Abbruch der Psychoanalyse mit verstörendem Ausgang

    Hallo!


    Gerne würde ich über meine Erfahrungen berichten.


    Ich habe vor Kurzem entschieden, meine Psychoanalyse abzubrechen (die ich seit ca. 2 Jahren nun gemacht habe, anfangs 3x die Woche und dann 2x die Woche).


    Gründe waren u.a., dass ich mich bei meiner Analytikerin nicht mehr wohl gefühlt habe und sie auch teilweise sehr abwertend über andere Therapieformen oder andere Lebensmodelle/Menschen gesprochen hat. Oft betonte sie auch, dass nur eine Psychoanalyse mir helfen könnte und ansonsten gar nichts. Ich fühle mich sehr unter Druck gesetzt. Ich fühle mich heute schlechter als vor Beginn der Psychoanalyse.


    Nachdem ich in den letzten Monaten eine Depression bekam (u.a. nach einer Stunde bei ihr und danach war Sommerpause) und mich psychiatrisch habe behandeln lassen, entschied ich mich für eine Verhaltenstherapie.


    Ich sprach ihr auf den AB, dass ich die nächste Stunde gerne als Abschluss-Stunde verwenden würde. Als ich dann ankam, meinte sie, sie hätte keine AB-Nachricht erhalten. Nun gut. Ich teilte ihr dann in der Stunde mit, dass ich die Therapie abbrechen möchte und aktuell Antidepressiva nehme + eine VT beginnen möchte.


    Ihre Reaktion war total krass...sie meinte, ich würde mich der Pharmaindustrie verschrieben haben und dass ich mich total abhängig mache und so weiter. Ebenfalls meinte sie, dass eine VT mir niemals helfen wird und ich mir hier was vormachen würde. Nur die Analyse hätte mir geholfen...


    Ich war total baff. Dann meinte sie, ihre Deutung wäre: Sie hätte mich in der Sommerpause alleine gelassen und ich würde meine Mutter in ihr sehen und dafür will ich sie jetzt bestrafen. ??? Dann meinte ich daraufhin, dass ich die Gedanken an einen Abbruch schon viel früher hatte (was auch stimmte). Daraufhin meinte sie, wir sollten die Stunde wohl beenden - ich saß gerade mal 20 Minuten drin. Sie rechnete die Stunde über meine Karte ab und dann ging ich.


    Hat jdm. von euch schon mal so komische Erfahrungen gesammelt?


    Mich hat das ziemlich schockiert, aber in meiner Entscheidung bekräftigt.


    LG

  • 48 Antworten

    Puh.. kann man die Dame nicht irgendeiner offiziellen Stelle (Therapeutenkammer oder sowas in der Art) melden? Das bestätigt ja die schlimmsten Ahnungen und Gerüchte, die man über Psychoanalytiker so hört..

    Mich würde halt interessieren, ob jdm. anderes schon ähnliche Erfahrungen gesammelt hat bei einem Psychoanalytiker...8-( War auch total baff...und bin es bis jetzt.

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    Da kommt jemand leider nicht aus der therapeutischen Analytiker-Rolle.

    Ich würde den Fall tatsächlich auch der Psychotherapeutenkammer melden. Derartige Abwertungen anderer Therapierichtungen: Naja. "Abhängigkeit Pharmaindustrie" geht aber gar nicht.

    Und letztlich bist Du ein mündiger Patient, der frei ist in seiner Behandlungswahl. Wenn es DIR nicht gefällt und nicht weiterhilft, dann darf man auch wechseln.

    Sunflower_73 schrieb:

    Und letztlich bist Du ein mündiger Patient, der frei ist in seiner Behandlungswahl. Wenn es DIR nicht gefällt und nicht weiterhilft, dann darf man auch wechseln.

    Genau. Letztlich hat es mich einfach nur noch mehr bekräftigt, dass ich ihr nicht mehr vertrauen kann und nicht mehr vertrauen will. Mir hat die Therapie einfach nicht mehr gut getan und deswegen bin ich gegangen.

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    Ich hatte 2011 mal zwei probatorische Sitzungen bei einem Psychoanalytiker, ca. 80 Jahre (ja, er war schon hoch betagt), Ausbilder, ein wandfüllendes Fach-Bücherregal im Zimmer, Raucher.

    Eine seiner Aussagen, die mir sauer aufgestoßen ist: "Die meisten Psychotherapeuten sind Narzissten."

    Da wusste ich: "Guter Mann, das ist nicht mein Platz, hier bei dir."

    Und gerade das Rauchen ging für mich überhaupt nicht. Als er mit seiner Therapie ansetzen wollte, in der Zeit als ich noch als Fötus im Bauch meiner Mutter war und meine ersten 2 Lebensjahre (ich war damals 33 und hatte Liebeskummer, der zur depressiven Episode wurde), machte sein Konzept irgendwie nicht vielversprechender. Ok, während der probatorischen Sitzungen ist aber auch die Trennung wieder leichter.


    An ErdeundMond_1986: ich rate dir, erstmal bisschen Abstand zu gewinnen und nicht so empfindlich zu sein. Ich sehe es so, dass ihr euch beide den Abschied da nicht leicht gemacht habt. Das geht sicherlich kompetenter - von beiden Seiten. Bei dir ohne Arnrufbeantworter, sondern z.B. frühzeitiger im direkten Gespräche, z.B als "Ich wünsche mir ein Ausphasen der Psychoanalyse über die nächsten Wochen", samt einer Begründung dazu. Dann kann die Frau auch planen. Und die Geschichte geht insgesamt etwas smoother.


    Aber so Meldungen an die Kammer sollten echten Problemen vorbehalten sein. Körperlichen Übergriffen, Beschimpfungen, verbalen Attacken oder Komplettausfällen.

    Die Sachen oben sehe ich alles irgendwie im Rahmen der individuellen Meinungsfreiheit und eben manchmal bisschen psychisch anspruchsvoller, aber keiner sagt, dass Therapie oder Analyse immer nur Wohlfühlcharakter hätte.


    Ich würde sagen, dass du derzeit wieder etwas dünnhäutiger und empfindlicher sein könntest, und daher findest du die Aussagen vielleicht "total krass". Aber total krass ist was anderes.


    Zitat

    Genau. Letztlich hat es mich einfach nur noch mehr bekräftigt, dass ich ihr nicht mehr vertrauen kann und nicht mehr vertrauen will. Mir hat die Therapie einfach nicht mehr gut getan und deswegen bin ich gegangen.Und eines hat die Psychoanalytikerin mit ihren Worten kompetent gemacht: dir den Abschied von ihr erleichtert.

    o:);-D


    Psychoanalytiker - genau wie Psychotherapeuten - müssen kompetent darin sein, dass ein Patient am Anfang Vertrauen findet und sich öffnet. Und sie müssen kompentent darin sein, dass der gleiche Patient später auch den Absprung wieder schafft, das Vertrauen ein Stückweit verliert, sich wieder emotional verschließt, und sein Leben selbst gestaltet.


    Und in dem Sinne lief es eigentlich gut zwischen euch beiden. ]:D

    DarkerShark schrieb:

    Und in dem Sinne lief es eigentlich gut zwischen euch beiden.

    Sehe ich nicht so. In meinen Augen ist das Verhalten der Analytikerin schlicht unprofessionell. Selbst wenn der Patient den Affen macht, dann bleibt es Aufgabe des Analytikers/Therapeuten professionell darauf zu reagieren, das gehört mMn zu seinem Job, andernfalls ist er/sie für mich ungeeigent.

    Ich halte das Verhalten auch für unprofessionell. Die Meldung bei der Kammer wird nicht viel bewirken außer einer Nachfrage/Bitte um Stellungnahme des Therapeuten. Aber da kann dann vielleicht mal jemand eine Runde nachdenken über seine Haltung.

    Gerade die "Pharma-Abhängigkeit" sollte man sich in Corona-Zeiten sorgfältig überlegen.


    Und "Ausphasen", wenn jemand sich nicht mehr wohl fühlt: Wozu? Allerdings muss ggf. das Kleingedruckte gelesen werden, falls es einen Therapievertrag mit der Praxis gibt. Denn Analytiker sehen wenige Klienten sehr oft, d.h. ein Wegfall reißt eine Lücke. Da sichern die die Praxen unterschiedlich ab und ggf. könnte auch ein Passus im Vertrag Anlass sein, mit der Kammer Rücksprache zu halten. Längst nicht alles, was in Therapieverträgen steht, ist rechtens.


    Und es gibt eine ethisch-moralische Verpflichtung, einen Patienten neutral bzgl. Wahl der Therapieform zu beraten. Leider gibt es bei Analytikern die Häufung, nicht neutral zu sein, sondern v.a. gegen die VT zu wettern. Während andere Analytiker fähig sind zu erkennen, dass die Bedürfnisse eines Patienten gerade andere sind. VT vs. Analyse, da liegt doch eine Spanne zwischen. Deuten und Vergangenheit vs. Hier und Jetzt und praktische Umsetzung.

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    "Aber so Meldungen an die Kammer sollten echten Problemen vorbehalten sein. Körperlichen Übergriffen, Beschimpfungen, verbalen Attacken oder Komplettausfällen.

    Die Sachen oben sehe ich alles irgendwie im Rahmen der individuellen Meinungsfreiheit und eben manchmal bisschen psychisch anspruchsvoller, aber keiner sagt, dass Therapie oder Analyse immer nur Wohlfühlcharakter hätte."


    Nein, wenn ein Arzt pfuscht hat man das zu melden, wenn ein Psychoanalytiker pfuscht ebenfalls.


    Persönliche Meinung hat in der Psychoanalyse nichts verloren, eine Stunde abzurechnen ohne diese gehabt zu haben auch nicht. Das ist nicht nur unprofessionell sondern ein "über den Tisch ziehen".

    allein der Bericht war für mich schon verstörend. Ich kann mich glücklich schätzen, dass mir bisher solche Erfahrungen erspart blieben, aber ich hatte bisher noch keine direkte Berührung mit Psychoanalyse... Aber die Abwertung anderer Menschen / Lebensmodelle und anderer Therapieformen, insbesondere in der Position als "Therapeut" ist für mich nicht nur menschlich gesehen fragwürdig, sondern schlicht und ergreifend unprofessionell.

    Ui, das mit der Abrechnung habe ich übersehen.


    WENN eine volle Stunde Analyse abgerechnet wurde, ist das Abrechnungsbetrug. "Mind. 50 Min. Dauer" ist die Vorgabe. Es kann aber sein, dass die sog. Gesprächsziffer abgerechnet wurde. Das sind 10 Minuten-Einheiten; max. 15 pro Quartal sind möglich. Unbegrenzt, nicht genehmigungspflichtig. Ich rechne die bspw. ab, wenn ein Pt. zu spät kommt und die 50 Min. nicht mehr schaffbar sind. Kann problematisch sein, wenn man es in der lfd. Behandlung öfter macht, weil die Kassen vermuten, dass man so das begrenzte Kontingent "aufstocken" will. Aber auf 50 Min. gesehen bringen die Gesprächsziffern nur die Hälfte des Einkommens; sind also nicht sonderlich reizvoll.

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    Sunflower_73 schrieb:

    Ui, das mit der Abrechnung habe ich übersehen.


    WENN eine volle Stunde Analyse abgerechnet wurde, ist das Abrechnungsbetrug. "Mind. 50 Min. Dauer" ist die Vorgabe. Es kann aber sein, dass die sog. Gesprächsziffer abgerechnet wurde. Das sind 10 Minuten-Einheiten; max. 15 pro Quartal sind möglich. Unbegrenzt, nicht genehmigungspflichtig. Ich rechne die bspw. ab, wenn ein Pt. zu spät kommt und die 50 Min. nicht mehr schaffbar sind. Kann problematisch sein, wenn man es in der lfd. Behandlung öfter macht, weil die Kassen vermuten, dass man so das begrenzte Kontingent "aufstocken" will. Aber auf 50 Min. gesehen bringen die Gesprächsziffern nur die Hälfte des Einkommens; sind also nicht sonderlich reizvoll.

    Ich weiß nicht genau, wie sie die Stunde abgerechnet hat, aber sie hat meine Karte eingelesen und meinte nach ca. 20 Minuten Gespräch, dass wir die Stunde abbrechen sollten, weil es nichts mehr bringt...8-(

    Sunflower_73 schrieb:

    Warst Du denn das erste Mal im Quartal da, dass die Karte erst jetzt eingelesen wurde?

    Ja, davor war ja die große Sommerpause...

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