Demenz

    Meine Mutter ist seit ein paar Jahren an Demenz erkrankt. Meine Geschwister und ich wollen alles versuchen um sie nicht in ein Pflegeheim geben zu müssen, doch in letzter Zeit hat sich die Situation immer mehr zugespitzt. Sie hat sehr starke Haluzinationen und das führt dazu dass sie völlig unsinnige Sachen macht und sich dabei selbst gefährdet. Unser Hausarzt hat nun vorgeschlagen sie vorübergehend in eine Klinik einzuweisen, um sie medikamentös einzustellen. Er hat uns das auch sehr empfohlen und uns versichert, dass das auch ihre Lebensqualität verbessern würde. Ich würde das auch gerne glauben, aber erstens habe ich selbst ein gesundes Misstrauen gegenüber Medizinern, was aber noch problematischer ist, eine meiner Schwestern glaubt Ärzten grundsätzlich gar nichts und setzt eher auf Naturheilkunde. Ich würde es gerne versuchen, möchte aber meine Schwester nicht überstimmen, sondern überzeugen.


    Nun meine Fragen: Hat hier jemand Erfahrung mit der medikamentösen Behandlung bei Demenz, ist damit eine wirkliche Verbesserung des Zustandes möglich oder gehts dabei nur darum den Patienten ruhig zu stellen?

  • 11 Antworten
    Zitat

    Unser Hausarzt hat nun vorgeschlagen sie vorübergehend in eine Klinik einzuweisen, um sie medikamentös einzustellen.

    Was genau soll damit erreicht werden und um welche Medikamente handelt es sich denn?

    Antidementiva


    Antidementiva

    Zitat

    Anwendung von Antidementiva


    Auch wenn Antidementiva die Abbauprozesse der Nervenzellen nicht dauerhaft aufhalten können, so lässt sich durch den Einsatz von (Acetyl)Cholinesterasehemmern bei leichten bis mittelschweren Demenzen die Abnahme des kognitiven Leistungsvermögens für eine kurze Zeit aufhalten und in seltenen Fällen sogar verbessern.

    Es macht Sinn sie medikamentös also passend mit Antidementiva einzustellen. Aber langfristig müsst ihr eich überlegen wie es weitergehen soll.


    Denn es wird ja nicht besser und die Frage ist, wollt bzw könnt ihr die Pflege zu Hause gewährleisten?

    In meiner Familie gab es auch einen Fall von Demenz mit Halluzinationen.


    Bei meiner Großmutter versuchten die Ärzte auch mit Medikamenten Abhilfe zu schaffen. Leider änderten die Medikamente nichts an den Halluzinationen. Meine Großmutter war allerdings bereits sehr dement und konnte nicht aktiv mitwirken oder ihr Befinden diesbezüglich artikulieren. Mein Eindruck war allerdings, dass die Medikamente sich nicht negativ auf ihren Zustand und ihr Befinden auswirkten.

    Zuerst mal Danke für die Antworten.


    Ich habe gestern zusätzliche Informationen, über die Behandlung, erhalten, danach geht es dabei nicht nur um eine medikamentöse Einstellung, sondern, das ist auch verbunden mit einer Art Psychotherapie, die erst stationär in der Klinik durchgeführt wird und später dann auch zu Hause fortgesetzt werden soll. Die Namen der Medikamente die dort verabreicht werden sollen kenne ich bisher noch nicht, aber es handelt sich um sogenannte Antidementiva.


    Ja, langfristig werden wir uns das überlegen müssen, bzw. wir wollen das, so lange irgendmöglich, zu Hause machen und erst wenn es gar nicht mehr geht, kommt ein Pflegeheim in Frage.


    Eine Demenzwohngruppe kommt leider auch nicht in Frage, da sie im Zuge dieser Erkrankung sehr menschenscheu geworden ist, sie käme damit nicht zurecht und würde sich dann total in sich zurück ziehen.

    Meine Mutter ist vor ein paar Jahren an Alzheimer gestorben, ich kenne jede Phase der Krankheit. Ohne Medikamente wäre es für meine Mutter noch qualvoller gewesen, als es ohnehin schon war.


    Meine Mutter war von Ängsten sehr geplagt - kein Wunder, wenn einem alles mehr und mehr fremd wird. Unsicherheit und Angst bis hin zur Panik waren unerträglich, daher bekam sie Medikamente gegen die Angst.


    Sie hatte Phasen mit immensem Bewegungsdrang, rannte über ihre eigene Belastungsgrenze hinaus und ist oft gestürzt - sie bekam in der Phase Medikamente, die diesen Bewegungsdrang unterdrückten/ minimierten.


    Sie hatte Phasen, da zog sie sich völlog zurück und weinte viel, Antidepressiva haben ihr da geholfen, wieder mehr am Leben teil zu nehmen.


    In der Anfangsphase konnten spezielle Medikamente das Voranschreiten vermutlich verlangsamen, denn von der Diagnose bis zu ihrem Ende vergingen ca 15 Jahre.

    Hallo! Ich schließe mich Hyperion an. Und empfehle einen Kurzzeitaufenthalt in einer Geriatrie von 1 Monat zur medikamentösen Einstellung. Ich persönlich glaube aufgrund von Erfahrungen weder, dass Ihr (oder irgendeine Privatperson) die Pflege auf Dauer selbst und allein schafft, noch dass es für Eure Mutter das beste ist, denn sie benötigt professionelle Hilfe. Eine Bekannte arbeitete auf einer Demenzstation, und es war ständiger Frust für sie, weil sie sich alle Mühe gab und auch von Natur aus sehr freundlich und liebevoll ist, die Patienten sie aber am nächsten Tag niemals mehr erkannten. Das frisst die Pfleger auf! Bei der Wahl der Pflege solltet Ihr auf die Pflegestufe des Heims achten, denn es muss schon an die Bedürfnisse Eurer Mutter ausgerichtet sein. Je niedriger die Pflegestufe des Heims, um so weniger kümmert sich dort jemand um Eure Mutter, bei einer WG gar niemand. Und manche Heime legen mehr Wert auf ein schönes Ambiente für die Angehörigen, als auf die Bedürfnisse der Patienten. Guckt Euch genau um, wieviele Pfleger dort im Flur rumlaufen, 1 bis 2, oder 5? Viele halten die Personaldecke sehr dünn, was auf Kosten der Patienten geht.

    Noch'n Beispiel: Ein Verwandter pflegte seinen Vater liebevoll in seiner Familie. Bis der Vater eines Tages am Gartenzaun zu Wildfremden sagte, es gehe ihm deshalb so schlecht, weil sein Sohn (also sein Pfleger) ihn mit dem Auto angefahren habe.

    Noch'n Tipp für Deine Schwester, die ja Naturheilmittel bei Deiner Mutter anwenden will. Sie möge sich bitte den gesetzlich vorgeschrieben Hinweis auf der Verpackung oder der Packungsbeilage durchlesen, wie ihn die Hersteller laut Gesetz aufdrucken müssen:

    Zitat

    ...da im AMG §10 Abs.2Pkt.9 ein Naturheilmittel aufgrund der Besonderheit, subjektiven und individuellen Vorgehensweise der Naturheilmethode keine Angabe einer therapeutischen Indikation (=Anwendungsgebiet, Nutzen) enthält.


    Aus rechtlichen Gründen weisen wir besonders darauf hin, dass bei keiner der aufgeführten Therapien der Eindruck erweckt wird, dass hier ein Heilungsversprechen unsererseits zugrunde liegt, bzw. Linderung oder Verbesserung einer Erkrankung garantiert oder versprochen wird.

    Quelle: ein TV Verkaufssender, dessen Name hier im Forum wegen des Werbeverbotes nicht angegeben werden darf.

    Zitat

    Ja, eine solche Abteilung ist das.


    Wir haben in den letzten Tagen einige Fachleute (teils aus der Altenpflege und teils Demenzberatungsstellen) kontaktiert und viele wichtige Informationen bekommen. Meine Meinung verfestigt sich immer mehr, dahingehend, diese Behandlung durchführen zu lassen, aber eine meiner Schwestern ist immer noch nicht überzeugt. Ihre Meinung ist zwar nicht mehr ganz so strikt ablehnend, aber ihre Ablehnung gegenüber der Medizin steht uns immer noch im Weg.


    Unsere Mutter hat eine notarielle Vorsorgevollmacht, in der wir alle 3 als Betreuer eingetragen sind und mit 2 zu 1 Stimmen könnten wir sie natürlich überstimmen, ich hoffe aber immer noch auf einen Konsenz, weil wir alle an einem Strang ziehen müssen, um diese Aufgabe zu bewältigen.