@ Dé.liée

    Könntest du nicht die Woche über immer zu einer bestimmten Zeit ein(e Art von) Tagebuch führen und das immer Sonntags hier einstellen? Das wäre dann dein tägliches Minimum, etwas, an das du dich, komme was wolle, halten musst? Unter der Woche wärst du dann auf Forumentzug aber mit der Aussicht, das Forum trotzdem irgendwie teilhaben zu lassen? Vielleicht würde sich die Moderation darauf einlassen? Im Tagebuch könntest du z.B. ganz nüchtern eine Tabelle führen, in die du auf einer Skala von 1-10 die Intensität verschiedenster Gefühle einträgst. Zum Wochenende könntest du dann rekapitulieren, ob und wenn warum es irgendwo starke Schwankungen gab.


    Warte, bevor du mich gleich gandenlos abbügelst ( ;-D ) denk darüber nach. Das muss gar nicht zwingend der übliche Teenie-Kitsch ala "Liebes Tagebuch, heute habe ich..." sein. Eher wie ein Journal, eine Studie. Also eher trocken. Würde dir das als angehende Akademikerin nicht eher liegen? Und selbst, wenn du dir das nicht vorstellen kannst, könntest du dich trotzdem dazu "zwingen", dich darauf einlassen? Oder ist das ein absolutes No-Go.


    Übrigens ist das etwas, was mir meine Therapeutin auch vorgeschlagen hat. Ich finde die Idee (für mich) auch Banane. Ich habe mindestens tausend Mal ein Tagebuch begonnen und niemals auch nur den ersten Tag fertig gebracht. |-o ;-D


    Und falls du dich darauf einlassen kannst, dich dazu "zwingen" kannst, könntest du deinem Minimum-Tagesziel einen weiteren Punkt hinzufügen. Vielleicht etwas malen oder Klavier spielen? Und wenn es nur 10 Minuten sind, Hauptsache du kannst dich überwinden und das einhalten.


    Dir kommt das als Borderlinerin sicherlich bekannt vor. Ich will dir da gar nichts vormachen. Das ein ziemlich typischer Therapiebestandteil, aber ich glaube wirklich, du solltest das nochmal versuchen, zur Not mit Minimalanforderung und im Minutenbereich. Ich glaube wirklich, dass dir, dass uns, das helfen könnte.


    Sag nicht gleich nein, denk zumindest darüber nach.

    Zitat

    Ich hab momentan einfach absolut keinen Bezug zu meinen Gefühlen. Ich bin komplett abgestumpft, total im Funktionieren-Modus. Also eigentlich lenke ich mich wohl ziemlich ab.


    Wenn ich nicht mehr schreibe, setze ich mich mit mir auch einfach nicht mehr auseinander?

    Ablenken finde ich gar nicht so verkehrt. Ich drück dir die Daumen für deine Uniprüfungen und was da alles demnächst ansteht. Du schaffst das. Ohren steif und Kopf hoch halten. @:) :-)

    Vanilla

    Zitat

    Ich glaube es ist aber auch gut sich nicht 7 Tage die Woche 24 Stunden sich mit seinen Gefühlen /Ängsten etc. auseinanderzusetzen, manchmal ist es Auch gut sich abzulenken, sich auf anderes zu konzentrieren, um auch noch was vom Leben mitzubekommen.

    Nö, glaube ich auch nicht. Ich kenne aber nur die Extreme: entweder komplett drin- und durchhängen oder den Bezug zu mir vollends verlieren, so wie gerade. Das Einzige, was ich mir neben Unikram erlaube ist momentan Sport als Ausgleich zum vielen Sitzen.


    Aber gerade ists wohl wirklich gut, dass ich funktioniere. Sonst wäre mein Pensum gar nicht schaffbar.


    Nurarihyon, an sich finde ich die Idee nicht schlecht, aber vielleicht gibt es hier momentan tatsächlich nichts mehr zu sagen?


    Gut, bald gehts ja sowieso in die Klinik und da werde ich mich zwischendrin schon melden, aber halt nicht mehr täglich. Da wäre vielleicht so ein Wochenbericht nicht schlecht, fällt mir gerade ein.


    Aber das dient ja dann eigentlich hauptsächlich dazu, ein Feedback zu geben oder wenn in der Klinik mal wirklich was ist, was gar nicht klappt und ich da Hilfe brauche, um das dort überhaupt anzusprechen. So war es zumindest die letzten Male ;-) .


    Wobei ich diesmal dort richtiges Internet habe und einen Laptop, nicht wie sonst nur mein Handy. Arbeite da ja weiter parallel an Unisachen, deshalb brauche ichs, aber damit geht natürlich auch die Nutzung zum Vergnügen einher ;-D .

    Zitat

    Und falls du dich darauf einlassen kannst, dich dazu "zwingen" kannst, könntest du deinem Minimum-Tagesziel einen weiteren Punkt hinzufügen. Vielleicht etwas malen oder Klavier spielen? Und wenn es nur 10 Minuten sind, Hauptsache du kannst dich überwinden und das einhalten.

    Momentan bin ich einfach total ausgelastet, weil ich noch so viel Unikram wie möglich schaffen will. Und mir bleibt da auch nicht mehr viel Zeit, weil ich ab bald dauerhaft unterwegs bin, also wirklich dauerhaft. Effektiv Zuhause bin ich noch 2 ganze Tage und 3 halbe Tage. Die restlichen Tage bin ich entweder bei anderen oder so lange in öffentlichen Verkehrsmitteln, dass man das nicht mal mehr als halbe Tage zählen kann ;-) .


    Wird ganz schön stressig die nächste Zeit, auch mit Packen, Umpacken und Waschen.


    katiafox

    Zitat

    Ich drück dir die Daumen für deine Uniprüfungen und was da alles demnächst ansteht. Du schaffst das. Ohren steif und Kopf hoch halten. @:) :-)

    Danke schön! Sind ja zum Glück vorerst nur Hausarbeiten, die Klausur ist noch in fernerer Zukunft (was aber nicht heißt, dass sie mir noch trotzdem schon im Kopf rumschwirrt).

    @ :)

    Dé.liée

    Zitat

    Aber das dient ja dann eigentlich hauptsächlich dazu, ein Feedback zu geben oder wenn in der Klinik mal wirklich was ist, was gar nicht klappt und ich da Hilfe brauche, um das dort überhaupt anzusprechen.

    Hier muß ich mal eingreifen.


    Das sehe ich äußerst kritisch, denn genau das würde ja fast noch mehr gegen den Sinn der Auflage verstossen als bisher.


    Ich habe das Gespräch der letzten Tage zugelassen, denn ich finde es noch im Rahmen, dass Du hier vor Deinem Aufenthalt noch über die Klinik sprichst. Soweit so gut.


    Doch während Deiner Therapie die Du dort machst hier einen Rettungsanker/eine Flucht zu suchen wenn Du innerhalb der Therapie nicht weiterkommst und dies dort nicht ansprechen magst - es geht kaum destruktiver bezüglich möglicher Therapieerfolge.


    Mein Vorschlag: Ich werde ab dem Zeitpunkt an dem Du in die Klinik gehst diesen Faden hier bis auf Weiteres schließen.

    Zitat

    Doch während Deiner Therapie die Du dort machst hier einen Rettungsanker/eine Flucht zu suchen wenn Du innerhalb der Therapie nicht weiterkommst und dies dort nicht ansprechen magst - es geht kaum destruktiver bezüglich möglicher Therapieerfolge.

    Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, das kam falsch rüber?


    Das bezog sich nicht auf ein **anstatt*, sondern zusätzlich. Beim letzten Aufenthalt hat das ja eigentlich ganz gut funktioniert, da gab es ein Problem, was ich dort noch nicht ansprechen konnte und hier habe ich Möglichkeiten aufgezeigt bekommen, wie es eben doch gehen könnte. So hatte ich das gemeint.


    Wenn man manchmal zu sehr im Klinikalltag steckt, dann tut es auch mal unheimlich gut, da auszubrechen. Andere machen das, indem sie nach Hause fahren über Tag oder Kontakt zu ihren Freunden haben, ich habe das aber nicht, weil ich dort weder wohne, noch jemanden außerhalb des Klinikkontexts kenne.

    Zitat

    Das bezog sich nicht auf ein **anstatt*, sondern zusätzlich.

    Das habe ich durchaus verstanden.


    Aber wir hatten uns ja soweit geeinigt, dass das Thema Deiner Problematik an sich hier vorerst tabu ist. Dazu gehört natürlich auch (oder in diesem Falle erst recht) das was Du unter "zusätzlich" verstehst, völlig irrelevant ob das vor der Therapie oder während dessen stattfindet.


    Ausnahme waren bisher lediglich Gespräche über die Klinik an sich. Du bekommst sogar den Raum, Dir für die Zeit bis dahin hier eingeschränkt noch etwas Unterstützung zu holen.

    Zitat

    Wenn man manchmal zu sehr im Klinikalltag steckt, dann tut es auch mal unheimlich gut, da auszubrechen. Andere machen das, indem sie nach Hause fahren über Tag oder Kontakt zu ihren Freunden haben, ich habe das aber nicht, weil ich dort weder wohne, noch jemanden außerhalb des Klinikkontexts kenne.

    Ich glaube kaum, dass dort "alle Anderen" ständig nach Hause fahren oder Kontakte haben, die der Therapie kontraproduktiv entgegenstehen.


    In Deinem Falle ist das vergleichbar, als wenn ein Suchtkranker während des Entzugs und anschließend dazu gehöriger Therapie seiner Sucht weiterhin nachkommt.


    Grob umrissen ist es doch so, dass Du diese Therapie machst, damit Du lernst erst mal alleine mit Deinen Gefühlen klar zu kommen, sie auf für Dich gesunde Weise aushalten sowie auch ordnen zu können.


    Du selbst hast sehr deutlich dargestellt, dass Du genau das bisher nicht wirklich lernen mußtest, weil Du diesen Faden hattest (zumindest bezüglich der Zeit die Du hier bist, ich weiß nicht welches Sicherheitsnetz Du vorher hattest).


    Es würde mir sehr leid tun, wenn ich den Faden ohne Dein Einverständnis, Deine Mitarbeit, schließen müßte.

    Klar, aber das ist genau der Punkt. Da fehlt eine Außenperspektive, ich will auch mal gefühlt nicht in der Klinik sein, mich mit anderen austauschen, die eben nicht in alles involviert sind und ja, da stimme ich Isabell zu, flüchten. Aber ist das so verwerflich?


    Letztendlich werde ich natürlich die Handlung der Moderation akzeptieren, aber ich wollte das wenigstens richtig stellen und meine Intention erklären. Aber ich fang hier keine "Ja, aber"-Diskussion an, sondern respektiere wohl, was weiter passiert...

    Das hat sich jetzt überschnitten:

    Zitat

    Ich glaube kaum, dass dort "alle Anderen" ständig nach Hause fahren oder Kontakte haben, die der Therapie kontraproduktiv entgegenstehen.

    Kontraproduktiv nicht, ne, aber halt Freunde und Familie, die am Wochenende besucht werden. Bemängeln die Therapeuten auch, dass sich viele am Wochenende zurückziehen und die Klinik dann wie ausgestorben ist, aber kann halt nicht verhindert werden, denn wir sind ja freie Menschen.


    Ich zog mich bisher immer in den Wald zurück oder war ganz selten mal in der Stadt. Diesmal kann ich wenigstens für die Uni lernen, aber es fehlt der normale Kontakt. Jaja, ich kann ja Freunde anrufen oder so.


    Ich geb zu, mir gehts unheimlich auf den Wecker ständig von kranken Menschen umgeben zu sein, ich dreh da durch. Ich hatte das Spiel jetzt 9 Monate lang, ständig ist irgendein Problem Thema und man kennt halt auch zuerst die Probleme des Menschen, dann die Person selbst - wenn überhaupt. Eigentlich bin ich überhaupt noch gar nicht bereit, wieder in die Klinik zu gehen und das wird mir mit jedem Tag bewusster, weil der Widerwillen stetig wächst. Ja, auch deshalb hänge ich hieran so sehr.


    Mir ist aber schon klar, dass das hier auch nicht Normalität ist, aber es ist ein Blick raus aus diesem Klinikgefüge, bloß halt noch nicht ganz zu meinen realen Kontakten.

    Zitat

    Es würde mir sehr leid tun, wenn ich den Faden ohne Dein Einverständnis, Deine Mitarbeit, schließen müßte.

    Naja, dass ich alles andere als glücklich bin ist wohl klar. Da geht es primär gar nicht mehr darum, jeden Tag was schreiben zu wollen (davon bin ich jetzt sowieso weg, weil ich mittlerweile Angst habe, dass mich jemand erkennen könnte, weil da zu viele private Informationen drin waren), sondern zu wissen, dass jemand da ist. Und dass jemand an mich glaubt, wenn ich es nicht mehr tue und alles hinschmeißen will, weil sowieso alles sinnlos ist.


    Meine Freunde tun das bis auf ganz wenige Ausnahmen nicht. Die melden sich nicht, 2012 haben es zumindest ein paar geschafft, zu meinem Geburtstag was zu schreiben (aus dem ich mir eigentlich nicht viel mache, aber zumindest DA wäre ein Tag, mal dran zu denken, dass am anderen Ende von Deutschland jemand sitzt, mit dem man eigentlich befreundet ist - höchstwahrscheinlich habe ich das Vergnügen dieses Jahr gleich wieder). Ich hab Angst, da unten einsam zu sein. Ich bin da nie allein, nein, im Gegenteil, aber einsam ganz schön oft.

    Zitat

    Inwiefern einen Meter weiter? Vorwärts oder rückwärts?

    Weder noch. Es geht wohl eher noch eine Stunde länger, nämlich im Kreis drehend, noch ein wenig aushaltend, weil du hier Druck lassen konntest. Druck ablassen, weiter kreiseln, wieder Schnauze voll haben, Druck ablassen, weiter kreiseln. Du weichst dem Leidensdruck aus, auch wenn das in deinen Ohren wie Hohn klingen muss, weil du wirklich fies gelitten hast. Aber es war noch nicht genug den Mut der Verzweiflung zufinden um einfach blind in eine andere Richtung zu rennen.

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    Aber in der Klinik sind doch auch Patienten. Solche, die dich vielleicht besser verstehen als einige hier, weil deine Mitpatienten ähnliche Probleme haben. Da wäre es doch sinnvoller, sich mit diesen auszutauschen, oder?

    Also ich kann viele Einwände nachvollziehen und ich hab mich selbst ja schon vor Wochen und auch vor der Moderatorentscheidung begonnen hier zurückzuziehen und mich immer wieder gefragt, ob es gut ist, dass ich hier so viel schreibe, sowohl für mich als auch für Dé.liée (ich weiß nicht, wie es den anderen geht, ich bin hier ja nicht die Einzige, die sich beteiligt hat).


    Ich bin selbst absolut der Meinung, dass vielleicht einfach zu viele Leute herumgedoktert haben, helfen wollten, aber dass es irgendwann wirklich nicht mehr hilfreich war, was hier alles thematisiert wurde und dass Dé.liée wohl wirklich besser in Fachhänden aufgehoben ist und dieses Forum keine Hilfe bieten kann.


    Aber dass sich kranke Menschen nur mit anderen kranken Menschen austauschen sollten, die die gleichen Probleme haben, halte ich wirklich für ein wenig überzeugendes Argument und ich kann den Wunsch da ausbrechen zu wollen total verstehen, bzw. finde ihn eigentlich sehr gesund. Abgesehen davon, dass ich es nicht ausschließe, dass sich Menschen mit den absolut gleichen Problematiken u.U. gegenseitig runterziehen oder sich in schlechten Verhaltensweisen bestärken könnten, etc.pp.


    Ich werd mich hier weiter zurückhalten, aber mal hier und da eine Rückmeldung bekommen, wie es geht und was sich so tut, sollte wohl drin sein, sofern Dé.liée das selbst möchte.

    Mag sein das es wichtig ist sich auch mit gesunden auszutauschen, aber wichtig in meinen Augen ist es das es endlich Menschen im realen Leben werden.


    Und wenn in der Klinik der Punkt erreicht ist das du nicht weiter weißt und du dich hier her flüchten möchtest und nicht kannst...dann wird irgendwann der Leidensdrucks so stark das du hoffentlich in der Lage bist doch vor Ort zu reden und um Hilfe zu bitten.


    Und all das wird dich weiterbringen... das wünsche ich dir zumindest :)*

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    Aber dass sich kranke Menschen nur mit anderen kranken Menschen austauschen sollten, die die gleichen Probleme haben, halte ich wirklich für ein wenig überzeugendes Argument und ich kann den Wunsch da ausbrechen zu wollen total verstehen, bzw. finde ihn eigentlich sehr gesund. Abgesehen davon, dass ich es nicht ausschließe, dass sich Menschen mit den absolut gleichen Problematiken u.U. gegenseitig runterziehen oder sich in schlechten Verhaltensweisen bestärken könnten, etc.pp.

    Als Mensch, der sowohl auf offenen, als auch auf "geschützten" Stationen untegebracht war, kann ich das nur bestätigen. Die überwiegende Mehrheit der Patienten, die ich kennengelernt habe, war ausschließlich um sich selbst zentriert. Ein "normales" Gespräch war schlicht unmöglich. Und wenn man zu denen gehört, die schlechte Stimmungen aufsaugen wie ein scharzes Loch, dann vermiest einem das recht schnell die vergleichsweise guten Tage. Klar gehört es dazu, sich abgrenzen zu lernen. Von Foren, Verhaltensweisen, einzelnen Personen in der Realität. Solange das aber nicht geschehen ist, wird man in einer Klinik sehr schnell runter gezogen.


    Andererseits, wenn außerhalb der Klinik alles scheiße ist, und in der Klinik auch, dann lieber der Klinik einen weiteren Versuch zugestehen.


    Ich selbst werde demnächst auch einen neuen Versuch starten, meinen Alltag zumindest ein Stück weit zu organisieren.