Aus dem künstlichen Koma nicht mehr erwachen?

    Guten Abend,


    Der Partner meiner Mutter wurde knapp 2 Wochen grundlos zusammengeschlagen und hat zahlreiche Knochenbrüche im Gesicht erlitten (Kiefer, Nase, unter dem Auge) + eine stark blutende Wunde. Er wurde am selben Tag operiert und in der Langzeitnarkose gelassen. Am nächsten Tag sollte er aufgeweckt werden, jedoch verschlechterte sein Zustand sich und seine Lunge machte Probleme und er bekam hohes Fieber. Er wurde daraufhin weiterhin im künstlichen Koma gehalten und am nächsten Tag wurde eine Lungenentzündung festgestellt. Sein Zustand verbesserte sich die nächsten Tage, so dass er wieder langsam geweckt wurde und sogar teils Ansprechbar war. Meiner Mutter nannte er sogar Details zur Tat. Danach verschlechterte sich jedoch sein Zustand und es wurde festgestellt, dass sich eine Menge Blut in seiner Lunge angesammelt hat und er letztlich wieder ins künstliche Koma versetzt wurde und das Blut schrittweise abgepumpt wurde. Gestern sollte er wieder aus dem Koma geweckt werden und die Medikamente dementsprechend reduziert. Seit dem öffnet er jedoch nicht die Auge und reagiert auch nicht, weshalb für heute Nacht noch ein CRT veranlasst wurde, wovon wir dachten, dass dieses schon erfolgt ist, da dies uns zuvor mitgeteilt wurde. Vermutlich ein Missverständnis. Zusätzlich wurden ihm Medikamente gegeben die der Narkose entgegen wirken sollen, darauf soll er auch nicht reagiert haben. Meine Mutter sagte jedoch, dass ihm Tränen runter gelaufen sind.

    Wir sind gedanklich am Ende, die letzten Tage waren für uns eine furchtbare Achterbahnfahrt der Gefühle und großer Angst.

    Kann uns jemand beruhigen oder müssen wir fürchten, dass er eventuell nicht mehr aufwacht? Wie gesagt, zuvor war er sogar ansprechbar.


    Liebe Grüße

  • 9 Antworten

    Bei solch starken Verletzungen mit nachfolgenden Komplikationen kann man sicher nicht sagen, was passieren wird.

    Hier soll ja wohl auch niemand in die Glaskugel schauen.

    Weiterhin viel Kraft und auf Genesung hoffen sollte man immer.

    Danke Benita,

    Das stimmt allerdings!

    Dazu muss man sagen, dass er nach dem Vorfall normal Ansprechbar war, weshalb wir vorerst nicht das Gefühl hatten sein Gehirn könnte betroffen sein.

    Vielleicht weiß jemand etwas mehr über die Aufwachphase?

    Was sagen denn die Ärzte der Intensivstation? Aus der Ferne kann man da kaum qualifizierte Antworten geben.


    Ich wünsche ihm eine gute Genesung.

    Hallo! Du weißt sicher, daß ein künstliches Koma eine Therapie ist, im Gegensatz zu einem echten Koma, der Heilungsprozess wird dadurch gefördert, trotzdem ist diese Therapie ein großer Eingriff in den Körper. In der Aufwachphase reduziert der Arzt ganz langsam die Medikamente,d.h. diese werden schrittweise reduziert. Je nach Lebensalter und Schwere der Erkrankung kann das schon längere Zeit in Anspruch nehmen. In der Aufwachphase kommt es bei vielen Patienten zu einem Delir, d.h. zu einer Form der Desorientierung, welche aber nicht irreversibel ist, sondern reversibel. Sprache, Motorik, Bewegungen sind gestört, die Hirnareale müssen neu aktiviert werden. Um zu sehen, ob ein Gehirnschaden vorliegt, wird ein MRT durchgeführt oder ein CT. Sehr viele Patienten müssen nach einem künstlichen Koma alltägliche Dinge, wie sensorische und motorische Fähigkeiten wieder ganz neu erlernen. Zu Bewegungen zählt auch das Öffnen der Augen. Daher wird den Patienten im späteren Verlauf eine AHB verordnet. Das ist eine Rehamaßnahme, die direkt von der Klinik eingeleitet wird. Die Patienten lernen dort alles, um ihren Alltag wieder zu bewältigen. Das kann Wochen, aber auch länger dauern. Eine Prognose kann man nicht geben, die Schwere der Erkrankung, das Alter und die körperliche Verfassung sind wichtige Faktoren für die weitere Entwicklung. Ich wünsche Euch, daß alles gut ausgeht und auf keinen Fall die Hoffnung verlieren!

    Trastevere schrieb:

    Hallo! Du weißt sicher, daß ein künstliches Koma eine Therapie ist

    Ein "künstliches Koma", korrekt Langzeitsedierung, wird durchgeführt, um einen Patienten zu beatmen. Ohne dieses würde niemand das Beatmungsgerät und den Tubus tolerieren. Manchmal macht man diese Langzeitsedierung auch um das Gehirn bei bestimmten Krankheitszuständen zu schützen, auch da wird in der Regel künstlich beatmet.


    Im konkreten Falle steht wohl die künstliche Beatmung im Vordergrund. Die Langzeitsedierung erfolgt hier also sekundär.

    Je länger jemand im künstlichen Koma war/ist und beatmet wird/wurde, desto schwieriger das Weaning. Sprich: Die Entwöhnung von der Beatmungsmaschine. Das geht immer mal rauf und runter mit dem Zustand.

    Daraus eine Prognose abzuleiten, wage ich mich nicht.


    Alles Gute für den Patienten.

    Natürlich geht es um die Langzeitbeatmung, daher gibt es ja auch spezielle Weaning Stationen, wo der Patient ganz langsam von der Beatmung entwöhnt wird. Trotzdem würde ich ein künstliches Koma als eine Therapie bezeichnen. Der Körper kann sich dadurch erholen und Stress und Angstzustände werden vermieden, weil der Patient nichts mit bekommt.

    Hallo,

    Vielen Dank für eure Antworten. Das man dies nicht Pauschal beantworten kann, habe ich mir gedacht.

    Die Gedanken machen einen verrückt, man hofft einfach nur in Erfahrungsberichten o.ä etwas positives zu lesen.

    Zu seinem Alter, er ist Anfang 40.

    Kein Einstein zu der Frage was die Ärzte sagen: Die Ärzte hielten sich ebenfalls mit einer Prognose zurück. Problematisch ist, dass aufgrund von Corona nur eine Person pro Tag ins Krankenhaus darf und telefonisch gestaltet es sich nicht immer einfach einen Arzt zu erreichen. Ich habe die letzten Male am Telefon direkt gefragt ob es Besorgniseregend ist, dass er immer noch nicht wach ist bzw. reagiert und bekam eine offene Antwort, wie dass er langsam wach werden müsste und man den nächsten Tag abwartet. Aber das gute ist, das CT war unauffällig. Leider ist er immer noch nicht wach aber reagiert etwas! Der Arzt meinte nun, dass manche Patienten länger brauchen und einiges wie ihr kein Einstein Trastevere geschrieben habt. Das hat uns unfassbar erleichtert. Jetzt müssen wir sehen, was die Tage bringen. Neue Hoffnung haben wir dadurch auf jeden Fall geschöpft. Vielen lieben Dank für die Genesungswünsche.