Trochleaplastik mit MPFL-Plastik und Umstellungsosteotomie

    Hallo, ich schreibe heute zum ersten Mal irgendetwas in ein Forum, aber ich hoffe einfach auf ein paar Erfahrungsberichte zustoßen die mir etwas weiter helfen und vielleicht auch etwas die Angst nehmen können.

    Kurz zu mir: ich bin 23 Jahre alt und habe bereits jetzt massive Probleme mit den Knien, vorallem das linke Knie ist sehr instabil. In der 4. Klasse ist mir das erste Mal die Kniescheibe rausgesprungen und seit dem unzählige Male immer wieder. Ich habe bereits ein paar OPs hinter mir unteranderem eine MPFL-Plastik 2012. Bis letztes Jahr hat diese auch gut gehalten, aber Ende des Jahres ist mir dann doch wieder die Kniescheibe rausgesprungen. Nun ist die Instabilität enorm und ohne Schiene ist kein sicheres Laufen mehr möglich. Nun wurde mir zu diesen 3 OPs (trochleaplastik, MPFL-Plastik und Umstellungsosteotomie) geraten (es wäre eine OP in der alle 3 Techniken durch geführt werden). Ich bin deshalb sehr unsicher, da ich im Internet kaum Erfahrungsberichte finde und ich vor einer solch großen OP wirklich bammel habe. Gerade auch die Nachbehandlung macht mir Sorgen. Ich bin zur Zeit in der Ausbildung zur Kinderpflegerin, also bin ich auch regelmäßig im Kindergarten und ich hab Angst das ich durch so eine OP zu lange nicht mehr in die Arbeit gehen könnte und so evtl meine Ausbildung nicht schaffe. Ich würde hoffen das ich ein paar Leute finde, die zumindest schon eine trochleaplastik hinter sich haben und ihre Erfahrungen mit mir teilen können, das würde mir sehr helfen.

    Danke schon einmal fürs durchlesen und erstmal noch einen schönen Abend!

  • 11 Antworten

    Hallo,

    ich bin selbst nicht betroffen. Ich hoffe, es melden sich noch Leidensgenossen. Ich bin überrascht, dass es so wenig Foren gibt bzw. diese nicht besucht werden.


    Trotzdem würde ich Dir gerne meine persönliche Meinung dazu sagen:


    Ich nehme an, Deine Trochlea ist zu flach oder sonst eindeutig ungünstig geformt?

    Umstellungsosteotomie: Als Frau: Hast Du X-Beine? (Wurde eine Ganzbein-Röntgenaufnahme gemacht? Hast Du die Winkel-Werte?)


    Andererseits haben fast alle Frauen X-Beine. Die meisten nur gering. Aber es ist stets eine Fehlstellung! Ist die Winkelung grenzwertig (Grenzbereich zur Pathologie) verliert man ev. früh seine Knie und Hüften durch Arthrose. Weniger bekannt: Auch die Hüften!

    Wenn Du die Sohlen Deiner Schuhe außen abläufst - läufst Du auch beide Gelenke außen ab...

    Überwiegend Frauen benötigen im Leben endoprothetischen Ersatz. Es sind - tatsächlich - die X-Beine. Da hilft auch kein Untergewicht. Übergewicht und (stärkere) X-Beine sind fatal.


    Du erwähnst nichts von Knorpelschäden im Knie, bzw. hinter der Kniescheibe. Das wäre ungewöhnlich - aber natürlich super.


    Meine Meinung - ohne erfragte Details zu kennen:


    Du hast eigenlich keine Wahl. Es ist Deine einzige Chance für ein schönes, gutes, schmerzfreies Leben auf eigenen Gelenken.


    Fraglich ist: Wie lange geht Deine Ausbildung noch? Kannst Du Dich sportlich zurückhalten bis zum Ende? Die Kniescheibe darf einfach nicht mehr luxieren!


    Ein Tipp zur Umstellungsosteotomie:

    Die macht den Eingriff komplett und erhöht die Chancen auf Erfolg.

    Am besten mit Navigation operieren lassen: Orthopilot. Ich habe gerade eine Doktorarbeit zum Thema gelesen: Die Beine sind mit Orthopilot hinterher gerader. Statistisch gesehen.

    Es gibt auch sehr gute Chirurgen mit Erfahrung, die das ohne Orthopilot schaffen... Aber das weiß man vorher ja nie.


    Natürlich birgt jede OP ein allg. Risiko. Aber eben auch eine Chance. Ohne OP hast Du - langfristig - keine guten Aussichten.

    Ich danke dir für deine Antwort!

    Die Röntgenaufnahme und ein Mrt zum vermessen wird nächste Woche gemacht und danach entschieden ob diese Technik bei der OP mitgemacht wird.

    Knorpelschäden sind leider auch schon vorhanden. (Ich habe gestern einfach darauf losgeschrieben und wohl ein paar Details vergessen ;-D)

    Meine Ausbildung ist in 2 Teile gegliedert, die erste Prüfung schreibe ich nächstes Jahr, aber dann würde ich gerne noch weiter machen zur Erzieherin was noch einmal 2-3 Jahre dauert.

    Sport mache ich sowieso nur zum Muskelaufbau, da alles was mit Laufen und springen zu tun hat so gut wie unmöglich für mich ist.

    Ich weiß das ich wahrscheinlich keine andere Wahl habe außer diese OP durchführen zu lassen aber ich hoffe ich finde ein paar Leidensgenossen die mich vorallem in Bezug auf die Ausbildung etwas beruhigen können. Ich möchte die OP sowieso über die Ferienzeit legen um so wenig wie möglich zu verpassen nur kann ich mir gar nicht vorstellen in welchem Zeitraum ich wieder ohne Probleme im Kindergarten arbeiten kann.

    Ich danke dir für die Hilfe! :-)

    Ja das werde ich sowieso tun0 und hab ich auch teilweise schon, ich würde wie gesagt nur gerne von jemandem hören der schon einmal eine trochleaplastik hatte, weil das ist noch mal etwas anderes als ein arztgespräch..

    Aber danke für deine Antwort :-)

    Die hatte ich leider nicht. Stand mal zur Diskussion, hätte dann aber letztlich nichts mehr gebracht. Ist auch etliche Jahre her. Ich kenne aus damaligen Zeiten auch hier im Forum Menschen, die die hatten, aber das waren oft komplexe Fälle mit vielen Vor-OP's (wäre es bei mir auch gewesen).

    Ich hatte nur eine Umstellungsosteotomie , allerdings auch schon 1990, insofern sind die Erfahrungen sicher nicht mehr auf heute übertragbar, hat sich ja eine Menge getan, gerade hinsichtlich der Nachbehandlung.


    Ich hatte aber damals ( mit 20) schon einen 2.-3.gradigen Knorpelschaden im Aussenbereich (x-Bein), die TEP folgte dann 25 Jahre später.


    Ich habe keinen Vergleich, wie es ohne Umstellung gewesen wäre, aber ich denke schon, dass es das Knie noch mal ein paar Jährchen gerettet hat.


    Lass Dich auf alle Fälle gut von Spezialisten beraten! Alles Gute!

    Ich hatte 2014 eine Trochleaplastik und MPFL-Rekonstruktionen. Seit dieser OP leide ich unter sehr starken Knieschmerzen, wenn ich das ganze Bein ab einem bestimmten Winkel belaste, treppenlaufen fällt mir nicht immer leicht und wenn ich in die Knie gehe überbelaste ich das "gesunde" Bein.

    Liegt das denn an der OP oder an Schäden, wegen denen die OP gemacht wurde? Das muss man eigentlich versuchen zu trennen...

    Das gesunde Bein überlastet man leider recht schnell bei einem kaputten Knie. Ich merke selbst mit meiner TEP, dass ich das gesunde Bein mehr belaste. Was mir erst jetzt mehr auffällt, wo das "gesunde" (auch schon operierte Knie) zunehmend schwächelt.

    Ich hatte Anfang 2014 meine 5. Patellaluxation (2004 mein erstes Lateral Release, immerhin hielt meine Patella ganze 10 Jahre). Zwei Wochen nach der Luxation war es mir möglich völlig schmerzfrei in die Knie zu gehen und Treppenlaufen war auch kein Problem. Ca. 5 Wochen später wurde die Trochleaplastik + MPFL-Rekonstruktion durchgeführt und ein freiliegender Fremdkörper (Knorpelstück) entfernt und das von einem Schweizer Arzt durchgeführt (Ich lebte damals in Norddeutschland und es hieß, dass sich kein deutscher Arzt an diese OP-Methode herantrauen würde). Kurz danach lief ich ca. 10 Wochen mit Krücken (teilweise nur noch mit einer) und hatte 12 Wochen Physiotherapie. Mir sind die Schmerzen, die ich bis vor der OP nie hatte, einige Wochen nach der OP aufgefallen. Ich dachte das müsste erstmal alles ausheilen, immerhin hatte ich eine Trochleadysplasie Typ D und wenn man sich das vorstellt, das Knochensubstanz abgetragen wurde und eine neue Gleitbahn für die Patella geformt wurde, das ist ein enormer Eingriff und braucht seine Zeit. 1,5 Jahre später hatte ich immer noch die selben Schmerzen, mir war es nie möglich mein Knie "alleine" zu belasten.


    Eine Arthroskopie (bei einem völlig anderem Arzt) Ende 2015 hat ergeben das ich unter einer Chondromalazie (Knorpelschaden) 2.-3. Grades leide. Er empfiehl mir Knorpelspritzen oder "halt nicht mehr so tief in die Knie zu gehen" ergo damit zu leben. Ich hatte mich gegen die Spritzen entschieden, weil er sie a) irgendein Mittel teuer verkaufen wollte, den er selbsthergestellt hatte b) diese nur zeitweise Linderung versprachen aber keine Dauerlösung waren.


    Gestern, 4,5 Jahre später, hatte ich meinen langersehnten Termin bei einem angesehenen Kniechirurgen im RheinMain Gebiet (ich habe die Jahre zuvor nicht viel gegen die Schmerzen unternommen, manchmal versucht etwas Muskulatur aufzubauen und ehrlicherweise...einfach mit den Schmerzen gelebt).


    Ich habe ihm ein MRT-Bild nach der Trochleaplastik gezeigt und er hat mich sofort nach dem Namen des Schweizers Arzt gefragt, dieser soll wohl bekannt dafür gewesen zu sein rumzureisen und diese Art von OP durchzuführen.

    Er sagte, er führte selbst in Basel Trochleaplastiken durch und hörte vor 17 Jahren damit auf, weil diese Art von OP viele Risiken und Leiden barg. Er hatte schon einige Patienten die genau die selben Probleme und Schmerzen habe wie ich (bevor ich überhaupt sagen konnte welche Art von Schmerz & in welcher Situation sie auftraten, konnte er sie exakt beschreiben).


    Das Ende vom Lied: Keine OP wird helfen mir die Schmerzen zu nehmen, ich könnte es mit diesen Knorpelspritzen versuchen um die Schmerzen zu minimieren und wenn diese Therapie anschlägt, kann ich sie wiederholen. Er sagte es wäre nicht komplett hoffnungslos, möglicherweise könnte in vielleicht 5 Jahren mein Knorpel von den Bewegungen soweit geglättet sein, dass die Schmerzen erträglicher werden oder gar verschwinden. Aber ist das eine Option? Ich weiß nicht ob ich eine andere Wahl habe. Ich fragte nach einer Knorpel Transplantation.

    Er schüttelte mit dem Kopf und antwortete er möchte mein Knie nicht kaputtoperieren. Ich bin sehr dankbar für seine Ehrlichkeit.

    Ich überlege mir eine Zweitmeinung einzuholen. Es muss doch irgendwie möglich sein, mir operativ diesen Schmerz zu nehmen, dachte ich jahrelang.

    Aber sollte ich wirklich mein Knie zum 4.Mal operieren lassen, falls sich ein Kniechirurg dazu entscheiden sollte? Fragen über Fragen...

    Hallo Vany,


    hmm - diese Knorpelzelltransplantationen sind wirklich gut. Das hat nichts mit Kaputtoperieren zutun.

    Worum geht es denn bei Dir: Retropatellar? Hinter der Kniescheibe?


    Es gibt viele fragwürdige OP's - ua. wohl auch das Lateral Release - aber ganz sicher niemals Knorpelzelltransplantationen.

    Man kann sich wirklich glücklich schätzen, wenn man noch jung genug dafür ist. Ab 50 wird es schwierig, Ärzte zu finden. Aber man sollte kämpfen.


    Retropatellare Schäden liegen ungünstig. Aber auch da wagen sich heute mehr dran.

    Die Anweisungen nach der OP sollte man natürlich ganz genau einhalten. Und wahrscheinlich noch viel länger das Beugen des Knies mit Belastung vermeiden. Mobilisieren - Beugung ohne Druck - muss man das Knie natürlich schon, sonst droht die Versteifung.


    Also: Unbedingt andere Meinungen einholen.

    Bzgl. Knorpelzelltransplantation wäre ich vorsichtig. Zumindest, wenn es sich im Patella-Rückseite und/oder Gleitlager handelt.

    Ich habe es 2x machen lassen, plus 2 Mikrofrakturierungen. Im Rahmen von wissenschaftlichen Studien in echten Top-Zentren; bin dafür aus Norddeutschland bspw. bis nach Freiburg gefahren.

    Ergebnis: 4x gescheitert. Okay, kaputt operiert wurde da nichts; es war schon kaputt und es hat einfach nicht funktioniert. Damals war es mir das wert, zumal ich Studentin war und die vielen Monate mit Orthese und Krücken gut einplanen konnte.

    Fazit heute (der letzte Versuch ist 14 Jahre her): Ich würde es so nicht wieder machen. Und auch die Forscher, Oberärzte etc. haben damals gesagt: Im Bereich Kniescheibe & Gleitlager max. 50% Erfolgsquote. In anderen Bereichen des Knies deutlich besser.


    Kurzum: Wenn man die Zeit für die OP und langwierigen Einschränkungen hinterher hat - warum nicht probieren. Wenn man aber Jobprobleme riskiert, Haushalt/Kinder hat oder oder oder, sollte man es sich sehr gründlich überlegen.

    Es wird sicherlich nichts kaputt operiert, das nichts Irreversibles gemacht wird. Aber es ist i.d.R. eine offene OP mit großem Schnitt, mit Ruhigstellung/Bewegungslimitierung - und bspw. dem Risiko von Verwachsungen (war bei mir der Fall; dauerhaftes Streckdefizit).


    Mir geht es seit knapp 6,5 Jahren gut - dank Kunstgelenk. Denn das war die letzte Option, die nach den gescheiterten Knorpelverfahren blieb. Und erforderlich wurde, da der Knochen dank der starken Arthrose nekrotisierte und ich nicht mehr viel Wahl hatte.