Danke, liebe Sommersonne! @:)


    Meine Nichte zweifelt ja auch daran, dass es bei ihr Demenz ist u. denkt eher an Altersvergesslichkeit und das sie zu wenig trinkt. Sie hat ja auch nur wenig Ansprache, das kommt ja auch noch dazu. Meine Nichte hat selbst jahrelang in Pflegeheimen gearbeitet u. auch privat alte Leute gepflegt. Da müsste sie sich ja eigentlich auskennen. Gerade deshalb bin ich sehr verunsichert.


    Mich irritiert eben auch, dass der HA nicht nochmal einen Termin für sie vereinbart hat. Er hat sie ja jetzt seit letztem Sommer gar nicht mehr gesehen u. ist nun nur anhand meiner Aufstellung gleich von Demenz ausgegangen. Ich habe eben gelesen, dass im Alter auch ein starker Natriummangel so was machen kann. Da sie schon seit vielen Jahren immensen Haarausfall hat, dachte ich auch an die Schilddrüse (ich habe schon seit Jahrzehnten Hashi u. das hat komischerweise sonst keiner in unserer Familie, was bei Hashi ja eher ungewöhnlich ist). Da meinte aber der HA, dass da die Werte 2015 in Ordnung waren u. da hatte sie den Haarausfall schon. Auch Stoffwechselstörungen u. andere Mängel sollen so was machen können. Außerdem nimmt sie Metoprolol, Pantoprazol u. ASS. Da hatte ich eigentlich schon erwartet, dass da erst mal andere Dinge ausgeschlossen werden, ehe an Demenz gedacht wird. ":/ Aber vllt. ist das Ganze anhand meiner Aufstellung auch zu offensichtlich.


    Sie redet auch noch sehr viel, was sie sonst auch schon immer gemacht hat. Alles in Allem sehr verunsichernd. ":/

    Zitat

    Druck und Zorn bringen einem mit Demenzkranken nicht weiter. Und sollte es sich - wie ich denke - bewahrheiten, deine Mutter macht es nicht absichtlich. Das sollte man - gerade bei dieser Krankheit, die kein Gesunder verstehen kann - nicht vergessen.

    Damit konnte sie noch nie gut umgehen. Sie hat immer sehr viel Druck auf uns ausgeübt (auch auf meinen Vater) u. durfte austeilen, aber wenn andere ihr mal was gesagt haben, hat sie dann immer geheult. Ich habe mich jahrzehntelang nicht getraut, ihr mal Widerpart zu geben. Das geht jetzt aber nicht mehr, weil sie mich manchmal wirklich wahnsinnig macht u. ich ja, seitdem mein Vater nicht mehr lebt, größtenteils mit ihr alleine bin u. alles für sie regeln muss. Ich weiß natürlich, dass das nicht gut ist u. sowieso nichts bringt. (das hat es ja schon nicht, als sie noch klarer war) Aber es geht so an die Substanz, wenn man schon nie was richtig im Leben gemacht hat u. jetzt erst recht nicht. :°(

    Sollte es Demenz sein, wird es nicht einfacher ... Du solltest versuchen sie nicht als Mutter ... sondern als Kranken zu sehen .. und Du hilfst ihr dann im Rahmen deiner Möglichkeiten ...


    die Mutter/Tochter Beziehung solltest du außen vor lassen (aber ich weiß selbst, dass das meist nicht möglich ist... trotzdem immer vor sagen ... Sie ist krank ... Sie meint es nicht persönlich...)


    Aber jetzt wart mal ab .. Vielleicht ist einfach die Halsschlagader verlegt und dadurch kommt es zu den Lücken ... Kopf hoch ... Du schaffst das schon :)*

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    Sollte es Demenz sein, wird es nicht einfacher ... Du solltest versuchen sie nicht als Mutter ... sondern als Kranken zu sehen .. und Du hilfst ihr dann im Rahmen deiner Möglichkeiten

    Dankeschön, das wird nicht einfach, da sie ja schon immer so in die Richtung war u. ich mich leider persönlich angegriffen/verletzt fühle. :-( Und zur Diagnosestellung müsste sie ja dann ohnehin zu einem Neuro gehen, der Sozialpsychiatrische Dienst kann vllt. durch Tests erahnen, in welche Richtung es geht, aber Diagnosen kann er ja nicht stellen. Nun ja, wenn es zu der Entscheidung kommen sollte, dass sie einen fremden Betreuer bekommt, liegt das eh nicht mehr in meiner Hand. Aber da wäre es mir eben schon lieb, wenn ich da wenigstens die finanziellen Dinge u. die Geschäftssachen behalten könnte und nur die gesundheitliche Fürsorge abgebe, da das zwischen uns einfach nicht machbar ist. Weiß nur nicht, ob das dann auch geht oder ob man dann alles abgeben muss.

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    die Mutter/Tochter Beziehung solltest du außen vor lassen (aber ich weiß selbst, dass das meist nicht möglich ist... trotzdem immer vor sagen ... Sie ist krank ... Sie meint es nicht persönlich...)

    Das fällt mir eben sehr schwer. Zumal ich mich vorher nie gewehrt habe u. mal was gesagt habe (bzw. nur ganz selten). Seit meiner letzten Therapie lasse ich mir aber nicht mehr alles gefallen u. dann kracht es eben öfter mal. Damit geht es mir aber insgesamt besser. Allerdings kostet das auch sehr viel Kraft und Nerven, zumal es ja eigentlich gar keinen Sinn hat. Und ich merke schon, dass ich da nun auch an meine Grenzen komme, da man ja an eine Wand läuft u. sie immer wieder das Gleiche wiederholt, auch wenn man erst vor kurzem drüber gesprochen hat. Oder ich bin wieder bitterböse u. sie versteht die Welt nicht mehr. Das kann ich ihr aber auch nicht verdenken, denn da ich nie was gesagt habe (bin eigentlich eher der ruhigere/schüchterne Typ), war für sie alles immer in bester Ordnung. Das ist es auch jetzt noch, solange man nach ihrer Pfeife tanzt.


    Meine Nichte hört sie ja auch nur mal über Telefon, sie sieht sie ja kaum mal, weil sie weiter weg wohnt. Aber man merkt schon, wenn man mit ihr redet, dass irgendwas nicht stimmt. Dazu muss man sie nicht persönlich sehen.

    Zitat

    Aber jetzt wart mal ab .. Vielleicht ist einfach die Halsschlagader verlegt und dadurch kommt es zu den Lücken ... Kopf hoch ... Du schaffst das schon :)*

    Dankeschön! Im Moment habe ich gerade wieder Zweifel, ob ich das so richtig gemacht habe u. den Sozialdienst eingeschaltet habe. Aber ich muss auch auf mich Acht geben, dass ich nicht kaputt gehe. Trotzdem kämpfen da zwei Seelen in meiner Brust: Auf einer Seite schlechtes Gewissen u. Traurigkeit (und sie tut mir auch irgendwie dann wiederum Leid), dass ich es nicht schaffe, es nicht so nah an mich ran zu lassen u. mich selbst zu kümmern u. auf der anderen Seite möchte ich gerne den Druck von mir nehmen, der auf mir lastet u. bin erleichtert, dass ich Hilfe von anderen Stellen bekomme.

    @ Fix und Foxi

    meine Mutter hat Alzheimerdemenz. Deine Schilderungen (Verlegen von Gegenständen, zeitliche und räumliche Orientierung, Essensproblematik…) kommen mir alle ziemlich bekannt vor.

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    Demente Leute stumpfen ab und werden antriebslos, mein Eindruck.

    Aber oft erst in einem späteren Stadium. Viele werden erst mal aggressiv, wenn sie merkten, dass mit ihnen etwas nicht stimmt.

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    Aber vllt. ist das Problem auch zu deutlich. Als Nahestehender will man das ja lange Zeit auch gar nicht wahrhaben. … Ich fühle mich so, als hätte ich jetzt meine Mutter verraten u. in die Pfanne gehauen

    Ich mag mich irren, aber bei deiner Mutter sind dementielle Symptome schon ziemlich ausgeprägt. Ich kenne das miese Gefühl und den Zwiespalt nur zu gut. Ich habe meine Mutter "vorgeführt" – mehr als ein mal. Aber es bringt überhaupt nichts, vor Tatsachen die Augen zu verschließen. Ich hatte irgendwann überhaupt keine Ruhe mehr beim Gedanken daran, was passieren könnte.

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    . Wie das Ganze dann weitergeht, weiß ich auch noch nicht, da sie sich gg. den Dienst auch sperren wird.

    Meine Mutter hatte nicht mal einen Hausarzt und sie hat auch keinerlei Probleme gesehen. Ich habe damals auch als erstes den sozialpsychiatrischen Dienst eingeschalten. Beim anschließenden Hausbesuch war ich natürlich dabei. Anhand ganz gezielter Fragen zur Alltagskompetenz (googele mal danach) konnten sie sich ein gutes Bild von meiner Mutter machen. Über Betreuungsbehörde und Betreuungsgericht wurde dann ein ärztliches Gutachten angefordert. Meine Mutter hat nach einem weiteren Termin mit dem Richter einen Berufsbetreuer bekommen. 2 Monate später wurde meine Mutter unter Polizeieinsatz wegen akuter Selbst- und Fremdgefährdung in die Psychiatrie eingewiesen und lebt jetzt im Pflegeheim. Ich habe alle Personen in ihre Wohnung gelassen und heute noch Alpträume von der Situation.

    Zitat

    Weiß denn hier jemand, im Falle es dann so kommt, dass sie einen fremden Betreuer bekommt, ob man dann wenigstens die finanziellen Sachen u. Geschäftsdinge behalten kann? Oder muss man dann alles abgeben? Das würde ich schon nicht so gerne.

    Du kannst auch selbst zum Betreuer bestellt werden. Ich jedenfalls wurde gefragt und habe es anfangs abgelehnt.


    Aber man muss nicht generell alles abgeben. Eine Teilung der Aufgabenkreise (Gesundheitssorge, Vertretung gegenüber Ämtern und Behörden, Wohnungsangelegenheiten, Aufenthaltsbestimmungsrecht, Vermögenssorge…) ist möglich, aber dann muss die Zusammenarbeit auch klappen. Wenn Du die Vermögenssorge hast, bist Du verpflichtet, finanziellen Schaden von deiner Mutter fernzuhalten. Der Betreuer muss dann nicht nur alle zu begleichenden Rechnungen an dich weiterleiten, sondern evtl. auch Verträge abwickeln, die deine Mutter u.U. ruinieren würden. Du kannst ihn aber nicht dazu zwingen. Und manche Dinge bekommst Du als Ehrenamtlicher einfach nicht hin.


    Obwohl es anders abgesprochen war, hat der Betreuer meiner Mutter jedenfalls alle Aufgabenkreise erhalten. Ich musste damals gar nichts offenlegen. Er hatte durch seinen Status eine ganz andere Handhabe, um z.B. Bankauskünfte einzuholen. Aber der meiner Mutter hätte sich um überhaupt nichts gekümmert, wenn ich ihn nicht jedes Fitzelchen Papier hinterher getragen hätte. Nachdem meine Mutter so halbwegs im Pflegeheim angekommen war (sie weiß bis heute nicht, wo sie sich befindet), ging die Betreuung dann doch an mich über.


    Aus inzwischen mehrjähriger Erfahrung weiß ich, dass man manche Aufgaben gar nicht so konkret trennen kann. Ein Betreuer muss auch jährlich über den Gesundheitszustand, die getätigten Rechtsgeschäfte, die Finanzen (Vermögen, Einnahmen und Ausgaben) Rechenschaft ablegen.

    @ Taps:

    Danke für deine Einschätzung.

    Zitat

    meine Mutter hat Alzheimerdemenz. Deine Schilderungen (Verlegen von Gegenständen, zeitliche und räumliche Orientierung, Essensproblematik…) kommen mir alle ziemlich bekannt vor.

    So oft Gegenstände verlegt sie nicht (ab und an natürlich schon. Meistens ist es die Brille, die sie immer wieder sucht. Aber das war auch schon vorher so... ;-) Sie liegt dann aber nicht an ungewöhnlichen Orten, sondern meistens irgendwo auf irgendeinem Schrank oder Tisch. Die Geschäftsbriefe, die sie bekommt, kann sie mir immer vorlegen u. weiß, wo sie sie hingelegt hat.

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    Ich mag mich irren, aber bei deiner Mutter sind dementielle Symptome schon ziemlich ausgeprägt. Ich kenne das miese Gefühl und den Zwiespalt nur zu gut. Ich habe meine Mutter "vorgeführt" – mehr als ein mal. Aber es bringt überhaupt nichts, vor Tatsachen die Augen zu verschließen. Ich hatte irgendwann überhaupt keine Ruhe mehr beim Gedanken daran, was passieren könnte.

    Geht mir genauso, mache mir auch ständig Sorgen.

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    Anhand ganz gezielter Fragen zur Alltagskompetenz (googele mal danach) konnten sie sich ein gutes Bild von meiner Mutter machen.

    Ich habe jetzt mal geschaut, so viel habe ich jetzt nicht dazu gefunden. Nach den Beschreibungen glaube ich, dass ihre Alltagskompetenz noch nicht so sehr eingeschränkt ist. Sie geht noch regelmäßig alleine einkaufen u. findet sich hin u. wieder zurück, sie fährt noch regelmäßig mit der Tram oder Bus in die Stadt oder ihre christliche Gemeinde (dort wird sie allerdings nach dem Gottesdienst dann immer heimgefahren) und findet sich. Sie ging bisher immer alleine zu Ärzten (gut, so gut wie nie) und fand sich bisher auch dahin. (mal abgesehen vom Orthopäden, aber dort war sie noch nicht so oft u. zwischendurch immer mit sehr langen Pausen, da ist das verständlich) Wenn sie dann mal nicht weiter weiß, fragt sie andere Leute, wie sie dahin kommt. Hat allerdings auch schon zugegeben, dass sie manchmal von anderen angesprochen wird, wo sie denn hin will. Sie kocht sich noch alleine Essen (gut, schon komische Sachen) und hat dabei noch nie den Herd angelassen. (das hätte sie mir aber vllt. auch nicht erzählt) Sie duscht noch regelmäßig, man muss ihr allerdings sagen, dass sie das mit Seife oder Duschbad machen soll. Alleine Haare waschen klappt nicht mehr. Sie ist allerdings auch körperlich nicht mehr ganz so gut drauf, hat sehr oft starke Schmerzen. Abwaschen tut sie allerdings ohne Geschirrspülmittel (augenscheinlich, da es schon ewig her ist, als ich ihr welches besorgt habe u. die Flasche noch mehr als halbvoll ist) Ihre Kleidungsstücke wäscht sie alleine mit der Hand, weil sie nicht mit der Waschmaschine klar kommt (hatte mein Vater 2014 allerdings neu gekauft u. sie kam von Anfang an nicht mit der neuen Bedienung klar). Große Stücke wie Handtücher u. Bettwäsche wasche ich. Es ist nicht so sonderlich hygienisch bei ihr. Da liegen die Putzlappen neben den Aufwaschlappen auf der Spüle und auch sonst sieht es schon manchmal bisschen chaotisch bei ihr aus. Aber hält sich noch in Grenzen. Ich weiß nicht, ob das schon für eine eingeschränkte Alltagskompetenz spricht. ":/


    Bist du für das ärztliche Gutachten mit deiner Mutter dann nochmal zum Arzt gegangen? Oder hat das dann schon der Betreuer gemacht? Weil das könnte problematisch mit ihr werden. Zu welchem Arzt seid ihr da gegangen? Gleich Neurologe oder erst mal nur Hausarzt? Tätigt denn dann der gesetzliche Betreuer auch alle Arztbesuche mit ihr? Das wäre mir dann schon sehr wichtig!


    Wenn ich das so von dir höre, mit der Nachrennerei u. dass sich der gesetzliche Betreuer nicht so wirklich gekümmert hat, ist das ja nicht so erfreulich. Da kann man das ja gleich alleine machen, wenn man dann trotzdem noch so viel an der Backe hat. Wg. den finanziellen Dingen u. Geschäftssachen habe ich eben so meine Bedenken, da man schon manchmal komische Sachen von Betreuern gehört hat, wo dann das Konto abgeräumt wurde, etc. :-X


    Da hast du ja auch ganz schön was mit deiner Mutter durch! :°_ :°_ :°_ :°_ :°_ Wie kommt ihr jetzt miteinander klar? Hört sich ja aber bei deiner Mutter schon recht weit fortgeschritten an.


    Oh Mann! Mir graut schon dermaßen vor morgen, wenn ich daran denke, bekomme ich jetzt schon dauernd Panikschübe... %:| Irgendwie muss ich ihr ja dann kurz vorher sagen, dass gleich jemand kommen wird, der uns Hilfe angeboten hat u. mal mit uns sprechen möchte, wie wir ihr das Leben bisschen erleichtern können. Da tickt sie sowieso gleich aus - das weiß ich jetzt schon... :-X Hoffentlich bekomme ich das morgen irgendwie gebacken.


    Es tut ganz gut, sich mal mit jemanden austauschen zu können, der die Situation kennt. Danke euch! @:)

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    Ich weiß nicht, ob das schon für eine eingeschränkte Alltagskompetenz spricht.

    Bei meiner Mutter waren die Anzeichen wesentlich schlimmer, als ich eingeschritten bin.


    Aber mit so einfachen Sachen wie Du schilderst, fing es an.


    Deine Mutter muss ja keine Demenz haben, dementielle Symptome treten auch bei anderen Problemen wie z.B. bei Medikamentennebenwirkungen, Trinkdefiziten auf. Meine Schwiegermutter hatte mehrere leichte Schlaganfälle, die sich so geäußert haben. Es gibt da so viele Möglichkeiten.

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    Bist du für das ärztliche Gutachten mit deiner Mutter dann nochmal zum Arzt gegangen? Oder hat das dann schon der Betreuer gemacht? Weil das könnte problematisch mit ihr werden. Zu welchem Arzt seid ihr da gegangen?

    Nein das lief anders. Ein Neurologe war zu dem Zeitpunkt nicht involviert. Es ging ja bei ihr in erster Linie nicht darum, die genaue Krankheit zu benennen (das was nicht stimmt, war offensichtlich), sondern die Geschäftsfähigkeit festzustellen. Per Gerichtsbeschluss wurde ein konkreter Psychiater beauftragt, ein psychiatrisches Gutachten zu erstellen. Meine Mutter bekam dann per Post einen Termin, zu dem sie in der Praxis erscheinen sollte. Völlig bekloppt. Wenn sie das Schreiben überhaupt geöffnet hätte, hätte sie es nicht begriffen und ignoriert. Ich wurde auch über den Termin informiert, hätte sie da aber nie hinbekommen. Nach Telefonaten mit dem Gericht und der Praxis wurde der Termin in ihre Wohnung verlegt. Der Art hat sich dann mehr mit mir als mit ihr unterhalten und das weitere Prozedere erklärt. Im Gutachten stand dann, dass sie nicht mehr geschäftsfähig ist und bekam den Betreuer.


    Zu dem Zeitpunkt war in meinen Augen ganz offensichtlich, dass meine Mutter nicht mehr allein in der Wohnung leben und sich versorgen kann. Aber sie wollte nichts ändern und der Betreuer sah die Probleme nicht. Bei den Hausbesuchen wurde er nicht reingelassen –natürlich nicht. Ich hatte einen Schlüssel. Meine Mutter hat ja niemanden in die Wohnung gelassen. Auch bei der Begutachtung wegen der Pflegestufe war ich dann zugegen, nicht er.


    Im ausgestellten Kühlschrank lagen Dinge, die da nicht hingehörten. Von mir gekochtes Essen habe ich Tage später verschimmelt im Topfschrank wiedergefunden. Ernährt hat sie sich nur noch von Kuchen (vom Bäcker direkt um die Ecke). Sämtliche Post wurde ungeöffnet im Schrank verstaut. Sich und die Wäsche gewaschen hat sie gar nicht mehr, mich aber nicht helfen lassen. Irgendwann waren dann alle ihre Schlüssel weg und sie kam nach dem Weg zum Bäcker nicht mehr in ihre Wohnung. Sie hat alles weggeräumt, was sie in die Finger bekam.


    Nach außen hin war alles pikobello aufgeräumt, wenn auch mitnichten sauber. Das hat es mir bei den Behördengängen auch so schwer gemacht.


    Bei der Wohnungsauflösung habe ich dann neben vielen anderen Dingen ihre und alle nachgemachten Schlüssel gefunden und 57 Rollen Klopapier – alle von mir gekauft und von ihr verstaut. Heute kann ich darüber lachen. Das Klopapier hat bei uns jedenfalls lange gereicht.


    Für mich (oder meine Mutter) hatte sich durch den Betreuer nichts zum Besseren geändert. Im Gegenteil, ich musste nun auch noch jedes Schriftstück weiterreichen, statt die Rechnungen einfach zu bezahlen. Ich hatte ja ab dem Zeitpunkt keinen Zugriff auf die Finanzen mehr.


    Als es dann kalt wurde und meine Mutter bei 14 Grad in der Wohnung saß (weil sie den Zusammenhang zwischen heizen und Wärme nicht mehr kapiert hat), ist mir der Kragen geplatzt. Dann war plötzlich großer Bahnhof: Betreuer, Richter, hinzugezogener Amtsarzt, gerufener Krankenwagen, Polizei. Nach 30 min war sie raus aus der Wohnung. Gut dass sie das (im Gegensatz zu mir) alles nicht mehr bewusst mitbekommen oder zumindest ganz schnell vergessen hat. Ich hätte das alles nicht in die Wege leiten können. Von daher war es gut, dass sie den Berufsbetreuer hatte.


    Inzwischen macht meine Mutter nichts mehr allein, versteht einfachste Aufforderungen nicht, redet nicht (oder richtiger in ihrer eigenen Sprache), hat das Kauen verlernt, einen Dauerkatheder... Und so kommt eins zum Anderen. Sie freut sich, wenn sie mich sieht. Ich habe keine Ahnung für wen sie mich hält, aber das ist egal.

    Zitat

    Wg. den finanziellen Dingen u. Geschäftssachen habe ich eben so meine Bedenken, da man schon manchmal komische Sachen von Betreuern gehört hat, wo dann das Konto abgeräumt wurde, etc.

    So einfach ist das mit dem Abräumen des Kontos nicht. Für Rechtsgeschäfte braucht ein Betreuer eine Genehmigung des Gerichts. Für bestimmte Dinge wird immer zusätzlich ein Verfahrenspfleger bestellt. ??ich wollte z.B. für meine Mutter eine Erbschaft (alle Verwandten sagten es sind Schulden) ausschlagen. Das war ein Riesenbrimborium, ehe das genehmigt wurde. Es wurde ganz genau geprüft, ob meine Mutter nicht doch noch ein paar EURO erhalten würde?? Und dann muss man jährlich seine Tätigkeiten und die Verwaltung des Vermögens offenlegen. Als Tochter habe ich es etwas einfacher als ein Berufsbetreuer. Aber auch ich sammele alle Rechnungen und Quittungen und führe über jeden einzelnen Cent Buch.


    Wenn was passiert, ich würde da eher Überlastung als Mutwillen sehen.


    Aber wenn die Feststellung einer Krankheit bei deiner Mutter ohne dieses ganze Drumherum funktioniert, umso besser.

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    Da tickt sie sowieso gleich aus - das weiß ich jetzt schon

    Das hatte ich auch befürchtet. Aber seltsamerweise hat meine Mutter die zusätzlichen Personen in der Wohnung ganz gelassen gesehen. Und die waren eigentlich alle so einfühlsam, dass sie sich quasi als meine Begleiter dargestellt haben – selbst der Richter.

    Ich habe übrigens vorher gar nichts gesagt, sondern die Leute einfach selbst rein gelassen. Meine Mutter hat wohl schon irgendwie gespürt, dass sie Hilfe braucht.


    Sie war immer pampig und verbissen, aber bereits in der Psychiatrie wesentlich ausgeglichener. So als ob ihr die Last der Verantwortung von der Schulter genommen war. Ich weiß nicht, wie ich das sonst beschreiben soll.

    So, ich will mal kurz berichten.


    Ein bisschen mehr hatte ich mir ja schon versprochen, bzw., dachte ich zumindest, dass dann vom Sozialpsychiatrischen Dienst eine amtliche Betreuung eingeleitet wird, aber es war gut, dass jemand da war u. sie sich angeschaut hat, der das auch besser einschätzen kann.


    Meine Mutter hat sich natürlich erst mal tierisch aufgeregt. (sie hat gemerkt, dass ich an die Uhr geschaut habe u. da habe ich ihr eben gesagt, dass dann jemand kommt) Sie wusste es u. sie hätte nicht gedacht, dass ich so was mache. Als ich sie dann nochmal ansprach, dass irgendwo Grenzen sind u. meine jetzt erreicht sind, v. a. Dingen, wenn sie mir sagt, wenn ich ihr helfen will, dass sie sich aufhängen will. Ach, das hätte sie ja nur so gesagt, weil sie sauer war, das würde sie nicht machen.


    Als der Typ dann kam, war sie in meinen Augen gut in Form u. fit wie ein Turnschuh. Sie hat geredet ohne Ende u. ihn kaum zu Wort kommen lassen. Die Dinge waren schon zusammenhanglos, aber da ich das ja schon ne Weile kenne, war das für mich völlig normal u. ich hatte jetzt schon Angst, dass der Mann sich sagt, was wir mit einer Betreuung wollen u. dass sie doch völlig normal ist. Wortfindungsstörungen hatte sie da auch gerade keine. Sie hat aber erzählt, dass sich alle gefreut haben, als ich auf die Welt kam (auch die Enkel - da gab es aber noch gar keine Enkel!) u. jetzt würde ich sie kaputt machen. Geheult und auf die Tränendrüse gedrückt hat sie natürlich auch wieder. Als er sie fragte, wie alt sie jetzt ist - zu viel Fragen kam er bei ihr gar nicht erst - hat sie gesagt, sie ist jetzt 80 geworden, was ja nicht stimmt. Er hat sie auch gefragt, wo sie herkommt, da meinte sie, aus Sachsen u. dann Dresden. (Wohnen allerdings schon 27 Jahre nicht mehr dort) Wollte dann wissen, wo wir gewohnt haben, den genauen Ort - da hat sie dann auch wieder Sachsen gesagt. Dann hatte ich ihm kurz erzählt, dass sie sich Weihnachten nicht zu uns gefunden hat u. dass sie (weil sie da was sagte) nicht verstanden hat, dass sie nicht rausgehen darf. (da hat sie gesagt, dass sie eingesperrt war u. nicht rausdurfte... %:|) Zudem hat sie dauernd Angst, dass sie aus der Wohnung rausgeworfen wird, obwohl ich ihr gesagt habe, dass das doch keiner will. Und dann meinte sie auf einmal, dass sie schon gedacht hat, sie geht hier weg, irgendwo hin, damit sie mal alle in Ruhe lassen. Da meinte ich dann auch zu ihr: "Ich denke, du willst nicht weg, du willst hierbleiben?" Zum Schluss meinte sie dann noch zu ihm, wenn er jetzt weiterredet, dann packt sie ihre Kiste und haut ab... :=o Am Ende war ich natürlich wieder bitterböse, weil ich den herbestellt habe u. ich solle nie wieder so was machen, sie will auch nicht mehr so sein. Das wird noch einen Riesenzirkus geben. :-X


    Das Gespräch hat 1 h gedauert u. er wollte sich schon mehrmals verabschieden, aber sie hat einfach weiter geredet. Selbst an der Tür hat sie ihn noch vollgequatscht. Das macht sie ja aber mit mir auch immer. Ich habe ihn hinterher nochmal angerufen u. er hatte einen ganz anderen Eindruck als ich. Er sagte, dass sie auf jeden Fall mittelgradig dement ist u. dass er sich wundert, dass sich überhaupt noch zu uns gefunden hat. Ich habe dann auch gesagt, dass sie nicht immer nett über mich redet, sondern sehr oft hinter meinem Rücken schlecht über mich redet. Er meinte, nicht nur hinter meinem Rücken. Ich habe das gar nicht so mitbekommen, weil sie es sonst sehr offensichtlich macht. Ich habe ihm auch noch gesagt, dass ich mich schon sehr distanziert von ihr habe, weil mich das psychisch fertig macht. Er meinte, dass das auch nicht besser wird u. ich mir immer sagen sollte, dass sie krank ist. Habe dann noch gesagt, dass ich aber noch nie was richtig gemacht habe u. jetzt erst recht nicht u. das leider sehr persönlich nehme. Er meinte dann auch, dass sie eine sehr starke u. selbstbestimmte Persönlichkeit ist. Er geht auch davon aus, dass sie Betreuung braucht und wenn ich mir das nicht zutraue und nicht machen kann (habe ihm gesagt, dass zwischen uns nichts wird, da sie da nicht mit sich reden lässt - das hat er aber auch gemerkt), soll ich aufs Amtsgericht bzw. Betreuungsgericht u. meine Vorsorgevollmacht da abgeben. Soll dann sagen, dass ich das aus bestimmten Gründen nicht machen kann. Er meinte, da käme noch was auf mich zu. Nun ja, das wird schwierig werden, weil sie fremde Leute ja immer nicht in die Wohnung lässt. Der Mann vom Sozialpsychiatrischen Dienst ist aber zuversichtlich. Er meinte, sie wird auch mit anderen Fremden dann so viel reden, sie hatte ja sehr viel zu erzählen... Vor Montag kann ich eh nicht aufs Betreuungsgericht, da die nur vormittags Sprechzeit haben. Mir graut jetzt schon vor dem Affentheater, was es dann geben wird. :-X Nun muss ich ja Dienstag erst mal wohl oder übel - vorausgesetzt, das Wetter spielt mit - mit ihr zum Orthopäden, da sie da Termin hat. Das wird auch was werden, da sie ja KG will, aber ja gar nicht mehr mit Kalendertagen u. Uhrzeit zurecht kommt, aber garantiert nicht will, dass sie da Hausbesuch bekommt.

    Ich finde er hat das gut durchblickt ..


    Und jetzt hab ich dann doch lachen müssen.. Wenn unseren Opa jemand fragt wie alt er ist dann meint er immer er ist Jahrgang 1926 was ja stimmt! Allerdings ist er meilenweit von 2017 entfernt!


    Wenn Sie jetzt auch böse mit dir ist... das wird nicht lange anhalten ....manchmal kann vergessen Vorteile haben :�(

    Danke! Ja, dass wir 2017 haben, wusste sie zumindest Anfang Januar noch, weil sie es im Radio gehört hat. Denke aber, dass sie es jetzt nicht mehr weiß.

    Zitat

    Wenn Sie jetzt auch böse mit dir ist... das wird nicht lange anhalten ....manchmal kann vergessen Vorteile haben :�(

    Ja, nur einige Dinge vergisst sie leider (noch) nicht so schnell. Sie ist dann zwar meistens kurz danach wie immer, aber ich bekomme das dann immer wieder gebetsmühlenartig erzählt, wie böse ich (oder jemand anderes, wenn es um was anderes geht) war u. dass ich so was nie wieder machen soll. Dinge, über die sie sich ärgert oder freut, kann sie sich manchmal erstaunlich gut merken. Und nun setze ich noch eins drauf u. gebe die Vorsorgevollmacht ab. So richtig gut fühlt sich das ja nicht an, aber was bringt es, wenn ich selbst dann daran kaputt gehe? Sie ist ja seit Jahren nun noch Thema bei uns (war sie vorher auch schon oft, weil sie sich immer so in den Vordergrund gedrängt hat, aber seitdem mein Vater verstorben ist, ist es ganz krass). So was kann auch irgendwann mal die Beziehung kaputt machen.


    Sie hatte mich natürlich schon wieder angerufen. Habe sie aber nicht zurückgerufen u. AB ist aus. Hatte es ohnehin nicht gehört (Telefon hört man im Nebenzimmer oft nicht u. ich schleppe es nicht ständig mit mir rum). Habe jetzt keine Lust auf Vorwürfe, die es wieder hageln wird. Wird sicher nicht der letzte Anruf von ihr heute sein.

    Zitat

    Ich finde er hat das gut durchblickt ..

    Scheint mir auch so.

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    Als er sie fragte, wie alt sie jetzt ist ... hat sie gesagt, sie ist jetzt 80 geworden

    Entschuldige, jetzt musste ich grinsen. Die damalige Antwort meiner Mutter war 70 (in Wirklichkeit 75). Diese 70 war so in etwa der Zeitpunkt, zu dem sie ihr Leben immer schlechter in den Griff bekam. Das haben wir aber erst im Nachhinein anhand der aufgefundenen Unterlagen und "Spickzettel" herausbekommen.


    Gerade solche beiläufigen Fragen zielen auf die Alltagskompetenz ab- auch ganz wichtig für die Pflegestufe (neu Pflegegrad). Zum Erkennen von Demenz gibt es auch so einen "Mini-Mental-Status-Test". Meine Mutter wäre da voll durchgefallen.


    Aber kläre das erst mal mit den ganzen Behördengängen. Da hast Du noch einiges vor dir, siehe mein Post von heute früh. :°_

    Hallo Fix und Foxie,

    Zitat

    in meinen Augen gut in Form u. fit wie ein Turnschuh.

    Deine Mutter ist schon echt extrem. Meine hätte das früher auch mit aller Kraft niedergekämpft.


    So dement ist sie nun doch noch nicht. Meine Meinung, auch bei meinem Vater. Wenn er mal gute Tage hat beweist das, dass noch relativ viel funktioniert. Bei stärkerer Demenz oder echten gesundheitlichen Problemen wäre das immer gleich schlecht.


    Da fällt mir wieder ein Witz ein. Ich habe ihn sogar wieder gefunden im Internet:


    https://www.toonpool.com/cartoons/sensenmann_152046


    Grüße


    ABC01