch noch fast gleich alt in dem Moment, in dem sie es erfahren.


    Meine Mutter ist jetzt erst in der 2. Woche Therapie. Chemo für die Lunge bekommt sie nur ca. alle 4 Wochen, da ist im Moment Pause. Aber der Kopf wird jeden Tag bestrahlt.


    Es geht ihr ziemlich schlecht. Sie meint, es liegt vor allem am Cortison, das sie bekommt, damit die Ödeme rund um die Tumore im Kopf kleiner werden, so dass sie aufhören auf die Nerven zu drücken und sie ihren Fuß wieder spürt. Das Cortison entzieht anscheinend alles Wasser aus dem Körper und sie hat schon 3 Kilo abgenommen (sie ist eh so eine Zarte). Vielleicht bekommt sie Infusionen, wenn es in dieser Woche keine Besserung gibt. Der Fuß ist leider nach wie vor taub.


    So unangenehm das auch sein mag, solange sie "nur" ihren Fuß nicht spürt, ist es ja noch gut, denke ich.


    Da ich sie nur ca. alle 2 Wochen sehen werde in der nächsten Zeit, werde ich eventuelle Veränderungen wohl jedes Mal recht deutlich erkennen. Davor habe ich ein bisschen Angst.


    Wenn wir nächstes Mal dort sind, wollen mir meine Mutter und ihr Mann den Friedwald zeigen, für den sie sich vor längerer Zeit entschieden haben als noch alle gesund waren (tapferer und kluger Schritt fand ich schon damals). Da muss ich mich dann sicherlich auch nochmal sehr zusammenreißen, um nicht auszurasten und zu schimpfen, dass das doch noch ewig hin ist, bis es soweit ist. Aber wie du schon sagst, irgendwann ist man bestimmt froh, dass man diese Dinge miteinander besprechen konnte.


    Eigentlich weiß man ja sein Leben lang, dass man da irgendwann mal durch muss. Aber bereit ist man natürlich nie dafür. Wie auch?


    Und mit Mitte/ Ende 50 sollte sowieso niemand von uns gehen!


    Danke! Der Austausch mit dir tut mir wirklich gut.

    Wir vergessen im Alltag viel zu oft, dass jeden von uns der Tod irgendwann treffen wird, und niemand weiß wann das sein wird (wobei ich das auch nicht wirklich wissen will...)


    Auch ich nehme schon wieder viel zu viel hin und denke "Na ja, morgen oder so...."


    Nur wenn es wieder ernste Situationen gibt wird einem plötzlich wieder alles bewußt...


    Meine Oma hatte letztes Jahr ein Blutgerinsel, da hatte ich wieder diese Angst... bin dann zu Mama an´s Grab und hab sie gebeten mit die Oma noch ein bißchen zu lassen.. hat wohl geklappt.. ;-)


    Ich kann jedem nur raten die Zeit zu genießen! Irgendwie ist es auch ein Geschenk so bewußt Abschied nehmen zu dürfen... Bei einem Verkehrsunfall o. ä. hat man die Möglichkeit nicht, da ist es einfach vorbei!


    Auch wir sind in den 3 1/2 Jahren viel zu oft in den Alltagstrott abgerutscht... Läuft ja, nur der Ablauf hatte sich geändert durch die Krankenhausantritte...


    Jedem in dieser Situation kann ich nur raten die Zeit zu nutzen und zun genießen!!

    Zitat

    Danke! Der Austausch mit dir tut mir wirklich gut.

    Ich weiß, deswegen bin ich hier ;-) Diejenigen die es nicht mitgemacht haben, können zwar zuhören und da sein (was auch extrem wichtig ist), aber sie verstehe nicht... und das freut mich auch für jeden


    LG@:)

    Hallo ihr lieben


    konnte mich lange nicht melden da es mit meinem Bruder schlimmer wurde. Er hat es ein Jahr geschafft,letzte Woche ist er eingeschlafen einfach fassungslos.Mein Bruder hatte Lungenkrebs im Endstadium+Hirnmetastasen.Vielleicht hört sich das jetzt grausam an und manche mögen mich jetzt auch für herzlos halten aber: ES GIBT KEINE ÜBERLEBENSCHANCE:Lungenkrebs ist das Todesurteil.Wir haben alles ausprobiert,sämtliche Therapien,Medikamente etc.Die ganzen Nebenwirkungen waren grausam,mein sonst so wirklich starker Bruder von 90kg wog zum Schluss nur noch 56kg.Heute ärger ich mich, dass ich nicht gesagt habe lass uns noch ein paar gute Wochen haben ohne Chemo,Medikamenten und so!Aber er wollte es so,mein Bruder hat jeden Kampf bis jetzt gewonnen,aber die "schwarze Pest" brachte ihn zu Fall.Ich kann dir nur raten: Leb in keiner Ilusion,verbringe viel Zeit mit demjenigen,erfülle jeden Wunsch nach Möglichkeit und kein Stress und Streit im Umfeld.Ansonsten viel Kraft denn das mit zu erleben ist die Hölle.Hoffen soll man immer aber man muss dabei auch realistisch sein.


    Ich kann nur hoffen,dass die Medizin endlich mal wirkliche Fortschritte macht.


    Viel Kraft und Liebe wünscht euch


    :°(:)^x:)

    Liebe Acci,


    Cortison entzieht nicht dem Körper Wasser, sondern Wasser lagert eher ein.


    Der Tumor frisst wahnsinnig viel Kalorien, deshalb nimmt Deine Mutter ab. Dies kann man durch hochkalorische Drinks etwas auffangen, wenn Deine Mutter nicht so recht essen will.


    LG

    Lungenkrebs im Endstadium

    Hallo,


    wir haben die schlimme Nachricht bekommen das mein Schwiegervater Lungenkrebs im Endstadium hat. Die Ärzte geben ihm noch 3-10 Monate. Sie können uns ber nicht sagen was für ein Krebs das ist. Gibt es da viele varianten ?


    WÄre um jeden rat glücklich


    Norge81

    Hallo Acci

    Meine Schwester starb 3 monate nach der diagnose Lungenkrebs.Sie hörte erst sofort mit dem Rauchen auf,sie war ganz eisern.Dann nach 4 Wochen sagte sie :Warum soll ich eigendlich aufhören?Damit die anderen beruhigt sind? Warum soll ich mich noch mit dem Entzug herumplagen? Es ist doch sowieso zu spät!!!Sie hatte recht.Versuch die Entscheidungen deiner Mutter zu akzeptieren.Auch wenn es dir sehr schwer fällt. Ich weiss wie schwer das ist und was du durchmachst. Meine Schwester wurde nur 44 Jahre alt und es ist sehr schwer das hinzunehmen. Du stehst bestimmt noch neben dir und kannst es nicht fassen. Es tut mir sehr Leid.Auch sie plante ihre Beerdiegung vorher ,das war ihre Art damit zurechtzukommen