Chronische Migräne

    Da ich keine aktuelle Diskussion gefunden habe, dachte ich mir, ich eröffne meinen eigenen Faden.


    Ich bin jetzt bald 30 und hab seit frühester Kindheit vom Arzt diagnostizierte Migräne, bin seit ich 14 bin in neurologischer Behandlung, es wurden auch 2 MRTs gemacht, zuletzt im August. Da hieß es leichter Verschleiß der HWS und schiefe Nasenscheidewand - hätte aber laut Arzt keine Auswirkungen.


    Seit 2009 etwa schätze ich ist die Migräne chronisch mit mehr als 12-15 Attacken im Monat. Es kommt aber auch vor, dass ich mal 14 Tage gar keine Schmerzen habe, im Urlaub z.B. 8-)


    Ich nehme immer Sumatriptan, zu Beginn der Attacke reichen 50mg, wache ich mitten in der Nacht mit voll ausgeprägten Schmerzen auf oder bin ich unterwegs und habe kein Triptan dabei, müssen es meist 100mg sein, ganz selten auch mal 150mg.


    Alles andere hilft nicht. Ibuprofen, Aspirin, Novaminsulfon ist alles wirkungslos.


    Nunja an Medikamenten was Prophylaxe betrifft hab ich echt alles durch. Auch Akkupunktur, Massagen, Fango, Krankengymnastik. Zuletzt wieder mal ganz klassisch mit Betablockern und danach Topiramat angefangen. Betablocker waren wirkungslos und nebenwirkungsreich. Topiramat hat geholfen, hatte nur noch etwa 1× wöchentlich Migräne, jedoch haben sich nach 8 Wochen starke Depressionen und Suizidgedanken eingestellt.


    Seit 14 Tagen habe ich Topiramat eigenmächtig abgesetzt, seither hatte ich 9 × Migräne. Anfangs gleich mal 4 Tage hintereinander, dann alle 2 Tage.


    Psychisch gehts mir trotzdem tausendmal besser.


    Meine Ärzte wissen nicht mehr weiter und raten mir, ich solle lernen mich zu entspannen usw.


    Ich arbeite seit nem halben Jahr nicht mehr, davor auch nur ganz wenig. Ich bin Hausfrau und Mama (9 und 13 sind die Kinder) und halte Stress von mir fern, so gut ich kann.


    Was könnt ich denn noch machen, ausprobieren?


    Es ist schon belastend, vor allem möchte ich nicht mehr so oft zu Triptanen greifen.


    Welche anderen Schmerzmittel haben euch geholfen?


    Danke im Voraus schon mal für Antworten *:)

  • 30 Antworten

    Meine Güte - das könnte mein Beitrag sein. Ich leide auch ewig unter Migränge - manchmal zwei Woche durch - evtl. mit Pausen, dann wieder bin ich 14 Tage beschwerdefrei.


    Hilfe gibt es nur durch Sumatriptan, in der gleichen Dosierung wie du.


    Das einzige was bei mir vor 1,5 Jahren diagnostiziert wurde ist eine chron. Borreliose.


    Ich bin gespannt auf weitere Beiträge!


    Dir alles Gute!

    Hallo, dich hat es ja extrem erwischt. :)*


    Ich bin auch betroffen, habe im Monat meist einen Verbrauch von 6-10 Sumatriptan 100mg.


    Auch bei mir hilft nichts anderes. Ohne Medikamente dauert ein Anfall 3-6 Tage.


    Kennst du die Auslöser deiner Migräne?


    Bei mir ist es sehr stark Hormongesteuert.


    Mit Prophylaxen habe ich die gleiche Erfahrung machen müssen wie du.


    Akkupunktur, Massage, progressive Musekelentspannung... alles wirkungslos.


    Betablocker machen mich zum Schlafmonster, das geht überhaupt nicht.


    Topiramat machte mich aggressiv. Ich war irgendwie gar nicht mehr ich selbst und habe es abgesetzt.


    Zum Trost für dich, nach dem Absetzen wurde es auch bei mir ganz schlimm, in den Folgemonaten aber wieder etwas besser.


    Wenn bei dir der Stress zur Migräne beiträgt möchte ich dir empfehlen dich in eine spezielle Migräneklinik einweisen zu lassen. Das ist wie eine Kur für einige Wochen und dort geht man den Dingen auf den Grund.


    Bei mir geht das nicht, weil ich selbstständig bin. Und auf meine Hormone hat auch die Klinik keinen Einfluss.


    Ich habe aber schon von guten Erfolgen gehört, die darin bestanden, dass die Anfälle dann seltener wurden.


    Bei deinem Leidensdruck würde ich es auf jeden Fall ausprobieren.

    Hast du es schon mit Amitriptylin oder Mirtazapin als Dauermedikament versucht.


    Ich hab Mirtazapin ursprünglich mal wegen Schlafstörungen bekommen. Letztlich hat es aber auch super gegen Migräne geholfen. Ich hatte normalerweise 4-8 Anfälle im Monat. Mit einer niedrigen Dosis Mirtazapin (3,75mg) hatte ich einen Anfall alle 3 Monate.


    Amitriptylin wäre in der Hinsicht noch wirkungsvoller. Wenn du keine Probleme mit Bluthochdruck oder Herzrasen hast, wäre das eine Alternative.

    Vielen Dank für die Beiträge!


    Amitriptylin, Mirtazapin und Flunarizin habe ich schon durch. Ersteres hat anfangs etwas geholfen, nach ein paar Wochen/Monaten aber war es leider wieder vorbei und ich konnte/wollte es wegen Albträumen, Schlafparalyse, falsches Erwachen usw. auch nicht mehr nehmen.


    Mirtazapin war wirkungslos und ich hatte auch zahlreiche Nebenwirkungen.


    Flunarizin das gleiche - mein Restless-Legs-Syndrom z.B. wurde richtig unaushaltbar schlimm, ohne Levodopa hätte ich tage- bzw. nächtelang nicht einschlafen können. Nach dem Absetzen wars zum Glück vorbei.


    Auslöser kann ich nicht wirklich ausmachen. Weder hormonell, noch wenn ich auf bestimmte Lebensmittel verzichte. Manchmal krieg ich Migräne während des Schlafs, wache um 5 Uhr morgens davon auf.


    Das mit der Klinik wurde mir auch noch empfohlen, allerdings habe ich zwei Kinder und die will ich nicht so lange alleine lassen.


    In der Mutter-Kind-Kur war ich aber schon mit ihnen und das tat mir sehr gut, der Erfolg war halt wieder nur sehr kurzfristig.


    Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es wirklich Stress ist, denn ich habe keinen. Ich hab alles aus meinem Leben gestrichen, was mir zu viel war, lebe recht minimalistisch und so. Einzig die Situation mit meinem Mann ist etwas belastend, aber das ist ein anderes Thema und die Migräne hatte ich ja vor ihm auch schon, wenn auch nicht chronisch. Naja.


    Welche Schmerzmittelalternativen gäbe es denn außer den Triptanen noch?

    Zitat

    Das mit der Klinik wurde mir auch noch empfohlen, allerdings habe ich zwei Kinder und die will ich nicht so lange alleine lassen.

    Aber du willst doch auch für deine Kinder da sein?


    Das ist eine einmalig Sache und wirklich ganz viele profitieren immens davon. Eine Freundin von mir hat ihre Migräne seither so gut im Griff, dass sie maximal alle drei Monate eine Attacke bekommt.

    Zitat

    Aber du willst doch auch für deine Kinder da sein?

    Dadurch dass ich das Triptan sehr frühzeitig einnehme, falle ich ja kaum aus.


    Aber einen Versuch in die Richtung möchte ich schon machen. Nächstes Jahr nach dem Umzug wäre es familiär besser zu organisieren mit der Klinik.


    Ich stells mir halt so vor, wie es im Urlaub immer ist und in der Mutter-Kind-Kur war - keine oder kaum Migräne, alles wunderbar und kaum ist man wieder Zuhause, ist alles wieder beim Alten.


    Hat jemand von euch schon mal Erfolg mit Hypnose gehabt oder davon gehört?

    Da die Migräne in deinem Fall ja offensichtich Stress-abhängig ist, bietet sich eine multimodale Therapie in einer entsprechend spezialisierten Einrichtung an, alternativ eine Verhaltenstherapie.


    Ansonsten gäbe es für die chronische Migräne ja auch noch Botox und evtl. Elektrostimulation (z.B. Stimulation des Vagusnerv am Hals oder im Ohr. Als Reservemethode auch Stimulation des Hinterhauptsnerven - letzteres ist aber mit einer Operation verbunden und eine relativ aufwendige Sache.


    Übrigens wird wahrscheinich in wenigen Jahren eine neue Klasse von Migränemitteln auf den MArkt kommen (CGRP-Antikörper).

    Laut Visite / Ernährungsdocs trägt eine bestimmte die Ernährung stark dazu bei, Migräne zu lindern.


    Gibt dort auch REzepte dazu.


    Eine Bekannte konnte ihre Migräneattacken total in der Versenkung verschwinden lassen, obwohl sie die mehrere Jahrzehnte hatte und gelitten hat wie ein Schwein.

    hi bonnie, mir geht es ähnlich. neulich habe ich zum ersten mal sumatriptan bekommen und es war das erste seit zwei jahren, das geholfen hat. vorher hatte ich auch alles mögliche durch und nichts hat gewirkt. ich hab noch was von pestwurz gehört, was gut helfen soll, hab damit allerdings noch keine erfahrung.

    Neben den medikamentösen Behandlungen der Migräne:

    Zitat

    http://www.dmkg.de/files/dmkg.de/patienten/Empfehlungen/Leitlinie-Migr%C3%A4nee-Therapie_2015-2017.pdf

    können auch Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Maßnahmen hilfreich sein:

    Zitat

    http://www.dmkg.de/files/dmkg.de/Empfehlungen/Leitlinie_Entspannungsverfahren%20und%20verhaltenstherapeutische_Intervention.pdf

    Wenn eine ambulante Behandlung nicht ausreicht, kann eine teilstationäre Behandlung in einer Tagesklinik oder eine stationäre Behandlung sinnvoll sein.


    Das kommt auf die Einschränkung und Behinderung durch die Krankheit sowie auf den individuellen Leidensdruck an.

    Zitat

    http://www.dmkg.de/kopfschmerzexperten.html

    Ja ich seh schon, um die Klinik/Therapie werd ich wohl nicht rumkommen...


    Botox hatte mir meine Neurologin auch angeboten, wenn die medikamentöse Behandlung nochmal dokumentiert fehlschlägt. Mal sehen wieviele Präparate ich noch probieren muss ":/


    Ich habe mir selbst schon vor ein paar Jahren so ein Elektrostimulationsgerät (irgendwas mit Tens?) gekauft, aber vermutlich nicht korrekt angewendet. Hat jedenfalls nichts gebracht. Werd meine Ärztin aber mal auf die Methode und die OP ansprechen.

    Zitat

    Übrigens wird wahrscheinich in wenigen Jahren eine neue Klasse von Migränemitteln auf den MArkt kommen (CGRP-Antikörper).

    Hab mir gerade die Studienergebnisse dazu durchgelesen - klingt ja fantastisch! Wieso nur muss es noch Jahre dauern bis das auf den Markt kommt? :-(


    Zwecks Ernährung hab ich mir auch schon öfters meine Gedanken gemacht und über gewisse Diäten informiert. Da ich Vegetarierin und bis auf wenige Ausnahmen auch Veganerin bin, kommt vieles nicht in Frage leider.


    Pestwurz-Kapseln hab ich auch schon 2× monatelang genommen.


    Mich nervt momentan total, dass die Migräne alle zwei Tage kommt. Als ob ich mich "drauf eingestellt" hätte. Dabei ist an den Tagen mit Migräne überhaupt nichts anderes als an denen ohne.


    Als ob man sich diese Schmerzen herbeisehnt... :|N

    Bonnie Bennett

    Zitat

    Meine Ärzte wissen nicht mehr weiter und raten mir, ich solle lernen mich zu entspannen usw.

    Wissen Sie es nicht oder raten sie Dir zu lernen Dich zu entspannen?

    Zitat

    Ich hab alles aus meinem Leben gestrichen, was mir zu viel war, lebe recht minimalistisch und so. Einzig die Situation mit meinem Mann ist etwas belastend, aber das ist ein anderes Thema und die Migräne hatte ich ja vor ihm auch schon, wenn auch nicht chronisch. Naja.

    Aber Deine Ärzte raten Dir, zu lernen, Dich zu entspannen und es muss ja einen Grund geben, dass Du im Urlaub oder in der Kur keine Migräne hattest, ansonsten aber schon.


    Bei mir war es ähnlich. Migräne seit ich 12-13 war. Erst als ich gelernt hatte mich nicht zu stressen und das hat nicht unbedingt nur etwas mit zu viel auf einmal zu tun, hat sich meine Migräne völlig verabschiedet. Wenn ich kopfschmerzen habe bzw. Migräne, so ist es auch, weil ich mich zu sehr stresse. Allerdings habe ich auch lernen müssen, dass ich mich stresse, weil ich mir das ja schon in der Kindheit angewöhnt habe und mehr oder minder gar keinen anderen Zustand kannte, als einen gestressten. Mir war das gar nicht bewusst.