Brennen im Unterschenkel nach Kreuzband OP

    Hallo zusammen,


    ich hatte heute vor 14 Tagen eine Kreuzband OP und bin im Moment recht verunsichert. Bei mir wurde eine Kreuzbandplastik sowie eine Innenmeniskusresektion durchgeführt. OP verlief problemlos, Wundheilung außen top. Seit OP eigentlich schmerzfrei. Bei Sehnenentnahme wurden natürlich einige Hautnerven durchtrennt wodurch die Innenseite meiner Wade taub und pelzig ist. Seit einigen Tagen aber spüre ich dort wieder etwas. Wenn man die Fläche berührt brennt es leicht bis mittelschwer. Halte ich das Bein still ist gar nichts.

    Der Unterschenkel ist immernoch leicht geschwollen. Die Anpassung der Schiene von 45° auf 90° zeigte aber, dass das Bein im Gesamten etwas abgeschwollen ist. Heparin wird täglich gespritzt, Schmerzmittel nehme ich keine. Ich trage Tag und Nacht eine Schiene und darf das Bein noch nicht belasten.

    Meine Frage ist nun ob dieser brennende Schmerz normal und ein Zeichen das sich die Nerven regenieren ist oder ob ich mir Sorgen machen müsste. Mein nächster Termin beim Orthopäden ist am 15.12. Ein Kontrolltermin im Krankenhaus gestern wurde mir versichert, dass alles in Ordnung sei. Aber Ärzte sind ja auch nur Menschen. Ich habe zudem eine leichte Schwellung ca. 5 Tage nach OP über der Kniescheibe bekommen. Tut nicht weh und wird nicht dicker. Laut Sono Wundwasser, müsse nicht Punktiert werden.


    Habt ihr einen Rat bzw. ähnliche Erfahrungen gemacht mit diesem brennenden Schmerz? Im Netz liest man ja die wildesten Sachen Stichwort "Kompartmentsyndrom".

    Danke.

  • 10 Antworten

    Das klingt schon nach Nervenschmerzen. Ich hatte das nach meiner TEP OP. Da hat es der Anästhesist etwas gut mit der Narkose gemeint (hatte eine zusätzliche Nervenblockade in dem OP-Bein), ich hatte wochenlang innen am Bein alles taub. Irgendwann brannte es dann auch partiell. Dauert eben lange,bis sich Nerven wieder regenerieren.


    Auch Schwellungen nach 14 Tagen sind völlig normal.


    Gute Besserung weiterhin! @:)

    Ich würde mich Schmidti anschließen. Und die Sehnenentnahme kann sich auch bemerkbar machen, v.a. wenn man wieder mehr beugen darf. Ich hatte auch mehrfach Beugelimitierungen nach Knie-OP's und weiß, dass es bei mehr Beugung immer ziepte.


    Vielleicht mal wieder etwas Schmerzmittel nehmen und schauen, welchen Effekt die haben.

    Lauch86 schrieb:

    Im Netz liest man ja die wildesten Sachen Stichwort "Kompartmentsyndrom".

    Das hast du sicher nicht;-)

    Ich habe noch nie ein Kompartmentsyndrom nach einer VKB Plastik gesehen und ich habe in 20 Jahren schon viele gesehen;-)



    Schmidti70 schrieb:

    Auch Schwellungen nach 14 Tagen sind völlig normal.

    Ja, dass ist normal, postoperative Schwellung. Die kann Tage oder Wochen anhalten.

    Unterstützend könnte man Manuelle Lymphdrainage machen. Kann dir dein Arzt verordnen.

    6x MLD- 30 Minuten


    Lauch86 schrieb:

    Meine Frage ist nun ob dieser brennende Schmerz normal

    Das kann normal sein, ist auch bei jedem verschieden. Da würde ich erstmal abwarten. Bedenke, in deinem Knie wurde einiges gemacht, rumgebohrt usw.

    Das kann noch eine Zeit schmerzen.

    Super vielen Dank fürs Licht anmachen.


    Eine Frage hätte ich noch. Ich habe die charmante Idee den Heilprozess meines Körpers bzw. den Knochenwachstum zu unterstützen, indem ich Vitamin D3 + K2 einnehme. Eine Wochenpille von 5.600 IE. Ich komme im Moment eh nicht viel raus und bekomme 100% zu wenig D durch die Sonne. Wir in DE haben ja allgemein einen leichten Mangel.


    Ist es a) sinnvoll dies einzunehmen um das Zusammenwachsen der Knochen zu unterstützen und b) könnte es der gerinnungshemmenden Wirkung von Enoxaparin (Clexane) entgegen wirken, welches ich ja momentan täglich nehme?

    Es schadet mit Sicherheit nicht, aber es wird die Sache auch nicht recht beschleunigen. Das einwachsen in den Knochen dauert je nach Sehne mehrere Wochen. Der biologische Umbauprozess der Ersatzsehne 12-18 Monate. Schmerzen wie du sie beschreibst sind nach Semitendinosus-Entnahme völlig normal. Mit Schwellungen des Knies musst du auch noch lange rechnen. Im ersten Jahr nach so einer Op kann es immer wieder zu Schwellungen kommen.


    Die volle Streckung ist übrigens immer viel wichtiger als die Beugung. Deshalb, nie etwas unter die Kniekehle legen und das Bein immer schön durchhängen lassen, auch wenn es vielleicht etwas unangenehm ist!!! Die Beugung kommt von alleine wieder. Außerdem sollte man bei Semitendinosus-Entnahme nicht zu früh und zu aggressiv die Beugung trainieren. Die entnommene Sehne regeneriert sich (siehe Bild; schwarze Pfeile; linkes Knie). Der Muskel selbst ist nach Entnahme dann etwas kleiner.

    [IMG:https://ars.els-cdn.com/content/image/1-s2.0-S1877056812002344-gr1.jpg]    


    Außerdem ist es auch wichtig, dass man auch ohne Vollbelastung den Fuß beim Krücken Gehen auf den Boden stellt, aber ohne ihn zu belasten, damit es keine Probleme mit der Hüftbeugemuskulatur gibt. Ach ja, nicht vergessen die Kniescheibe zu mobilisieren.


    Ansonsten gilt es bei vorderen Kreuzband-Ops geduldig zu sein.

    Viel Glück und gute Besserung

    Daniel-88 schrieb:

    Die volle Streckung ist übrigens immer viel wichtiger als die Beugung. Deshalb, nie etwas unter die Kniekehle legen und das Bein immer schön durchhängen lassen, auch wenn es vielleicht etwas unangenehm ist!!! Die Beugung kommt von alleine wieder.

    Das unterschreibe ich voll und ganz! Ich hatte Knorpel-Eingriffe, wo erstmal volle Streckung verboten war (Orthese, Wochen/Monate). Am Ende stand ein Streckdefizit, Hüft- & Rückenprobleme. Das war unendlich harte Arbeit und bis zum Kunstgelenk ging es nie ganz weg. Die Beugung, die genauso lange und länger limitiert war, kam aber immer wieder, Weil man sie automatisch im Alltag viel mehr trainiert.

    Danke. Hatte heute Regeltermin beim Orthopäden. Er ist sehr zufrieden. Die Physio hatte mir vergangene Woche schon ein leichtes Streckdefizit gezeigt, das konnte ich aber innerhalb von drei Tagen wieder wegtrainieren. Ich kann aktuell ohne Probleme von -10 bis 90° bewegen wie ich es soll. Ab heute, 3,5 Wochen nach OP soll ich mit Teilbelastung beginnen. Mal sehen.


    Mich würde noch etwas interessieren:
    Wie lange dauert es eigentlich bis die gebohrten Kanäle vollständig zugewachsen sind und die Bioschrauben aufgelöst sind? Sind die Knochen danach wieder so stabil wie vorher, sofern mein Körper die Bioschrauben gut verträgt? Am Ende des Ganzen stelle ich mir vor, dass das neue Kreuzband fest in den Knochen verwachsen ist.

    Das einwachsen des Transplantates im Knochen ist nach einigen Wochen (ca. 12 Wochen) abgeschlossen. Die Bioschrauben brauchen je nach Hersteller und Person unterschiedlich lange bis sie abgebaut sind. Können 18 Monate sein aber auch deutlich länger. Die vergleichsweise winzigen Löcher die man für ein Kreuzband braucht, machen dem Knochen nichts. Die Löcher in denen so ein Kreuzband steckt sind nur etwa 20 - 30mm tief, bei einem Durchmesser von höchstens 10-11mm und das an den dicksten Stellen der jeweiligen Knochen. Ich habe beispielsweise in meinem Oberschenkelknochen zwei Löcher, weil mein erstes Ersatzkreuzband an einer anderer Stelle im Knochen verankert wurde als mein zweites.

    Das kritische an einer Kreuzbandplastik sind nicht die Knochen, sondern dass die Ersatzsehne von deinem Körper in ein bandähnliches Konstrukt umgewandelt wird. Dieser Prozess ist kritische und der dauert je nach Informationsquelle zwischen 10 und 18 Monaten. In dieser Zeit sind so Bänder oft noch sehr anfällig, obwohl man schon wieder das Gefühl hat, dass alles gut ist. Das beispielsweise Profifußballer nach 6 Monaten wieder spielen, ist eigentlich ein Wunder. Je nachdem wie sehr man wieder in den Sport einsteigen will, sollte man deshalb bestimmte Tests machen. Einige Praxen führen Sprungtests durch, andere bieten auch andere Test an. Du kannst ja mal "ready to go leistungsdiagnostik" googeln.

    Okay gut. Dann bin ich nach voll im Soll.


    Warum ist es bei dir ein zweites Mal gerissen und wie lange liegen die Risse auseinander? Man liest ja immer wieder, dass VKB Plastiks erneut reißen. Aber mir wurde gesagt hauptsächlich weil die meisten zu früh wieder anfangen Vollgas zugeben. Oder ist ein vollst. umgewandeltes Ersatzband grundsätzlich anfälliger? Ich persönlich werde das komplette nächste Jahr nur auf leichte Sportachten setzen...

    Lauch86 schrieb:

    Oder ist ein vollst. umgewandeltes Ersatzband grundsätzlich anfälliger?

    Es ist stabil, aber es ist nicht so das es unkaputtbar ist.

    Auch Transplantate können wieder reißen wenn man unvorsichtig ist oder es übertreibt. Fußball würde ich damit nicht spielen