Meine Mum starb

    Meine mum ist letztes Jahr an Trigeminusneuralgie gestorben. Hatte jedenfalls solche unausstehlichen Schmerzen, dass sie sich das Leben nahm. Sie hatte ununterbrochene Gesichtsschmerzen, Kopfschmerzen, wollte immer mit dem Kopf gegen eine Betonwand rennen in der Hoffnung, alles sei dann wieder gut.


    Kann mir nun einer richtig erklären, was das heißt?

  • 12 Antworten

    Was genau willst Du da wissen?

    Das sind Nervenschmerzen; ein Neurologe hat mir mal erklärt, es seien stichartige, massive Schmerzen der Nerven im Gesicht.


    Herzliches Beileid,

    Ja so sagte meine mum es mir auch,

    dass es immer stichartig kommt, jedoch war die Krankheit nun schon soo weit ausgeprägt dass die Zeitintervalle dazwischen halt zu kurz waren. Mehrmals am Tag und immer stärker werdend.


    Ich will nun wissen, was sie wirklich hatte. Was sie für Schmerzen ertragen musste. Ob sie psychisch krank war oder wirklich diese krässliche krankheit hatte, bei der sich 90% der Erkrankten umbringen, aufgrund unausstehlicher Schmerzen...

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    Hy Motisha,

    eine Trigeminusneuralgie kann sehr schmerzhaft sein. Deine mum hat dich sicher sehr, sehr lieb gehabt. Trotzdem hat sie es nicht geschafft, weiter gegen den Schmerz zu kämpfen. Das Kämpfen kostet viel Kraft. Deine mum hat den Kampf aufgegeben, aber sie wollte sicher nicht, daß Du darunter leidest! Wenn Du deiner mum jetzt noch einen Gefallen tun willst, laß sie in Frieden ruhen (das war ihr Wunsch), versuche Du glücklich zu werden, fange wieder an zu leben! Ich glaube nichts würde deiner mum mehr Freude bereiten, als eine glückliche, lebensfrohe Tochter.


    Wie viele Jahre wir noch vor uns haben, wissen wir nicht. Jede Stunde inder wir uns quälen und doch nichts ändern können ist eine verlorene Stunde. Du hast noch so viele schöne Dinge vor Dir. Der Staatsführer Marino Adami aus Verona (Italien) hat mir ein großes rundes Kirchenfenster über dem Eingang der alten Kirche St. Zeno gezeigt und dieses Fenster so erklärt: "Wenn wir auf die Welt kommen, sind wir ganz oben am großen Rad des runden Kirchenfenster, die Sonne scheint und wir sind glücklich. Später bekommen wir die ersten Zähne, haben Schulprobleme und Kummer, also geht es etwas bergab und die Sonne scheint nicht mehr ganz so freundlich hell. Wenn etwas ganz schlimmes passiert wie ein Todesfall sind wir ganz unten am Rad des Fensters, es blitzt und donnert, aber wir brauchen keine Angst zu haben, denn wenn wir den untersten Teil erreicht haben, geht es wieder bergauf zur Sonne."


    Das Rad dreht sich weiter und mit dir geht es bergauf. Ich wünsche dir von Herzen, daß Du es schaffst, die Trauer abzustreifen. Das Leben wartet auf dich!


    Viele Grüße von

    Motisha,

    jetzt habe ich noch etwas vergessen. Bei der Trigeminusneuralgie werden die Gesichtsnerven gereizt (z. B. durch das Quetschen von Nerven an Engstellen). Wie Nervenschmerzen weh tun, läßt sich sehr schwer erklären. Wenn Du z. B. beim Zahnarzt bist und er ohne Betäubung bohrt, spürst Du den Nerv. Die Schmerzen bei der Trigeminusneuralgie sind oft blitzartig einschießend mit langsamen oder schnellen Zeitintervallen. Das macht die betroffenen Patienten meist auch mit der Zeit psychisch fertig. Deswegen kommt es vor, daß die betroffenen Menschen nicht mehr leben wollen. Aber sie wollen keinesfalls, daß die Angehörigen leiden. OK?


    Bitte quäle dich nicht länger!

    Weil du das mit der Psyche ansprachst...

    der allerschlimmste für sie war dann wohl, dass sie hier in Leipzig in einen großen neugebauten Komplex kommen sollte, in ein Krankenhaus für Neurologische Behandlung. Da waren jedoch keine Betten mehr frei und somit kam sie in eine Art "Anstalt"... wo die Leute draußen auf den Gängen rumstanden und ihre Köpfe gegen die Wand schlugen und total obszöne Wörter dabei riefen. Meine mum war ja keine Verrückte, doch das hat sie jedenfalls sehr mitgenommen. Ich mach mir nun natürlich dumme Vorwürfe, da ich diejenige war, die sie am Todestag hat gehen lassen und die sie auch zum letzten mal sah.


    Ich hätte es wissen müssen...

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    Motisha,

    ich kann mir in etwa vorstellen, wie schlimm es für deine Mutter war, in diese Abteilung zu kommen. Wenn man wahnsinnige Schmerzen hat und dann das Gefühl hat in eine Art Anstalt zu kommen, wo man hauptsächlich Patienten antrifft die psychisch oder geistig behindert sind, ist das wirklich sehr, sehr schlimm. Aber Du hättest nichts tun können. Einerseits hatte deine mum extrem schlimme körperliche Schmerzen, andererseits litt ihre Seele. Jetzt tut deiner mum nichts mehr weh, aber es würde ihr verdammt weh tun, wenn sie wüsste, daß Du leidest! Sie würde sich Vorwürfe machen, warum sie dich mit diesen Gedanken alleine zurückgelassen hat.


    Motisha, deine Mutter ist jetzt absolut schmerzfrei und sie würde niemals wollen, daß Du dir solche Gedanken machst. Ich bilde mir ein, mitreden zu können, weil auch ich sehr viel hinter mir habe. Ich war auch so ziemlich am Ende und habe meine Angehörigen - vor meiner letzten Operation - informiert, daß wenn ich bei der OP sterben sollte, ich nicht möchte, daß irgendjemand leidet. Mit das Schlimmste, was einem Patienten passiert, der sterben muß oder will, ist das Gefühl die Partner, Eltern, Kinder, Geschwister oder Freunde leiden zu lassen. Wenn man schon gehen muß oder will, möchte man, daß die Menschen, die man liebt trotzdem glücklich werden! Es würde deiner mum das Herz zerreißen, wenn sie wüsste, daß Du dir solche Vorwürfe machst. Denk daran, Du hättest nichts für sie tun können und sie hat jetzt keinerlei Schmerzen mehr.


    Bitte versuche loszulassen. Laß deine mum in Frieden ruhen. Sie wäre sehr glücklich, wenn Du ab - sofort - viel Spaß am Leben hättest. Versuch's doch einmal. OK?


    By by

    hallo Motisha

    Ich würde mich freuen, wenn du mir per email schreiben würdest. Ich kann dir sicher viel dazu erklären. Seit 3 Jahren leide ich an diesem Höllenschmerz. Es ist ein Dauerschmerz. Trotz Op am Nerv kam er wieder. Ich kann jeden verstehn, der sich davon erlösen möchte. Ich weiß nicht, wie lange man das ertragen kann. Ein Leben lang sicher nicht!


    Man wirkt verrückt, steht aber unter Wahnsinnschmerzen! Man kann es nur mit den Zahnarztbehandlungen vergleichen! Der Zahnarzt bohrt auf den Nerv und das Jahre lang! Unvorstellbar! Aber leider wahr!


    Schreibe an miranova6@yahoo.de

    hallo,

    ich bin ja Laie, aber so wie ich das gehört habe, sind das brutale Schmerzen! d.h. es war wohl eher nicht psychisch, sondern wirklich, sie hat die Schmerzen nicht mehr ertragen, w as man ihr nicht vorwerfen kann! vor allem auch, weil diese Krankheit relativ unheilbar ist. Wenn Deine Mutter auf der "Psychiatrie" war, war das gemein; da gehörte sie bestimmt nicht hin!! sie hatte reale Schmerzen und das hat sie zuviel kraft gekostet.


    beste Grüße, Sarah

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    hallo

    Vielleicht sollte man erwähnen das es für diese Schmerzen Ursachen und Gründe gab. Ich bin der Meinung das hierbei nicht die Mutter versagt hat, sondern auch Ärzte, sie sind der Ursache nicht auf den Grund gegangen oder eben zu wenig.


    Ich sage das aus eigener Erfahrung, da ich selbst an diesen brutalsten Schmerzen leide! Auch bei mir ist dies auf eine Weisheitszahnentferung zurückzuführen. Dabei verletzte der Zahnarzt den Nerv. Die Folge waren Dauerschmerzen seit 3 Jahren und das mit 27 Jahren. Auch die Artacken hatte ich. Oft wird beim Ziehen der Zähne der Kiefer verschoben und dieser quetscht den Nerv. Und wenn dies über Jahre geschiet, dann kann sich das auf die Wirbelsäule übertragen! Auch starke Kopfschmerzen kommen hinzu. Aber auch hierfür gibt es spezielle Aufbißschienen. Eigentlich ist es Sache der Ärzte, diese Schienen vorzuschlagen. Aber scheinbar muss man selbst Arzt spielen. Auch bei mir war dies der Fall. Der Auslöser für diese Schmerzen ist jedoch der Nerv und wenn ein Nerv getroffen wird, dann muss er sofort rekonstruiert werden. Am besten in den ersten 6 Monaten. Dann kann der Schmerz sogar ganz verschwinden. Auch dies musste ich trauriger Weise nach 2 Jahren selbst herausfinden und mir so das Leben retten! Noch viele andere unglaubliche Dinge kamen hinzu. Leider fehlt den Ärzten oft die Erfahrung, da dies sehr selten vorkommt. Es gibt zu viele Gründe und Ursachen, wie diese Schmerzen entstehen. Jeder Fall ist anders. Man irrt hilfslos von Arzt zu Arzt bis man den richtigen findet. Und man kann ihn finden, nur spielt die Zeit eine Rolle. Diese Schmerzen sind so brutal, das viele Menschen keine Kraft mehr haben und aufgeben. Unheilbar sind diese Schmerzen nicht, man muss nur wissen wo die Ursache sitzt! Nur wenn dies zu spät oder nie entdeckt wird, dann kann es so enden wie bei dieser Mutter! Und so wird eine ganze Familie zerstört.


    Wann begreifen Ärzte endlich, das man solchen Menschen so schnell wie möglich helfen muss. Die Psychiatrie ist die falsche Adresse.


    Lara

    hallo Motisha,

    ich stimme Lara 100% zu; Deine Mutter war bestimmt kein psychischer Fall, sondern die Ärzte haben sie dazu abgestempelt, in 'ne Schublade verbannt und komplett versagt!!


    Anstatt herzugehen, und ihr zu helfen.

    hallo

    Meine Meinung ist das diese Schmerzen nicht genug erforscht sind!


    Ich finde es traurig das die meisten Schmerzgeschichten einfach vergessen werden. Man müsste sie nachverfolgen und aufklären! Aber ohne Ärzte und die Forschung direkt ist dies sehr schwer!!!!Fast jeder der diese Schmerzen hat, irrt jahrelang umher ,bis er vielleicht einen Arzt findet, der sich damit auskennt. Aber für viele kommt das zu spät!Nicht alle Fälle sind unheilbar, das ist meine Meinung!!!!

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    Gründung einer Selbsthilfegruppe

    Pressenotiz


    Selbsthilfegruppe für Menschen mit starken Gesichtsschmerzen


    Menschen, die von starken Dauerschmerzen betroffen sind, haben sich in dieser Woche zum erstenmal zur Gründung einer Selbsthilfegruppe im Caritashaus in Heppenheim zusammengefunden. In der Regel fühlen sich Personen mit Dauerschmerzen von ihren Angehörigen, Kollegen, und Freunden unverstanden. Sie ziehen sich von ihren Mitmenschen zurück und geraten dadurch in immer größer werdende Einsamkeit.


    Eine Betroffene hat die Initiative ergriffen und sucht mit Unterstützung der Selbsthilfekontaktstelle im Kreis Bergstraße beim Caritasverband gleich oder ähnlich betroffene Frauen und Männer zur Gründung einer Selbsthilfegruppe. Die Initiatorin ist


    27 Jahre alt und leidet an einem Dauerschmerz im Gesicht (anaesthesia dolorosa). Weitere Menschen mit atypischen Gesichtsschmerzen oder mit Trigeminusneuralgie sind eingeladen, sich zum Erfahrungsaustausch und zur Selbsthilfe treffen.


    Das nächste Gruppengespräch findet statt am Montag, den 19. Juli 2004, um 18.00 Uhr im Caritashaus, Heppenheim, Bensheimer Weg 16. Ein weiteres Treffen ist für den 16. August geplant.


    Die Teilnahme ist kostenfrei. Betroffene und Interessenten wenden sich wegen weiterer Informationen an:


    Selbsthilfekontaktstelle im Kreis Bergstraße


    beim Caritasverband


    Tel: 0 62 52 – 99 01 30


    e-mail: u.hille@caritas-bergstrasse.de